Nervus vagus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Der Nervus vagus ist der zehnte von insgesamt zwölf Hirnnerven, deren Kerne direkt im Gehirn liegen. Der Nervus vagus macht den größten Teil des Parasymphatikus aus und ist über vielfache Verzweigungen mit fast allen inneren Organen verbunden. Neben seiner parasympathischen Steuerungsfunktion der inneren Organe über seine über viszeromotorischen Fasern verfügt er auch über motorische und sensomotorische Afferenzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Nervus vagus?

Der Nervus vagus – auch einfach Vagus genannt - ist der weitverzweigte X. Hirnnerv, der fast alle inneren Organe innerviert. Der Nervus vagus ist gleichzeitig der größte Nerv des Parasymphatikus. Sein Name leitet sich aus dem lateinischen vagus ab und bedeutet soviel wie umherschweifend, unstet. In seiner parasympathischen Eigenschaft als Ergänzung und Aufhebung erhöhter vegetativer Aktivität durch das sympathische System verfügt er über allgemein- und speziell-viszeromotorische und viszerosensible Fasern, aber auch über somatosensorische und -motorische afferente und efferente Fasern.

Insbesondere ist der Nervus vagus neben seiner Funktionen im vegetativen Bereich verantwortlich für die bewussten motorischen Bewegungen im Rachenraum und für einen Teil der Geschmacksempfindungen sowie für Berührungsempfindungen im Rachenraum. Der Nervus vagus wird in der Fachliteratur häufig mit dem IX. und XI. Hinrnerv (Zungen-Rachen-Nerv bzw. Beinerv) zur Vagusgruppe zusammengefasst. Über vielfache Verzweigungen erreicht der Nervus vagus Lunge, Herz, Nieren, Leber und die Verdauungsorgane und steuert nicht nur die parasympathischen vegetativen Aktivitäten, sondern ist auch für die Auslösung bestimmter Reflexe zuständig.

Anatomie & Aufbau

Die Nervenzellkörper der parasympathischen Neurone des Nervus vagus liegen in einem Kerngebiet des Markhirns (Myelencephalon), während die Zellkerne der motorischen Fasern im Nucleus motorius nervi vagi liegt, einer Region, die ebenfalls dem Markhirn zugerechnet wird. Im Bereich der Medulla oblongate, dem verlängerten Rückenmark tritt der Nerv an die Hirnoberfläche und verlässt den Schädel durch den großen Durchbruch an der Schädelbasis (Foramen jugulare) und durchläuft zwei eng zusammen liegende Ganglien. In den Ganglien liegen die Zellkörper der von den Zielorganen aufsteigenden afferenten Nervenfasern des Nervus vagus.

Der weitere Verlauf des Nervs und auch seiner Verzweigungen ist meist an die Verläufe größerer Arterien oder z. B. auch der Speiseröhre angelehnt. So verläuft der Vagus am Hals zusammen mit der Halsschlagader und der großen Halsvene in einer gemeinsamen Bindegewebsscheide, der Vagina carotica. Die Durchführung durch das Zwerchfell erfolgt gemeinsam mit der Speiseröhre durch den Hiatus oesophageus. Der ersten Verzweigung unterhalb der Schädelbasis entspringt der Ramus meningeus, der durch das Foramen jugulare wieder zurück in den Schädel zieht, um die Hirnhaut (Dura mater) der hinteren Schädelgrube somato-sensibel zu innervieren.

Funktion & Aufgaben

Die Aufgaben und Funktionen des Nervus vagus gliedern sich auf je nach Zugehörigkeit ihrer efferenten oder afferenten Nervenfasern zum vegetativen parasympathischen System oder zum somato-sensorischen oder –motorischen System der bewussten Sensorik und Motorik. Im Zusammenhang mit der parasympathischen Steuerung der innervierten Organe als Gegenspieler der sympathischen Steuerung sind auch verschiedene Schutzreflexe zu verstehen, die durch Aktivitäten des Vagus ausgelöst werden können. Der wichtigste Schutzreflex ist der Vagusreflex. Er kann durch einen Schlag auf Kehlkopf oder Oberbauch, durch den Anblick von Blut oder durch Stress, Angst oder starke Schmerzen ausgelöst werden.

