Hirndrucksteigerung

Letzte Aktualisierung am 9. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine Hirndrucksteigerung kann lebensgefährlich sein und erfordert in schweren Fällen dringend eine ärztliche Intervention. Die Ursachen des Syndroms können Schädelverletzungen und chronische oder akute Krankheiten sein. Ohne Behandlung drohen bleibende Hirnschäden bei Hirndrucksteigerung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hirndrucksteigerung?

Eine Hirndrucksteigerung bedeutet eine Erhöhung des im Inneren des Hirnschädels herrschenden Druckes über den physiologischen Normwert hinaus. Da Körpergewebe ein wässriges Milieu ist, kann dieser Druck in erster Näherung als hydrostatischer Druck beschrieben werden.

Hydrostatischer Druck ist der Druck in einer Flüssigkeit. Durch die Zunahme der Wassermenge im Gehirn kann der Schädelinnendruck ansteigen, weil das Volumen des Gehirns durch die knöcherne, starre Hirnschädelkapsel begrenzt ist. Der Schädelinnendruck (Intrakranieller Druck) kann dabei mit dem Hirninnendruck praktisch gleichgesetzt werden.

Als Norm bei Gesunden gilt für den Hirninnendruck ein Wert von 0 bis 10 Torr. 1 Torr ist der hydrostatische Druck einer 1 mm hohen Quecksilbersäule (“mmHg“, Hg: Chemisches Zeichen für Quecksilber). Bei einem Schädelinnendruck zwischen 10 und 20 Torr liegt eine leichte Hirndrucksteigerung vor, bis 30 Torr ist die Druckerhöhung definitionsgemäß mittelgradig ausgeprägt. Darüber hinaus spricht der Arzt von starker oder über 40 Torr von einer sehr starken Hirndrucksteigerung.

Ursachen

Eine Hirndrucksteigerung tritt bei Verletzungen und diversen Erkrankungen auf. Der erhöhte Schädelinnendruck kann die Folge eines Schädel-Hirn-Traumas (Abgekürzt: SHT) 3. Grades sein.

Diese, auch Compressio cerebri (Hirnkompression) genannte, Kopfverletzung führt stets zu Hirnblutungen (Hämatome) oder einem Hirnödem (Ödem: Wasseransammlung im Körper). Wegen des Anstiegs beider Flüssigkeitsanteile erhöht sich auch der Hirndruck. Eine Hirnblutung im Zuge eines Schlaganfalls ist ebenfalls auf diese beiden Faktoren zurückzuführen.

Zur Hirndrucksteigerung kann es auch kommen, wenn Tumore oder Abszesse im Gehirn entstehen und das gesunde Gewebe komprimieren. Auch eine Schwellung der Hirnhäute erhöht den Schädelinnendruck, wie dies bei einer Hirnhautentzündung (Meningitis) der Fall ist.

Doch auch ein Sonnenstich ist eine Hirnhautreizung – hier durch UV-Strahlung - und führt zum intrakranialem Druckanstieg. Sogar Hirnödeme verursacht das harmlos klingende Syndrom mit der Folge einer Hirndrucksteigerung.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im schlimmsten Fall kann eine Hirndrucksteigerung zum Tod des Betroffenen führen. Dieser Fall tritt in der Regel allerdings erst dann auf, wenn die Hirndrucksteigerung vollständig unbehandelt bleibt. Die Patienten leiden bei dieser Krankheit in erster Linie an starken Kopfschmerzen. Diese können sich auch in die Ohren oder sogar in den Rücken ausbreiten und dort ebenfalls zu Schmerzen führen.

Die Kopfschmerzen sind nicht selten mit Erbrechen oder mit Übelkeit verbunden, wobei sich die Betroffenen im Allgemeinen krank und abgeschlagen fühlen. Ebenfalls kommt es zu einem verlangsamten Puls und zu Störungen des Bewusstseins. Es treten Kribbelgefühle und Störungen der Durchblutung auf, die den Alltag des Patienten erschweren können.

In vielen Fällen führt die Hirndrucksteigerung dabei zu einer Lähmung der Augenmuskulatur und damit zu heftigen Sehbeschwerden oder zu einer vollständigen Erblindung. Im Allgemeinen kommt es durch die Hirndrucksteigerung zu einem Bluthochdruck, welcher sich sehr negativ auf die Gesundheit des Betroffenen auswirkt. Dadurch kann es auch zu einem Herzinfarkt kommen, an welchem der Betroffene versterben kann. Sollte die Erkrankung nicht behandelt werden, so verliert der Betroffene meist das Bewusstsein und fällt dann in ein Koma. Die Lebenserwartung wird bei dieser Erkrankung deutlich eingeschränkt und verringert.

