Ziehen in der Leiste

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Das Ziehen in der Leiste bezeichnet einen äußerst belastenden Schmerz im Bereich der Leisten. Hier nimmt der Schmerz seinen Anfang oder strahlt in dieses Areal aus. Ein Arzt sollte aufgesucht werden, da hinter diesen Schmerzen auch ernste oder gar lebensbedrohliche Krankheiten stecken können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ziehen in der Leiste?

Meist sind vom Ziehen in der Leiste eher Männer als Frauen betroffen. Diese Schmerzen stellen allerdings kein eigenes Krankheitsbild dar. Diese Beschwerden sind grundsätzlich nur als Symptome zu betrachten.

Die Leiste befindet sich beim Menschen unten seitlich an der Bauchwand. Der Leistenbereich ist eine besonders schwache Stelle im Körper. Hier entstehen sehr häufig Brüche, bei denen dann Teile von Darm und Bauchfell eingeklemmt werden können.

In diesem Fall stirbt das Gewebe ab, und die Folgen sind sehr ernsthaft. Oftmals erweist sich das Ziehen in der Leiste als harmlos, dennoch sollte immer ein Arzt konsultiert werden. So können in jedem Fall schwerwiegende Erkrankungen und Komplikationen ausgeschlossen werden.

Ursachen

Die Ursachen für das Ziehen in der Leiste sind sehr vielseitig. Meist sind die Beschwerden in der Leistengegend auf einen Leistenbruch zurückzuführen. Hierbei sind Männer wesentlich häufiger von diesem Problem betroffen als Frauen. Insbesondere anstrengende und kraftaufwändige körperliche Belastungen können zu Leistenbrüchen führen.

Die Leistengegend bezeichnet also eine Art Sollbruchstelle, die selbst bei hohem sportlichen Training eine schwache Stelle bleibt. Kommt es nun zu einer Belastung des Bindegewebes im Leistenkanal, zerreißt dieses recht häufig. Die Leiste ist gebrochen, und in dem Bruch können innere Organe eingeklemmt werden. Hierbei handelt es sich meist um Teile des Darms oder Bauchfells. Das betroffene Gewebe stirbt dann ab.

Auch ein Darmverschluss kann durch einen Leistenbruch bedingt sein. Daneben können natürlich auch noch weitere Ursachen für das Ziehen in der Leiste vorhanden sein. So sind ebenfalls geschwollene Lymphknoten im Leistenbereich ursächlich für die Leistenschmerzen verantwortlich.

Weiterhin gibt es Ursachen orthopädischer Natur, wie beispielsweise Fehler in der Haltung, ein Bandscheibenvorfall, Arthrose, Sehnenbeschwerden, Hüftkopfnekrosen oder Zerrungen verursachen häufig Schmerzen in der Leistengegend. Aber auch Veränderungen der Gefäße, Krampfadern oder Aneurysmen im Leistenbereich sind für die Beschwerden verantwortlich.

Diagnose & Verlauf

Der Leistenbereich ist eine besonders schwache Stelle im Körper. Hier entstehen sehr häufig Brüche, bei denen dann Teile von Darm und Bauchfell eingeklemmt werden können.

Die Beschwerden des Ziehens in der Leiste sollten immer von einem Arzt untersucht werden. Ist es schon zu einem Leistenbruch gekommen, können viele Komplikationen auftreten. Der Arzt stellt dann eine Patientenanamnese auf, indem ein intensives Gespräch mit dem Betroffenen geführt wird.

Dabei werden bestehende und vergangene Krankheiten sowie familiäre Risiken erörtert. Bei Problemen in der Leistengegend werden körperliche Untersuchungen durchgeführt, die hauptsächlich das Abtasten der betroffenen Stellen beinhalten. Diese Untersuchungen führen meist schnell zu einer Diagnosestellung. Ein Bruch in der Leiste ist recht einfach erkennbar, da sich bei diesem Vorfall meist Gewebe nach außen drückt und sich äußerlich sichtbar macht.

Das ist ein Anzeichen dafür, dass sich schon Teile von inneren Organen durch den Leistenbruch drücken. Zwar kann die Vorwölbung zumeist wieder in den Körper zurückgeführt werden, allerdings können zu jeder Zeit Komplikationen auftreten. Um die Stelle des Bruches zu lokalisieren, wird der Arzt die Pforten abtasten.

Sind die Ursachen der Schmerzen orthopädischer Natur, kann der Arzt die Bewegungen testen, um eine Diagnose zu stellen. Weiterhin können Ultraschall- und Laboruntersuchungen sowie Röntgenaufnahmen zur Diagnosestellung durchgeführt werden.

Komplikationen

Ein Ziehen in der Leiste hat verschiedene Ursachen, die verschiedene Komplikationen mit sich tragen können. Ein Beispiel kann hierbei ein Leistenbruch sein, bei dem sich Darmschlingen durch den Leistenkanal quetschen und so eingeengt werden können. Dadurch kann sich dieser Darmabschnitt entzünden und infolgedessen absterben, wodurch dieser seine Funktion verliert.

Des Weiteren kann sich die Entzündung auch in den Bauchraum ausbreiten und weitere Darmabschnitte entzünden und so für starke Magen-Darm-Beschwerden sorgen. Eine weitere eher seltene Komplikation ist, dass durch den Leistenbruch zuführende Gefäße des Hodens abgepresst werden und der Hoden so weniger durchblutet wird. Dadurch kann die Fruchtbarkeit stark eingeschränkt werden (Infertilität).

Zusätzlich können sich in den Beinvenen leichter Thrombosen bilden, die sich schließlich lösen können und mit dem Blutstrom in Richtung Lunge verschleppt werden. Daraus entsteht dann die Lungenembolie, die durch Atemnot und Brustschmerzen gekennzeichnet ist. Das Ziehen kann auch durch Harnwegsinfekte verursacht werden.

Eine Blasenentzündung kann sich im schlimmsten Falle über den Blutstrom ausbreiten und so systemisch werden. Die Urosepsis, die dabei entsteht ist ein lebensgefährlicher Zustand, der sofort notfallmedizinisch behandelt werden muss. Des Weiteren kann sich die Entzündung auch in Richtung Niere ausbreiten. Diese können sich ebenfalls entzünden und als Folge in ein Nierenversagen (Niereninsuffizienz) enden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Neben organischen Erkrankungen müssen auch Erkrankungen des Bewegungsapparates für Leistenschmerzen in Betracht gezogen werden. Muss der Leistenschmerz behandelt werden, ist somit eine internistische (evtl. auch hämatologische oder onkologische) bzw. urologische Untersuchung/Behandlung erforderlich. Führen diese fachärztlichen Untersuchungen zu keinem befriedigenden Ergebnis, ist die Behandlung durch einen Krankengymnasten sowie eine orthopädische und technische (z. B. mittels Ultraschall, CT usw.) Untersuchung erforderlich.

Auf jeden Fall sollte ein Arzt konsultiert werden, wenn die Schmerzen über mehrere Tage bestehen bleiben. Erst recht, wenn sie an Intensität zunehmen oder sich in die umliegenden Regionen ausweiten. Kommt es zu weiteren Schmerzsymptomen wie Nacken- und Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen, ist ebenfalls der Arzt gefragt. Das Gleiche gilt, wenn ein schiefer Gang, eine Fehlhaltung des Beckens oder eine Schräglage des Kopfes symptomatisch den Leistenschmerz begleitet.

Ist der Leistenschmerz auf der rechten Seite und verbunden mit Übelkeit und Fieber sollte sofort ein Arzt informiert werden. Eventuell handelt es sich um eine Blinddarmentzündung.

Wenn beim Husten im Stehen Schwellungen oder Beulen zu sehen oder zu ertasten sind, sollte der Arztbesuch umgehend erfolgen. Es könnte sich um einen Leistenbruch handeln, durch den Organe sowie Nerven und Gefäße evtl. nicht mehr richtig durchblutet werden.

Ein Arztbesuch ist nicht erforderlich, wenn die Leistenschmerzen (ein- oder beidseitig) nach einer Ruhephase vollständig abgeklungen sind und auch temporär nicht wieder auftreten.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Ziehens in der Leiste ist nach der jeweiligen Ursache ausgelegt. Bei akut auftretenden und sehr starken Schmerzen ist es manchmal nötig, einen Notarzt zu rufen. So können lebensbedrohliche Situationen durch invasive Eingriffe verhindert werden.

Das kann beispielsweise einem eingeklemmten Leistenbruch, einer Hodentorsion oder auch bei Blasensteinen der Fall sein. Aber auch ganz plötzlich auftretende Schmerzen im Unterleib sind meist ein Notfall. Um diesen Komplikationen vorzubeugen, sollte ein Leistenbruch immer klassisch vernäht werden. Dienlich ist auch die sogenannte Schlüsselloch-OP. Auch betroffene Lymphknoten können abhängig von der Diagnose ebenso operiert wie medikamentös therapiert werden.

Von großer Bedeutung ist es dabei, bestehende Grunderkrankungen zu behandeln. Bei orthopädischen Krankheiten kann der Arzt sowohl die Symptome als auch die Ursache behandeln. Die sogenannte Sportlerleiste erfordert in erster Linie eine Trainingspause. Aber auch die anderen Ursachen des Ziehens in der Leiste bedürfen einer individuellen Behandlung.

Aussicht & Prognose

Ein Ziehen in der Leiste kann durch sehr unterschiedliche Krankheiten und Beschwerden verursacht werden und bedarf aus diesem Grund immer einer medizinischen Untersuchung und Behandlung. Daher ist es in der Regel nicht möglich, eine allgemeine Voraussage für den Verlauf dieses Symptoms zu geben.

Allerdings kommt es durch das Ziehen in der Leiste zu relativ starken Einschränkungen in der Bewegung und im Alltag. Die Lebensqualität des Patienten nimmt ab. Weiterhin kann es auch zu Atembeschwerden kommen, sodass der Betroffene an einer Atemnot oder an Brustschmerzen leiden kann. Teils führt eine Atemnot auch zu Panikattacken.

Im weiteren Verlauf können auch Entzündungen entstehen, welche sich in andere Regionen des Körpers ausbreiten. Hiervon können auch die Nieren betroffen sein, sodass es zu einer Niereninsuffizienz kommt und der Betroffene auf eine Dialyse angewiesen ist.

In der Regel werden akute Notfälle durch einen Notarzt operativ behandelt. Zu Komplikationen kommt es vor allem dann, wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum ignoriert werden. Ob die Lebenserwartung durch das Ziehen in der Leiste eingeschränkt wird, hängt von der Grunderkrankung ab.

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Vorbeugung

Um dem Ziehen in der Leiste vorzubeugen, stehen den Betroffenen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Um den Leistenbruch zu verhindern, sollte das körperliche Normalgewicht angestrebt werden, die Ernährung sollte gesund sein, und starke körperliche Beanspruchung sollte vermieden werden. Auf diese Weise kann auch Gelenkbeschwerden vorgebeugt werden. Diese Vorgehensweise senkt zudem das Risiko für die Bildung von Harnsteinen, denn diese können auch zu einem Ziehen in der Leistengegend führen.

Das können Sie selbst tun

Für die Betroffenen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um einem Ziehen in der Leistengegend vorzubeugen. Um einen Leistenbruch zu verhindern, sollte das körperliche Normalgewicht eingehalten werden. Nach aktuellen wissenschaftlichen Meinungen entspricht dies ca. einem BMI von 20-25. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung kann nicht nur dabei helfen Gewicht zu reduzieren, sie kann gleichzeitig zu einer Linderung des Symptoms führen.

Viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen und sich viel zu bewegen, senkt zudem das Risiko von Harnsteinen. Diese können ebenfalls für das Ziehen in der Leiste verantwortlich sein. Außerdem sollten zu starke körperliche Anstrengungen vermieden werden. Beim Heben und Tragen von massiven Gegenständen ist es außerdem wichtig, dies auf die richtige Art zu tun. Beim Anheben von Gewichten sollte sich der Betroffene niemals bücken. Stattdessen empfiehlt sich ein Beugen in die Knie, um den Gegenstand mit einem geraden Rücken hochzuheben. So können Schmerzen in der Leistengegend vorgebeugt werden. Durch ein regelmäßiges Trainieren der beanspruchten Muskelpartien in Bauch und Rumpf, ist es möglich diese zu verstärken, was ebenfalls zur Vermeidung des Ziehens in der Leiste führen kann.

Bücher über Schmerzen

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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