Palpitation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2017
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Als Palpitation wird ein vom Betroffenen wahrnehmbares, als ungewöhnlich und meist unangenehm empfundenes Herzklopfen bezeichnet. Es kann sowohl psychische als auch körperliche Ursachen haben. Palpitationen können, obwohl häufig ungefährlich, in manchen Fällen lebensbedrohliche Ausmaße annehmen oder das Symptom einer schweren, lebensbedrohlichen Krankheit sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Palpitation?

Als Palpitationen werden starkes Herzklopfen, Herzrasen, sogenanntes Herzstolpern, Arrhythmien und weitere, als unangenehm empfundene Auffälligkeiten dann bezeichnet, wenn sie vom Betroffenen selbst wahrgenommen werden. Somit fallen Veränderungen der Stärke, der Geschwindigkeit und der Gleichmäßigkeit des Herzschlages unter diesen Begriff.

Arrhythmien, die auch beim Herzstolpern vorkommen, bezeichnen eine Veränderung des gleichmäßigen Herzschlages. Unregelmäßig werden längere Pausen oder ein verkürzter Zeitraum zwischen zwei Herzschlägen verspürt. Dies kann für den Betroffenen sehr belastend sein, da Auffälligkeiten am Herzen als unmittelbare gesundheitliche Bedrohung empfunden werden. Darüber hinaus können sie Anzeichen für somatische oder psychische, potenziell sehr gefährliche Erkrankungen sein und sollten gründlich untersucht werden.

Im Bereich der psychisch begründbaren Palpitationen können dieselben auch "eingebildet", auf einem EKG also nicht nachweisbar sein. Dies bedeutet jedoch keine fehlende Notwendigkeit einer Behandlung, da das Leid des Patienten trotzdem bestehen bleibt und auch klinisch nicht nachweisbare Symptome Panikattacken und ein beeinträchtigtes psychisches Wohl nach sich ziehen können. Ein derartiger Stress kann seinerseits weiteren Erkrankungen beziehungsweise Symptomen Vorschub leisten.

Ursachen

Als mögliche Ursachen für Palpitationen kommen psychische Gründe und Drogenmissbrauch aber auch Herz- oder andere Erkrankungen infrage. In manchen Fällen bleibt die Ursachensuche gänzlich erfolglos. Psychische Gründe können in Depressionen, Angststörungen oder akutem oder chronischem Stress liegen. Palpitationen sind in diesem Bereich für den Betroffenen besonders belastend, da sie Nervosität und Aufregung hervorrufen, was den Herzschlag unmittelbar spürbar beeinflusst, was wiederum zu einer erhöhten Aufregung bis hin zu Panikattacken führen kann.

Da die Herzaktivität im Gegensatz zu derjenigen der meisten anderen Organe direkt spürbar ist und von Stress und Angst, die in diesen Situationen von selbst entstehen, unmittelbar beeinflusst wird, kommt es zu einer Kreisreaktion von sich gegenseitig verursachenden und bedingenden Symptomen und Beschwerden.

Von psychischen Erkrankungen oder einer generellen psychischen Labilität abgesehen, können auch akute Stresszustände in Palpitationen resultieren. Hier gilt es, den Stresslevel zu verringern. Somatische Ursachen können Herzkrankheiten wie eine Herzinsuffizienz oder eine Herzmuskelentzündung sein, sowie Schilddrüsenüberfunktion, Unterzuckerung oder Gefäßentzündungen. Auch das sogenannte Schrittmachersyndrom kann Palpitationen hervorrufen.

Weitere Ursachen können zum Beispiel die Einnahme von Medikamenten, die als Nebenwirkungen Palpitationen verzeichnen oder Koffeinkonsum sein. Bei empfindlichen Menschen können selbst im Durchschnitt harmlose Mengen Koffein zu verstärktem oder unregelmäßigem Herzklopfen führen.

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Diagnose & Verlauf

Die Diagnostik bei Palpitationen verläuft meistens über eine Anamnese, Pulsabnahme, Stethoskopabhörung und ein EKG, je nach Häufigkeit und Dauer der Palpitationen auch ein Langzeit-EKG. Dieses dokumentiert über einen längeren Zeitraum, meist 24 Stunden, den Herzschlag des Patienten. Als weitere Maßnahmen können ein sogenanntes „Herzecho“ (eine Ultraschalluntersuchung des Herzens) sowie eine Herzkatheteruntersuchung nötig werden.

In der Anamnese schildert der Patient dem behandelnden Arzt so genau wie möglich seine Beschwerden. Eine Klärung der Lebensumstände sowie der Krankengeschichte ist von höchster Wichtigkeit, da die möglichen Ursachen für Palpitationen mannigfaltig sind und eine genaue Eingrenzung eine schnelle und zutreffende Diagnose unterstützen kann. Eine falsche Behandlung kann lebensbedrohliche bis tödliche Folgen haben.