Diagnose & Verlauf

Eine Hirndrucksteigerung zeitigt Symptome wie Kopfschmerz, Übelkeit bis zum Erbrechen, Abgeschlagenheit und geweitete Pupillen und Bradykardie (verlangsamter Puls). Der Arzt wird bei diesen Anzeichen nach der Vorgeschichte fragen (Unfall, Bewusstlosigkeit?) und sich nach weiteren Symptomen erkundigen (Nackensteife, Fieber bei Hirnhautentzündung).

Zu berücksichtigen ist, dass die Symptome umso schwächer ausgeprägt sind, desto langsamer der sich der Hirndruckanstieg entwickelte. Wenn der sich Zustand des Patienten verschlechtert, kann eine direkte Messung des intrakranialen Druckes erforderlich sein. Meist sind die betroffenen Menschen dann bereits bewusstlos oder gar im Koma.

Der Arzt führt eine spezielle, mit physiologischer Kochsalzlösung gefüllte Sonde in den angebohrten Schädel ein (Trepanation). Ohne Normalisierung des Schädelinnendrucks droht eine irreversible Gehirnschädigung durch Hirndrucksteigerung.

Komplikationen

Durch die Hirndrucksteigerung kommt es unbehandelt zum Tode des Patienten. Aus diesem Grund muss der Zustand sofort von einem Arzt behandelt werden. Es kommt weiterhin zu starken Schäden am Gehirn, die irreversibel sind und zu Komplikationen auch nach der Behandlung führen können. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen in erster Linie an starken Kopfschmerzen.

Diese können sich auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und dort zu Beschwerden führen. Nicht selten kommt es auch zu Erbrechen und zu einer Übelkeit. Die Patienten leiden an einem langsamen Puls und gegebenenfalls an Bewusstseinsverlust. Dabei kann es durch einen Sturz zu verschiedenen Beschwerden kommen.

In der Regel wird auch die Belastbarkeit des Patienten verringert und der Alltag stark erschwert. Es können auch Sehstörungen auftreten. In schwerwiegenden Fällen fällt der Patient in ein Koma. Die Behandlung der Hirndrucksteigerung richtet sich in der Regel nach der Ursache der Krankheit.

Bei einem Tumor wird in der Regel eine Strahlentherapie verwendet. Sollte ein Schlaganfall zur Hirndrucksteigerung geführt haben, so findet die Behandlung mit Hilfe von Medikamenten statt. Komplikationen treten dabei nicht auf. Allerdings kann es durch eine zu späte Behandlung zu Folgeschäden kommen, die irreversibel sind.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Personen, die plötzlich unter unspezifischen Kopfschmerzen und einem Druckgefühl im Bereich des Kopfes leiden, sollten einen Arzt aufsuchen. Falls weitere Symptome wie Übelkeit und Erbrechen oder Schwindel hinzukommen, muss umgehend medizinischer Rat eingeholt werden. Akute Beschwerden im Bereich von Kopf und Herz-Kreislauf-System deuten auf eine ernste Erkrankung hin, die untersucht und gegebenenfalls behandelt werden muss. Eine Hirndrucksteigerung äußert sich außerdem durch Bluthochdruck und eine Augenmuskellähmung. Sollten die genannten Symptome gleichzeitig auftreten, muss der Erkrankte den Rettungsdienst alarmieren.

In schweren Fällen müssen bis zum Eintreffen des Notarztes Erste-Hilfe-Maßnahmen geleistet werden. Anschließend ist in der Regel ein längerer Klinikaufenthalt angezeigt. Eine Hirndrucksteigerung tritt häufig in Verbindung mit einem Schädel-Hirn-Trauma auf. Auch Abszesse im Gehirn, eine Hirnhautentzündung oder ein Sonnenstich sind mögliche Auslöser. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, muss bei genannten Anzeichen umgehend einen Arzt konsultieren. Neben dem Hausarzt ist der Kardiologe der richtige Ansprechpartner. Im Zweifelsfall sollte der Betroffene umgehend in das nächste Krankenhaus gebracht werden.

Behandlung & Therapie

Eine Hirndrucksteigerung wird der Arzt mit der Beseitigung der jeweiligen Ursache behandeln. Liegt ein Gehirntumor vor, wird dieser nach Möglichkeit operativ entfernt. Es folgt eine Chemotherapie oder auch eine Bestrahlung.

Nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma schöpfen die Mediziner zunächst alle Chancen der medikamentösen Behandlung aus, um eine akuten Hirndrucksteigerung zu lindern. Kortisonähnliche Pharmazeutika (Glukokortikoide) wirken als Entzündungshemmer auch abschwellend. Parallel gehören wassertreibende Mittel (Diuretika) zur Medikation sowie Osmotherapeutika. Das sind einige Zuckerarten, die eine Flüssigkeitsverschiebung im Gewebe bewirken und die ödematösen Volumina ins Blut ableiten.

