Aneurysma

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 8. Dezember 2017
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Ein Aneurysma ist eine dauerhafte Erweiterung einer Schlagader (Arterie) in Spindel- oder Sackform. Sie kann angeboren oder erworben sein. Diese Arterienerweiterung kann bei Veränderungen der Gefäßwand an bestimmten Stellen der Gefäße auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Aneurysma?

Der aus dem Griechischen stammende Begriff Aneurysma bedeutet „Erweiterung“. Hierbei handelt es sich um eine angeborene oder erworbene, örtlich begrenzte, dauerhafte, spindel- oder sackförmige Erweiterung einer Arterie infolge einer Ausbuchtung oder Ausweitung der Gefäßwand. Es besteht die Gefahr, dass das erweiterte Blutgefäß reißt und eine lebensbedrohliche innere Blutung auftritt.

Bei älteren Menschen kommt es häufiger zu einem Aneurysma. Risikofaktoren hierfür sind Bluthochdruck und Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Reißt ein Aneurysma, hilft nur eine lebensrettende Operation. Ein ausgedehntes Aneurysma in Herznähe oder im Gehirn ist lebensgefährlich, weil es infolge des erhöhten Drucks auf die Gefäßwand zu reißen droht und eine innere Blutung zur Folge haben kann. In diesem Fall ist eine lebensrettende Operation unumgänglich.

Einteilung:

  • echtes Aneurysma – alle drei Wandschichten der Arterie buchten sich aus
  • gespaltenes Aneurysma – durch Einblutungen in die Gefäßwände werden die Gefäßwände aufgespalten und die mittlere Gefäßschicht verletzt
  • unechtes Aneurysma – die Aussackung entsteht durch Gefäßwandverletzungen, zum Beispiel bei Katheter-Eingriffen zur Diagnose und Behandlung von Herzerkrankungen.

Ursachen

Ein Aneurysma kann verschiedene Ursachen haben. Die häufigste Ursache für ein echtes Aneurysma ist eine Arterienverkalkung. Sehr viel seltener sind Infektionen dafür verantwortlich.

Syphilis kann zum Beispiel in der Hauptschlagader (Aorta), über die das Blut vom Herzen in den Körperkreislauf fließt, zu einer Arterienerweiterung führen. Andere Infektionen beeinflussen eher herzferne Arterien.

Durch einen Herzinfarkt oder die durch Parasiten ausgelöste Chagas-Krankheit kann sich ein Aneurysma in der Herzwand bilden. Ein unechtes Aneurysma ist eine mögliche Folge von Katheter-Eingriffen. Bei einem gespaltenen Aneurysma ist die mittlere Gefäßschicht, die Media, der Arterie verletzt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Viele Menschen sind von einem Aneurysma betroffen und erfahren ihr ganzes Leben lang nichts davon. Sie haben keine Beschwerden, und das Aneurysma führt zu keinerlei Erkrankung oder Folgeerkrankung. Die Dunkelziffer kann statistisch nicht erfasst werden.

Wahrscheinlicher ist es aber, dass ein Aneurysma früher oder später Beschwerden verursacht. Dies geschieht meist dann, wenn es anwächst. Das bedeutet, dass die Ausbuchtung die es bildet, sich ausdehnt und größer wird. Sie drückt dann auf andere Teile des Gehirns und ruft hier Beschwerden und Störungen hervor. Diese sind abhängig von der Lage des Aneurysma.

So kann zum Beispiel das Sprachzentrum betroffen sein - der Patient leidet dann zunehmend unter Sprach- und auch Wortfindungsstörungen. Er vergisst Wörter und Begriffe, und es fällt ihm schwer, ganze korrekte Sätze zu formulieren. Häufig wird auch der Satz nach der Hälfte abgebrochen, ohne dass der Patient selbst dies realisiert.

Drückt das Aneurysma beispielsweise aufs Sehzentrum, so ist mit Beeinträchtigungen der Sehfähigkeit zu rechnen. Dies kann sowohl die Sehschärfe als auch das Sehfeld selbst betreffen. Augenflimmern und der Verlust des dreidimensionalen Sehens sind häufige Anzeichen für ein Aneurysma.

