Herpes simplex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Herpes simplex ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren hervorgerufen wird. Die Krankheit unterteilt sich in 2 Unterformen. Während Typ 1 (HSV-1) überwiegend an der Lippe lokalisiert ist, tritt Typ 2 (HSV-2) vorrangig an den Genitalien auf. Normalerweise verläuft diese Erkrankung harmlos, kann jedoch in Einzelfällen gefährlich werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Herpes simplex?

Das Wort "Herpes" leitet sich aus der altgriechischen Sprache von "herpein" (= "kriechen") ab. Damit ist die kriechende Ausbreitung der einzelnen Hautläsionen gemeint. "Simplex" bedeutet "die einfache Form". Durch diesen Zusatz ist die Erkrankung vom Herpes Zoster abzugrenzen, dem Erreger von Windpocken und Gürtelrose.

In den meisten Fällen treten beide Typen des Herpes als Hautkrankheit auf. Vereinzelt kann bei immungeschwächten Menschen auch eine generalisierte Form entstehen. Meist geschieht dies durch eine Herpes-Sepsis oder Entzündungen innerer Organe, wie auf der Netzhaut (Herpes-simplex-Retinitis) des Auges oder in der Speiseröhre (Herpes-simplex-Ösophagitis). Etwa 90% aller Erwachsenen sind von HSV-1 befallen, während es bei HSV-2 nur 5% bis 30% sind.

Ursachen

Bei einem Menschen, der einmal im Laufe seines Lebens mit dem Herpesvirus infiziert wurde, verbleibt die Erkrankung latent in den Nervenknoten (Ganglien) des Körpers.

Die Erstinfektion kann symptomlos verlaufen. Das Virus ruht lebenslang im Körper, was als persistierende Infektion bezeichnet wird. Tatsächlich ist die Erkrankung auch in diesem Zustand übertragbar. HSV-1, der vorwiegend als Lippenbläschen in Erscheinung tritt, wird bereits im Kindesalter weitergegeben.

Dies geschieht entweder über den direkten Schleimhautkontakt (z.B. Küssen) oder als Tröpfcheninfektion durch die Luft (z.B. Niesen, Anhauchen). Eine Ansteckung mit HSV-2 kommt vorwiegend beim Geschlechtsverkehr zustande. Die Infektion zählt daher zu den sexuell übertragbaren Krankheiten.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Juckreiz bzw. Hautjucken
  • Bläschen mit eitriger Verkrustung
  • ggf. Spannungsschmerzen im betroffenen Areal

Diagnose & Verlauf

Nur in 1% der Fälle kommt es bei einer Erstinfektion von HSV-1 zu Beschwerden. Typischerweise tritt die erste Erkrankung in Form der Mundfäule auf (Stomatitis aphtosa). Aphten und Läsionen an der Mundschleimhaut sind die Folge. Es kann auch zu Bläschen an den Lippen führen. Meist handelt es sich um eine Ansammlung und nicht um einzelne Läsionen wie bei einer Rezidive.

Ein Akutzustand bei einer Herpes-Infektion geht mit einem typischen Verlauf einher. Es beginnt mit einem Spannungs- und Schwellungsgefühl an einer Stelle der Lippen (bei HSV-1). In wenigen Stunden ist eine sichtbare Schwellung vorhanden. Nach 1 bis 2 Tagen bildet die Haut eine Reihe kleiner, flüssigkeitsgefüllter Bläschen aus. Im Verlauf von weiteren 3 bis 5 Tagen verkrusten die Bläschen und trocknen ein.

Bei HSV-2 verläuft die Erstinfektion in den meisten Fällen mit starken Beschwerden. Im Prinzip ist eine Infektion mit Genitalherpes ähnlich wie ein Ausbruch von HSV-1. Wegen der empfindlichen Region ist HSV-2 jedoch deutlich schmerzhafter ausgeprägt. Das Virus kann durch häufige Rezidive im schlimmsten Fall zu jahrelangem Leiden führen.

