Lispeln

Letzte Aktualisierung am 19. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Lispeln oder Sigmatismus ist der Ausdruck für eine weit verbreitete und bekannte Sprachstörung. Besonders bei Kindern tritt diese Erscheinung häufig auf. Besonderes Kennzeichen für das Lispeln ist die mangelhafte bzw. phonetisch abweichende Bildung der S- und Z-Laute beim Sprechen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lispeln?

Bei Kleinkindern kann Lispeln ein normales Phänomen sein. Oft ist Lispeln aber Ausdruck einer Sprachstörung des Betroffenen. Nach wissenschaftlicher Definition zählt das Lispeln zu den sogenannten Artikulationsstörungen. Der Begriff des Lispelns wird verwendet, um Schwierigkeiten eines Betroffenen bei der Bildung von Zischlauten (wie beispielsweise dem 's' oder dem 'z') zu beschreiben.

Beim Lispeln kann zwischen mehreren Formen unterschieden werden. Am weitesten verbreitet ist dabei eine Beeinträchtigung des Lautes 's'. Da die griechische Bezeichnung für diesen Buchstaben 'Sigma' lautet, wird die entsprechende Form des Lispelns auch Sigmatismus genannt. Menschen, die nicht von Lispeln in Form eines Sigmatismus betroffen sind, bilden das 's' in der Regel, während die Zunge hinter den Zähnen verbleibt.

Beim Lispeln wird das 's' dagegen gebildet, während sich die Zunge an oder zwischen den Vorderzähnen befindet. Betrifft das Lispeln die Bildung des Lautes 'sch' (im deutschen Sprachraum), spricht die Wissenschaft von Schetismus; 'Chitismus' benennt ein Lispeln, das die Bildung des Lautes 'ch' betrifft.

Ursachen

Ein Lispeln kann verschiedene Ursachen haben. Da Kinder im Rahmen ihrer Sprachentwicklung die Zischlaute in der Regel erst vergleichsweise spät erlernen, ist bei ihnen Lispeln ein verbreitetes Phänomen und wird daher meist noch nicht als Artikulationsstörung im engeren Sinne bezeichnet.

Allerdings kann sich bei einigen Kindern auch eine Hörstörung hinter einem auftretenden Lispeln verbergen; in der Folge ist eine korrekte Aussprache der Zischlaute nicht möglich. Lispeln kann bei Betroffenen außerdem verursacht bzw. begünstigt werden durch Fehlstellungen an Zähnen oder Kiefer (siehe Kieferfehlstellung).

Auch Störungen der Muskulatur im Bereich des Gesichts können zu auftretendem Lispeln führen. Mögliche weitere Ursachen des Lispelns sind nicht zuletzt auch Lähmungserscheinungen oder Tumore, die die Zunge bzw. die Mundhöhle betreffen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Beim Lispeln kann der Laut „s“ nicht korrekt gebildet werden. Häufig sind auch verwandte Laute betroffen, vor allem das „sch“, „z“ und „ch“. Je nachdem, welche Laute dem Betroffenen Schwierigkeiten bereiten, handelt es sich um Sigmatismus, Chitismus oder Schetismus.

Eine „s“-Schwäche ist als Sigmatismus bekannt. Menschen mit dieser Sprechstörung betonen das „s“ dadurch oft ungewollt. Der Laut klingt übertrieben zischend, da beim Sprechen viel Luft unkontrolliert aus dem Mund gepresst wird. Zusätzlich kann ein pfeifendes Geräusch auftreten. Umgekehrt ist es auch möglich, dass das „s“ zu weich klingt und eher an das „th“ aus dem Englischen erinnert.

Beim Chitismus wird das „ch“ falsch gebildet. Stattdessen verwendet der Betroffene zum Beispiel ein „sch“ oder „s“. Wenn das Lispeln beim „sch“ auftritt, handelt es sich um einen Schetismus. Auch hier ist das zentrale Symptom die falsche Lautbildung. Betroffene artikulieren das „sch“ wie „ch“, „s“, „t“ oder „d“.

