Sprachstörungen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 31. Oktober 2016
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Sprachstörungen, Sprachfehler und Sprechstörungen können sowohl angeboren als auch durch eine benachteiligte und unterenwtickelte Sprachentwicklung bei Kindern auftreten. Typische Sprachstörungen hierfür sind Stottern, Lispeln und Stammeln. Aber auch durch Unfälle und Krankheiten kann es im Laufe des Lebens zu einer Rückbildung der Sprache und des Sprechens kommen. Typische Krankheiten, die Sprachstörungen als Symptom haben, sind Schlaganfall und Demenz. Sprachstörungen dieser Art nennt man auch Aphasie.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Sprachstörungen?

Als Sprachstörung bezeichnet man eine Beeinträchtigung des kommunikativen Gebrauchs der Sprache. Einerseits kann es zu einem teilweisen oder vollständigen Sprachverlust nach Abschluss des Spracherwerbs kommen, bei dem Wörter nicht verstanden oder nicht gebildet werden können (sensorische oder motorische Aphasie). Dazu gehören auch Wortfindungsstörungen und Störungen der Sprachproduktion bzw. des Sprachverständnisses (amnestische und globale Aphasie) sowie Sonderformen. Es ist zu beachten, dass dies kein Hinweis für eine geistige Behinderung ist.

Andererseits können Sprachstörungen auch schon vor Ausbildung der Sprachentwicklung entstehen. Beim Autismus vom Kanner-Typ - einer tiefgreifender Entwicklungs- und Sprachstörung, die sich meist vor dem 3. Lebensjahr herausbildet – bestehen neben der Sprachstörung meist auch schwere Kontaktstörungen und eine geistige Behinderung, verbunden mit Aggressivität und Selbstverstümmelung.

Je früher die Therapie von Sprachstörungen und Sprachentwicklungsstörungen beginnt, umso erfolgreicher verläuft sie und umso schneller kann die Therapie Früchte tragen.

Eine weitere Form ist das Asperer-Syndrom - eine Autismusform, die auch im Erwachsenenalter auftreten kann. Des Weiteren gibt es eine nicht altersgerechte Ausbildung der Sprache, was als Sprachentwicklungsstörung bezeichnet wird. Diese lässt sich in Dyslalie (Stammeln durch Störung des Lautgebrauchs), Dysgrammatismus (Unfähigkeit, Sätze richtig grammatikalisch aufzubauen) und Sprachverständnisstörungen gliedern.

Zuletzt gibt es noch die Taubstummheit, eine Unfähigkeit zu hören und sich dabei sprachlich ausdrücken zu können. Sprachstörungen sind von, Stimmstörungen oder Legasthenie abzugrenzen.

Ursachen

Eine Sprachstörung kann durch eine verzögerte Sprachentwicklung, zentral durch eine frühkindliche Hirnschädigung, eine Schädigung der Sprachregion oder eine Taubstummheit bedingt sein.

Die Sprachentwicklungsstörung kann durch Hör- oder Sehstörungen, Defekte des Sprechapparates und Geburtstraumata bzw. durch genetische, soziokulturelle, umweltassoziierte und psychische bzw. geistige Faktoren bedingt sein. Die Ursachen des Autismus sind noch nicht eindeutig erklärt. Eine Rolle spielen wahrscheinlich Infektionen während der Schwangerschaft, genetische bzw. erbliche Faktoren, andere Grunderkrankungen sowie Gehirnschädigungen und veränderte Funktionen im Gehirn.

Die Aphasie ist eine zentrale Sprachstörung, die durch Schädigung der Sprachregion nach Schlaganfällen, bei unzureichender Blutversorgung des Gehirns, Schädelhirntrauma, Hirntumoren, Hirnatrophie oder Enzephalopathien entstehen kann. Je nach Schweregrad und Lokalisation können auch sprachabhängige Leistungen wie Lesen, Schreiben und/oder Rechnen beeinträchtigt sein.

Am häufigsten kommen die motorische (Broca-Aphasie) oder die sensorische Aphasie (Wernicke-Aphasie) vor. Der häufigste Grund von Aphasien bei Kindern ist ein Schädel-Hirn-Trauma infolge eines Verkehrs-, Sport- oder Spielunfalls. Die Taubstummheit ist Folge einer angeborenen oder erworbenen Gehörlosigkeit, wobei der Sprachapparat erhalten ist.

Krankheiten

Behandlung & Vorbeugung

Je früher die Therapie von Sprachstörungen und Sprachentwicklungsstörungen beginnt, umso erfolgreicher verläuft sie und umso schneller kann die Therapie Früchte tragen. Unter Berücksichtigung der individuellen Ursache sollte eine logopädische und sprachheilpädagogische Behandlung erfolgen. Vorbeugend wirken Veränderungen bei soziokulturell und umweltassoziiert bzw. psychisch verursachter Sprachentwicklungsstörung. Durch Vermeidung der Reize, die Zunahme des familiären Rückhaltes oder einer Fremdanregung können diese vermindert werden.