Herpes simplex kann über verschiedene Wege diagnostiziert werden. Meist genügt eine klinische Diagnose. Durch eine Laboruntersuchung des Blutes kann festgestellt werden, ob Antikörper gegen HSV-1 oder HSV-2 vorhanden sind. Diese Methode ist jedoch nur begrenzt aussagekräftig.

Da die Durchseuchungsrate für Lippenherpes etwa 90% beträgt, hat die Mehrzahl der Menschen im Labor positive Werte, ohne dass ein Zusammenhang mit der aktuellen Symptomatik herstellbar wäre. Eine teure und sehr aufwändige Diagnosetechnik ist die PCR-Methode (Polymerase-Kettenreaktion), wodurch die DNA des Virus bei Vorhandensein direkt nachgewiesen werden kann.

Komplikationen

Eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus kann schwere Komplikationen hervorrufen. Zunächst besteht die Gefahr, dass sich die Infektion auf bereits geschädigte Hautareale ausbreitet. Eine solche Superinfektion erschwert den Heilungsprozess erheblich und ist mit weiteren Allgemeinsymptomen wie Fieber und Abgeschlagenheit verbunden.

Bei bestimmten Risikogruppen (Neugeborene, HIV-Kranke, Patienten unter Chemotherapie) kann es in Folge von Herpes simplex zu einer Überlastung des Immunsystems kommen. Daraus können lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungenentzündungen, Herpes-Encephalititis oder eine Herpes-Entzündung des Gehirn auftreten. Mitunter kann es auch zum Befall der Augen (Herpes simplex retinitis) kommen, verbunden unter anderem mit einer Einschränkungen der Sehkraft und Vernarbungen der Hornhaut.

In schweren Fällen kann eine Infektion eine Herpes-Sepsis hervorrufen. Dabei kommt es zur Blutvergiftung und einem teilweisen Ausfall des Immunsystems, der meist tödlich endet. Selten kommt es auch zum Nervenbefall und in der Folge zu Nervenlähmungen und Funktionsstörungen. Mitunter kann eine Infektion mit dem Virus auch zu einer Herpes-simplex-Meningoenzephalitis führen.

Dabei handelt es sich um eine Entzündung des Gehirns, die mit grippeähnlichen Symptomen und Bewusstseinsstörungen verbunden ist. Bleibt die Meningoenzephalitis unbehandelt, kann sie zum Koma oder gar zum Tod des Betroffenen führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Herpes simplex ist in der Regel eine harmlose Infektion, die normalerweise keiner ärztlichen Behandlung bedarf. Fast jeder Mensch trägt den Herpesvirus in sich. Zeitweise kann er jedoch aktiv werden, wobei sich die Infektion meist durch Bläschen auf der Lippe bemerkbar macht. In seltenen Fällen gibt es andere Lokalisationen des Virus, Sonderformen oder generalisierte Infektionen, die eine ärztliche Untersuchung notwendig machen.

Der Arzt sollte unter anderem aufgesucht werden bei Befall größerer Hautareale mit Herpesbläschen (Ekzema herpeticatum), bei Auftreten von Netzhautentzündungen, bei Gesichtslähmungen, bei Stomatitis aphthosa (Mundfäule) oder Speiseröhrenentzündung. Ein Ekzema herpeticatum ist oft mit schwerem Krankheitsgefühl verbunden und kann bei immungeschwächten Personen sogar zu einer Herpes-Simplex-Enzephalitis führen, die oft tödlich verläuft. Daher muss der Arzt umgehend konsultiert werden, wenn plötzlich neben hohem Fieber auch psychotische Symptome wie Verhaltensänderung, Verwirrtheit oder Desorientierung auftreten. Die durch Herpesviren ausgelöste Netzhautentzündung kann ohne ärztliche Behandlung gegebenenfalls zur Blindheit führen.