In schweren Fällen muss die Hirndrucksteigerung durch minimalinvasive oder operative Techniken angegangen werden. Dann führt der Arzt entweder eine Ventrikeldrainage durch oder als letzte Möglichkeit eine Dekrompessionskraniektomie. Dabei werden Partien des Hirnschädels entfernt, wodurch der Hirndruck gesenkt wird. Die Knochenfragmente setzen die Neurochirurgen nach überstandener Krankheit wieder ein.

Ein intensivmedizinisches Monitoring ist streng obligat, besonders in gravierenden Fällen von Hirndrucksteigerung.

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Aussicht & Prognose

Die Aussicht auf eine Heilung ist bei einer Hirndrucksteigerung an die ursächliche Erkrankung gebunden. Kommt es nach einem Unfall oder Sturz zu einer Schwellung im Kopfinnern, ist die Hirndrucksteigerung eine Folge der Verletzungen. Wurden keine Gefäße oder Gewebe beschädigt, kommt es in vielen Fällen innerhalb weniger Tage allmählich zu einer Rückbildung der Schwellung und damit zu einer Minimierung der Hirndrucksteigerung. Nach kurzer Zeit ist eine vollständige Genesung und Beschwerdefreiheit des Patienten zu erwarten.

Liegt eine Tumorerkrankung vor, ist die Prognose ungünstig. Unabhängig davon, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt, führt ein Wachstum des betroffenen Gewebes zu einem weiteren Anstieg des Hirndrucks. Aufgrund der geschlossenen Schädelform gibt es für das Gewebe keine Ausweichmöglichkeiten. Dies löst eine Enge im Kopfinnern aus und kann zum Platzen verschiedener Gefäße sowie dauerhafter Gewebeschädigungen führen. Damit besteht eine lebensbedrohliche Situation für den Patienten, die in schweren Fällen das frühzeitige Ableben zur Folge hat.

Grundsätzlich gilt, dass sich die Prognose deutlich verschlechtert, je länger der Druck anhält und je höher er ist. Neben einer Todesfolge kann der Patient einen komatösen Zustand oder dauerhafte Funktionsstörungen erleiden. Die Bewegungsabläufe oder Störungen des Herz-Kreislauf sowie der Atemtätigkeit sind die lebenslangen Folgen.

Vorbeugung

Einer Hirndrucksteigerung in der Prophylaxe zu begegnen heißt, die Auslöser zu vermeiden. Allgemeine Maßregeln einer gesunden Lebensführung können das Risiko eines Schlaganfalls mindern, Unfälle sind kaum kalkulierbar. Lediglich die Beachtung entsprechender Sicherheitsrichtlinien – zum Beispiel am Arbeitsplatz – sei anzuempfehlen. In diesem Zusammenhang wird auf die Benutzung eines Fahrradhelms hingewiesen.

Gerade Menschen in Risikogebieten sollten eine Impfung gegen Hirnhautentzündung erwägen. Gegen einen Sonnenstich hilft eine angemessene Kopfbedeckung im Hochsommer und ist damit eine sehr einfache Maßnahme auch letztlich gegen eine Hirndrucksteigerung.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Hirndrucksteigerung handelt es sich um eine schwerwiegende Erkrankung, sodass sich die Patienten in Lebensgefahr befinden. Deshalb werden Maßnahmen zur Selbsthilfe allein der Ernsthaftigkeit der Hirndrucksteigerung nicht gerecht und sind in jedem Fall zu unterlassen, solange sie nicht mit einem Mediziner abgesprochen sind. Um die persönlichen Chancen auf eine Heilung zu steigern, wendet sich der Patient im eigenen Interesse so schnell wie möglich an einen Facharzt. Nach der Diagnose und dem Behandlungsplan erhält der Patient die Möglichkeit, durch bestimmte Verhaltensweisen einen positiven Einfluss auf die Prognose der vorliegenden Hirndrucksteigerung zu nehmen.

Die Symptome sind zwar bei jedem Patienten anders ausgeprägt, generell beeinträchtigen sie die Lebensqualität jedoch stark. Es liegt daher im Eigeninteresse des Betroffenen, alltägliche Verpflichtungen zu reduzieren und sich ein hohes Maß an Ruhe zu gönnen. Sport ist üblicherweise nicht mehr in gewohntem Umfang ausführbar, auf bestimmte Sportarten ist gänzlich zu verzichten. Möchte der Patient sich weiterhin sportlich betätigen, so muss er dies in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abklären. Die Hirndrucksteigerung ist mittels Medikamenten und operativen Eingriffen therapierbar, wobei sich der betroffene Patient grundsätzlich an sämtliche ärztlichen Anweisungen hält.

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010

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