Adenoide

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. August 2017
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Als Adenoide oder Adenoide Vegetationen bezeichnet man eine Vergrößerung der Rachenmandeln. Sie sind ein typisches Problem des Kindesalters und können zu verschiedenen gesundheitlichen Störungen führen. Nicht selten müssen die Adenoide operativ entfernt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Adenoide?

Als Adenoide oder adenoide Vegetation wird die Vergrößerung der Rachenmandeln bezeichnet, wofür die Mediziner auch den Begriff Hyperplasie verwenden. Vergrößerte Rachenmandeln können zu einem mechanischen Problem werden, indem sie den Nasen-Rachen-Raum einengen und/oder zu chronisch entzündlichen Veränderungen führen, von denen nicht nur der Rachenraum betroffen ist, sondern auch die Lunge und das Mittelohr.

Betroffen sind fast ausschließlich Kinder zwischen dem 3. und 7. Lebensjahr, da sich mit der Pubertät das Rachenmandelgewebe wieder zurückbildet, bei Erwachsenen ist es häufig komplett verschwunden. Adenoide stellen an sich keine Erkrankung dar, problematisch werden sie erst, wenn sie gesundheitliche Beschwerden verursachen. Im Volksmund werden Adenoide fälschlicherweise als Polypen bezeichnet.

Ursachen

Die Rachenmandeln befinden sich am Dach des Nasen-Rachen-Raums und gehören zusammen mit den Gaumenmandeln zum lymphatischen Rachenring, der der Abwehr von Krankheitserregern dient, die über Nase und Mund eingedrungen sind.

Die Abwehrfunktion wird dabei von Lymphfollikeln übernommen, die sich im Gewebe der Mandeln befinden und aktiv werden, sobald sie Kontakt mit Krankheitserregern haben.

Die Vergrößerung der Rachenmandeln ist auf die Vergrößerung und zahlenmäßige Zunahme der aktiven Lymphfollikel zurückzuführen, einem komplizierten immunologischen Prozess, der einen Teufelskreis in Gang setzt:

Die der Abwehr dienende Entzündungsreaktion führt zur Vergrößerung der Rachenmandel, dadurch kommt es zu einem Sekretstau im Mandelgewebe, der wiederum weitere Entzündungsreaktionen begünstigt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der Waldeyer'sche Rachenring besteht aus Zungenmandel, Gaumenmandel und Rachenmandel.

Adenoide können zu einer Behinderung von Nasenatmung und Sekretabfluss über die Nase, Schnarchen und Atemstörungen bzw. Atemaussetzern während des Schlafs führen.

Durch den gestörten Schlaf werden die Kinder chronisch müde und unkonzentriert. Geatmet wird überwiegend durch den Mund, weshalb die betroffenen Kinder häufig den Mund offen stehen haben.

Durch die Behinderung der Nasenatmung werden chronische Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum bis hin zur Bronchitis begünstigt und auch das Mittelohr in Mitleidenschaft gezogen, für dessen einwandfreie Funktion die normale Nasenatmung wichtig ist.

Die Folge sind häufige Mittelohrentzündungen, die im ungünstigsten Fall zur Schwerhörigkeit führen können, wodurch die Sprachentwicklung der Kinder behindert wird.

Auch die allgemeine Entwicklung der Kinder ist durch die häufigen Infekte und Schlafstörungen beeinträchtigt. Die Diagnose wird durch eine klinische HNO-ärztliche Untersuchung gestellt, bei der der Rachenraum inspiziert wird.

Differentialdiagnose

Ausgeschlossen werden müssen Erkrankungen, wie Choanalatresie und Juveniles Nasenrachenfibrom.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Adenoide sind ein natürliches Phänomen und bedürfen meist keiner weiteren medizinischen Abklärung. Kommt es in Folge der vergrößerten Mandeln allerdings zu gesundheitlichen Problemen, sollte ein Arzt die Ursache feststellen und die Polypen gegebenenfalls entfernen. Wucherungen der Rachenmandeln bedürfen einer Abklärung, sobald Beschwerden wie eine näselnde Sprache, intensives Schnarchen oder Infektion im Mund- und Rachenraum auftreten. Bleiben diese Begleiterscheinungen länger als einen Monat bestehen, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Ein sofortiger Arztbesuch ist vonnöten, wenn grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Ohrenschmerzen hinzukommen. Möglicherweise hat sich dann bereits eine akute Mittelohrentzündung gebildet, die umgehend behandelt werden muss. Davon ab muss mit Adenoiden zum Arzt gegangen werden, wenn die vergrößerten Mandeln das Allgemeinbefinden beeinflussen oder sich in sonstiger Weise negativ auf den Gesundheitszustand auswirken. Die genannten Symptome treten üblicherweise zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr auf und sind ein Indikator für vergrößerte Rachenmandeln. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt von der Art und Intensität der Beschwerden sowie möglichen Vorerkrankungen ab. Generell sollte bei dem Verdacht auf adenoide Vegetationen mit dem zuständigen Kinderarzt gesprochen werden, damit weitere Schritte eingeleitet werden können.

Behandlung & Therapie

Adenoide können nur durch eine Operation beseitigt werden, bei der die vergrößerte Rachemandel mit einem speziellen Instrument ausgeschält wird. Der Eingriff dauert meist nur wenige Minuten und wird in Vollnarkose durchgeführt.

