Lymphe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Die Lymphe ist Teil des Lymphsystems, das für den Körper das wichtigste Transportsystem neben dem Blutkreislauf darstellt.

Es ist verantwortlich für die Entgiftung, Abwehr, Reinigung des Körpers und die vollständige Überwachung der Gesundheit. Es kann viele Komplikationen und Krankheitsbilder beeinflussen. Die Lymphe dient vor allem der Ausscheidung von Krankheitserregern, da sie gemeinsam mit den Lymphozyten im Lymphknoten die Erreger vernichtet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Lymphe?

Die Bezeichnung Lymphe stammt vom lateinischen Wort Lympha, das klares Wasser bedeutet. Die Pluralform "lymphae" diente als Bezeichnung römischer Frischwassergottheiten. Die Lymphe benennt die hellgelbe, leicht milchig trübe und wässrige Flüssigkeit, die sich in den Lymphgefäßen befindet und als Zwischenglied zwischen der Gewebsflüssigkeit und dem Blutplasma fungiert.

Sie sammelt sich in den Gewebsspalten und ist auch unter den Bezeichnungen Zwischenzellflüssigkeit und Gewebsflüssigkeit bekannt. Im Vergleich zum Blutplasma enthält sie weniger Protein. Sie setzt sich aus Elektrolyten, Proteinen, Chylomikrone und den weißen Blutkörperchen zusammen, die auch als Leukozyten bezeichnet werden.

Anatomie & Aufbau

Die Lymphe entsteht aus extrakapillärer Flüssigkeit, die in den Interzellularraum durch die Blutkapillaren austritt und nicht mehr in den Blutkreislauf zurückkehren kann. Sie umspült alle Zellen. Die Zellen entnehmen aus ihr die Stoffe, die sie benötigen und scheiden ihre Abfallstoffe in die Lymphflüssigkeit aus.

Die Lymphe enthält daher Abfallstoffe, die aus dem Interzellularraum abtransportiert werden sollen und unterscheidet sich deshalb von der Interzellularflüssigkeit. Die Lymphe sammelt sich in den Lymphkapillaren, welche sich zu größeren Gefäßen zusammenschließen und zu den Lymphknoten führen. In den Lymphknoten wird die Lymphe gesammelt und gefiltert. Mittels abführender Gefäße verlässt die Flüssigkeit die Lymphknoten.

Die Lymphgefäße vereinigen sich zum Lymphbrustgang, in den auch die Lymphgefäße münden, die das resorbierte Fett des Darms transportieren. Der Inhalt des Lymphbrustgangs ergießt sich in die Schlüsselbeinvene auf der linken Seite und auf diesem Wege kehrt die Lymphe wieder in den allgemeinen Blutkreislauf zurück.

Zwei bis drei Liter Lymphflüssigkeit pro Tag werden vom Körper des Menschen produziert. Die Lymphe besteht aus Lymphplasma und Zellen. Ihre Bestandteile sind Kalzium, Phosphat, Kalium, Kreatinin, Glucose, Natrium, Harnstoffen, Katalase, Diastase, Lipase, Dipeptidase, Fibrinogen und Fibrinvorläufer. Lymphe aus dem Magen oder Darm weist üblicherweise eine trübere Farbe auf und heißt Chylus.

Funktion & Aufgaben

Die wichtigste Funktion der Lymphe und des gesamten Lymphsystems liegt im Transport von Nähr- und Abfallstoffen. Das Lymphsystem spielt mit seinen Lymphgefäßen, die als Bahnen dienen, neben dem Blutkreislauf die wichtigste Rolle für den Transport im Körper. In den Lymphknoten findet die Entsorgung von Krankheitserregern, Fremdkörpern und Bakterien statt. Die Lymphe erledigt den Abtransport gelöster Stoffe, Eiweiß und Lipide und spielt eine bedeutende Rolle im Immunsystem, weil sie Fremdkörper und Keime zu den Lymphknoten transportiert, wo die Lymphozyten darauf reagieren.

Die Lymphe und das Lymphsystem sind zuständig für die Entgiftung, die Gewebsdrainage und die Immunabwehr. Alle Stoffe, die nicht direkt aus dem Gewebe in die Blutgefäßwände des Blutkreislaufes abgeführt werden können, weil es aufgrund ihrer molaren Masse oder Hydrophobie nicht möglich ist, werden mittels der Lymphe transportiert. Überschüssige Flüssigkeit aus dem Gewebe wird über die Lymphgefäße abgeleitet.

So übernimmt die Lymphe auch den Transport der vom Darm resorbierten Lipide, die zuerst durch den Lymphbrustgang gelangen, von wo sie in die Venen und in die Leber gelangen, um dort dem Stoffwechsel zugeführt zu werden. Eine sehr wichtige Funktion übernimmt die Lymphe im Immunsystem, da sie mit der Bildung von Lymphozyten auf Krankheitserreger reagiert und diese dann im ganzen Körper bekämpft werden können. Diese Vermehrung von spezifischen Zellen, die sogenannten T-Zellen und B-Zellen, im Lymphknoten, wird als Keimzentrumsreaktion bezeichnet.

Krankheiten

Da sich dauernd neue Gewebsflüssigkeit bildet, kann der Abtransport durch die Lymphgefäße Probleme bereiten. Bei Krankheiten kann es dazukommen, dass mehr Flüssigkeit aus den Kapillaren austritt als normal und somit kann die Flüssigkeit nicht so rasch abtransportiert werden.

Eine solche Störung des Lymphsystems sind die sogenannten Lymphödeme. Hierbei handelt es sich um Schwellungen, die entstehen, wenn die Flüssigkeit des Gewebes nicht abfließen kann. Das bedeutet, dass sich im Gewebe Flüssigkeit einlagert. Die Lymphe staut sich und das Gewebe schwillt an. Vermehrt sind die Extremitäten von Lymphödemen betroffen, aber auch in anderen Körperregionen können Ödeme auftreten.

Sehr gefährlich kann ein Lungenödem sein, welches zu einem Ertrinken in der eigenen Lymphe führen kann, die sich in den Lungenbläschen angehäuft hat. Ein Lungenödem kann entstehen, wenn die linke Herzhälfte geschwächt ist und sich ein Blutstau im kleinen Kreislauf bildet.

Die Lymphangitis bezeichnet eine Erkrankung der Lymphbahnen, die durch Bakterien ausgelöst wird und eine Entzündung der Lymphbahnen nach sich zieht. Die Lymphadenitis definiert entzündete Lymphknoten. Tumore können sich ebenfalls über das Lymphsystem verbreiten. Krebszellen werden von einem Primärtumor über die Lymphgefäße transportiert und bilden Metastasen.

Das Ausbreiten von Tumorzellen über die Lymphbahnen wird auch als lymphogene Metastasierung bezeichnet. Um die Metastasierung einzudämmen, werden die Lymphknoten bei krebskranken Patienten häufig operativ entfernt.

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