Stottern

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. September 2017
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Stottern bzw. Balbuties stellt ein recht komlexes Geschehen dar, so dass auch die Bahandlung auf Grund der Vielseitigkeit der Ursachen mehrgleisig sein muss. Der Begriff Behandlung sei hier im weitesten Sinne des Wortes gebraucht und nicht nur im rein ärztlichen oder sprachpädagogischen Sinne verstanden. Daher kann man die eingangs gestellte Frage nur unter Beachtung aller Begleitumstände, die zum Stottern geführt haben, mit Ja, aber auch mit einem bedingten Nein beantworten. Was liegt dem Stottern zugrunde?

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Handelt es sich um ein Defekt im sogenannten Sprachzentrum des Gehirns, um ein angeborenes, gar erbliches Leiden, ist es vielleicht Ausdruck einer Nervosität oder Zeichen eines Nichtwollens, einer Ungezogenheit oder einer Trotzhaltung, die zum Stottern führt? Diese Fragen werden oftmals an den Arzt oder den Sprachpädagogen gestellt.

Wir wollen versuchen, diese Fragen kurz zu beantworten. Ein Hirndefekt ist nur anzunehmen, wenn nachweisbare krankhafte Veränderungen in bestimmten Hirnregionen zu finden sind. Diese Art des Stotterns ist mit noch weiteren Störungen der Sprache verbunden. Auf diese selteneren Ekrankungsfälle soll allerdings nicht hier eingegangen werden, ebenso nicht auf die Stotterer mit erheblichen Intelligenzmängeln.

Um ein angeborenes Leiden handelt es sich beim Stotterer nicht, wie auch die Erblichkeit auf Grund wissenschaftlicher Untersuchungen nicht beweisbar ist. Manche Leute sind der Meinung, dass Stottern zu den sogenannten nervösen Sprachstörungen gehört. Dazu kann man vom ärztlichen Standpunkt aus sagen, dass die Zeichen allgemeiner nervöser Übererregbarkeit bei stotternden Kindern und Jugendlichen wohl häufig zu beobachten sind. Sie stellen Begleiterscheinungen dar. Nicht die allgemeine Nervosität ist die Ursache, sondern eine Begleit- oder auch Folgeerscheinung, herrührend aus dem weiter unten zu beschreibenden Gesamtbild.

Trotzhaltungen, Ungezogenheiten, oder auch Widersetzlichkeiten als Gründe anzusehen, die zum Stottern führen, muss vom psychotherapeutischen oder nervenfachärztlichen Standpunkt abgelehnt werden. Wir beobachten allerdings, dass die weitaus meisten stotternden Kinder und Jugendlichen diejenigen ausmachen, die man als neurotisch bezeichnen muss. Mit diesen wollen wir uns hier vorwiegend befassen.

Neurosen sind Fehlsteuerungen von Organen oder ganzen Organsystemen durch das Steuer- und Reglerorgan, das Gehirn. Fast stets rühren sie von gestörten Beziehungen zwischen dem Gesamtorganismus und seiner Umwelt her.

Wie bei jeder Neurose, verbirgt sich auch hinter dem neurotischen Stottern ein in seinem Aufbau höchst kompliziertes körperliches und physisches Geschehen, das aufzudecken schwierig und nicht in allen Fällen restlos möglich ist, da wir nicht immer in der Lage sind, aus den kindlichen Äußerungsformen mit Sicherheit alle objektiven Grundlagen für die Entstehung und Beseitigung der Störungen des Funktionsablaufes aufzudecken.

Die hauptsächlichen Ursachen für die Entstehung der kindlichen Neurosen und demzufolge auch des Stotterns liegen in Störungen der zwischenmenschlichen Beziehungen des Kindes und seiner Mit- und Umwelt begründet. Bei den stotternden Kindern, bei denen man keine hinreichenden Umweltstörungen findet, beruht das Stottern bisweilen auf charakterlichen Eigenheiten, bei denen fast durchweg schwere Störungen auf dem Gebiet des Gefühls-, Willens- und Trieblebens vorliegen.

Bei den sowohl charakterlich eigentümlichen wie auch neurotischen Kindern finden sich keine intellektuellen Rückständigkeiten, manchmal verfügen diese Kinder sogar über eine recht gute Intelligenz. Stottern zeigt sich als Fehlfunktion in der Aussprachetechnik. Als Begleiterscheinungen sieht man daher nicht selten reiche, oft grimassenhafte Mitbewegungen der gesamten Gesichtsmuskulatur, der Arme, Beine und fehlerhafte Atemtechnik.

Typische Symptome & Anzeichen

Krankheitsverlauf

In psychischer Hinsicht wirken stotternde Kinder gehemmt, zugleich aber auch unruhig, scheu, gelegentlich aber auch herausfordernd. Die meisten Stotterer leiden unter ihrer Sprachstörung, daher ziehen sich diese Kinder, auch weil sie oftmals sehr gehänselt, geärgert und verspottet werden, von anderen zurück, verlieren dadurch das natürliche Kontaktbedürfnis und die dem Kind eigene Lebensfreude.

