Musiktherapie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Die Musiktherapie nutzt die heilende Wirkung von Musik, um unterschiedlichste Beschwerden körperlicher und seelischer Natur zu lindern und zu heilen. Es handelt sich bei jeder Form der Musiktherapie um eine praxisorientierte wissenschaftliche Disziplin.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Musiktherapie?

Mit dem gezielten Einsatz von Musik, sei es Instrumentalmusik, Gesang oder andere Formen der musikalischen Darbietung, soll die geistige, körperliche und seelische Gesundheit unterstützt, gefördert, erhalten und bestenfalls ganz wiederhergestellt werden. Dass Musik in all ihren Facetten heilende Wirkung haben kann, gilt heute als unbestritten.

Als unmittelbar an Mensch und Tier angewandte Therapieform ist Musiktherapie stets praxisorientiert, aber eng an wissenschaftliche Maßstäbe angelegt. Es besteht naturgemäß eine enge Wechselwirkung zwischen Musiktherapie und anderen wissenschaftlichen Disziplinen, beispielsweise zur Medizin, Psychologie oder Pädagogik. Musiktherapie ist nur ein Sammelbegriff, ein Oberbegriff für die verschiedenen musiktherapeutischen Konzepte, die im Laufe vieler Jahrhunderte entwickelt wurden.

Ihrem Wesen nach lässt sich Musiktherapie am ehesten als eine Form der Psychotherapie bezeichnen, weil sie direkt auf die Stimmungslage eines Patienten wirkt. Die Musiktherapie wird bei Kinder und Erwachsenen gleichermaßen mit beachtlichen Erfolgen angewandt. Dabei ist es für den Erfolg einer Musiktherapie nicht wesentlich, ob ein Patient musikalisch veranlagt ist oder nicht. Musiktherapie als eigene Studienrichtung an deutschen Universitäten gibt es erst seit Mitte der 1970er Jahre.

Neben den Vollstudiengängen an Fachhochschulen mit den Möglichkeiten von Bachelor und Masterabschluss als Musiktherapeut können auch berufsbegleitende Studiengänge belegt werden. Viele Diplom-Musiktherapeuten, klinisch oder in eigener Praxis tätig, haben sich auf die Fachrichtungen innerhalb der Musiktherapie spezialisiert.

Funktion, Wirkung & Ziele

Obwohl die Musiktherapie als eigener Wissenschaftszweig noch recht jung ist, liegen die Anfänge dieser Therapieform bereits länger zurück. Die Erkenntnisse aus dieser Empirie haben fast alle Eingang gefunden in die heutige professionelle Anwendung der Musiktherapie. Unbewusst wurde Musik von allen Völkern stets als Heilritual in die Behandlung mit eingebunden. Musik ruft Erinnerungen hervor und wirkt unmittelbar auf Stimmungen und Gefühlslagen.

Durch den erleichterten Zugang zum Unterbewusstsein können heilende Prozesse auf einer tiefenpsychologischen Ebene initiiert werden. Die Wirkungen gehen dabei weit über die von Placebo hinaus, das konnte in mehreren randomisierten Studien zweifelsfrei belegt werden. Immerhin war Musik bis ins 19.Jahrhundert hinein fester Bestandteil innerhalb der medizinischen Behandlungen. Danach ging ihre Bedeutung in Europa weitgehend verloren und fand erst wieder nach Ende des 2.Weltkrieges Beachtung, dann unter dem Namen Musiktherapie.

Die professionelle medizinische Anwendung der Musiktherapie geschieht heute als integratives Konzept im Rahmen einer multimodalen Therapie. In der Psychiatrie, Neurologie, Geriatrie oder Pädiatrie wird Musiktherapie also nie als einzige Therapie eingesetzt, sondern immer nur eingebettet in ein Therapiekonzept aus unterschiedlichen Behandlungsmethoden. Die Musiktherapie ist dabei allerdings den anderen Therapieformen ebenbürtig und wird nicht nur als Ergänzung derer verstanden.

