Leaky-Gut-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
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Das Leaky-Gut-Syndrom ist durch Permeabilitätsverluste der Darmwand gekennzeichnet. Übergetretene Toxine und Bakterien rufen beim "Leaky Gut" eine Entzündungsreaktion des gesamten Körpers hervor. Das Syndrom ist keine medizinisch oder wissenschaftlich anerkannte Erkrankung, sondern eine alternativmedizinische Hypothese.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Leaky-Gut-Syndrom?

Das Leaky-Gut-Syndrom beschreibt eine hypothetischen, medizinisch bislang nicht anerkannten Zustand. Heilpraktiker und Ernährungswissenschaftler haben die Theorie entwickelt. Die Hypothese fokussiert die Permeabilität des menschlichen Darms.

Durch ihre selektiv permeablen Eigenschaften stellt die Darmwand eines gesunden Menschen eine Barriere dar, die nur bestimmte Stoffe hindurchtreten lässt und dadurch in den Organismus aufnimmt. Bei Patienten mit Leaky-Gut-Syndrom soll die Durchlässigkeit der Darmwand stark erhöht sein. Die Folge sind Selektivitätsverluste, die vor allem die Darmwand des Dünndarms zu betreffen scheinen.

Die Hypothese stellt zwischen erhöhter Durchlässigkeit der Darmwand und einer Vielzahl von Erkrankungen einen ursächlichen Zusammenhang her. Unter anderem sollen die rheumatoide Arthritis, chronische Müdigkeit, Migräne, multiple Sklerose und Autismus durch das Leaky-Gut-Syndrom begünstigt werden. Nur wenige Beweise für die Hypothese existieren.

Ursachen

Das Leaky-Gut-Syndrom geht laut der Hypothese auf unterschiedliche Faktoren zurück. Zu diesen Faktoren zählen zum Beispiel Bakterien und Hefepilze der Gattung Candida, deren übermäßiges Wachstum die Permeabilität der Darmwand stören soll. Auch schlechte Ernährung und Vergiftungen durch übermäßigen Antibiotika- oder Alkoholkonsum verursachen laut Anhängern der Theorie Selektivitätsverluste der Darmwand.

Speziell im Bereich des Dünndarms entstehen so „Lücken“ in der natürlichen Barriere. Anstatt nur Wasser und darin gelöste Nährstoffe ins Blut aufzunehmen, lässt die Darmwand fortan zahlreiche Proteine, Toxine und Bakterien aus dem Darminneren in den Blutkreislauf übertreten.

Dieser Übertritt von schädlichen Substanzen ruft gemäß der Theorie eine chronische Entzündungsreaktion im ganzen Körper hervor, die durch immunologische Reaktionen ausgelöst wird. So wird ein breites Spektrum von Folgeerkrankungen begünstigt. Speziell Autoimmunerkrankungen werden in diesem Zusammenhang mit dem Leaky-Gut-Syndrom assoziiert.

Symptome, Beschwerden und Anzeichen

Patienten mit Leaky-Gut-Syndrom leiden Anhängern der Hypothese zufolge an einem symptomatisch breiten Spektrum, das von chronischen Gelenkschmerzen bis hin zu Muskelschmerzen und Konzentrationsstörungen reichen kann. Neben Blähungen und Migräne werden Stimmungsschwankungen, Depressionen, Nervosität und Hauterkrankungen wie Akne mit dem Syndrom in Verbindung gebracht.

Dasselbe gilt für Ekzeme und Infektanfälligkeit, die auf eine Schwächung des Immunsystems zurückgeht. Oft handelt es sich bei den Infekten um wiederkehrende Blasen- und Vaginalinfekte. Darüber hinaus leiden viele Patienten an chronischen Müdigkeitszuständen und Lebensmittelunverträglichkeiten wie Gluten- oder Laktoseintoleranz.

Hinzu kommen oft Reizdarmbeschwerden, die sich im Laufe der Jahre bis hin zur chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa entwickeln können. Auch Allergien, Asthma und Autoimmunerkrankungen wie multiple Sklerose sollen durch das Syndrom hervorgerufen werden.

