Kraniomandibuläre Dysfunktion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Bei der Kraniomandibulären Dysfunktion handelt es sich um Fehlfunktionen des Kiefers. Diese machen sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kraniomandibuläre Dysfunktion?

Die Kraniomandibuläre Dysfunktion wird auch als Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD oder Funktionelles Schmerzsyndrom bezeichnet. Mit diesem Oberbegriff sind funktionelle, strukturelle oder psychische Fehlregulationen des Kiefergelenks gemeint. Die Fehlfunktionen rufen mitunter auch Schmerzen hervor. Die Beschwerden entstehen durch Störungen des Zusammenwirkens von Gelenken, Muskeln und Sehnen.

Unter einer kraniomandibulären Dysfunktion leiden ungefähr fünf bis zehn Prozent aller erwachsenen Personen. Besonders häufig zeigen sich die Kieferprobleme bei Frauen, die gebärfähig sind. Während der Wechseljahre kommt es dann zumeist zur Besserung der Beschwerden. Bei kleineren Kindern tritt die kraniomandibuläre Dysfunktion dagegen nur sehr selten auf. Bis zur Pubertät erfolgt dann ein Anstieg der Erkrankungen. Eine konkrete Behandlungsbedürftigkeit besteht bei CMD nur bei rund drei Prozent der Bevölkerung.

Ursachen

Verursacher einer kraniomandibulären Dysfunktion ist in der Regel eine Fehlstellung zwischen dem menschlichen Unterkiefer (Mandibula) sowie dem Schädel (Cranium). Befindet sich der Unterkiefergelenkkopf nicht in seiner korrekten Position innerhalb der Gelenkpfanne, besteht sogar das Risiko einer Kieferausrenkung.

Als häufige Auslöser einer kraniomandibulären Dysfunktion gelten das feste Aufeinanderpressen des Kiefers sowie das Knirschen mit den Zähnen (Bruxismus). Diese Probleme führen im Kiefergelenk nicht selten zu Diskusverlagerungen, einer Arthrose oder myofaszialen Schmerzen. Grundsätzlich wird von Ärzten eine Vielzahl an verschiedenen Urhebern für das Auftreten einer kraniomandibulären Dysfunktion vermutet.

Dazu gehören unter anderem Entwicklungsstörungen, genetische Faktoren, Zahnfehlstellungen, der Verlust einzelner oder mehrerer Zähne sowie Hormon- oder Schlafstörungen. Ebenfalls zu den Ursachen gerechnet werden psychische Gründe. Dabei kann es sich um eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine Depression handeln. Mitunter sind auch kieferorthopädische Therapien oder der Einsatz von Zahnkronen, die zu hoch ausfallen, die Ursache für eine kraniomandibuläre Dysfunktion.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die kraniomandibuläre Dysfunktion führt zu zahlreichen unterschiedlichen Beschwerden. Dabei treten in erster Linie diffuse Schmerzen auf, die sich sowohl bei Bewegungen als auch im Ruhezustand zeigen. Die Schmerzen äußern sich meist beständig und sind dumpf. Außerdem können die Beschwerden bis in den Mund, die Stirn, die Schläfen, die Augenhöhle, die Wangen, den Nacken, die Halswirbelsäule, die Schultern und den Rücken ausstrahlen.

Nicht selten leiden die Betroffenen auch unter einer eingeschränkten Öffnung des Kiefers sowie unter reibenden und knackenden Geräuschen, wenn sie ihren Kiefer öffnen oder schließen. Des Weiteren sind ein Brennen im Mund oder auf der Zunge, Tinnitus und Ohrenschmerzen im Bereich des Möglichen. Bei manchen Betroffenen zeigen sich zudem eine Verstärkung des Speichelflusses, Schluckbeschwerden, Sehstörungen, Schwindelgefühle, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Mitunter treten Bewegungseinschränkungen an der Halswirbelsäule auf.

Diagnose & Therapie

Da die Beschwerden bei einer kraniomandibulären Dysfunktion ebenso zahlreich wie unterschiedlich ausfallen, kann eine exakte Diagnose bei manchen Patienten schwierig sein. In der Regel wird bei Beschwerden am Kiefer zunächst der Zahnarzt aufgesucht. Von diesem lässt sich ermitteln, ob die Probleme ihren Ursprung an den Zähnen oder am Kiefergelenk haben. Darüber hinaus überprüft der Zahnmediziner mögliche Infektionsherde an den Zähnen.

Mit einer Kinesiographie kann eine präzisere Untersuchung stattfinden, die ermittelt, ob die Kieferprobleme von Veränderungen der Kieferbewegungen oder durch einzelne Zähne verursacht werden. Um Verkrampfungen der Muskulatur festzustellen, ist eine Elektromyographie möglich. Als weitere Untersuchungsverfahren kommen das Anfertigen von Röntgenaufnahmen, radiologische Methoden oder eine instrumentelle Funktionsanalyse (API/CPI) in Betracht.

Allerdings können auch psychische Faktoren eine kraniomandibuläre Dysfunktion auslösen. Aus diesem Grund erhält der Patient einige Fragebögen zum Ausfüllen. Dieser muss bei der Diagnostik ein hohes Maß an Geduld aufbringen, da sie als aufwendig gilt. In der Regel lässt sich eine kraniomandibuläre Dysfunktion gut behandeln. So nimmt die Erkrankung meist einen positiven Verlauf. Dabei bessern sich die Beschwerden schon nach einigen Wochen.

