Hirninfarkt

Letzte Aktualisierung am 29. Januar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Unter einem Hirninfarkt, zerebrale Ischämie oder ischämischer Schlaganfall ist die häufigste Form eines Schlaganfalls. Sie geht einer Ischämie – also einer plötzlichen Minderdurchblutung des Gehirns - zu Grunde, die ein Absterben von Nerven- und Gehirnzellen zur Folge haben kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Hirninfarkt?

Die Bezeichnung Hirninfarkt wird vor allem dann gebraucht, wenn es sich um einen ischämischen Schlaganfall handelt. Dabei tritt eine verminderte Durchblutung des Gehirns auf, wodurch es zu einer verringerten Versorgung des Organs mit Glukose und Sauerstoff kommt.

In der Medizin wird ein solcher Durchblutungsausfall Ischämie genannt. Verantwortlich für die Minderdurchblutung sind Verschlüsse oder Verengungen der hirnversorgenden Arterien. Ist die Ischämie nicht reversibel, führt dies zum Absterben von Hirn- und Nervenzellen, was wiederum einen Hirninfarkt auslöst.

Von der Medizin wird der Hirninfarkt als dringender Notfall eingestuft. In den Industrieländern zählt der ischämische Schlaganfall zu den führenden Todesursachen. Besonders betroffen sind Menschen, die älter als 70 Jahre sind. Bei Männern tritt ein Hirnschlag deutlich häufiger auf als bei Frauen.

Ursachen

Verursacht wird ein Hirninfarkt in den meisten Fällen durch eine Arteriosklerose, auch Arterienverkalkung genannt. Diese entsteht bei den meisten Menschen durch zu hohen Blutdruck (Hypertonie), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder den Konsum von Tabak. Hauptgrund für den Verschluss von Blutgefäßen ist die Arterienverkalkung.

Dabei reichern sich an den inneren Wänden der Blutgefäße mit der Zeit Plaques an. Gemeint sind damit Ablagerungen aus Fett und Zellen. Je größer der Umfang der Plaques ist, umso mehr verengt sich das betroffene Blutgefäß. Als besonders anfällig für die Bildung von Plaques gelten Menschen, die unter Diabetes, hohen Cholesterinwerten oder Bluthochdruck leiden.

Wird eine Arterie durch die Plaques zunehmend verengt, kann nicht mehr ausreichend sauerstoffreiches Blut zum Gewebe gelangen. Außerdem besteht das Risiko eines Einrisses der Plaques. Durch diesen Riss kann es zur Entstehung eines Thrombus (Blutgerinnsels) kommen.

Infolgedessen droht sogar ein vollständiger Verschluss des Gefäßes. Dies führt wiederum zu einer Ischämie, in deren Verlauf die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff unterbrochen wird. Der Patient erleidet dann einen Schlaganfall. Als weitere mögliche Ursache für einen Hirninfarkt gilt eine Embolie. Der dabei entstehende Embolus ist frei beweglich und in der Lage, dem Blutstrom des Körpers zu folgen.

Im schlimmsten Fall verstopft er ein Blutgefäß des Gehirns und ruft einen Schlaganfall hervor. Verantwortlich für eine Embolie sind zumeist entzündete Hirngefäße, Fehlbildungen des Herzens oder Herzrhythmusstörungen. Zu den Risikofaktoren für einen Hirninfarkt zählen neben einem hohen Lebensalter Störungen des Fettstoffwechsels, ein Mangel an Bewegung, Alkoholismus und Rauchen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Typisch für einen ischämischen Schlaganfall ist das abrupte Auftreten von unterschiedlichen Symptomen. Dabei leiden die betroffenen Personen unter einer Bewusstseinstrübung. Diese kann sich durch Müdigkeit über Bewusstlosigkeit bis hin zu einem tiefen Koma äußern.

Weitere mögliche Beschwerden sind Kopfschmerzen, Drehschwindel, das Wahrnehmen von Doppelbildern, Übelkeit, Erbrechen, Schluck- und Sprachstörungen, Ausfälle des Gesichtsfelds, eine Halbseitenlähmung oder gelähmte einzelne Gliedmaßen sowie Gedächtnisverlust.