Diagnose und Krankheitsverlauf

Das Leaky-Gut-Syndrom ist medizinisch und wissenschaftlich keine anerkannte Erkrankung. Aus diesem Grund stellen nicht Schulmediziner die Diagnose eines „Leaky Gut“ (durchlässiger Darm). In der Regel wird die Diagnose stattdessen von Heilpraktikern oder Ernährungsberatern gestellt.

Ärztlich diagnostiziert werden lediglich die angeblichen Folgen des Leaky-Gut-Syndroms, so zum Beispiel die entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn. Die Prognose ist für Patienten mit Leaky-Gut-Syndrom laut der Hypothese hervorragend. Nicht nur lässt sich das Syndrom mit einfachen Mitteln heilen.

Auch eventuelle Folgeerkrankungen sollen nach der Behebung des "Leaky Gut" verschwinden. Für viele Patienten mit unheilbaren Autoimmunerkrankungen ist die Leaky-Gut-Hypothese daher ein gern genommener Hoffnungsschimmer.

Behandlung und Therapie

Die Therapie des Leaky-Gut-Syndroms setzt bei den Substanz an, die die Permeabilität der Darmwand ursprünglich gestört haben. Diese Substanzen gilt es in Zukunft konsequent zu meiden. Vor allem Gluten- und Lektin-haltige Produkte wie beispielsweise Getreide- sowie Vollkornprodukte werden vom Speiseplan gestrichen. Brot, Nudeln oder Hülsenfrüchte sind vorerst verboten.

In eingeschränktem Maß gilt fas auch für Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Paprika und Tomaten. Außerdem sind bestimmte Pflanzen-Öle, Milchprodukte und Mehle vorerst Tabu. Diese Umstellung greift relativ tief in die Ernährungsgewohnheiten ein und erfolgt daher unter professioneller Betreuung durch einen Ernährungsberater.

Der Wechsel zu einer sogenannten Paleo- oder Steinzeiternährung verspricht laut Anhänger der Hypothese nachhaltigen Erfolg, da sich die Darmschleimhaut so regenerieren kann. An die Stelle von Getreide- und Milchprodukten treten Gemüse, Wildfleisch, Fisch oder Meeresfrüchte, Obst, Eier, Nüsse, Honig und Kräuter.

Über die Ernährungsumstellung hinaus werden unterschiedliche Probiotika sowie pflanzliche Heilmittel als supportive Behandlungsmaßnahmen propagiert. Nur wenige Anzeichen sprechen für die Nützlichkeit der Behandlungsmaßnahmen im Bezug auf die Darmschleimhaut. Zweifler weisen darauf hin, dass sich Ernährungsberater und alternative Mediziner mit der Leaky-Gut-Hypothese einen neuen Einsatzbereich geschaffen haben.

Hinter dem Leaky-Gut-Syndrom vermuten sie eine aufwendig aufgebaute Marketingstrategie für unterschiedliche Naturheilmittel und verwandte Produkte. Da die Ernährungsumstellung im Rahmen des Leaky-Gut-Syndroms nur in Betreuung eines Ernährungsberaters zu erfolgen hat und die Branche von diesen Anweisungen entsprechend profitiert, haben alle Zweifler starke Argumente. Zumindest sollte bei geplanten Maßnahmen wie der Ernährungsumstellung oder der Befürchtungen von Darmwandpermeabilitätsverlusten das Gespräch mit einem Schulmediziner gesucht werden.




Vorbeugung

Dem Leaky-Gut-Syndrom lässt sich laut der Theorie vorbeugen. Als eine der wichtigsten Vorbeugemaßnahmen propagieren Anhänger der Hypothese die stimmige Ernährungsweise, wie sie in Begleitung eines Ernährungsberaters entwickelt werden kann. Außerdem wird der Markt mittlerweile von unterschiedlichen Naturheilmitteln überschwemmt, die den Permeabilitätsverlusten vorbeugen sollen. Eine vollumfängliche Vorbeugung garantieren die meisten Hersteller allerdings nicht, da das Syndrom laut seiner Anhänger auf eine Vielzahl unterschiedlichster Faktoren zurückgehen kann.

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