Fettstoffwechsel

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 28. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Unter Fettstoffwechsel, auch als Lipidstoffwechsel bezeichnet, sind alle Stoffwechselvorgänge zu verstehen, die Aufnahme und Verwertung verschiedener Lipide beinhalten. Dazu gehört die Verdauung von Fetten und fettähnlichen Substanzen, und auch die Umwandlung von Fetten in Energie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Fettstoffwechsel?

Zentraler Ort für Auf- und Abbau der Fette ist die Leber.

Durch die Nahrung aufgenommene Fette und fettähnliche Substanzen werden zunächst im Magen emulgiert und teilweise gespalten. Dieser komplexe Vorgang setzt sich in der Leber, im Darm, der Muskulatur und im Fettgewebe fort.

Zentraler Ort für Auf- und Abbau der Fette ist die Leber. Der Lipidstoffwechsel besteht aus einem exogenen und einem endogen Stoffwechsel. Beide dienen der Versorgung des Organismus mit Triglyceriden und Cholesterin.

Beim exogenen Fettstoffwechsel gelangen die Fette als Chylomikronen, das sind Lipoproteinpartikel, über die Lymphe in den Blutkreislauf. Davon spalten sich Triglyceride ab und werden vom Muskel- und Fettgewebe aufgenommen. Die restlichen Chylomikronen wandern in die Leber.

Während des endogenen Fettstoffwechsels finden komplizierte Transport- und Umbauvorgänge statt. Eine Gruppe von Lipoproteinen, die VLDL, Very Low Density Lipoprotein, dienen dem Transport von Triacylglyceriden, Phospholipiden und Cholesterin in die Gewebe.

Durch Umwandlung entstehen aus VLDL in den Blutgefäßen die an Triglycerid ärmeren und dafür an Cholesterol reicheren Lipoproteine intermediärer Dichte, sogenannte IDL. Parallel entstehen daraus auch Lipoproteine mit geringer Dichte, die LDL, die ebenfalls arm an Lipoprotein-Triglyceriden sind, aber reich an Cholesterol-Lipoproteinen.

Mit speziellen Rezeptoren wird LDL in die Gewebe geschleust. Das dorthin gelieferte Cholesterol ist zusammen mit anderen fettlöslichen Substanzen für die Synthese von Steroidhormonen und Vitamin D verantwortlich. Überschüssiges LDL wird wieder von der Leber aufgenommen.

Wichtig sind zudem die Lipoproteine hoher Dichte, HDL genannt, für den Schutz von Herz und Gefäßen vor zuviel Cholesterol. Spezielle Transportproteine holen den Überschuss ab.

Funktion & Aufgabe

Anders als bei der Glukose, die eine zentrale Rolle als Energielieferant für alle Zellen spielt, werden Lipide nur von einer minimalen Anzahl von Zellen als Grundversorgung benötigt. Hauptaufgabe der Fette ist daher die Speicherung.

Was der Körper nicht benötigt, wird im Depot gelagert. Herrscht Nahrungsmangel, können die benötigen Fette dank der Lipidspeicherung vom Organismus abgerufen werden. Insofern sind die Fette für einen gut funktionierenden Organismus unerlässlich. Lipide liefern hochwertige Energie und Wärme und versorgen damit Muskulatur, Zellen und Organe.

Fette haben vielfältige Aufgaben und Funktionen. Sie dienen als Energiespeicher für alle Vorgänge im Körper, die Energie erfordern. Als Bausteine bilden sie die Grundstruktur für alle zellulären Membranen. Diese dünnen Gewebeschichten aus Lipiden und Eiweißen grenzen sich gegenüber äußeren Einflüssen ab, um das innere Milieu aufrechtzuerhalten.

Fette dienen zudem als Synthesevorstufe für eine große Anzahl biologisch aktiver Verbindungen. Dazu gehören Hormone und hormonähnliche Substanzen. Über die Nahrung werden Triglyceride, Cholesterin und Fettsäuren aufgenommen. Triglyceride sind die eigentlichen, wichtigen Blutfette, die hauptsächlich Energie liefern für Fett- und Muskelzellen. Sie sind in pflanzlichen Ölen und tierischen Fetten enthalten.

Cholesterin kommt vorwiegend in Nahrungsmitteln tierischer Herkunft vor. Genaugenommen sind Cholesterine Fettbegleitstoffe und keine Fette. Auch Cholesterin liefert den Fett- und Muskelzellen Energie, dient darüber hinaus als Baustein für Zellwände, ist am Aufbau der Nerven beteiligt, an der Bildung von Sexualhormonen, an der Cortisonproduktion und herzanregenden Stoffen, trägt zur Vitamin D-Synthese bei und ist ein wichtiger Faktor für die Bildung von Gallensäuren. Diese spielen eine zentrale Rolle bei der Fettverdauung und -ausscheidung.

Fettsäuren, zu denen sowohl die gesättigten, als auch die ungesättigten gehören, finden sich vor allem in Pflanzenfetten. Sie liefern Energie, unterstützen das Immunsystem, sind an zahlreichen anderen Stoffwechselvorgängen beteiligt und können Depressionen lindern. Auch an enzymatischen Reaktionen haben Lipide ihren Anteil.


Krankheiten & Beschwerden

Fettstoffwechselstörungen sind in der westlichen Welt weit verbreitet. Gründe sind eine ungesunde Lebensführung und eine stark fett-und zuckerhaltige Ernährung. Allerdings spielt auch die genetische Veranlagung eine Rolle.

In den Industrieländern treten insbesondere Gefäßerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Ursachen sind hier eine zu kalorienreiche Ernährung, kombiniert mit Bewegungsmangel. Lipidstörungen lassen sich anhand einer Erhöhung der Blutfettwerte feststellen.

Zu einer Fettstoffwechselentgleisung kommt es, wenn Transport, Verarbeitung und Herstellung von Lipiden nicht mehr richtig funktionieren. Eine Lipidstörung wird in zwei Kategorien unterteilt, die primäre und die sekundäre Form.

Bei der primären Form handelt es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung. Bei angeborener Fettstoffwechselstörung sind bereits im Kindesalter Fetteinlagerungen in der Haut zu beobachten. Die Cholesterinwerte sind deutlich erhöht und schon im Kindesalter entwickeln die Patienten Gefäßverkalkungen.

Bei der sekundären Form liegen meistens Grunderkrankungen wie Diabetes, Übergewicht, Stress oder Schilddrüsenfehlfunktionen vor. Die Folgen sind für die Betroffenen beider Formen gleich. Es kommt zu einem Anstieg des Gesamtfettanteils des Blutes, einer Störung des Transports und der Blutfettverarbeitung.

Eine Erhöhung der Blutfettwerte gehört zu den am weitesten verbreitete Lipidstörungen und wird noch einmal in zwei Kategorien unterteilt: hohe Cholesterinwerte und hohe Triglyceridwerte. Anders als das Triglycerid produziert der Körper selbst Cholesterin und ist daher auf die Zufuhr über Nahrungsmittel kaum angewiesen. Aufgrund der Vielzahl cholesterinhaltiger Lebensmittel ist die Aufnahme jedoch stark angestiegen, der Überschuss kann nicht mehr abgebaut werden.

Die primäre, genetisch bedingte Fettstoffwechselstörung zieht in der Regel eine Cholesterinerhöhung nach sich. Während die sekundäre Form einen Anstieg der Triglyceridwerte zur Folge hat.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Usadel, K.-H., Wahl, P.: Diabetologie und Stoffwechsel. In: Bob, A. u. K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

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