Erblindung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Dezember 2017
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Bei der Erblindung handelt es sich um die stärkste Sehbehinderung. Sie tritt in Folge verschiedener Krankheiten im Laufe des Lebens auf oder besteht bereis seit der Geburt. Gelten die Augen als wichtigstes Sinnesorgan des Menschen, ist der Verlust der Sehkraft oft durch weitere psychologische Beschwerden gekennzeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Erblindung?

Unter Erblindung wird der absolute Sehverlust verstanden. Betroffenen ist es nicht mehr möglich, sich über die Augen zu orientieren. Mittlerweile existieren zwar zahlreiche Hilfsmittel, die erblindeten Personen das Leben erleichtern sollen (zu diesen gehören beispielsweise speziell ausgebildete Blindenhunde oder eine mit dem Tastsinn erfassbare Schrift), dennoch gilt eine Erblindung als Einschnitt der Lebensqualität.

Bei den meisten Erkrankungen entwickelt sich Blindheit schleichend und nicht von dem einen Tag auf den anderen. Oft sind Krankheiten der Netzhaut für den Prozess verantwortlich. Aber auch Verletzungen können die Sehkraft sehr stark einschränken oder eliminieren.

Als absolut blind werden Menschen anerkannt, die kein Licht mehr wahrnehmen können. Dieser Zustand wird als Amaurose bezeichnet. Des Weiteren existiert eine Erblindung, wenn die Sicht des besseren Auges bei maximal zwei Prozent liegt.

Blindheit kann angeboren sein, wie zum Beispiel durch vererbte Netzhauterkrankungen, vorgeburtliche Fehlbildungen oder bedingt durch den Schwund der Sehnerven. In Deutschland ist der größte Teil der Erblindeten jedoch im Laufe ihres Lebens erkrankt.

Die Möglichkeit, die niedrige Sehkraft zu erhöhen, ist unter bestimmten Umständen gegeben und hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab. Beschwerden sollten deshalb zügig von einem Arzt abgeklärt werden.

Ursachen

Die Ursachen einer Erblindung liegen in unterschiedlichen Erkrankungen. Zu diesen gehört beispielsweise der Graue Star. Die Linse ist bei einem gesunden Auge dafür verantwortlich, dass das gesehene Abbild scharfe Umrisse annimmt, die dann an das Gehirn weitergeleitet werden. Der Graue Star hingegen sorgt für eine Trübung der Linse, wodurch diese ihre Funktion nicht einwandfrei erfüllen kann.

Stattdessen wird im weiteren Verlauf der Erkrankung ein Schleier hinter der Pupille sichtbar. Der Graue Star tritt insbesondere ab dem 65. Lebensjahr auf. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 400.000 bis 600.000 Menschen operativ behandelt. Ohne Therapie zählt der Graue Star weltweit zu den häufigsten Gründen einer Erblindung.

Als zweithäufigste Ursache kommt ein Glaukom in Frage, auch als Grüner Star bekannt. Unter dem Begriff werden mehrere Augenkrankheiten zusammengefasst, die sich schädigend auf den Sehnerv auswirken. Der Sehnerv stellt die Verbindung zwischen Augen und Gehirn dar. Das gesehene Abbild der Umwelt entsteht durch einfallendes Licht. Dieses wiederum löst bestimmte Reize auf der Netzhaut aus, die im weiteren Sehvorgang an das Gehirn vermittelt werden. Erst, wenn die Informationen im Gehirn angelangt sind, kann dieses die Reize auswerten und das Bild entsteht.

Ist der Sehnerv jedoch verletzt, so kann die Übertragung nicht mehr stattfinden. Stattdessen führt eine fortschreitende Verletzung zur Erblindung. 2012 gab es in Deutschland insgesamt 670.000 Menschen, die an einem Glaukom erkrankt waren.

Eine weitere potenzielle Ursache ist Diabetes. Die Stoffwechselkrankheit kann zu einer Schädigung der Netzhaut beitragen aufgrund von zerstörten Blutgefäßen. In der Netzhaut sitzen verschiedene Lichtsinneszellen, die ein Abbild bei Dunkelheit sowie Tageslicht ermöglichen. Eine Schädigung der Netzhaut führt dazu, das Betroffene das einfallende Licht nicht mehr wahrnehmen. Weil dieses im Sehvorgang eine bedeutende Rolle spielt, ist die Netzhaut ein wichtiges Element des Sinnesorgans.

