Hyperostose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. Dezember 2017
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Bei Hyperostosen vermehrt sich das Knochengewebe. Schuld daran ist meist eine gesteigerte Aktivität der Osteoblasten. Zur Behandlung stehen neben einer Kürretage mittlerweile auch medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hyperostose?

Bei Hyperplasien vergrößert sich ein Gewebe oder Organ, indem es seine Zellzahl erhöht. Diese Zellzahlerhöhung ist meist eine Reaktion auf funktional erhöhte Belastung oder hormonelle Stimulation. Hyperplasien sind reversibel. Sobald der verursachende Reiz beseitigt wird, normalisiert sich das betroffene Gewebe.

Abhängig von der betroffenen Art des Gewebes existieren unterschiedliche Untergruppen der Hyperplasie. Die Hyperostose entspricht einer Hyperplasie von Knochengewebe. Bei dem Phänomen wird in Übermaß überschüssiges Knochengewebe gebildet. Für die Bildung von Knochengewebe sind die sogenannten Osteoblasten zuständig. Ihre überschießende Aktivität liegt auch der krankhaften Vermehrung von Knochensubstanz im Sinne einer Hyperostose zugrunde.

Die Hyperostose wird auch als Knochenhypertrophie oder Knochenhyperplasie bezeichnet. Knochenhypertrophien sind in Abgrenzung von Hyperplasien nicht durch eine Zellvermehrung, sondern durch eine Größenzunahme der einzelnen Zellen bedingt. Eine Hyperostose ist entweder inwärts oder auswärts gerichtet. Bei ersterem Phänomen ist die Rede auch von einer endostalen Hyperostose.

Die Richtung nach außen beschreibt der Begriff der Exostose oder kortikalen Hyperostose. In seiner engeren Definition beschreibt der Begriff der Hyperostose eine Knochenerkrankung, die durch die Zunahme der Knochendichte gekennzeichnet ist und sich damit vor allem auf das Verhältnis von Knochenmasse zu Knochenvolumen auswirkt.

Ursachen

Alle Hyperostosen haben eine gesteigerte Aktivität der knochenbildenden Osteoblasten zur Ursache. Die erhöhte Aktivität hat entweder eine Verdichtung der Knochenmasse oder appositionellen Knochenwachstum zur Folge. Vor allem letzteres Phänomen hat eine Form- und Größenveränderung des betroffenen Knochens zur Folge.

Auch wenn die knochenabbauenden Osteoklasten in ihrer Funktion gestört sind, können daraus Hyperostosen resultieren. Die menschliche Knochenmasse ist das gesamte Leben lang von Umbau-Arbeiten betroffen, die aus einem Zusammenspiel von Knochenbildnern und Osteoklasten bestehen. Wenn das Zusammenspiel also aus dem Gleichgewicht gerät, sind Hyperostosen denkbar.

Ein Hauptauslöser für gesteigerten Knochenaufbau sind hormonelle Reizungen oder besondere Belastungen eines Knochens. So entstehen lokal begrenzte Hyperostosen. Ein hormonelles Ungleichgewicht kann in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Davon abgesehen können Stoffwechselstörungen wie die Konsequenzen von chronischem Nierenversagen an vermehrtem Knochenaufbau ursächlich beteiligt sein.

Außerdem können Vergiftungen mit Fluoriden, Blei, Vitamin A, Bismut, Arsen, Strontium, Phosphor oder Beryllium eine Rolle spielen. Veränderte Aktivitäten der Knochenzellen liegen darüber hinaus Erbkrankheiten wie dem juvenilen Morbus Paget, dem [Van-Buchem-Syndrom]] oder der Osteopetrose zugrunde, wobei in diesem Zusammenhang meist Mutationen der ursprüngliche Auslöser sind.

Zusätzlich sind Ursachen wie rheumatoide Erkrankungen im Sinne des SAPHO-Syndroms oder des Morbus Forestier denkbare Auslöser. Daneben können chronische Infektionen wie Tuberkulose, Tumoren wie Meningeome und paraneoplastisches Syndrome im Rahmen der Pachydermoperiostose eines Bronchialkarzinoms ursächlich sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit einer Hyperostose leiden an einem vermehrten Knochengewebeaufbau, der durch eine gesteigerte Aktivität der Osteoblasten gekennzeichnet ist und mit einer verminderten Aktivität der Osteoklasten einhergehen kann. Bei moderater Hyperostose stellen sich meist keine schwerwiegenden Schmerzen ein.

Allerdings kann eine schwere Hyperostose durchaus mit Schmerzen einhergehen. Wenn der betroffene Knochen beispielsweise an gelenkigen Verbindungen beteiligt ist, dann können sich in einer Folge der Größenzunahme auch Bewegungsstörungen oder anderweitige Defizite einstellen. Alle weiteren Symptome der Hyperostose hängen neben der betroffenen Körperstelle vor allem von der primären Ursache der Erkrankung ab.

Bei hormonellen Störungen besteht begleitend zur Hyperostose ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt, das abhängig von den daran beteiligten Hormonen gänzlich unterschiedliche Auswirkungen haben kann. Ursachen aus dem rheumatoiden Formkreis gehen in der Regel vor allem mit schweren Schmerzzuständen einher, die den Betroffenen in regelmäßigen Abständen bis zu schmerzbedingter Bewegungsunfähigkeit bringen können.

Bei ursächlichen Infektionen entsprechen die Begleitsymptome meist allgemeinen Infektionsanzeichen wie Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit oder ähnlichen Symptomen. Wenn der Hyperostose eine erbliche Basis zugrunde liegt, besteht die abnorme Aktivität in der Regel von Geburt an, wobei oft alle Knochen des Körpers von dem Phänomen betroffen sind.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Hyperostose wird unter der Zuhilfenahme bildgebender Verfahren wie der Röntgenbildgebung oder dem MRT gestellt. Eine Biopsie des betroffenen Gewebes kann die Verdachtsdiagnose absichern. Laborchemisch werden vor allem Werte wie Kalzium bestimmt. Da die Hyperostose lediglich das Symptom einer übergeordneten Erkrankung ist, umfasst die Diagnostik die Aufklärung der primären Ursache.

Komplikationen

Die Hyperostose muss nicht zwangsläufig zu Schmerzen oder anderen unangenehmen Beschwerden führen. Die daraus entstehenden Komplikationen hängen in den meisten Fällen von der Ausprägung der Krankheit ab, weswegen keine allgemeine Vorhersage möglich ist. Bei einer starken Ausbreitung kann es an den Knochen zu Schmerzen und damit zu Bewegungseinschränkungen kommen.

Diese Einschränkungen führen bei vielen Patienten zu psychischen Beschwerden und mitunter zu Depressionen. Sie können allerdings mit Hilfe eines Psychologen relativ gut behandelt werden. Weiterhin kommt es zu einem unausgeglichenen Hormonhaushalt. Auch dabei kommt es zu verschiedenen Beschwerden, die von den jeweiligen Hormondefiziten abhängen. In der Regel leiden die Patienten ebenso an Schüttelfrost und an starkem Fieber.

Die Belastbarkeit des Patienten sinkt enorm ab und die Betroffenen nehmen nicht mehr aktiv am Leben teil. Es kommt weiterhin auch zu einer Abgeschlagenheit des Patienten. Die Lebensqualität wird durch die Beschwerden extrem verringert. Bei der Behandlung der Hyperostose kommt es nicht zu weiteren Komplikationen oder Beschwerden. In den meisten Fällen ist allerdings die Transplantation von Knochenmark notwendig, um die Beschwerden zu lindern. Die Lebenserwartung wird durch die Hyperostose meistens nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn über einen längeren Zeitraum ungewöhnlich starke Schmerzen bemerkt werden, sollte ein Arzt konsultiert werden. Eine Hyperostose äußert sich außerdem durch zunehmende Bewegungsstörungen und unspezifische Druckgefühle im Bereich der Knochen – diese gilt es ebenfalls rasch abzuklären. Sollten sich anderweitige Beschwerden einstellen, ist ärztlicher Rat gefragt. So müssen etwaige Begleitsymptome wie Fieber, Schüttelfrost oder Abgeschlagenheit untersucht und gegebenenfalls behandelt werden, wenn sie länger als zwei bis drei Tage bestehen bleiben.

