Leistenbruch

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
Startseite » Krankheiten » Leistenbruch

Ein Leistenbruch (Leistenhernie) ist eine physische Erkrankung an der Bauchinnenwand. Dabei bricht die Brauchwand im Bereich der Leiste, sodass die Bauchorgane nicht mehr im Bauchinnenraum gehalten werden. Auffälligstes Anzeichen bei einem Leistenbruch sind starke Bauchwölbungen und Bauchgeschwülste, sowie Schwellungen in der Leistengegend. Außerdem beklagen die Betroffenen ziehende und stechende Schmerzen in diesem Bereich. Ein Leistenbruch sollte unbedingt schnellstöglich von einem Arzt behandelt werden, da sonst schwerwiegende Komplikationen einsetzen können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Leistenbruch?

Der Leistenbruch (medizinisch Leistenhernie) ist ein Bruch der Weichteile im Bereich des Leistenkanals. Unterschieden werden die direkten (meist innen liegenden) und indirekten (meist außen durchbrechenden und nach innen ziehenden) Leistenhernien.

Der Unterschied liegt darin, dass die indirekten Brüche meist angeboren sind und in der Regel durch den ganzen Leistenkanal ziehen. Die direkten brechen dagegen mittig durch die Schwachstelle und sind meist erworbenen Brüche.

Diese Einteilung ist allerdings eher für das Verständnis wichtig, weniger für die Therapie. Der Leistenbruch tritt bei jung und alt auf. Das männliche Geschlecht ist auf Grund der Anatomie deutlich häufiger betroffen.

Ursachen

Der Leistenbruch entsteht meist auf dem Boden einer vorbestehenden Schwachstelle des Bindegewebes. Durch eine plötzliche Erhöhung des Drucks im Bauchraum (Husten, Toilettengang, schweres Heben, Schreien beim Säugling) kann eine Lücke entstehen, durch die meist Darmanteile oder auch nur großes Netz (dabei handelt es sich um Fett zwischen den Darmschlingen) durchtreten können.

Die indirekten, angeborenen Leistenbrüche zeigen sich durch eine schmerzlose Schwellung am mittigen Leistenkanal beim Säugling. Steigt der Druck im Bauchraum an, werden Darmschlingen durch einen offenen gebliebenen Kanal (processus vaginalis testis) gedrückt. Die Eingeweide sind bei dieser Leistenbruchart meist leicht zurück zu drücken.

Die erworbenen Leistenhernien zeigen ebenfalls selten ausgeprägte Symptome. Auch hier ist nur eine Schwellung und eventuell ein leichter Schmerz bzw. Druckgefühl wegweisend. Starke Schmerzen - vor allem wenn diese plötzlich auftreten - sind verdächtig für eine Einklemmung des Leistenbruches. Dabei treten Darmanteile durch die Bruchlücke, schwellen durch den abgequetschten Blutabfluss an und können dadurch nicht mehr zurück in den Bauchraum gedrückt werden.

Ein eingeklemmter Leistenbruch ist eine absolute chirurgische Notfallsituation, da der Darm nicht mehr durchblutet wird und ohne Therapie absterben würde. Die nicht durchbluteten Darmanteile können sich zudem leicht infizieren, was zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung führen kann.

Typische Symptome & Anzeichen

Komplikationen

Komplikationen zeigen sich bei einem Leistenbruch nur selten. Grundsätzlich sind jedoch Folgeerscheinungen möglich, die gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen haben können.

Zu den häufigsten und bedenklichsten Komplikationen der Leistenhernie zählt das Einklemmen des Bruchsackinhalts innerhalb der Bruchlücke. Dies führt dazu, dass die Blutzufuhr des Eingeweidebereichs im Bruchsack unterbrochen wird, was durch Strangulation erfolgt. Im weiteren Verlauf droht deswegen das Absterben des Eingeweideteils.

Eine weitere gravierende Folge ist das Entstehen einer Peritonitis (Bauchfellentzündung), die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Findet jedoch rechtzeitig ein operativer Eingriff statt, lässt sich diese Gefahr unterbinden. Bei einer Notfalloperation beträgt die Sterblichkeit fünf bis zehn Prozent.

Komplikationen können aber auch durch eine Operation des Leistenbruchs hervorgerufen werden. So ist es dabei möglich, dass es zu einer Schädigung des Samenleiters kommt. Außerdem ist eine Verengung der Leistenkanalgefäße denkbar. Infolgedessen bildet sich bei Männern der Hoden zurück. Wird eine Beinvene eingeengt, droht das Risiko einer Thrombose.

