Kognitive Dysphasie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Die kognitive Dysphasie ist eine Sprachstörung. Die Ursache sind Läsionen in Arealen der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses oder der Exekutivfunktion. Zur Behandlung erfolgt eine gezielte Sprachtherapie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist kognitive Dysphasie?

Sprache ist eine Verhaltensweise. Zum Sprechen braucht der Mensch nicht nur seine Zunge und seine Stimmbänder. Die Unversehrtheit der neuromuskulären Sprachstrukturen ist zwar eine Voraussetzung des Sprechens, es handelt sich aber bei Weitem nicht um die einzige. Um sprechen zu können, benötigt der Mensch zum Beispiel auch geistige Funktionen, um sein Verhalten unter der Berücksichtigung von Umweltbedingungen zu steuern.

Dieses Bündel an kognitiven Fähigkeiten gilt als kognitive Kontrolle. In diesem Zusammenhang ist auch Aufmerksamkeitsfähigkeit relevant. Nur wer seine Umwelt aufmerksam wahrnimmt, kann angemessen auf sie reagieren. Darüber hinaus spielt das Gedächtnis für jede Art des sprachlichen Ausdrucks eine wichtige Rolle, so insbesondere das Sprach- oder Bedeutungsgedächtnis.

Wenn eine der beschriebenen Funktionen beeinträchtigt ist, ist es auch das Sprachverhalten. Menschen mit Dysphasien leiden an einer Verminderung der Sprechfähigkeit, die einer leichten Aphasie entspricht. Der Begriff der kognitiven Dysphasie geht auf Heidler zurück. Die Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 2006. Diese Art der Aphasie ist eine Sprachverarbeitungsstörung, die mit einer Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und der Exekutivfunktion vergesellschaftet ist und oft zu einer Unverständlichkeit im Sprechen führt.

Nicht immer muss ein Patient mit Dysphasie allerdings gänzlich ausdrucksunfähig sein. Die kognitive Dysphasie ist ein Symptom von Läsionen im zentralen Nervensystem. In der Regel wird der Zustand von herdförmig anmutenden Läsionen in den Gehirnbereichen verursacht, die für das Sprachgedächtnis, die Aufmerksamkeit oder die Exekutivfunktionen relevant sind.

Ursachen

Die primäre Ursache der zerebralen Dysphasie-Läsionen kann unterschiedlicher Natur sein. Besonders oft ist die Dysphasie das Symptom eines Schlaganfalls und geht im Rahmen dessen auf eine Störung der zerebralen Blutversorgung zurück. Bei einer solchen Störung geht Nervengewebe im Bereich des Gehirns zugrunde, sodass es in den betroffenen Arealen zu einem kompletten oder anteiligen Ausfall der Funktionen kommt.

Auch im Rahmen von Unfällen kann eine kognitive Dysphasie eintreten, so vor allem im Zusammenhang mit Hirnblutungen. Hirnblutungen lassen den Hirndruck oft bedenklich ansteigen. In einer Folge dessen wird das Gehirn komprimiert. Funktionsstörungen in den betroffenen Bereichen sind die Folge. Neben Schlaganfällen und Blutungen können auch zerebrale Entzündungen, Tumore oder degenerative Erkrankungen Dysphasien begünstigen.

Im Zusammenhang mit Entzündungen kommt eine bakterielle Ursache ebenso in Frage wie eine autoimmunologische Ursache. Areale für die Aufmerksamkeitsleistungen liegen vor allem im Formatio reticularis des Hirnstamms, des Thalamus und des Frontalhirns. In der rechten Hirnhälfte sitzt die allgemeine Wachheit. Die linke Hirnhälfte beherbergt spezifische Konzentrationsleistungen.

Gedächtnisfunktionen liegen vor allem im limbischen System des Hippocampus und der Mandelkerne. Darüber hinaus sind das Frontalhirn und die Langzeitgedächtnisregionen in der linken Hirnhälfte als Wortspeicher relevant. Der Episodenspeicher liegt in der rechten Hälfte. Das sprach-logische Denken, Planen und Initiieren liegt im Frontalhirn und seinen Verbindungen zu anderen Gebieten.

Abhängig von den Symptomen im Einzelfall existieren unterschiedliche Arten der kognitiven Dysphasie. Eine Art der Dysphasie liegt an gestörter Aufmerksamkeit, die eine Verlangsamung in der Informationsverarbeitung zur Folge hat. Die Sprachverarbeitung verzögert sich und der Redefluss wirkt langsam. Kohärenzbrüche treten in den Äußerungen ein.