Ist der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt, so fällt es dem Patienten schwer, seinen Gang und seinen Körper zu kontrollieren. Stolpern und Stürze sind die Folge. Alle diese Anzeichen deuten auf neurologische Ausfälle und Auffälligkeiten hin.

Krankheitsverlauf

Infogramm zur Anatomie und Lage eines Aneurysmas im Gehirn und seiner operativen Therapie. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Erst bei einer ausgedehnten Gefäßerweiterung einer bestimmten Arterie zeigen sich Krankheitssymptome eines Aneurysma. Ein Aneurysma der Hauptschlagader im Brustbereich kann zum Beispiel Schluckbeschwerden, Husten, Heiserkeit, Atembeschwerden und Durchblutungsstörungen in den Armen oder im Gehirn auslösen.

Mögliche Symptome bei einem Aneurysma der Bauchaorta sind Rückenschmerzen, in die Beine ausstrahlende Schmerzen, Harndrang und Durchfall oder Verstopfung abwechselnd. Selten macht sich das Aneurysma auch durch eine pochende „Beule“ im Bauch bemerkbar. Reißt bei einem gespaltenen Aneurysma der Aorta die Wand, tritt ein jäher, vernichtender Schmerz auf.

In diesem Fall muss der Notarzt sofort handeln. Bei Erweiterungen von herzfernen Arterien besteht die Gefahr der Entstehung von Blutgerinnseln, die dann zum Herzen oder in die Lunge wandern und eine Embolie auslösen können. Ein Aneurysma im Gehirn kann ernste Folgen haben, weil es auf Gehirnnerven drücken und Ausfallerscheinungen hervorrufen kann.

Komplikationen

Ein Aneurysma kann sich an verschiedenen Stellen im Körper bilden und, je nach Lokalisation, schwerwiegende Komplikationen hervorrufen. Wird das Blutgerinnsel nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, ist die Durchblutung lebenswichtiger Organe sowie der Gliedmaßen nicht mehr gewährleistet. Es drohen Blutstau, Embolien und Schlaganfall.

Verschließt sich ein zuführender oder abzweigender Bereich oder platzt die Gefäßwand des Aneurysmas zum Beispiel am Kopf sowie nah der Herzgegend, gerät der Betroffene in Lebensgefahr. Die dann sofort eingeleiteten Hilfemaßnahmen können bleibende Schäden wie Lähmungen oder eine irreparable Funktionsweise des Gehirns nicht ausschließen.

Die Risikogruppe für die Bildung eines Blutgerinnsel ist breit gefächert. Ältere und junge Menschen sind gleich betroffen, desgleichen Unfallopfer. Mit Alternativ-Methoden kann ein Blutgerinnsel nicht beseitigt werden. Allein der Arzt entscheidet über Operationsart und Therapie. Bei einem operativen Eingriff kann ein stärkerer Blutverlust eintreten.

Erfolgt die Entfernung des Gerinnsels am Kopf, ist es unter Umständen nötig, eine Gehirnwasserblutung mittels Hirnkammerdrainage zu vermeiden. Wird das Symptom rechtzeitig erkannt und entfernt, müssen weitere Maßnahmen eingehalten werden, um Entzündungen, Herz-Kreislauf-Probleme und das Eindringen von Bakterien in die Wunde zu vermeiden. Teilweise treten je nach Schwere des Eingriffs Schluckbeschwerden und Atemnot auf. Patienten können Komplikationen entgegenwirken, indem die anschließende Medikation und eine gesunde Lebensweise befolgt werden.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dem Verdacht auf ein Aneurysma sollte umgehend medizinischer Rat eingeholt werden. Ein rascher Arztbesuch empfiehlt sich, wenn es zu Brustschmerzen, Husten oder krankhaften Atemgeräuschen kommt, die ganz plötzlich auftreten und auf keine andere Ursache zurückzuführen sind. Auch plötzlich auftretende Heiserkeit, