Subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
Startseite » Krankheiten » Subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie

Als subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE) wird eine Gehirnerkrankung bezeichnet. Sie ist auch als Morbus Binswanger bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie?

Bei der subkortikalen arteriosklerotischen Enzephalopathie (SAE) handelt es sich um eine Erkrankung des Gehirns, die durch Gefäßveränderungen wie Arterienverkalkung (Arteriosklerose) entsteht. Dabei kommt es im subkortikalen Bereich unter der Großhirnrinde zu Schädigungen. Die Erkrankung trägt auch die Bezeichnungen Multi-Infarkt-Demenz, vaskuläre Enzephalopathie und Morbus Binswanger.

Erstmals beschrieben wurde die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie Ende des 19. Jahrhunderts von dem Psychiater und Neurologen Otto Ludwig Binswanger (1852-1929) aus der Schweiz. Die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie stellt die am häufigsten vorkommende Form der vaskulären Demenz dar. Sie zählt zu den Enzephalopathien und geht mit einer arteriellen Hypertonie einher. Außerdem hat sie eine Mikroangiopathie zur Folge.

Ursachen

Eine subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie entsteht durch eine jahrelang voranschreitende arterielle Hypertonie, bei der die Arteriolen des Zentralen Nervensystems (ZNS) durch fibrinoide Nekrosen fortdauernd geschädigt werden. Dies hat einen Gewebsuntergang zur Folge. Weil deswegen die kleinen Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen werden, lassen sich die betroffenen Strukturen nicht mehr richtig versorgen. Dabei kommt es zu einer ausgedehnten Demyelinisierung des Marklagers.

Des Weiteren treten im Marklager, im ventralen Hirnstamm sowie in den Stammganglien thromboembolische Mikroinfarkte auf. In früheren Jahren galt die Demyelinisierung des Marklagers als alleiniger Grund für das Entstehen von Demenzsymptomen. Neueren Forschungen zufolge entwickelt sich die Demenzallerdings nicht gleichzeitig mit den Marklagerschädigungen. Stattdessen kommt es zu neuropathologischen Veränderungen, die Alzheimer-ähnlich sind. Bislang ließ sich die exakte Entstehung der Krankheit jedoch noch nicht ermitteln.

Häufig leiden die betroffenen Patienten bei einer subkortikalen arteriosklerotischen Enzephalopathie bereits unter der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), einer arteriellen Hypertonie oder Infarkten in mehreren Hirnabschnitten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

In ihrem Anfangsstadium nimmt die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie einen schleichenden Verlauf und schreitet schubweise voran. Als frühestes Symptom der SAE gelten parkinsonartige Beschwerden. Dabei kommt es zu Zittern, Bewegungslosigkeit und Starre. Außerdem vermindern sich kognitive Eigenschaften wie Konzentration, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit.

Kaum davon in Mitleidenschaft gezogen wird jedoch das Altgedächtnis. Dagegen lassen sich neue Informationen nur noch unzureichend verarbeiten. Die Betroffenen sind daher kaum noch imstande, neue Situationen zu bewältigen. Routinearbeiten gelingen ihnen jedoch weiterhin und werden akribisch ausgeführt.

Bei manchen Patienten tritt nach einigen Jahren eine affektive und intellektuelle Verflachung auf, die mit neuropsychologischen Störungen einhergeht. Mit dem Voranschreiten der subkortikalen arteriosklerotischen Enzephalopathie kommt es oftmals zu einer vaskulären Demenz. Weitere typische Symptome der SAE sind Blasenstörungen, bei denen die Patienten unter Harnverlust und Harninkontinenz leiden, sowie Gangstörungen. Letztere sind durch einen tapsigen, breitbeinigen und unsicheren Gang gekennzeichnet.

Des Weiteren erfolgt eine spastische Erhöhung des Muskeltonus. Außerdem leiden die Patienten unter einer subkortikalen Demenz, die zu einem parkinsonähnlichen Verlust des Antriebs sowie zur Verlangsamung führt. Nicht selten zeigen sich auch Paranoia und Halluzinationen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer subkortikalen arteriosklerotischen Enzephalopathie lässt sich mithilfe von bildgebenden Verfahren wie einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) stellen. Mit diesen Methoden sind ausgedehnte Demyelinisierungen des Marklagers sowie lakunäre Infarkte gut zu erkennen. Diese werden als weißliche Herde um die Ventrikel herum angezeigt. Als wichtig gilt zudem die Differentialdiagnose. So können ähnliche Symptome unter anderem bei Morbus Alzheimer, einer Multi-Infarkt-Demenz, Multipler Sklerose, einer HIV-Enzephalopathie, einem Hirnödem oder Strahlenschäden auftreten.