Aufmerksamkeitsselektionsstörungen führen dagegen zu Symptomen wie irrelevant verbaler Tätigkeit, da sie das Filtern von Informationen beeinträchtigen. Sprache wird bei dieser Variante unter Geräuschbedingungen kaum mehr wahrgenommen, da der Filter auch mit Umweltgeräuschen überfordert ist. Die Variante der Gedächtnis-Dysphasie sind Sprachsystemstörungen, die den Neuerwerb von Wissen im Generellen erschweren.

Häufige Symptome sind in diesem Fall eine Verarmung des sprachlichen Ausdrucks, Konfabulation, spontane Erfindungen und Sprachverständnisprobleme. Kognitive Dysphasien aufgrund von gestörten Exekutivfunktionen führt zu Sprachantriebsstörungen, Sprachhemmung oder Sprachenthemmung, Assoziationsströmen, falscher Wortwahl und Wortsalat. Besonders schwere kognitive Dysphasien sind oft mit einer Orientierungsstörung vergesellschaftet und manifestieren sich in konfus zusammenhanglosen, konfabulatorischen Äußerungen sowie vermindertem Sprachverständnis.

Diagnose & Verlauf

Die Dysphasie-Erfassung erfolgt mittels Screening von Heidler. Das Screening entspricht einer Aufmerksamkeit- und Gedächtnis-Diagnostik, das die Exekutivfunktionen mittels verbaler und nonverbaler Informationsverarbeitung prüft.

Aufmerksamkeit und Gedächtnis werden außerdem durch visuelle Rekognition der Objektabbildung und verbale Reproduktion von narrativen Texten geprüft. Neben dem Screening erfolgt eine neurologische Diagnostik, die mittels Bildgebung vor allem die Primärursache der Dysphasie ausmachen soll.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer kognitiven Dysphasie erfolgt durch einen Neuropsychologen, der auf das Training von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Exekutivfunktion spezialisiert ist. Wegen der wenigen Neuropsychologen in Niederlassung werden die Patienten alternativ an einen Sprachtherapeuten überwiesen, der eine speziell kognitiv ausgerichtete Sprachtherapie durchführt.

Die Behandlung muss störungsspezifisch erfolgen und richtet sich so genau auf die kognitiven Funktionen aus, die geschädigt wurden. Die Sprachverarbeitung des Patienten soll soweit verbessert werden, bis sie seinen Alltag kaum mehr beeinträchtigt. Oberste Priorität der Behandlung ist die Erzeugung von ausreichendem Aktivitätsniveau, wie es durch ein Training der Exekutivfunktionen, der selektiven Aufmerksamkeit, der Aufmerksamkeitsfokussierung und der mentalen Umstellfähigkeit erzielt werden kann.

Die Therapie ist oft langwierig und schwierig, da das Lernvermögen der Patienten bei schweren Hirnschädigungen eingeschränkt ist. Neben der Therapie des Symptoms erfolgt außerdem eine Therapie der primären Ursache, soweit das möglich ist. Entzündungen im Gehirn müssen mittels Cortison oder Antibiotika zum Abklingen gebracht werden. Ein erhöhter Hirndruck wird notfalls operativ gesenkt und Tumore werden chirurgisch entfernt.

Da das zentrale Nervensystem wegen seiner Spezialisierung nicht besonders regenerationsfähig ist, sind Hirnläsionen oft mit bleibenden Schäden assoziiert. Eine vollständige Wiederherstellung der Funktionen in den betroffenen Geweben lässt sich nur erreichen, wenn die einzelnen Funktionen durch gezieltes Training auf umliegendes Nervengewebe übertragen werden können.

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Vorbeugung

Einer kognitiven Dysphasie lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie Schlaganfällen, zerebralen Entzündungen, degenerativen Erkrankungen des Gehirns, Gehirntumoren, Blutungen und Traumata vorzubeugen ist.

Bücher über Sprachstörung

Quellen

  • Böhme, G. (Hrsg.): Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. Urban & Fischer, München 2006
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Tesak, J., Brauer, T.: Aphasie – Sprachstörungen nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma. Schulz-Kirchner, Idstein 2014 APHASIE

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