Vom nervenfachärztlichen und psychotherapeutischen Standpunkt aus ist man durchaus berechtigt zu sagen, dass den weitaus größten Anteil aller stotternden Kinder diejenigen darstellen, bei denen man Umweltstörungen feststellen kann. Dadurch wirken diese Kinder auch in ihrer Motorik (Körperbewegungen) unruhig, in ihrem Verhalten unstetig und werden auch wegen der bereits beschriebenen psychischen Andersartigkeit als nervös angesehen.

Es ist so zu sehen, dass die Umweltstörungen das Stottern bedingen und dies seinerseits die Persönlichkeit des Kindes so in Mitleidenschaft zieht, dass nervöse Begleit- und Folgeerscheinungen auftreten.

Komplikationen

Komplikationen im Zusammenhang mit dem Thema Stottern ergeben sich meist im sozialen Bereich des Betroffenen. Gerade unbehandeltes Stottern lässt den stotternden Menschen in vielen Fällen nach und nach soziale Situationen meiden. Man fürchtet Blicke und Spott Dritter und zieht sich lieber zurück. Dies kann sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich zum Zusammenbruch des gewohnten Alltags führen.

Gerade Kinder, die weder die gesundheitlichen Hintergründe des Stotterns verstehen noch ihre Emotionen diesbezüglich verbalisieren können, leiden unter der Situation. Ihnen droht die soziale Isolation. Wird Sprechen generell bedingt durch das Stottern vermieden, drohen auch Sprachentwicklungsverzögerungen, die später einer intensiven logopädischen Therapie bedürfen. Ohne eine solche Behandlung ist auch der Erfolg in der Schule gefährdet.

Komplikationen rund um das Stottern lassen sich entsprechend am besten durch eine rasch einsetzende Therapie vermeiden. Je nach individueller Ursache des Stotterns bringt aber auch eine Therapie nicht sofort die gewünschten Erfolge. Es dauert, bis eine normale Sprechweise wieder erlernt werden kann. Um psychosoziale Komplikationen zu vermeiden, kann deswegen auch eine Psychotherapie begleitend zur Logopädie angezeigt sein.

Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung des Stotterns ist es wesentlich, erst einmal die Ursache festzustellen, denn ein intellektuell minderentwickeltes Kind bedarf einer ganz anderen Behandlung als ein neurotisches. Im allgemeinen soll man dem stotternden Kind mit Ruhe und Vertrauen entgegentreten und die Sprachstörung nicht allzu stark beachten, denn je mehr Beachtung man ihr schenkt, desto unsicherer werden die Kinder und desto stärker tritt das Symptom in Erscheinung.

Einem Stotterer im Gespräch nicht auf den Mund zu sehen, ist ja hinreichend bekannt. Dann spricht der Stotterer meist ungezwungener und freier. Auffallenderweise tritt Stottern beim Lesen so gut wie gar nicht auf, beim Singen niemals. Man hat sich auch dieser Tatsachen in der Behandlung bedient.

Im übrigen kann man durch eine gezielte Sprachbehandlung, die meist durch Sprachpädagogen und auch in Sprachheilschulen betrieben wird, die Sprechtechnik ganz erheblich verbessern bzw. normalisieren. Abhängig von der Altersstufe, möglichst schon frühzeitig, kann man speziellere psychotherapeutische Maßnahmen einschalten. Bereits im Schulkindalter kann man das sogenannte autogene Training anwenden, das vor allem der Entspannung aber auch zugleich der Konzentration auf den Funktionsablauf einzelner Organe und Organsysteme dient.

Hypnose hat sich nicht bewährt. Durch geeignete Medikamente erreicht man eine Beruhigung und damit die Erhöhung der körperlichen und auch psychischen Belastungsfähigkeit beim stotternden Menschen, was sich bei der Behandlung günstig auswirkt. Allerdings dienen Arzneimittel nur als unterstützende Therapie. Es gibt kein Medikament, das das Stottern beseitigt.

Sehr wesentlich ist die Einstellung der Erzieher und Lehrer, vor allem wenn es sich um kindliche Stotterer, bei denen sich die Ursachen auf Umweltstörungen beziehen, handelt. Schläge, Ausschimpfen, Verbote und ähnliche derartige drastische sogenannte Erziehungsmaßnahmen verschlimmern das Symptom des Stotterns und frühren zu weiteren kindlichen Fehlhaltungen. Je freundlicher, ruhiger, gelassener der Umgangston ist, verbunden mit Maßnahmen, das das Selbstvertrauen heben, desto günstiger wirkt sich das für die Gesamtpersönlichkeit des stotternden Kindes aus.

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Bücher über Stottern

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009

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