Hodentorsion (Verdrehung des Hodens)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Dezember 2017
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Eine Hodentorsion, also die Verdrehung des Hodens und der dazugehörigen Gebilde, wie dem Samenstrang, ist eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit. In erster Linie sind Säuglinge und Kleinkinder betroffen, aber auch im Erwachsenenalter kann eine Hodentorsion unvermittelt auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hodentorsion?

Bei einer Hodentorsion verdrehen sich Hoden und Samenstrang um die eigene Längsachse. Dadurch kommt es zu einer Unterbrechung der Versorgung der Gefäße im Hoden, wodurch dieser nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und im Verlaufe weniger Stunden absterben kann. Eine Hodentorsion könnte demnach auch als ein Infarkt des Hodens bezeichnet werden.

Ausmaß und Schwere der Verdrehung bestimmen dabei, wie lange der Hoden noch mit Blut durchströmt werden kann ohne abzusterben. Da die Symptome einer Hodentorsion leicht mit denen einer akuten Entzündung des Nebenhodens, also einer sogenannten Epididymitis, verwechselt werden können, sollte möglichst schnell festgestellt werden, was von beiden wirklich vorliegt.

Ursachen

Der Hauptgrund dafür, dass zum größten Teil Säuglinge und Kleinkinder von einer Hodentorsion betroffen sind, liegt in einer relativ selten auftretenden Fehlbildung der Hodenhüllen.

Diese sind dann nicht ausreichend miteinander verwachsen, sodass schon eine falsche Bewegung des Kindes, beispielsweise beim Klettern oder beim Fahrrad fahren, ausreichen kann, um eine Hodentorsion hervorzurufen.

Ferner kann auch eine Anomalie in der Entwicklung des Samenstranges das Auftreten einer Hodentorsion begünstigen. Aber auch ohne das Vorhandensein solcher Fehlbildungen kann sich der Hoden unglücklich verdrehen.

Häufig sind ruckartige und unnatürlich Bewegungen beim Sport oder die Folge eines Unfalls oder einer Verletzung die Auslöser. Etwa die Hälfte der Hodentorsionen treten darüber hinaus bei unwillkürlichen Bewegungen während des Schlafens auf.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Hodentorsion äußert sich durch einen zumeist ganz plötzlich auftretenden starken Schmerz in der Hoden- und Leistengegend, der bis in den Bauch ausstrahlen kann. Häufig werden die Bauchschmerzen sogar so stark, dass es zu Übelkeit und Erbrechen kommen kann.

Der betroffene Hoden steht zumeist hoch, schwillt an und der Hodensack errötet sich. Bei Säuglingen ist der Verlauf hingegen oft schleichender und äußert sich nicht annähernd so stark und eindeutig. Daher sollte man bei schreienden Babys, die nicht beruhigt werden können, vorsichtshalber eine Hodentorsion vom Kinderarzt ausschließen lassen.

Da diese Symptome auch auf eine Entzündung des Nebenhodens hindeuten können, sollte umgehend ein Urologe aufgesucht werden, um die genaue Art der Erkrankung festzustellen. Eine Hodentorsion kann sehr schnell durch eine Untersuchung des Unterbauches sowie der Leistengegend diagnostiziert werden.

Ferner wird geprüft, ob sich die Schmerzen durch das Anheben des Hodens verstärken. Zusätzlich wird in der Regel eine Untersuchung des Hodens mit Ultraschall durchgeführt, um herauszufinden, inwieweit noch eine Zirkulation des Blutes gegeben ist. Unbehandelt führt eine Hodentorsion oft binnen Stunden zum Absterben des betroffenen Hodens.

Komplikationen

Die Hodentorsion ist für den Patienten in der Regel mit extrem starken Schmerzen verbunden. Die Schmerzen treten dabei auch noch nach der Torsion auf und können weiterhin zu einem Bewusstseinsverlust führen. Beim Bewusstseinsverlust kann sich der Betroffene durch einen Sturz verletzen. Die Hoden schwellen in der Regel auch an und färben sich rot.

Weiterhin breitet sich der Schmerz durch die Hodentorsion auch in die anderen Bereiche des Körpers aus und schränkt damit die Bewegung des Betroffenen ein. Es kann auch zu Bauchschmerzen kommen. Nicht selten leidet die Patienten auch an Erbrechen und an Übelkeit. Die Hodentorsion kann durch einen operativen Eingriff behandelt werden. Allerdings ist dieser Eingriff nur dann möglich, wenn der Hoden nicht komplett abgestorben ist.

Sollte es zu einem vollständigen Absterben kommen, ist keine weitere Behandlung möglich und dieser muss entfernt werden. Weitere Beschwerden treten in der Regel nicht ein. Sollte es allerdings zu einem Absterben kommen, so kann dies zu einer Zeugungsunfähigkeit führen, die nicht selten mit psychischen Beschwerden verbunden ist. Auch die Produktion von Hormonen kann durch die Hodentorsion eingeschränkt sein.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn nach einem Unfall oder Sturz Hodenschmerzen bemerkt werden, liegt womöglich eine Hodentorsion vor. Dabei handelt es sich um einen medizinischen Notfall, weshalb der Betroffene umgehend einen Arzt konsultieren sollte. Bei starken Beschwerden muss der Betroffene in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht werden. Typische Warnzeichen, die einer sofortigen Abklärung bedürfen, sind starke Schmerzen, die bis in die Leisten ausstrahlen sowie eine sichtbare Rötung des Hodens, oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen.

Bei Babys äußert sich eine Hodentorsion oft durch Bauchschmerzen und Nabelkoliken. Werden diesen Symptome bemerkt, ist medizinischer Rat gefragt. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Beschwerden auf eine bestimmte Ursache wie einen Fahrradunfall oder einen Sturz beim Klettern zurückzuführen sind. Die betroffene Person sollte umgehend mit dem Hausarzt oder einem Urologen sprechen. Der ärztliche Notdienst kann Erste-Hilfe-Maßnahmen nennen und der betroffenen Person bei den weiteren Schritten helfen. Da eine unbehandelte Hodentorsion unter Umständen bleibende Schäden hervorrufen kann, muss schnell reagiert werden.

Behandlung & Therapie

Sobald eine Hodentorsion zweifelsfrei diagnostiziert wurde, ist eine sofortige Notoperation des Hodens unumgänglich. Es besteht keine andere Möglichkeit den betroffenen Hoden noch rechtzeitig vor dem Absterben zu retten.

Ist der Hoden noch nicht abgestorben, wird er umgehend in seine ursprüngliche und natürliche Position zurückgedreht, damit er wieder ausreichend mit Blut versorgt werden kann. Anschließend wird sowohl der betroffene als auch der gesunde Hoden am Hodensack fixiert, um eine erneute Hodentorsion zu vermeiden.

Ist es zu spät für eine Wiederherstellung der Ausgangslage und der verdrehte Hoden bereits abgestorben, muss er zumindest entfernt und der verbliebene gesunde Hoden an den Hodensack genäht werden, um eine Wiederholung der Torsion auch in diesem Hoden zu verhindern.

Der entfernte Hoden kann anschließend durch ein Implantat aus Silikon ersetzt werden. Die Zeugungsfähigkeit sowie die Produktion von Hormonen sind in der Regel auch bei nur einem verbliebenen Hoden gewährleistet.

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Vorbeugung

Das absolut Wichtigste bei einem Verdacht auf eine Hodentorsion ist die schnelle Diagnose und Behandlung. Folglich sollte man bei den beschriebenen Symptomen unverzüglich einen Urologen aufsuchen oder direkt ins Krankenhaus fahren, da jede Minute kostbar sein kann. Eine Vorbeugung ist nicht direkt möglich.

Das können Sie selbst tun

Selbsthilfemaßnahmen im Falle einer kompletten Hodentorsion gibt es nicht. Keinesfalls sollte bei Verdacht auf eine Torsion versucht werden, mit den eigenen Händen oder gar anderen Hilfsmitteln, den Hoden wieder in die richtige Position zu rücken. Das Rufen eines Notarztes ist angebrachter.

Beim häufig vorkommenden Fall der teilweise verlaufenden Hodentorsion, welche sich zurückbildet und dabei Schmerzen auslösen kann, kann es helfen, den Hoden im Nachhinein locker zu lagern. Ein übermäßiges Wärmen oder Kühlen, das Hilfe bei Schmerzen verspricht, ist im Bereich der Hoden kritisch. Diese reagieren ausgesprochen sensibel auf Temperaturschwankungen - unter anderem mit einer Bewegung durch die entsprechende Muskulatur. Dies kann eine teilweise vorhandene Drehung noch verschlechtern, weshalb auch hier der Besuch beim Arzt vorzuziehen ist.

Ist eine Hodentorsion eingetreten und operativ korrigiert, ist es wichtig, den Hoden vorerst gut zu lagern. Spezielle Hodenbänkchen und spezielle Sitzunterlagen, können im Alltag helfen, reduzieren die Gefahr des Auftretens von Schmerzen und erleichtern den Heilungsprozess. Eine moderate Kühlung ist angebracht. Menschen, die aufgrund ihrer Hodentorsion befürchten, dass sie in ihrer Zeugungsfähigkeit stark eingeschränkt werden, sollten entsprechend mit Informationen versorgt werden. Die Erkenntnis, dass auch mit einem Hoden die Zeugungsfähigkeit noch gegeben ist, hilft auch noch im Falle eines entfernten Hodens infolge einer Hodentorsion.

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Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014
  • Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Urologie. Thieme, Stuttgart 2004

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