Die schwierige Behandlung des Kanner-Autismus basiert auf einer Förderung des kommunikativen Verhaltens und einer sozialen Integration. Vorbeugende Maßnahmen gibt es eher nicht. Auch bei der Aphasie ist eine Sprachtherapie indiziert, die so früh wie möglich beginnen sollte und sich je nach der Aphasieart unterscheidet. Die Einzeltherapien zu Beginn werden dann später auf Gruppentherapien, um die alltägliche Kommunikation zu verbessern, erweitert.

Vor einer Aphasie kann man sich nicht direkt schützen, allerdings können die kardiovaskulären Risikofaktoren, die eine Arteriosklerose fördern, gesenkt werden – beispielsweise Einstellung des Nikotinkonsums. Die Behandlung einer Taubstummheit ist erfolgsversprechend. Kann man die Gehörlosigkeit durch Hörgeräte beseitigen, kann ein gezieltes Sprachtraining erfolgen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

mamma kommentierte am 03.01.2013 um 14:25 Uhr

Unser Sohn spricht max. 20 Worte, ist 4 Jahre alt und leidet an einem Markerchromosom 2. Nun besteht der Verdacht auf eine Aphasie. Was würden Sie uns empfehlen?

Karl-Heinz kommentierte am 19.02.2013 um 18:29 Uhr

Hier ein Hilferuf einer verzweifelten Bekannten:
Alter: 79 Jahre
Problem: Seit ca. 3 Jahren zunehmende Sprechschwierigkeiten – Wörter kommen immer langsamer. Das Ergebnis ist aber immer perfekt – im Stil wie auch inhaltlich.
Alle neurologischen Untersuchungen (EEG, CT u. Kernspintomographie/PET) gaben zur Ursache keine Anhaltspunke. Alle Werte waren einwandfrei. Auch die Logopädie hatte keinen Erfolg. 2 Neurologen haben den tragischen Fall aufgegeben. Die Schilddrüsenwerte sind einwandfrei.
Die Bekannte hat eine ungewöhnliche Selbstdisziplin, überwindet - manchmal mit letzten Kräften - die immer größer werdenden Sprechschwierigkeiten, pflegt also den Sprechkontakt, wenngleich die seelische Belastung immer mehr zunimmt. Eine psychlogische Betreuung hilft ihr dabei, das harte Schicksal besser tragen zu können.
Auf evtl. psychische Ursachen angesprochen, lässt sich hier eine ideale Biographie feststellen:
Promovierte Akademikerin, vorzügliche Familie (3 Kinder; 7 Enkel) und glückliche Ehejahre.
Vielleicht lässt sich hier über Erfahrungsaustausch doch noch ein Weg finden, der meiner verzweifelten Bekannten weiter helfen könnte.
Auf jeden Fall jetzt schon mal meinen Dank im Voraus für Ihre Stellungnahme und freundliche Grüße Karl – Heinz

Elfi kommentierte am 10.03.2013 um 09:49 Uhr

Seit vorigem Jahr kann ich nicht mehr richtig sprechen. Es wurde bei mir eine ALS-Krankheit festgestellt. Zugleich wurde mir wiederum auch gesagt, dass es an einer Durchblutungsstörung im Gehirn liegt. Nun hätte ich gerne gewusst, ob dies stimmt, denn ich leide auch seit 10 Jahren an der Schaufensterkrankheit.

Bernhard kommentierte am 17.03.2017 um 11:06 Uhr

@Karl-Heinz: Die Schilderung der Sprachprobleme seiner Bekannten entspricht absolut dem Sprachproblem eines guten Freundes. Er ist 75 Jahre alt, alle im Text von Karl-Heinz beschriebenen Untersuchungen fanden auch bei ihm statt, ohne jegliches Ergebnis. Auch die zuletzt vom Arzt untersuchte Möglichkeit einer Stimmband-Lähmung führte zu keinem Ergebnis. Seit ca. drei Jahren fällt ihm das Reden immer schwerer. Er formuliert jedes Wort mit Anstrengung und langsam. Früher war er ein redegewandter, fröhlicher und unterhaltsamer Mensch, jetzt beteiligt er sich nur noch mit zwei bis drei Worten an den Gesprächen, ist aber nach wie vor gerne im Freundeskreis dabei. Sein Gedächtnis ist nach wie vor phänomenal, ebenso ist er noch sehr aktiv und körperlich fit. Alles passt, nur das Reden fällt ihm immer schwerer und niemand fand bisher die Ursache. Das belastet ihn so schwer, dass ihm sogar die Tränen kommen, wenn er uns - langsam und voller Konzentration sprechend - von einer erneuten ergebnislosen Untersuchung berichtet. Vielleicht weiß hier in diesem Forum ja doch noch jemand einen Rat? Wir - und natürlich vor allem er - wären unendlich dankbar dafür, wenn ihm endlich geholfen werden könnte.

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