Außerdem treten neuropsychologische Ausfallerscheinungen wie Apraxie, Aufmerksamkeitsstörungen und kognitive Dysphasien auf. Welche Symptome tatsächlich zu verzeichnen sind, richtet sich nach dem betroffenen Gefäß oder Hirnareal. Des Weiteren bestehen bei Männern und Frauen verschiedene Beschwerden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zeigen sich beim Patienten Frühwarnzeichen wie zeitweilige Missempfindungen, kurze Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder Gedächtnisprobleme, gilt es, sofort einen Arzt aufzusuchen. Der Arzt befasst sich zunächst ausführlich mit der Krankengeschichte des Patienten, an die sich eine neurologische Untersuchung anschließt.

Eine wichtige Rolle spielen bildgebende Diagnoseverfahren wie eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT). Durch deren Einsatz lässt sich rasch zwischen einem Hirninfarkt und einer Hirnblutung unterscheiden, was wichtig für die weitere Behandlung ist.

Ebenfalls zu den möglichen Untersuchungsmethoden zählen eine Angiographie, eine Doppler-Sonographie, ein EEG zum Überprüfen der Hirnströme, ein EKG zur Diagnose von Herzrhythmusstörungen sowie eine Lumbalpunktion, bei der das Hirnwasser (Liquor) überprüft wird. Der Verlauf eines Hirninfarktes hängt davon ab, welche Hirnregion in welchem Ausmaß geschädigt wurde.

Für eine günstige Prognose ist eine frühzeitige Therapie überaus wichtig. Während bei manchen Patienten nur leichte Auswirkungen bestehen, benötigen andere dauerhafte Pflege und sind bettlägerig. Nicht selten liegen chronische Schädigungen wie Sehstörungen, Sprachstörungen oder Lähmungen vor. Im schlimmsten Fall verstirbt der Patient an dem Hirnschlag.

Komplikationen

Selbst bei rascher und fachgerechter Behandlung eines Hirninfarkts besteht das Risiko, das Komplikationen auftreten. Diese können die Folgen des Schlaganfalls weiter verschlimmern. Als gefürchtete Komplikation gilt der erhöhte Hirndruck. Ausgelöst wird er durch Ansammlungen von Wasser oder Einblutungen im Gehirn. Darüber hinaus besteht die Gefahr eines epileptischen Anfalls oder einer Thrombose (Blutgerinnsel) durch den Schlaganfall.

Beim Auftreten von Komplikationen spielt es eine große Rolle, an welcher Stelle des Gehirns der Hirninfarkt auftritt. Zum Beispiel kann ein größerer Infarkt an bestimmten Stellen mitunter nur leichte Beschwerden hervorrufen, während ein kleinerer Infarkt an anderen Gehirnregionen schwerste Behinderungen nach sich zieht. Grundsätzlich muss bei einem Hirninfarkt jedoch mit gravierenden Folgen gerechnet werden.

Dabei ist auch der Verlauf der Krankheit in den ersten Wochen nach dem Schlaganfall zu berücksichtigen. Zu den typischen Folgeerscheinungen des Hirninfarkts zählen dauerhafte Lähmungen, Probleme beim Schlucken, die mit einem Aspirationsrisiko einhergehen, sowie eine Lungenentzündung. Bei Aspirationen handelt es sich um das Einfließen von Erbrochenem, Speichel oder Nahrung in die Atemwege, was wiederum die Lungenentzündung verursacht.

Zahlreiche Komplikationen nach einem Hirninfarkt entstehen durch die anschließende Bettlägerigkeit. Dazu gehört unter anderem ein Druckgeschwür (Dekubitus), das zusammen mit Sensibilitätsstörungen auftritt. Durch die eingeschränkte Tätigkeit der Harnblase und der Nieren drohen Harnwegsinfektionen. Durch unsachgemäße Lagerung des Patienten kann es außerdem zu Gelenkversteifungen kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Der Hirninfarkt ist ein medizinischer Notfall. Der Betroffene verliert ohne eine Vorwarnung die Kontrolle über verschiedene Funktionssysteme des Organismus und ist häufig nicht mehr ansprechbar. Bei einem Verlust des Bewusstseins muss schnellstmöglich eine intensivmedizinische Behandlung erfolgen. Da ein plötzliches Ableben des Betroffenen droht, muss unverzüglich reagiert werden. Jede Minute bis zu einer medizinischen Versorgung entscheidet über das Leben des Betroffenen sowie mögliche Folgeschäden.

Es wird daher ein Rettungsdienst benötigt und bis zu dessen Eintreffen, sind Erste Hilfe Maßnahmen zu ergreifen. Bereits bei den ersten unverhofft auftretenden Auffälligkeiten sollte ein Notarzt kontaktiert werden. Berichtet der Betroffene von einem plötzlichen Unwohlsein, einer Schwäche oder dem Sehen von Doppelbildern, besteht Anlass zur Besorgnis. Bei Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Sprachstörungen wird ein Arzt benötigt. Kommt es zu Konzentrations-, Orientierungs- oder Aufmerksamkeitsstörungen, muss eine notfallmedizinische Versorgung erfolgen. Bei motorischen Problemen oder Lähmungserscheinungen, braucht der Betroffene sofortige Hilfe.

Bei einem Verlust des Gedächtnisses, akuter Müdigkeit, Gangunsicherheiten oder Beschwerden in einer Körperhälfte ist ein Arztbesuch notwendig. Fällt der Betroffene in einen komatösen Zustand, ist ein Notarzt anzurufen. Bei Anzeichen einer Verwirrtheit, Schluckstörungen oder Ausfallerscheinungen im Gesichtsfeld, wird schnellstmöglich ärztliche Hilfe benötigt. Beobachter des Geschehen müssen die Beatmung des Betroffenen sicherstellen.

Behandlung & Therapie

Bei einem Hirninfarkt ist eine sofortige Behandlung erforderlich. Diese sollte im Krankenhaus in einer sogenannten Schlaganfalleinheit (Stroke Unit) stattfinden. Dort erhält der Erkrankte eine optimale Diagnostik und Therapie. Außerdem wird er intensiv überwacht. Dabei erfolgt die Kontrolle von Körpertemperatur, Puls, Blutdruck, Atmung und Blutzucker.

Des Weiteren arbeiten mehrere medizinische Disziplinen wie zum Beispiel die Neurologie, Neurochirurgie, Radiologie und innere Medizin eng zusammen. Eine mögliche Behandlungsoption bei einem Hirninfarkt stellt die Lyse-Therapie dar, die zu einer Auflösung des Blutgerinnsels führen soll.

In einem frühen Stadium des ischämischen Schlaganfalls lassen sich außerdem blutverdünnende Medikamente verabreichen. Dazu gehört in erster Linie Acetylsalicylsäure (ASS). Diese darf allerdings nicht bei einer Lyse-Therapie eingenommen werden. Wichtig sind außerdem eine ausreichende Sättigung des Blutes mit Sauerstoff sowie eine Thromboseprophylaxe.

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Vorbeugung

Damit ein Hirninfarkt gar nicht erst auftritt, sollten die Risikofaktoren für eine Arterienverkalkung reduziert werden. Dazu gehören eine regelmäßige Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker sowie eine Lebensweise, die eine fett- und zuckerarme Ernährung sowie genügend Bewegung beinhaltet. Außerdem sollte auf den Konsum von Tabakwaren verzichtet werden, weil sich das Hirninfarkt-Risiko dadurch erheblich vergrößert.

Das können Sie selbst tun

Der Hirninfarkt wird auch als Schlaganfall bezeichnet, bei dem es auf jede Minute ankommt, um als solcher erkannt zu werden. Ist dieser schnellstmöglich erfolgreich behandelt, wird eine Nachsorge unumgänglich sein. Je länger die Diagnose hinausgeschoben wurde, desto mehr Schäden können bei dem Erkrankten verursacht werden. Bei den durch die Krankheit bedingten Folgeschäden wie einseitige Lähmungen oder Sprachschwierigkeiten muss der Betroffene fachkundige Rehabilitationsmaßnahmen ergreifen. Diese sollten von einem Spezialisten in seiner Praxis vorgenommen werden. Es verlangt viel Geduld und Einfühlungsvermögen, um eine effektive Gesundung zu erreichen. Bei rechtzeitigem Erkennen und Behandeln sowie der notwendigen Therapie gelingt es in vielen Fällen, dass der Patient wieder vollständig geheilt wird.

Um einen nachfolgenden Hirninfarkt zu vermeiden, wird der Patient seine Lebensweise umstellen müssen, das Rauchen und den übermäßigen Alkoholgenuss einstellen und unter Umständen die Ernährung in eine gesunde Kost ändern müssen. Kommt es dann doch zu einem weiteren Vorfall, ist es wichtig, sofort Maßnahmen zu ergreifen. Diese sind, sich umgehend ins Krankenhaus bringen zu lassen oder den Notdienst zu rufen, dem schon am Telefon geschildert wird, dass bereits ein Hirninfarkt vorangegangen ist. Die Vorzeichen sind einseitige Behinderung des Bewegungsablaufs, Sprechschwierigkeiten, Sehkrafteinschränkungen, die zu erkennen sind.

Bücher über Schlaganfälle

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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