Auch ein generalisierter Herpes simplex sollte zum Anlass genommen werden, einen Arzt aufzusuchen, da es hier zu Sepsis ähnlichen Krankheitsverläufen kommen kann. Bei einer Herpesinfektion während der Schwangerschaft muss ebenfalls unbedingt ein Arzt konsultiert werden, weil ein hohes Risiko für die Übertragung des Virus auf das ungeborene Kind besteht. Zur Vermeidung einer Infektion muss das Kind durch einen Kaiserschnitt entbunden werden. Dringend behandlungsbedürftig sind auch Herpesinfektionen von Neugeborenen, weil diese zu schweren Komplikationen einschließlich einer Herpes-Simplex-Enzephalitis führen können.

Behandlung & Therapie

Therapiert wird Herpes simplex vorrangig mit Virostatika (Medikamente gegen Viren). Gängige Präparate sind Aciclovir oder Penciclovir. In leichten Fällen wird eine Creme für die Haut mit den ensprechenden Wirkstoffen verordnet. Bei schwerwiegenden Erkrankungen oder abwehrgeschwächten Menschen können die Medikamente auch in Tablettenform oder als Infusion verabreicht werden. Eine Alternative sind Herpespflaster, die durch Hydrokolloide ein feuchtes Polster um die Bläschen herum bilden und auf diese Weise eine Ausbreitung verhindern.

Die Krankheit an sich ist nicht heilbar. Es kann lediglich der akute Ausbruch behandelt werden. Der Krankheitsverlauf wird durch die Medikamente verkürzt und abgemildert. Die Viren in den Nervenzellen konnten bisher durch keine Therapie vernichtet werden.

Aktuell wird in der Forschung der Fokus auf Helikase-Primase-Inhibitoren gesetzt, die an den Enzymen ansetzen, die das Virus zur Duplizierung benötigt. Bisher konnten in Tierversuchen bereits erste Erfolge verzeichnet werden. Wissenschafltich nicht nachgewiesen ist die Wirksamkeit bestimmter Hausmittel, wie Zahnpasta, Zinkpaste oder Teebaumöl.

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Vorbeugung

Eine Rezidive geht häufig mit einer immungeschwächten Situation einher, beispielsweise mit einer Erkältung. Um eine Reaktivierung der Viren zu vermeiden, ist eine gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen wichtig. Bei einem akuten Ausbruch ist der Hautkontakt mit anderen Personen zu vermeiden. Bei HSV-2 sollte während einer Rezidive kein Geschlechtsverkehr stattfinden.

Das können Sie selbst tun

Herpes simplex ist eine Viruserkrankung, die insbesondere bei Menschen mit einem geschwächten oder instabilen Immunsystem ausbricht. Betroffene können daher durch ihren Lebenswandel viel dazu beitragen, dass ihr Organismus gestärkt ist und bleibt.

Dafür sollte er sich möglichst gesund ernähren und ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Eine vitaminreiche und ausgewogene Kost hilft, um Übergewicht zu vermeiden und fördert die eigene Gesundheit. Ausreichende Bewegung, das Treiben von Sport oder insbesondere in den Wintermonaten regelmäßige Saunagänge unterstützen das Immunsystem ebenfalls und tragen zur Aufrechterhaltung des eigenen Wohlbefindens bei. Menschen, die davon überzeugt sind, dass der Herpes simplex aufgrund psychischer Probleme, Stress oder emotionaler Belastungen auftritt, sollten selbständig Rahmenbedingungen schaffen, bei denen diese Auslösefaktoren möglichst minimiert werden.

Bereits bei dem ersten Gefühl einer Bläschenbildung durch den Herpes simplex sollte der Betroffene Maßnahmen der Linderung einleiten. Die Viren breiten sich ohne ein Eingreifen häufig innerhalb weniger Stunden aus und vermehren sich. Die Beschwerden können mit medizinischen Präparaten oder verschiedenen Hausmitteln gelindert und behandelt werden. Zu vermeiden ist das Öffnen der Herpesbläschen. Die Flüssigkeit in den Bläschen ist ansteckend und kann zu weiteren Bläschenbildungen in den umliegenden Regionen führen. Um eine Ansteckung grundsätzlich zu vermeiden, ist der Austausch von Speichel mit infizierten Personen zu unterlassen.

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Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Lehnert, H., Werdan, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2006

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