Komplikationen

Palpitation beziehungsweise das Wahrnehmen des starken Herzklopfens können sowohl krankhaft als auch physiologisch sein. Sport oder Aufregung können zu einer Erhöhung der Herzfrequenz (Tachykardie) und des Blutdrucks (Hyotonie) führen, was sich aber innerhalb von einigen Minuten wieder legt und keine weiteren Komplikationen mit sich zieht.

Daneben kann zum Beispiel eine Infektion eine erhöhte Herzfrequenz verursachen. Eine Infektion verteilt sich im schlimmsten Falle im gesamten Körper aus und verursacht so eine Sepsis. Dabei handelt es sich um einen lebensgefährlichen Zustand, der unbehandelt schnell zum Tod des Betroffenen führt. Auch ein erniedrigter Blutdruck verursacht Herzklopfen, was aber chronisch meist keine Komplikationen trägt.

Manchmal kann es zu Schwindel und einen Kreislaufkollaps kommen, was zu Stürzen führen kann, die Verletzungen mit sich tragen können. Vor allem ein Schädelhirntrauma kann zu lebensbedrohlichen Folgen führen. Des Weiteren führen andere Herzrhythmusstörungen ebenfalls zu gefürchteten Komplikationen.

Bei einem Vorhofflimmern kann es zum Stillstand des Blutes kommen, dabei kann dieses im Vorhof ein Blutgerinnsel ausbilden, welches sich löst und mit dem Blutstrom verschleppt wird, eine Embolie kann hier die Folge sein. Schlaganfälle oder Atemnot sind die weiteren Konsequenzen. Neben dem kann das Kammerflimmern in einen Herzinfarkt enden, welcher schließlich zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führt oder auch im schlimmsten Falle zum Herztod.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Palpitation, das für den Betroffenen deutlich spürbare, starke oder schnelle Klopfen des Herzens, ist in vielen Fällen physiologisch bedingt. Das bedeutet, dass bei einem deutlich erklärbaren Zusammenhang, beispielsweise mit Aufregung oder körperlicher Anstrengung, ein Gang zum Arzt nicht notwendig ist. Anders ist es, wenn die Palpitation in unerklärlichen Situationen auftritt. Hier ist ebenso ein Arztbesuch empfehlenswert wie bei Erscheinungsformen, die mit anderen körperlichen Symptomen wie Schweißausbrüchen, Schwindel oder gar einer Ohnmacht verbunden sind. Wenn dann pathologische Ursachen wie beispielsweise ein chronischer Bluthochdruck ausgeschlossen werden können, ist der Arztbesuch in der Regel nicht mehr notwendig.

Eine Ausnahme sind Patienten, für die die Palpitation eine mit Angst verbundene Reaktion des Körpers ist. So besteht bei besonders ängstlichen Patienten oder solchen, die unter einer großen psychischen Belastung stehen, die Gefahr, eine Herzneurose zu entwickeln. Hier wird der harmlosen Palpitation eine bedrohliche Bedeutung zugemessen und der eigentlich herzgesunde Patient lebt in ständiger Arzt vor einem Herzversagen. Besonders ungünstig ist diese Gedankenspirale, da diese Angst wieder Palpitationen hervorruft und den Betroffenen in seiner Angst noch bestätigt.

Spätestens dann sollte der nächste Besuch beim Hausarzt erfolgen. Nicht, um dem Patienten mit einer erneuten Diagnostik eine weitere Beruhigung zu verschaffen, sondern um durch eine Überweisung zum Psychotherapeuten oder Psychologen den verhängnisvollen Kreislauf von Angst und Palpitation zu durchbrechen.

Behandlung & Therapie

Der Begriff Palpitation umfasst Veränderungen der Stärke, der Geschwindigkeit und der Gleichmäßigkeit des Herzschlages.

Wenn festgestellt werden konnte, was die Ursache der Palpitationen ist, so werden diese je nach Indikation medikamentös, durch einen Wandel des Lebensstils oder durch psychologische Maßnahmen behandelt. Gegen Entzündungen des Herzmuskels wird mit umfassender Schonung und medikamentöser Behandlung der Symptome vorgegangen. Die Heilung der ursächlichen Krankheit führt in solchen Fällen zur Beseitigung der Palpitationen als Symptom.

Bei Schilddrüsenproblemen als Verursacher der Palpitationen wird meist eine hormonelle, medikamentöse Therapie eingeleitet, die die Überfunktion der Schilddrüse reguliert. Auch hier ist mit einem Ende der Palpitationen zu rechnen, sobald der Patient medikamentös gut eingestellt ist. Als im Normalfall weniger akut gesundheitsgefährdend, jedoch mitunter schwieriger zu behandeln, stellen sich Palpitationen aufgrund psychischer Ursachen dar.