Die Erblindung stellt einen evolutionären Nachteil dar. Sie weist das Potenzial auf, die Lebensgewohnheiten des Betroffenen einzuschränken, wodurch kein Nutzen des Zustandes besteht. Betroffene können jedoch lernen, ihre anderen Sinne zur Kompensation zu schärfen. Insbesondere Personen, die von Geburt an blind sind, verfügen meistens zB über ein besseres Gehör.

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Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Aus einer Erblindung können weitere Beschwerden resultieren. Zum einen steigt die Unfallgefahr, zum Beispiel bei dem Überqueren einer Ampel oder bestimmten Aufgaben im Alltag. Als bedeutender werden oft jedoch die psychischen Konsequenzen wahrgenommen, welche sich insbesondere bei Personen äußern, die im Laufe ihres Lebens aufgrund von Krankheiten ihr Augenlicht verlieren.

Die Sinneswahrnehmung durch die Augen kann gar nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt erfolgen. Ein Sehen ist dem Betroffenen daher nicht mehr möglich. Dies gilt auch unter Zuhilfenahme etwaiger Sehhilfen. Von einer Vollblindheit (Amaurose) wird dabei nur dann gesprochen, wenn überhaupt keine optischen Sinne mehr verarbeitet werden können.

Aber auch eine ausreichend schlechte Sehfähigkeit gilt als Symptom der Blindheit. Zugrunde gelegt wird hierbei eine Sehschärfe von 1/50 oder schlechter auf dem besseren Auge. Symptom einer Blindheit kann medizinisch auch die stark eingeschränkte oder nicht vorhandene Sehfähigkeit auf lediglich einem Auge meinen.

Blindheit als solche kann zu Folgesymptomen führen, die sich unter anderem aus dem erhöhten Verletzungsrisiko und einer gewissen psychischen Belastung, die Erblindete erfahren, ergeben. Das Notwendigwerden von Alltagshilfen kann zu entsprechenden Abhängigkeiten und Verhaltensänderungen führen. Der Verlust der Sehkraft kann zudem zu starken psychischen Leiden führen.

Anzeichen einer Erblindung gibt es häufig, insofern eine voranschreitende oder chronische Erkrankung die Ursache derselben ist. Zumeist trübt sich die Sicht vorerst oder das Gesichtsfeld wird allmählich eingeschränkter. Wie sich eine Erblindung ankündigt, ist ursachenabhängig. Eine unfallbedingte Blindheit oder eine solche, die auf irreparable Schäden in den Strukturen des Auges, der Sehnerven oder des Gehirns, zurückgeht, kann hingegen auch akut auftreten.

Psychische Schwierigkeiten mit der Erblindung können meist in verschiedene Phasen eingeteilt werden. Während Betroffene zu Beginn in ihrem Leben stagnieren und oft eine Veränderung der Gewohnheiten ablehnen, wird in der Phase der Konfrontation die Haltung der Verleumdung aufgegeben. Stattdessen kommt es zu einer Zahl psychischer Beschwerden wie Frust, Wut, die Suche nach Schuldigen, Auseinandersetzung mit Dritten und einem erhöhten Aggressionspotential. Es folgt die Episode der Depression, in der die Erblindung erstmal bewusst wahrgenommen und in der abschließenden Phase akzeptiert wird.

Eine Erblindung kann jedoch auch dauerhaft zu Depressionen führen. Obwohl mittlerweile zahlreiche Hilfsmittel und Betreuungsmöglichkeiten existieren, fühlen Erblindete sich nicht selten im Alltag überfordert und sozial ausgegrenzt. Insbesondere in den ersten Monaten benötigen sie eine erhöhte Aufmerksamkeit, welche wiederum das Gefühl von Abhängigkeit aufkommen lassen kann.

Einige Betroffene nehmen sich selber teilweise als Last für Angehörige und Pfleger wahr. Zudem kann der Verlust der Unabhängigkeit zu weiteren psychischen Beschwerden führen. Weil die Orientierung zunächst über die Augen erfolgt, müssen bei einer Erblindung die anderen Sinnesorgane geschult werden, um den Verlust auszugleichen. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, dass Betroffene nach einiger Zeit eine Verbesserung von Orientierung und der Bewältigung alltäglicher Aufgaben aufweisen. Dennoch stellt die Blindheit eine Einschränkung der Lebensqualität und die langfristige Abhängigkeit von anderen dar.