Darüber hinaus sind weitere Beschwerden möglich, die infolge des Lispelns entstehen. Zu diesen sekundären Symptomen gehört Schüchternheit und mangelndes Selbstvertrauen. Sowohl Kinder als auch Erwachsene werden wegen der Artikulationsstörung häufig gehänselt. Diese Art von Beschwerden steht jedoch nur in einem indirekten Zusammenhang mit dem Lispeln: Das Lispeln selbst ist dafür nicht verantwortlich, sondern der Umgang damit.

Diagnose & Verlauf

Lispeln wird diagnostiziert aufgrund der charakteristisch fehlerhaften Lautbildung eines Betroffenen. Dabei wird Lispeln im Sinne einer medizinisch relevanten Artikulationsstörung bei Kindern in der Regel erst dann gestellt, wenn ein ausreichendes Stadium der Sprachentwicklung erreicht ist.

Besteht beim Betroffenen ein Verdacht auf krankhafte Prozesse, die dem Lispeln zugrunde liegen (wie etwa Störungen von Gehör oder Muskulatur), kann dies durch entsprechende diagnostische Schritte geprüft werden.

Welchen Verlauf ein Lispeln nimmt, ist je nach Betroffenem verschieden. Ein entwicklungsbedingtes Lispeln bei Kindern legt sich häufig spätestens nach deren Zahnwechsel. Besteht ein Lispeln allerdings weiterhin und/oder ist es sehr stark ausgeprägt, können im Verlauf evtl. eine Ursachendiagnostik und eine sprachtherapeutische Behandlung wichtig werden.

Komplikationen

Durch das Lispeln können sich gerade in der Kindheit psychische Beschwerden entwickeln. Der Sprachfehler kann Mobbing und Ausgrenzung begünstigen und in der Folge zu einem reduzierten Selbstwertgefühl und Depressionen führen. Durch die Sprechhemmung kann sich das Lispeln noch verstärken und die seelischen Beschwerden nehmen zu. Dies gilt nicht nur für angeborenes Lispeln.

Auch Lispeln, das sich nach einem Schlaganfall oder durch einen Gehirntumor eingestellt hat, kann für die Betroffenen eine psychische Belastung darstellen. Meist gehen diese Probleme mit körperlichen Beschwerden und Begleiterkrankungen einher, die in Verbindung mit der auslösenden Krankheit zu einer Abnahme des Allgemeinbefindens führen. In der Folge können sich weitere Komplikationen einstellen, die einer eigenständigen Behandlung bedürfen.

Im Rahmen der Therapie des Lispelns kann es ebenfalls zu Komplikationen kommen. So können Zahnkorrekturen zu einer Instabilität des gesamten Zahnhalteapparats führen. Ein chirurgischer Eingriff im Mundraum kann mit Blutungen, Empfindungsstörungen und Nervenverletzungen verbunden sein. Da Lispeln also viele Komplikationen hervorrufen kann, ist eine Behandlung der Sprachstörung zu empfehlen. Vor allem mit Kindern, die lispeln, sollte rasch ein entsprechendes Sprachtraining durchgeführt werden, um die Bildung psychischer Probleme zu vermeiden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Nicht immer muss bei Lispeln ein Arzt aufgesucht werden. In vielen Fällen zeigt die phonetische Störung aus medizinischer Sicht keinen Krankheitswert und muss nicht behandelt werden. Dies begründet sich darauf, dass meist keine weitere körperliche oder organische Problematik vorliegt, die behandelt werden könnte. Bei einer leicht unsauberen oder gestörten Aussprache kann der Betroffene durch eigenverantwortliches Üben eine Verbesserung seiner Sprechweise erzielen. Bei einigen Kindern entsteht das Lispeln durch eine Hörstörung. Ein Arztbesuch ist daher in diesen Fällen erforderlich, sobald es zu Störungen der Hörkraft kommt oder eine verminderte Hörfähigkeit bei dem Kind wahrgenommen wird.

Bei Zahnfehlstellungen oder Unregelmäßigkeiten der Kieferstellungen ist ebenfalls ein Arztbesuch anzuraten. Wird die veränderte Lautbildung durch den Zahnapparat ausgelöst, können in einer ärztlichen Konsultation mögliche Ursachen der Veränderung besprochen werden. Basiert das Lispeln auf dem vorübergehenden Tragen von Zahnspangen, sollte der Betroffene das Sprechen mit dem Fremdkörper im Mund gezielt trainieren. Ein weiterer Arztbesuch ist nicht erforderlich. Kommt es durch das Lispeln zu emotionalen oder psychischen Problemen, empfiehlt sich die Konsultation eines Arztes. Bei einem verminderten Selbstbewusstsein, Verhaltensauffälligkeiten oder Problemen im Alltag im Umgang mit anderen Menschen ist ein Arztbesuch anzuraten. Durch gezieltes Stimmtraining kann in einer logopädischen Therapie eine Verbesserung der Phonetik erreicht werden.