Weitere mögliche Folgeerscheinungen der Leistenhernie-OP sind Schädigungen der Nerven, chronische Schmerzen, Verletzungen an der Harnblase oder am Darm, Entzündungen sowie Wundinfektionen. Aufgrund moderner Operationsmethoden zeigen sich diese Nachwirkungen jedoch nur selten.

Nach einer Leistenbruch-Operation besteht die Gefahr eines Rückfalls, was von dem jeweiligen Operationsverfahren und der Verfassung des Bindegewebes abhängt. Von einem Wiederauftreten des Leistenbruchs sind circa fünf bis zehn Prozent aller Patienten betroffen.

Behandlung & Therapie

Um einer Einklemmung zuvor zu kommen, wird auch ein symptomloser Leistenbruch zu einem frei wählbaren Zeitpunkt (elektiv) operiert. Die viel umworbene alternative Therapie mit einem Bruchband ist nur sinnvoll, wenn eine Operation aus verschiedensten Gründen nicht durchgeführt werden kann. Problematisch ist, dass die Bruchbänder zusätzliche Haltearbeit der Muskeln abnehmen und diese dadurch geschwächt werden. Folglich nimmt die Gegenkraft ab, welche die Eingeweide im Bauchraum hält.

Je nach Ansprüchen an die Belastbarkeit sind verschiedene Operationstechniken möglich. Wünscht der Betroffene ein minimal-invasives Verfahren (mittels Bauchspiegelung), wird bei erwachsenen Patienten immer ein Kunststoff-Netz eingelegt. Die Operation kann auf zwei Wegen durchgeführt werden. Entweder wird das Bauchfell nicht eröffnet (TEPP) oder es wird durch die Bauchhöhle operiert (TAPP). Größter Vorteil dieser so genannten "spannungsfreien Techniken" ist vor allem die frühe Belastbarkeit.

Schnitt-Operationen können mit und ohne Einlage von Fremdmaterial erfolgen. Klassische Verfahren sind die Lichtenstein-Operation (dabei wird ebenfalls ein Kunststoff-Netz eingelegt) und die Shouldice-Operation (Bruchlücken-Verschluss durch eine direkte Naht. Für mehr Stabilität wird bei dieser Technik zusätzlich die Muskelfaszie gedoppelt). Hier ist der größte Vorteil, dass diese Verfahren in lokaler Anästhesie möglich sind. Vor allem ältere Menschen können durch reduzierte Operations-Risiken davon profitieren.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da die angeborene Bindegewebsschwäche nicht zu verändern ist, ist eine direkte Vorbeugung schwierig. Lediglich durch sportliche Betätigung kann der Muskelmantel gestärkt werden. Wechselduschen vermögen das Bindegewebe etwas zu straffen. Der Schwerpunkt in der Prävention liegt in der Vermeidung von erhöhtem Druck im Bauchraum. Dies kann z.B. durch eine Gewichtsreduktion, stuhlgangregulierende Maßnahmen oder richtiges Heben von schweren Lasten realisiert werden.

Das können Sie selbst tun

Ein schwach ausgeprägter Leistenbruch muss nicht unbedingt operiert werden. Meistens gelingt es, die Ausweitung des Bruchs durch eine angepasste Verhaltensweise zu verhindern.

Betroffene sollten keine schweren Lasten heben und belastungsintensiven Sport wie Fußball oder Krafttraining meiden. Außerdem darf beim Stuhlgang nicht zu stark gepresst werden. Wird begleitend dazu auf ein Normalgewicht geachtet, kann der Leistenbruch auf dem ursprünglichen Niveau gehalten werden. Dennoch können Schmerzen auftreten, die am besten durch Bettruhe und Entspannung gelindert werden. Verkrampfungen und Einklemmungen lassen sich durch aufrechtes Gehen und regelmäßiges Strecken reduzieren. Ergänzend dazu hilft Kälte in Form von Kühl-Akkus, Eispackungen oder gefrorenen Gemüsepackungen aus der Tiefkühltruhe. Bei Verspannungen helfen Wärmflasche und Kirschkernkissen.

Bei einem stark ausgeprägten Leistenbruch gilt es einen Arzt aufzsuchen und einen Termin für die Operation auszumachen. Nach dem Eingriff ist Schonung angezeigt. Kinder sollten mindestens einige Tage im Bett verbringen, für Erwachsene empfiehlt sich eine Pause von zwei bis drei Tagen. Danach sollte zunächst auf größere Anstrengungen verzichtet werden. Gegen Schmerzen helfen sowohl klassische Schmerzmittel als auch Naturheilmittel wie Baldrian oder Passionsblume. Begleitend zur symptomatischen Behandlung müssen die Ursachen für den Leistenbruch ermittelt und gezielt angegangen werden, um eine erneute Hernie zu vermeiden.

Bücher über Leistenbruch

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: