Zwölffingerdarmgeschwür

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2017
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Ein Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) ist eine Schädigung der Darminnenwand. Im Detail liegt hierbei eine triefgreifende und übermäßige Magensaft-Sekretion vor, die die Wand des Zwölffingerdarms angreift. Neben Rauchen, Stress und Medikamenten kann auch das Bakterium Bakterium Helicobacter pylori für die Erkrankung eines Zwölffingerdarmgeschwür verantwortlich sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Zwölffingerdarmgeschwür?

Der Zwölffingerdarm (Duodenum) ist ein circa 30 cm langer, c-förmiger Darmteil und liegt zwischen dem Magenausgang und dem Dünndarm. Das Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) ist ein tiefer Substanzdefekt in dessen Wand. Dieser Defekt reicht per Definition tiefer als die unterhalb der Schleimhaut liegende Muskelschicht.

Ein Geschwür ist die häufigste Erkrankung des Duodenums und ist circa fünf Mal so oft wie ein Magengeschwür. Ist nur die Schleimhaut betroffen, spricht man von einer Erosion. Bis zu zwei Prozent aller Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einem Zwölffingerdarmgeschwür, Männer dabei deutlich häufiger als Frauen. Der Häufigkeitsgipfel liegt dabei im mittleren Lebensalter.

Ursachen

Damit ein Zwölffingerdarmgeschwür entstehen kann, muss es allgemein zu einem Missverhältnis von schleimhautschützenden und schädigenden Faktoren gekommen sein. Die häufigste Ursache ist ein Befall mit einem Bakterium (dem Helicobacter Pylori), welcher in 90% der diagnostizierten Zwölffingerdarmgeschwüre nachzuweisen ist. Dieser kann durch bestimmte Anpassungsvorgänge, z.B. die Ausbildung neutralisierender Enzyme, im sauren Milieu des oberen Magen-Darm-Trakts nicht nur überleben, sondern sich auch vermehren.

Zusätzliche schädigende Faktoren sind der Gebrauch bestimmter Medikamente (z.B. Diclofenac und Aspirin), Stress (körperlich und psychisch) sowie Durchblutungsstörungen. Seltene Ursache für ein Zwölffingerdarmgeschwür ist eine Tumor-Erkrankung, bei der die Produktion von Magensäure massiv gesteigert wird (durch so genannte gastrinproduzierende Tumore). Auch konnte gezeigt werden, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 deutlich häufiger an einem Zwölffingerdarmgeschwür erkranken, die Ursache ist noch nicht vollständig geklärt.

Typische Symptome & Anzeichen

Krankheitsverlauf

Infogramm zur Anatomie und Lage eines Zwölffingerdarmgeschwürs. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Die Symptome eines Zwölffingerdarmgeschwürs sind zum Anfang der Erkrankung völlig unspezifisch, daher wird die Diagnose oft erst spät gestellt. Typische Beschwerden sind dabei Appetitlosigkeit (mit Abneigung gegen bestimmte Speisen), Übelkeit und Druck in der Magengegend oder Völlegefühl im mittleren Oberbauch. Ungewollter Gewichtsverlust und Stuhlauffälligkeiten können ebenfalls auftreten.

Fängt das Zwölffingerdarmgeschwür an zu bluten, kommt es nicht selten zu schwarzgefärbtem Stuhlgang (so genannter Teerstuhl). Dies kommt daher, da sich Blut im Kontakt mit der aggressiven Magensäure schwarz verfärbt (Hämatinbildung). Teerstuhl ist immer abklärungsbedürftig und sollte daher zu weiterer Ursachenforschung Anlass geben. Bei einem plötzlichen Vernichtungsschmerz, muss eine Perforation (das ist ein Durchbruch des Zwölffingerdarmgeschwürs in die freie Bauchhöhle) befürchtet werden.

Nicht selten sind aber auch die Erkrankten völlig asymptomatisch und die Diagnose wird zufällig gestellt. Die Diagnose eines Zwölffingerdarmgeschwürs wird über eine Magenspiegelung (Gastroskopie) gestellt. Im Rahmen der Untersuchung wird immer auch ein Schnelltest auf den typischen Keim Helicobacter Pylori durchgeführt. Zusätzlich wird ein kleines Gewebsstück eingeschickt, was einen sicheren Nachweis bzw. Ausschluss eines Befalls mit dem schädigenden Bakterium ermöglicht.

Komplikationen

Blutungen zählen zu den häufigsten Komplikationen eines Zwölffingerdarmgeschwürs. Besonders gefährdet sind Menschen im höheren Lebensalter, auch bestimmte Schmerzmittel können bei längerer Anwendung eine Blutung insbesondere größerer Geschwüre auslösen. Kleinere Blutungen bleiben oft unbemerkt, können aber eine Blutarmut verursachen: Diese wird oft zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt.

Auch als Teerstuhl bezeichneter schwarzer Stuhl kann auf ein blutendes Geschwür hindeuten. Werden größere Gefäße in Mitleidenschaft gezogen, verläuft eine Ulkusblutung oftmals hochdramatisch: Aufgrund eines massiven Blutverlusts in kurzer Zeit droht ein lebensgefährlicher Schockzustand, wenn die Blutung nicht durch eine umgehende Operation zum Stillstand gebracht werden kann.

Eine weitere gefürchtete Komplikation stellt der Durchbruch eines Zwölffingerdarmgeschwürs in den Bauchraum dar: Der dabei austretende Mageninhalt kann eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung verursachen, eine sofortige Notoperation ist daher unumgänglich. Je nach Lage des Geschwürs kann es auch in die umliegenden Organe – etwa die Bauchspeicheldrüse oder den Dickdarm – eindringen und dort Schaden anrichten.

Liegt das Geschwür nahe am Magenausgang, kommt es nicht selten zu einer Verengung, die den Weitertransport des Nahrungsbreis behindert: Ständiges Erbrechen und eine massive Gewichtsabnahme können die Folge sein. In sehr seltenen Fällen kann ein Zwölffingerdarmgeschwür bösartig entarten und im späteren Verlauf Tochtergeschwülste in anderen Organen bilden.

Behandlung & Therapie

Die Basistherapie in der Therapie eines Zwölffingerdarmgeschwürs besteht in einer effektiven Säurehemmung. So wird versucht, dass gestörte Gleichgewicht zwischen Schleimhautschaden und -schutz wieder herzustellen. Meistens werden Medikamenten aus der Wirkstoffgruppe der Protonenpumpen-Hemmer eingesetzt, dies sind z.B. Pantozol oder Omeprazol. In vielen Studien zeigen diese den stärksten Säureschutz bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen.

Da ja meist ursächlich eine Infektion mit dem Helicobacter Pylori vorliegt, wird nach Bakterium-Nachweis die Therapie durch zwei Antibiotika ergänzt (Triple-Therapie). Dabei gehört Clarithromycin zum Standard, zusätzlich wird Amoxicillin oder alternativ Metronidazol eingesetzt. Eine chirurgische Therapie ist heute meist nur noch bei Komplikationen notwendig. Dabei werden in der Regel Teile des Magens komplett entfernt.

Typische Indikation ist eine nicht beherrschbare Blutung, ein Durchbruch des Zwölffingerdarmgeschwürs oder ein Verdacht auf einen bösartigen Tumor. Auch wenn die Säureproduktion medikamentös nicht effektiv gesenkt werden kann, kann operativ mittels Durchtrennung eines Nervenstrangs, welcher die Säureproduktion reguliert, therapiert werden.

Ergänzend sollte bei einem Zwölffingerdarmgeschwür auf Nikotin und Alkohol, sowie scharf gewürzte Speisen verzichtet werden. Ebenfalls sollte eine Stressreduktion und ein sportlich-gesunder Lebensstil angestrebt werden.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

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