Mit dem gezielten Einsatz von Musik, sei es Instrumentalmusik, Gesang oder andere Formen der musikalischen Darbietung, soll die geistige, körperliche und seelische Gesundheit unterstützt, gefördert, erhalten und bestenfalls ganz wiederhergestellt werden.

Musiktherapeutische Sitzungen können für alle Altersklassen von Menschen in Einzel- oder Gruppentherapien angeboten werden. Innerhalb eines voll- oder teilstationären Klinikaufenthaltes wird Musiktherapie, besonders in der Kinderheilkunde, als eigenständige Therapieform angeboten. In der ambulanten Versorgung wird Musiktherapie in den Praxen von niedergelassenen Musiktherapeuten oder sozialpädagogischen Zentren angeboten. Musiktherapie hat auch Eingang in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gefunden. Kassenpatienten können die Musiktherapie also auch nach einer Rezeptverordnung durch den behandelnden Arzt in mehreren Therapiesitzungen in Anspruch nehmen.

Besonders beeindruckende Behandlungserfolge sind bei Kindern zu verzeichnen, da sie noch einen unbekümmerten, unbefangenen und leichten Zugang zu jeder Form von Musik haben. Kinder kümmert es wenig, ob Töne falsch sind oder nicht im Takt getrommelt wird. Es ist bekannt, dass Musik in Kindern einen natürlichen Bewegungsdrang auslöst. Genau diesen Umstand macht sich die Musiktherapie bei Entwicklungsverzögerungen, Aggressionen, Autismus oder Sprachproblemen zu Nutze. Bei Erwachsenen liegen die Behandlungsschwerpunkte der Musiktherapie beispielsweise bei der besseren Bewältigung chronischer Schmerzsyndrome oder physischer oder psychischer Traumata.

In der Onkologie dienen musiktherapeutische Sitzungen dem Stressabbau nach Chemo- und Strahlentherapie. Auch bei der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten ist die Musiktherapie unverzichtbar geworden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Musiktherapie birgt naturgemäß nur wenig Potential für Risiken oder Nebenwirkungen. Sollte ein Therapieversuch scheitern, dann ändert der Musiktherapeut das Behandlungskonzept und setzt andere Gesänge, Töne und Stilrichtungen der Musik ein. Dabei werden auch persönliche Präferenzen der Patienten berücksichtigt.

Oft ist auch eine Kombination aus Instrumentenspiel und Gesang erforderlich, um einen Therapieerfolg zu erzielen, der sich selten bereits nach der ersten Sitzung einstellt. Patienten müssen also bis zur Linderung ihrer Beschwerden durchaus Geduld mitbringen. Schon in der ersten Sitzung wird ein Patient bemerken, ob das für ihn gewählte musiktherapeutische Konzept insgesamt stimmig ist oder nicht.

Durch die Wirkung der Musik auf das Unterbewusstsein kann es während der Therapiesitzungen zu starken Gefühlsschwankungen und Gefühlsausbrüchen kommen, die vom Therapeuten sehr genau beobachtet werden müssen. Mitunter kann es dann sogar erforderlich sein die Therapie, zumindest vorerst, abzubrechen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen. Die sogenannte qualitative Forschungsmethodik ist bei der Musiktherapie im direkten Vergleich zu anderen Wissenschaften relativ erschwert. Dies liegt an den unterschiedlichen Reaktionen jedes Individuums auf die Musiktherapie. Mit sogenannten kunstanalogen Herangehensweisen wird dennoch versucht, Prozessabläufe in der Musiktherapie zu standardisieren.

Bücher über Psychotherapie

Quellen

  • Möller. H.-J., Laux, G., Deister, A., Braun-Scharm, H., Schulte-Körne, G.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Möller, H.-J.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Reinhardt, D., Nicolai, T., Zimmer, K.-P.:Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. Springer, Berlin Heidelberg 2014

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