Eine zugrunde liegende Depression oder Angststörung muss genauso ursächlich behandelt werden, wie eine körperliche Erkrankung. Zwar stellen sich psychische Palpitationen im Normalfall als nicht so akut gefährdend dar, wie beispielsweise eine Herzmuskelentzündung, jedoch können sie durch den Stress, den sie zusätzlich verursachen, das Herz schwächen und den Allgemeinzustand des Patienten verschlechtern. Zudem besteht die Gefahr von Panikattacken, die bis zur Hyperventilation und tatsächlichen Herzattacken führen können.

Eine Mischform aus psychischer und körperlicher Behandlung stellen Entziehungskuren dar, wenn die Ursache für den veränderten Herzschlag in einer Drogenabhängigkeit begründet liegt. Hier werden die Entziehungssymptome vermutlich mit Medikamenten behandelt, gleichzeitig spielt das psychische Wohl des Betroffenen und die Unterstützung während seiner Entziehung eine große Rolle.

Aussicht & Prognose

Eine Palpitation sollte in der Regel von einem Arzt behandelt werden. Das Herz ist eines der wichtigsten Organe und darf daher nicht mit Selbsthilfemitteln behandelt werden. Nicht selten handelt es sich bei der Palpitation nur um eine subjektive Einschätzung. Der Patient schätzt seinen Herzschlag als ungewöhnlich oder krankhaft ein, wenn er an Angst oder an Stress leidet. Allerdings sollte auch in diesem Fall ein Arzt aufgesucht werden, um das Herz zu kontrollieren.

Herzprobleme können relativ gut behandelt werden und führen selten zu Komplikationen, wenn die Behandlung frühzeitig eintritt. Sollte die Palpitation durch den Missbrauch von Alkohol oder anderen Drogen aufkommen, so geht das Symptom nach einigen Tagen wieder zurück, wenn die Drogen abgesetzt werden.

Die Palpitation kann bei vielen Menschen zu Panikattacken führen, da die Betroffenen das Gefühl haben, einen Herzinfarkt zu bekommen. Dies führt zu einer erhöhten Angst, zu Stresszuständen und zu einer allgemein niedrigerer Lebensqualität. Menschen, die an Phobien und Depressionen leiden sind sehr anfällig für die Palpitation. Eine Behandlung erfolgt in diesem Fall durch einen Psychologen, führt allerdings nicht immer zu einem Erfolg.

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Vorbeugung

Als vorbeugend für Palpitationen können alle Maßnahmen gelten, die gut für das Herz und den psychischen Zustand des Menschen sind. Dazu zählen eine gesunde Ernährung, Drogen- und Alkoholabstinenz - Alkoholkonsum kann für Herzmuskelentzündungen ursächlich sein -, ausreichende Entlastung und Erholung von Stress und eine professionelle Behandlung von eventuellen psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.

Bei einer Disposition zu Unterzuckerung oder Schilddrüsenüberfunktion sollten diese gut kontrolliert und durch eine passende Ernährung oder, wenn nötig, Medikamente behandelt werden. Da Herzmuskelentzündungen Folgen nicht auskurierter viraler oder bakterieller Infekte sein können, sollte auf eine angemessene Erholung auch nach scheinbar leichten Erkrankungen geachtet werden.

Das können Sie selbst tun

Bei der Palpitation gibt es nur wenige Möglichkeiten zur Selbsthilfe. Probleme mit dem Herzen sollten immer durch einen Arzt behandelt werden, da sie auf sehr schwerwiegende Krankheiten hindeuten können. Problemen mit dem Herzen kann allerdings vorgebeugt werden. Hierzu gehört in erster Linie eine gesunde Ernährung. Der Patient sollte auf fettige Speisen verzichten. Ebenso wichtig ist der Verzicht auf Alkohol und andere Drogen. Sollten die Palpitation vor allem nach dem Konsum von Drogen auftreten, so müssen diese Drogen umgehend abgesetzt werden.

Falls die Palpitation in stressigen Situationen entsteht, muss der Stressfaktor reduziert werden. Zur Entspannung helfen verschiedene sportliche Übungen oder zum Beispiel Yoga. Sollte es sich bei der Palpitation um ein bakteriellen Infekt handeln, so muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Zur allgemeinen Beruhigung des Körpers und des Herzens empfiehlt sich Baldrian. Dieser kann als Tee oder im Form von Tabletten eingenommen werden und wirkt sich positiv auf die Palpitation aus. Vor allem ältere Menschen sollten ihren Körper keinen zu hohen Belastungen aussetzen, um damit das Herz zu schonen. Sollte die Palpitation aufgrund von Depressionen oder Angststörungen auftreten, so sollte ein Arzt aufgesucht werden. In diesem Fall ist keine Selbsthilfe möglich.

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Quellen

  • Braun, J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2015
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Heidelberg 2013

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