Im Gegensatz zur operativen Entfernung der Gaumenmandeln, die mit einem gewissen Nachblutungsrisiko behaftet ist, ist die Entfernung der Rachenmandeln meist ambulant möglich. Voraussetzung ist, dass die betroffenen Kinder keine schweren Grunderkrankungen oder Gerinnungsstörungen haben, eine zuverlässige Betreuung durch Sorgeberechtigte in den ersten 24 Stunden nach dem Eingriff durchgängig gewährleistet und bei Problemen der Anfahrtsweg zum Operateur nicht zu weit ist.

In den ersten Tagen sind Schluckbeschwerden und eine schwellungsbedingte Behinderung der Nasenatmung und Ohrendruck möglich. Nachblutungen sind mit 0,8 % aller Eingriffe äußerst selten und bedürfen noch seltener ärztlicher Maßnahmen. Operiert wird nur, wenn die betroffenen Kinder auch tatsächlich ernsthafte gesundheitliche Probleme haben, häufig unter Infekten leiden, Schlaf- und Gedeihstörungen haben oder aber unabhängig von Adenoiden an schweren Atemwegserkrankungen leiden wie z. B. Asthma.

Die Operation ist zudem nicht unumstritten: Da sich spätestens mit Beginn der Pubertät das Rachemandelgewebe zurückbildet, ist es durchaus möglich, das damit auch die Probleme durch die Adenoide verschwinden.

Aussicht & Prognose

In der Regel kommt es bei dieser Krankheit relativ häufig zu Entzündungen an den Mandeln und zu Erkältungen. Der Betroffene leidet dabei an Grippen, Husten, an Schnupfen und damit an einer verringerten Lebensqualität. Nicht selten wirkt sich die Krankheit auch auf das Schnarchen aus und verstärkt dieses. Gegebenenfalls kann das verstärkte Schnarchen auch zu Beschwerden in einer Beziehung und zu Problemen mit dem Partner führen.

In einigen Fällen wird auch die Sprache undeutlicher, was zu sozialen Problemen und zu Problemen im Alltag führen kann. Weiterhin kommt es im Verlauf der Krankheit zu einem Druck auf den Ohren und damit oft auch zu Hörproblemen. Einen kompletten Verlust des Gehörs erleidet der Patient allerdings nicht. Ebenso treten häufig Mittelohrentzündungen auf, die den Alltag erschweren. Kinder wirken durch die Krankheit oft müde und abgeschlagen und können sich nicht mehr konzentrieren.

In den meisten Fällen ist es möglich, die Adenoide durch einen operativen Eingriff zu entfernen, wobei es zu keinen weiteren Komplikationen oder Beschwerden kommt. Die Symptome verschwinden nach dem Eingriff komplett. Nur in seltenen Fällen kann es nach dem Eingriff zu Nachblutungen kommen.

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Vorbeugung

Die Entstehung von Adenoiden und ihren Folgeerkrankungen kann durch vorbeugende Maßnahmen nicht verhindert werden, denn letztendlich ist sie die Folge der normalen Immunabwehr des lymphatischen Rachenrings. Häufige Infekte des Nasen-Rachen-Raums, Mittelohrentzündungen, Mundatmung und Schlafstörungen sollten Eltern jedoch dazu bewegen, die Ursache durch eine HNO-ärztliche Untersuchung abklären und sich beraten zu lassen.

Prognose

Nachdem die Rachenmandel operativ entfernt wurde, sind die meisten Kinder ohne weitere Beschwerden. Eventuell sollte bei einer Nachbehandlung das Nachwachsen der Mandeln erneut operativ entfernt werden. Bei Paukenergüssen kann es notwendig werden mit Langzeitpaukendrainagen zu therapieren.

Das können Sie selbst tun

Der Entstehung von Adenoiden kann am ehesten durch ein gut funktionierendes Immunsystem vorgebeugt werden. Vor allem für Menschen mit Vorbelastungen bietet sich ein gesunder Lebensstil an. Dieser sollte ausreichende Bewegung, eine abwechslungsreiche Ernährung und ausreichend viel Schlaf beinhalten. Das gibt dem Körper die Möglichkeit virale und bakterielle Erreger effektiv zu bekämpfen und so den Symptomen vorzubeugen. Sollten schmerzhafte Schwellungen auftreten, empfiehlt sich ein zeitnaher Gang zum Arzt. Durch eine frühzeitige Behandlung kann der chronische Verlauf der Krankheit, mit den damit verbundenen Komplikationen, möglicherweise vermieden werden.

Bei bereits bestehenden Symptomen sollten Betroffene vorrangig weiche und kühle Nahrung zu sich nehmen. Die hilft entzündete Bereiche nicht noch mehr zu reizen. Das starke Würzen von Speisen sollte ebenso vermieden werden wie der Konsum säurehaltiger Produkte. Beides kann zu Rachenbrennen führen. Speiseeis hingegen kann helfen um Schluckschmerzen zu lindern. Da Rauchen die Bildung von Entzündungen fördert, sollte auf jeden Fall darauf verzichtet werden.

Bei der Wahl des Getränkes sollten Fruchtsäfte gemieden werden, da die in ihnen enthaltene Säure den Rachenraum reizt. Besser eigenen sich entzündungshemmende Flüssigkeiten wie z.B. Salbei- oder Pfefferminzetee.

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Quellen

  • Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Gortner, L., Meyer S., Sitzmann F. C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

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