Behandlung & Therapie

Aufgrund der Bedeutung des Zahnwechsels für den Verlauf des Lispelns bei Kindern raten Fachleute häufig dazu, erst nach vollständiger Ausbildung der bleibenden Vorderzähne mit einer evtl. Behandlung des Lispelns zu beginnen.

Ob bei einem entsprechenden Kind oder auch einem Erwachsenen tatsächlich eine Therapie angestrebt wird, ist in der Regel in Rücksprache mit einem behandelnden Arzt zu besprechen. Bei Erwachsenen, die ihr Lispeln behandeln lassen möchten, besteht meist ein Leidensdruck aufgrund der vorliegenden Artikulationsstörung.

Ein häufig eingesetztes Verfahren zur Behandlung des Lispelns ist die logopädische (stimmheilkundliche) Therapie. Zu einer solchen Therapie zählt je nach Form, in der ein Lispeln auftritt, vor allem das Training einer korrekten Lautbildung. Aber auch medizinische und ggf. psychologische Beratungen zählen häufig zum Therapiekonzept bei Lispeln. Vor allem bei Kindern ist ein Lispeln meist erfolgreich zu behandeln.

Liegen einem Lispeln körperliche Faktoren zugrunde wie etwa Fehlstellungen im Mundraum, Verletzungen oder verschiedene Erkrankungen, die das Hör- und Sprachvermögen beeinträchtigen können, ist ein wichtiger Therapiebaustein die Behandlung dieser zugrunde liegenden Problematik. Häufig ergänzen sich in diesen Fällen Ursachenbehandlung und logopädische Therapie.

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Vorbeugung

Vorgebeugt werden kann Lispeln auf verschiedene Weise. So können beispielsweise frühzeitige Hörtests bei Säuglingen das Risiko eines späteren Lispelns einschränken. Auch ein Behandeln etwaiger Fehlstellungen von Zähnen oder sonstiger gesundheitlicher Beeinträchtigungen, die ein Lispeln begünstigen können, wirkt oft vorbeugend. Einem Lispeln beim Kind entgegenwirken kann außerdem eine deutliche Aussprache der Bezugspersonen.

Das können Sie selbst tun

Gegen Lispeln kann in vielen Fällen selbst vorgegangen werden. Bei einer schwach ausgeprägten Artikulationsstörung genügt es meist, regelmäßige Sprechübungen durchzuführen, um die Artikulation nach und nac zu verbessern. Ein Beispiel: die Zunge kurz hinter den Zähnen am Rachen platzieren und das saubere „S“ bewusst üben. Auch andere Buchstaben und Worte können auf diese Weise geübt werden und sollten bei regelmäßigem Training vor dem Spiegel zu einer besseren Aussprache führen.

Sollte das Lispeln durch eine feste Zahnspange verursacht werden, hilft nur Geduld. Sobald die Apparatur entfernt wird, verbessert sich in der Regel auch die Aussprache und das Lispeln verschwindet von alleine wieder.

Sollten die genannten Maßnahmen keine Wirkung zeigen, kann ein Sprachtherapeut helfen. Dieser kann spezielle Übungen gegen das Lispeln vorschlagen und weitere Tipps und Hilfestellungen für eine saubere Aussprache geben. Dennoch ist es manchmal notwendig, ursächlich gegen das Lispeln vorzugehen – etwa, wenn eine Fehlstellung im Mundraum oder eine Erkrankung die Artikulationsstörung auslöst. Welche Mittel und Wege im Detail zur Verfügung stehen, wird am besten im Rahmen einer logopädischen Beratung geklärt.

Quellen

  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Kochen, M.M.: Duale Reihe. Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Thieme, Stuttgart 2012
  • Mader, F., Weißgerber, H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Heidelberg 2014

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