Geht die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie in eine vaskuläre Demenz über, verkürzt dies die Lebenserwartung des Patienten. So ist die Sterblichkeit höher als bei der Alzheimer-Demenz. Außerdem kommt es oft zu schweren Stürzen oder Bettlägerigkeit.

Komplikationen

Eine subkortikale arterisklerotische Enzephalopathie ist immer mit starken Bewegungseinschränkungen verbunden. Der Betroffene kann im Verlauf der Erkrankung immer schlechter gehen und wird schließlich immobil. Häufig kommt es auch zu Stürzen und Unfällen, die den Patienten bettlägerig machen. Die verzögerte Wundheilung und das ständige Liegen können Folgebeschwerden wie Ödeme, Durchblutungsstörungen und Entzündungen hervorrufen.

Eine länger andauernde Bettlägerigkeit verschlechtert außerdem die kognitive Wahrnehmungsfähigkeit und ruft im Verlauf psychische Beschwerden und Veränderungen in der Persönlichkeit hervor. Davon ab kann die subkortikale arterisklerotische Enzephalopathie eine Blasenstörung hervorrufen. Häufig kommt es zu einem Harnverlust bis hin zur Inkontinenz.

In der weiteren Folge schreitet die Demenz voran und ruft paranoid-halluzinatorische Symptome hervor. Die Lebenserwartung des Patienten ist in der Regel reduziert. Die Behandlung der Gehirnerkrankung verläuft meist ohne größere Komplikationen. Allerdings rufen die verordneten Beruhigungsmittel unter Umständen starke Nebenwirkungen hervor.

Im Zusammenhang mit bestehenden psychischen Erkrankungen kann sich außerdem ein Suchtverhalten entwickeln. Die Ergotherapie kann bei dem Betroffenen Frust und Ängste hervorrufen, da Fortschritte meist nur sehr langsam erzielt werden. Eine Physiotherapie birgt das Risiko von zeitweiligen Verspannungen oder Blutergüssen, verläuft ansonsten jedoch beschwerdefrei.

Therapie & Behandlung

Weil die Ursachen der subkortikalen arteriosklerotischen Enzephalopathie noch weitgehend unbekannt sind, existiert keine spezielle Therapie für ihre Behandlung. Auch chirurgische Eingriffe können keine Besserung bewirken. Selbst eine Behandlung mit Medikamenten führt selten zum Erfolg. Aus diesem Grund steht das Vermeiden von lang- oder kurzfristigen Hypertonien im Vordergrund der Therapie. So stellen diese einen bedeutenden Risikofaktor der subkortikalen arteriosklerotischen Enzephalopathie dar.

Des Weiteren werden die extrapyramidalen Bewegungsstörungen behandelt, die ein typisches Merkmal der SAE sind. Im Zentrum der Therapie befindet sich das Kompensieren der Gangstörungen, Gleichgewichtsstörungen und Koordinationsschwächen. Wichtig ist, mit der Behandlung so früh wie möglich zu beginnen.

Ein weiterer Pfeiler der SAE-Therapie ist die Ergotherapie. Sie gilt besonders zur Behandlung der Koordinationsstörungen als sinnvoll. Des Weiteren erfolgen eine Inkontinenzberatung sowie das Verabreichen von entsprechenden Mitteln. Die Versorgung mit Inkontinenzmaterial trägt dazu bei, das Leben der Patienten zu erleichtern, was auch für deren Angehörige gilt.

Leidet der Patient unter Rastlosigkeit, können ihm zur Beruhigung in der Nacht sedierende Medikamente wie Haloperidol, Melperon oder Clomethiazol verabreicht werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Behandlung ist das kognitive Training. Dieses lässt sich auch gemeinsam von Ergotherapeuten und Psychologen vornehmen.

Ziel ist es, dem Patienten eine bessere Orientierung sowie mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu ermöglichen. Liegen Verhaltensstörungen vor, bevorzugen die Therapeuten mittlerweile nicht-pharmakologische Interventionen. Genügen diese Behandlungsmaßnahmen nicht, werden dem Patienten entsprechende Medikamente zugeführt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da die Ursachen der subkortikalen arteriosklerotischen Enzephalopathie weitgehend unbekannt sind, ist eine gezielte Vorbeugung kaum möglich. Auch gibt es keine Medikamente, die eine SAE oder eine vaskuläre Demenz verhindern oder zumindest verzögern können. Zwar werden bestimmte Präparate angeboten, doch liegt deren Schaden zumeist über ihrem Nutzen.

Bücher über Demenz

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: