Gedeihstörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. November 2017
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Gedeihstörungen bei Babys kommen bedingt durch die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen heute meist nicht mehr in gesundheitsgefährdenden Dimensionen vor. Bei Anhaltspunkten, dass ein Kind nicht richtig gedeiht, ist ärztliche Hilfe aber unerlässlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Gedeihstörung?

Von einer Gedeihstörung spricht man dann, wenn ein Säugling oder Kleinkind sich nicht altersgerecht zu entwickeln scheint. Bei Neugeborenen macht man dies am Gewichtsverlauf fest.

In den ersten Lebensmonaten sollten sie durchschnittlich 200 Gramm pro Woche zunehmen. Sollte dieser durchschnittliche Wert dauerhaft deutlich unterschritten werden, kann eine Gedeihstörung vorliegen. Gedeihstörungen im Kleinkindalter werden neben dem Gewichtsverlauf und Größe auch am motorischen und sprachlichen Entwicklungsverhalten festgemacht.

Verläuft die motorische Entwicklung beispielsweise extrem verlangsamt, wenn gleichzeitig auch Gewicht und Größe unterdurchschnittlich sind, kann eine Gedeihstörung vorliegen.

Ursachen

Ursachen einer Gedeihstörung liegen beim Säugling meist in einer zu geringen Nahrungsaufnahme begründet. Stillen ist nach wie vor eindeutig die beste Nahrung für Säuglinge und ist auch von Natur aus hochkalorisch.

Wenn das Stillen gut läuft, bekommt ein Baby hierüber alle Energie, die es benötigt. Stillprobleme, auch solche, die von der Mutter zunächst gar nicht bemerkt werden, können aber auch Ursache einer Gedeihstörung sein. Weitere Ursachen können eine unzureichende Energie- und Nährstoffaufnahme über den Brei sein. Zwischen dem 5. und dem 7. Lebensmonat beginnt man in der Regel mit der Beikost.

Wird dann abgestillt oder werden die Milchfläschchen reduziert, wenngleich das Kind aber noch nicht genug Breikost zu sich nimmt, kann die Gewichtskurve deutlich absinken. Damit verbunden sein kann eine in dieser Phase verlangsamte Entwicklung. Auch im weiteren Kleinkindalter sind Gedeihstörungen meistens darauf zurückzuführen, dass betroffene Kinder nicht genug essen oder in erster Linie leere Kalorien zu sich nehmen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der Verlauf einer Gedeihstörung kann schleichend sein. Gerade beim ersten Kind und in den ersten Lebenswochen hat man als Eltern noch keine großen Erfahrungen und auch oftmals keine direkten Vergleichsmöglichen zu anderen Babys, wie diese gedeihen. Deswegen fällt es nicht immer direkt auf, wenn ein Kind nicht richtig gedeiht.

Aus diesem Grund wird die Diagnose Gedeihstörung oft zum ersten Mal beim Kinderarzt ausgesprochen. Bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen werden die Kinder gemessen und gewogen, auch der Kopfumfang wird festgehalten. Aus diesen Werten kann der Kinderarzt ablesen, auch welcher Perzentilkurve sich das Baby oder das Kleinkind bewegt. Alles, was unterhalb der Perzentilkurve liegt, gilt als untergewichtig beziehungsweise deutlich zu klein. In diesem Fall muss die weitere Entwicklung noch genauer beobachtet werden.

Komplikationen

In der Regel kann eine Gedeihstörung zu sehr schwerwiegenden Beschwerden und Komplikationen beim Kind führen. Im schlimmsten Falle verstirbt das Kind aufgrund der Gedeihstörung, wenn diese nicht behandelt wird oder die Behandlung erst verzögert eintritt. Es kommt dabei oft zu einer Unterernährung und damit zu einer Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen und Vitaminen.

Die Entwicklung des Kindes ist dadurch eingeschränkt und kann nicht gewöhnlich ablaufen. Aus diesem Grund kommt es zu Störungen des Wachstums und auch zu Störungen der geistigen Entwicklung und der Intelligenz. Bei einer andauernden Gedeihstörung tritt auch eine Retardierung auf, die in der Regel nicht mehr im Erwachsenenalter behoben werden kann.

In den meisten Fällen kann eine Gedeihstörung relativ gut behandelt werden, wobei die Mutter allerdings immer ärztlichen Rat einholen muss, um Folgeschäden vorzubeugen. Durch eine ausreichende und gesunde Ernährung können Komplikationen vermieden werden, sodass es zu keinen weiteren Beschwerden kommt. Die Lebenserwartung des Kindes wird dabei nicht beeinflusst, wenn die Störung rechtzeitig erkannt und behandelt wird. In einigen Fällen leiden die Eltern aufgrund der Gedeihstörung an psychischen Beschwerden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wird bei einem Kind eine Gedeihstörung von den Angehörigen oder Personen der näheren Umgebung wahrgenommen, sollte ein Arzt konsultiert werden. Bei einer Entwicklungsstörung des Kindes ist es notwendig, dass rechtzeitig Kontrolluntersuchungen eingeleitet werden. Zeigt das Kind im direkten Vergleich zu Gleichaltrigen deutliche Verzögerungen der Entwicklung, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ist das Wachstum vermindert, sind die kognitiven Fähigkeiten deutlich verringert oder ist eine Lernschwäche erkennbar, sind die Beobachtungen ärztlich abklären zu lassen.

Kommt es zu Konzentrationsstörungen, ist die Aufmerksamkeit des Kindes ungewöhnlich, treten Orientierungsschwierigkeiten auf oder zeigen sich Gedächtnisstörungen, wird ein Arzt benötigt. Neigt das Kind zu einer sozialen Isolation und wendet es sich von Gleichaltrigen, Familienmitgliedern oder anderen Menschen des Umfeldes ab, ist es ratsam, einen Arzt zu kontaktieren. Besorgniserregend sind Verhaltensauffälligkeiten wie ein aggressives Auftreten, die Verweigerung der Nahrung oder Störungen bei der Verarbeitung von Informationen sowie Reizen der Umgebung.

Entsteht durch die Nahrungsverweigerung eine Unterernährung oder entwickelt sich eine Essstörung muss ein Arztbesuch erfolgen. Hautauffälligkeiten, Regulationsproblematiken und Unregelmäßigkeiten des Stoffwechsels sollten von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Bei Teilnahmslosigkeit, Schlafstörungen, der Entwicklung von Ängsten, Apathie oder einer Verminderung der Lebensfreude, ist es notwendig, einen Arzt aufzusuchen.

Behandlung & Therapie

Um eine Gedeihstörung effektiv zu behandeln, ist es notwendig, ihre Ursachen zu kennen. Hier muss medizinisch angesetzt werden. Stellt sich beispielsweise heraus, dass Stillprobleme die Ursache der Gedeihstörung sind, so soll und muss dies keinesfalls das Abstillen bedeuten.

Kinderarzt und Hebamme können der Mutter wichtige Tipps zur erhöhten Milchbildung geben. Auch ein festes Schema zum Anlegen an die Brust kann hilfreich sein, um die Milchproduktion weiter anzuregen und dem Baby so mehr hochkalorische Nahrung zukommen zu lassen. Regelmäßiges Wiegen, was aber nicht in Zwang ausarten sollte, sichert den Erfolg der Behandlung.

Vereinzelt mag es bei Säuglingen auch notwendig sein, zumindest phasenweise zuzufüttern, bis die Gewichtskurve und die Gesamtentwicklung wieder zufriedenstellend sind. Leidet ein Kleinkind an einer Gedeihstörung, muss zunächst der alltägliche Speiseplan analysiert werden. Kleine Kinder haben oft Phasen, in denen sie wenig essen möchten, gleichzeitig aber einen hohen Bewegungsdrang haben. Dies kann die Gewichtskurve zum Abstürzen bringen. Hochkalorische Speisen, viel Milch beispielsweise, können oft eine Gedeihstörung schnell beheben. Auch hier sind regelmäßige Kontrollen wichtig.

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Vorbeugung

Stillende Mütter können einer möglichen Gedeihstörung am besten vorbeugen, indem sie sich schon vor der Geburt mit dem Thema Stillen befassen. Stillgruppen beispielsweise bieten viele Tipps und Tricks für Anfänger an. Wenn man zu Beginn weiß, auf was man am besten achten soll, klappt es oftmals viel besser und Gedeihstörungen treten seltener auf.

Jeder Mutter ist die Hebamme eine wichtige Hilfe. Bei Problemen kann sie auch über die achte Lebenswoche hinaus die junge Familie begleiten. Hebammen beraten auch in Ernährungsfragen. Bei Verdacht auf eine Gedeihstörung ist auch der Weg zum Kinderarzt eine gute Maßnahme der Vorbeugung. Stellt er wirklich eine Störung des Gedeihens fest, kann man mit entsprechenden Maßnahmen sofort gegensteuern, bevor das Gedeihen ernstlich gefährdet ist.

Das können Sie selbst tun

In den meisten Fällen kann eine Gedeihstörung gut vermieden werden. Auch bei der Behandlung stehen den Patienten verschiedene Mittel der Selbsthilfe zur Verfügung, die die Beschwerden einschränken können.

Nach der Geburt sollte sich die Mutter direkt mit dem Stillen befassen. Dabei können nützliche Informationen direkt im Krankenhaus oder bei Stillgruppen erworben werden. Dadurch können die Störungen in den meisten Fällen vollständig vermieden werden. Auch die Hebamme kann dabei eine Hilfestellung geben und zu einer richtigen und gesunden Ernährung beraten. Je früher eine Gedeihstörung erkannt wird, desto schneller und einfacher kann diese wieder behandelt werden. Bei einer Gedeihstörung sollte die Milchproduktion angeregt werden. Auch ein regelmäßiges und häufiges Wiegen des Kindes kann dieser Störung entgegenwirken. Denn häufig kommt es beim Füttern von kleinen Kindern und Babys zu Schwierigkeiten. Bei einem hohen Bewegungsdrang sollte die Ernährung in Form eines kalorienreichen Essens zugeführt werden. Allerdings sollten die Eltern immer auf ein gesundes Gewicht und auf eine gesunde Ernährung achten.

Bei Fragen ist es immer ratsam, sich direkt an einen Arzt zu wenden. Eine direkte medizinische Behandlung der Gedeihstörung ist dabei nur in wenigen Fällen notwendig.

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Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hellstern, G., et al: Kurzlehrbuch Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Kerbl, R. et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2011

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