Sollten weitere Symptome einer ernsten Erkrankung hinzukommen, muss noch am selben Tag medizinischer Rat eingeholt werden. Besonders gefährdet sind Menschen, bei denen ein hormonelles Ungleichgewicht besteht oder Stoffwechselstörungen vorliegen. Auch chronisches Nierenversagen sowie Vergiftungen sind mögliche Auslöser. Personen, die zu diesen Risikogruppen zählen, sollten mit genannten Symptomen zum Hausarzt gehen. Weitere Ansprechpartner sind Fachärzte für innere Medizin oder ein Orthopäde. Bei starken Beschwerden kann zunächst der ärztliche Notdienst kontaktiert werden, der weitere Maßnahmen empfehlen wird. Im Zweifelsfall ist ein Besuch im Krankenhaus angezeigt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Hyperostose hängt von der primären Ursache und dem Befallsmuster ab. In Abhängigkeit davon kann die Therapie chirurgische, orthopädische oder neurochirurgische Interventionen umgreifen. Neben invasiven Verfahren stehen konservativ medikamentöse Behandlungsverfahren zur Verfügung.

Mit der Gabe von Kalzitriol kann beispielsweise die Aktivität der knochenabbauenden Osteoklasten gesteigert werden. Darüber hinaus kann allogene Knochenmarktransplantation die Resorption von Knochengewebe stimulieren. Zu den invasiven Behandlungsmöglichkeiten zählen außerdem die Kürretage, bei der der Knochen operativ chirurgisch abgetragen wird.

Nichtsdestotrotz steht bei Hyperostosen die Behandlung der Grunderkrankung im Fokus der Therapie, da nur mit einer Besserung oder Heilung der Ursache eine dauerhafte Normalisierung des Knochengewebes erreicht werden kann. Mutationsbedingte Grunderkrankungen sind nicht heilbar, lassen sich in den meisten Fällen aber abmildern und verzögern. Vor allem dem Fortschreiten einer Hyperostose wird auf diese Weise vorgebeugt.

Bei ursächlichen Störungen des Hormonhaushalts kann unter Umständen eine hormonelle Substitution die Aktivität der Osteoklasten anregen und die Osteoblastenaktivtiät herunter regulieren. Bei Vergiftungen ist eine Ausleitung der Gifte anzustreben, die vor allem durch die Diurese herbeigeführt wird. Die Unterstützung der Nierenfunktion steht in diesem Fall also im Mittelpunkt.

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Vorbeugung

Die Hyperostose kann unzählige Ursachen haben. Nicht allen, aber einzelnen Ursachen lässt sich vorbeugen. Zu den prophylaktischen Schritten zählt die Vermeidung von lokalen Reizungen durch Überlast.

Das können Sie selbst tun

Eine Hyperostose stellt eine schwerwiegende Erkrankung dar, die oft mit chronischen Beschwerden verbunden ist. Welche Selbsthilfe-Maßnahmen die Betroffenen ergreifen können, hängt davon ab, wie weit die ursächliche Erkrankung bereits fortgeschritten ist und welche Symptome sich zeigen.

Grundsätzlich kann gegen die einzelnen Symptome individuell vorgegangen werden. Bei Fieber und Schüttelfrost empfehlen sich in erster Linie Bettruhe und Schonung. Zudem sollte der Betroffene auf eine schonende Diät achten und die Körpertemperatur überwachen. Sollte das Fieber auf über 40 Grad ansteigen, muss ein Arzt aufgesucht werden. Müdigkeit und Abgeschlagenheit lassen sich mittels verschiedener homöopathischer Mittel lindern, zum Beispiel Belladonna und Teufelskralle. Akut helfen feuchte Umschläge und moderate Bewegung.

Sollten die Beschwerden dadurch nicht zurückgehen, ist medizinische Rat gefragt. Bei hormonellen Störungen helfen ebenfalls Bewegung und eine Umstellung der Ernährung. Sollten allerdings Schmerzen hinzukommen, müssen Arzneimittel eingesetzt werden. Die medizinischen Präparate können unter Umständen um Naturheilmittel wie Johanniskraut oder Ringelblumensalbe ergänzt werden, insofern der Arzt seine Einverständnis gibt. Begleitend zu de genannten Maßnahmen ist immer auch eine engmaschige ärztliche Kontrolle angezeigt, um einen positiven Krankheitsverlauf zu gewährleisten.

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Quellen

  • Adler, C.-P.: Knochenkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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