Er führt zu einer Weitstellung der Adern mit plötzlichem Blutdruckabfall und Herzfrequenzverlangsamung, so dass es zu Schwindelgefühlen, Blässe und Bewusstseinsstörungen bis hin zur Ohnmacht kommen kann. Im Extremfall kann sich ein sogenannter Reflextod oder auch Vagustod einstellen. Im Normalfall erfüllt der Vagus hinsichtlich seiner parasympathischen Funktionen die Aufgabe, die inneren Organe nach einer sympathisch erhöhten Aktivität und Alarmbereitschaft wieder in den Normalzustand zurückzuführen und die Regenerationsphase einzuleiten. Das geschieht vor allem in der Nacht während der längeren Ruhe- und Schlafphase.

Die wichtigsten Organe, auf die der Vagus mit seinen Verzweigungen parasympathischen Einfluss nimmt, sind Herz, Leber, Nieren, Milz, Magen und der größte Teil des Darms einschließlich Dünndarm und etwa zwei Dritteln des Dickdarms. Außerhalb des parasympathischen Bereichs ist der Vagus mit seinen motorischen, afferenten Fasern für die bewusste Motorik im Rachenraum verantwortlich und für die Weiterleitung der somato-sensorischen, efferenten, Rückmeldungen aus dem gleichen Bereich.

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Krankheiten

Prinzipiell können sich Beschwerden einstellen, die aufgrund zu schwacher Nervenimpulse des Nervus vagus oder infolge zu starker Aktivität des Nervs verursacht werden. Funktionsbeeinträchtigungen durch eine gestörte Leitfähigkeit des Vagus sowohl in afferenter wie auch in efferenter Richtung können mechanisch-physikalische Ursachen haben oder auf einer Erkrankung des Nerven selbst oder anderen neurologischen Problemen beruhen.

Als Vagotonie oder Parasympathikotonie wird eine im Verhältnis zum Sympathikus zu starke Aktivität des Parasympathikus bzw. des Nervus vagus als Hauptvertreter des parasympathischen Systems bezeichnet. Symptome sind niedriger Blutdruck (Hypotonie), langsamer Puls, kalte Hände, kalte Füße und enge Pupillen. Eine Abgrenzung der Vagotonie als Normalzustand gut sportlich trainierter Personen zur krankhaften Vagotonie ist fließend und im Einzelfall schwierig zu entscheiden. Eine bekannte Form einer Vagus-Störung ist die Laryngeus-superior-Neuralgie. Der Laryngeus-superior (oberer Kehlkopfnerv) ist ein Seitenast des Nervus vagus, der durch eine Entzündung zu Schmerzen beim Schlucken, Husten und Sprechen führt.

Zur Therapie werden spezielle Medikamente eingesetzt und bei zu schwacher Wirkung durch eine Neuraltherapie mit einem lokal wirksamen Anästhetikum ergänzt. Als Therapie zur Behandlung einer Epilepsie kommt eine Vagusnervstimulation (VNS) in Frage, bei der der Vagusnerv in bestimmten Abständen elektrisch stimuliert wird. Es wird dabei die invasive von der transkutanen VNS unterschieden. Bei der invasiven VNS wird im Brustbereich das Stimulationsgerät mit einem Ast des Vagus über eine Elektrode verbunden und sendet automatische Stimulationsimpulse. Bei der transkutanen VNS macht man sich zu Nutze, dass ein sensibler Seitenast des Vagus einen Teil der Ohrmuschel versorgt und dort direkt unter der Haut liegt und Reize transkutan aufnehmen kann.

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