Komplikationen

Eine Erblindung selbst führt zu keinen medizinischen Komplikationen, die den Gesundheitszustand eines Patienten weiterhin verändern könnten. Allerdings wird durch die Erblindung der Alltag des Patienten extrem stark eingeschränkt. Es ist für den Betroffenen nicht mehr möglich, sich alleine und ohne fremde Hilfe fortzubewegen.

Dies kann vor allem bei jungen Menschen zu starken psychischen Problemen und Depressionen führen. Im schlimmsten Falle kommt es zu Selbstmordgedanken und schließlich zum Selbstmord. Auch das soziale Leben wird durch die Erblindung stark eingeschränkt. Der Betroffen leidet ebenso an einer erhöhten Unfallgefahr.

Eine Behandlung ist bei einer Erblindung nicht möglich und wird auch nicht durchgeführt. Daher treten hierbei keine weiteren Komplikationen ein. Allerdings ist es für den Patienten möglich, einige Bewegungshilfen zu nutzen. Dazu gehören der Blindenstock oder ausgebildete Hunde, die den Blinden im Alltag begleiten.

In der Regel wird die Lebenserwartung durch eine Erblindung nicht heruntergesetzt. Allerdings kann der Patient nicht alle Krankheiten oder Verletzungen selbst erkennen, sodass bestimmte Symptome nur spät erkannt und behandelt werden. Hierbei kann es zu unterschiedlichen Komplikationen kommen, die vom Symptom abhängen.

Das können Sie selbst tun

Die Diagnose kann den Betroffenen seelisch und körperlich aus seiner Bahn werfen. Oft wird es erforderlich sein, sich psychologische Unterstützung zu holen - professionell oder in Selbsthilfegruppen; denn die Angehörigen sind meist hilflos und überfordert.

Die Diagnose betrifft alle Lebensbereiche. Wie sieht es mit der Berufs- und Familienplanung aus, wie mit der finanziellen Absicherung? Kann umgeschult werden? Für die institutionellen Rahmenbedingungen steht der "Ratgeber für Menschen mit Behinderung" des BMAS zur Verfügung.

Der Betroffene selbst lernt, seine Wohnung und seinen Arbeitsbereich zu strukturieren und kontrastreich einzurichten. Auch Familienangehörige und Arbeitskollegen sollten sich an die Struktur halten, denn der Betroffene legt sich für alle möglichen Vorgänge eine "mind map" an: Was er nicht erinnert oder nicht findet, existiert nicht. Die Suche nach diesen Kleinigkeiten kostet unnötig viel Zeit und Nerven und erinnert den Betroffenen jedes Mal an den Krankheitsprozess. Aus diesem Grunde sollten auch keine Gegenstände im Weg herumliegen, über die der Betroffene stolpern und sich verletzen könnte.

In Abhängigkeit vom Funktionsausfall steht eine Vielzahl von optischen Hilfsmitteln und Hilfsmitteln für den Alltag zur Verfügung, die alljährlich auf der Anfang Mai in Frankfurt/Main stattfindenden Messe "SightCity" vorgestellt werden. Bei regionalen Aktionstagen der Blinden- und Sehbehindertenverbände gibt es ebenfalls Gelegenheiten, die optischen Hilfsmittel zu testen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine vollständige Erblindung ist in der Regel nicht zu beheben, sofern diese seit Geburt besteht. Wenn jedoch mit der Zeit erhebliche Sehstörungen wahrzunehmen sind, dann sollte so schnell wie möglich ein entsprechender Arzt aufgesucht werden. Sehstörungen können aus unterschiedlichsten Gründen entstehen, sodass an dieser Stelle höchste Vorsicht geboten ist. Die häufigste Ursache einer nachträglichen Erblindung ist die Verschleppung einer Infektion bzw. einer Entzündung.

Eine Infektion im Auge kann unter Umständen das Bindegewebe oder auch die Hornhaut angreifen, sodass die Sehkraft verloren gehen kann. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass der Gang zum Arzt nicht hinausgezögert wird. Erste Anzeichen einer Infektion sind ein gerötetes Auge und Eiterbildung, die mit der Zeit stärker wird. Entzündungshemmende Wirkstoffe können sehr effektiv und hilfreich sein, sie dürfen allerdings nur durch einen entsprechenden Arzt verschrieben werden. Somit gilt: Wer eine Erblindung vermeiden möchte, der sollte schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Durch eine ärztliche und medikamentöse Behandlung können eventuelle Folgeschäden frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Bücher über Sehbehinderung

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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