Komplikationen

Bei dieser Erkrankung leiden die Betroffenen in erster Linie an Beschwerden am Kiefer. Diese Beschwerden wirken sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus und können diese deutlich verringern. In der Regel leiden die Patienten in erster Linie an starken Schmerzen. Die Schmerzen treten dabei auch als Ruheschmerzen auf und können dabei vor allem in der Nacht zu Beschwerden und damit zu Schlafproblemen führen.

Nicht selten leiden die Patienten daher auch an Depressionen oder wirken gereizt. Ebenso können sich die Schmerzen aus dem Kiefer in die Augen oder in den Kopf ausbreiten und auch in diesen Regionen zu Beschwerden führen. Auch die Einnahme von Nahrung und Flüssigkeiten wird durch diese Beschwerde erschwert, sodass es eventuell zu Mangelerscheinungen oder zu einer Unterernährung kommen kann. Ebenso kann es zu Schluckbeschwerden oder zu Sehstörungen kommen.

Die Patienten können sich nicht selten nicht konzentrieren und leiden an einer andauernden Müdigkeit. Die Behandlung erfolgt durch verschiedene Therapien. Damit können die meisten Beschwerden eingeschränkt werden. Dabei kommt es in der Regel nicht zu Komplikationen. Es kann allerdings nicht vorausgesagt werden, ob es zu einem vollständig positiven Krankheitsverlauf kommt. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch diese Dysfunktion in der Regel nicht eingeschränkt.

Therapie & Behandlung

Die Therapie der kraniomandibulären Dysfunktion richtet sich nach der auslösenden Ursache. Dabei kommt grundsätzlich eine schonende und reversible Behandlung zur Anwendung. Um die Kaumuskeln und die Kiefergelenke zu entlasten und Körper- und Bissstatik abzustimmen, erhält der Patient eine spezielle Aufbissschiene (Okklusionsschiene). Zusätzlich kann eine Physiotherapie vorgenommen werden, um Verspannungen der Muskeln abzubauen und die Muskeln zu stärken.

Darüber hinaus lassen sich auf diese Weise Fehlstellungen und Funktionsstörungen am Kiefergelenk behandeln. Allerdings wurde der tatsächliche Nutzen einer Okklusionsschiene wissenschaftlich bislang nicht eindeutig bestätigt. So gibt es mehrere Studien mit unterschiedlichen Testergebnissen, die sich entweder für oder gegen die Wirksamkeit der Schiene aussprechen.

Bei chronischen Schmerzen erhält der Patient meist Medikamente, die einen schmerzlindernden, entzündungshemmenden, schlaffördernden oder muskelentspannenden Effekt haben, was zur Verbesserung der Lebensqualität führt. Als sinnvoll gilt zudem der Einsatz der Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation (TENS). Diese elektrische Reizstromtherapie dient zur Behandlung der Schmerzen sowie zur Stimulation der Muskeln.

Der eingesetzte Wechselstrom verfügt über eine niedrige Frequenz. In der Diskussion steht noch die Wirkung von Triggerpunkt-Infiltrationen, bei denen unterschiedliche Wirkstoffe in die Muskulatur verabreicht werden, um die Beschwerden zu lindern. Auch Selbstbehandlungsmaßnahmen des Patienten sind möglich. Sie beinhalten die Anwendung von Wärme, Kälte, Dehnübungen, Stressmanagement, entspannenden Übungen sowie den Verzehr von weicher Nahrung.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung von kraniomandibulären Dysfunktionen ist durch die Einlage einer Okklusionsschiene möglich. Auf diese Weise lässt sich dem Substanzverlust der Zähne entgegenwirken. Als sinnvoll gilt zudem das Anwenden von Entspannungsmethoden.

Das können Sie selbst tun

Bei der kraniomandibulären Dysfunktion können starke Schmerzen im Bereich des Kiefers auftreten, die bis in den Rücken und in den Bauchraum ziehen. Der Alltag der von kraniomandibulärer Dysfunktion Betroffenen wird dadurch häufig stark eingeschränkt und die Lebensqualität leidet.

Im Bereich der Selbsthilfe im Alltag sind deswegen alle Maßnahmen sinnvoll, die die Spannung aus dem Kiefer nehmen. Das Tragen entsprechender Beißschienen kann ein erster Schritt zur Linderung sein. Ein auf kraniomandibuläre Dysfunktion spezialisierter Physiotherapeut kann Betroffenen Übungen und Massagegriffe zeigen, die sie auch zuhause anwenden können. Eine häufige Ursache ist das ständige feste Zusammenbeißen der Zähne. Meist geschieht dies unbewusst. Stress und permanente Anspannung im Alltag sind hier ursächlich. Betroffene müssen deswegen bestimmte Techniken zur Entspannung und ein individuelles Stressmanagement erlernen, um Druck von sich selbst und vom Kiefer zu nehmen. Übungen wie Yoga, die regelmäßig in den Alltag integriert werden, verschaffen vielen Patienten Linderung.

Der Prozess, dass ein Kiefergelenk zu schmerzen beginnt, ist meist ein langwieriger. Entsprechend kann es auch eine Weile dauern, bis Maßnahmen zur Selbsthilfe im Alltag wie Stressreduktion, Entspannungsübungen und Tragen von Schienen eine nachhaltige Wirkung zeigen. Wichtig ist deswegen, dass jene Maßnahmen konsequent umsetzt werden.

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Quellen

  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Niethardt, F.U.: Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

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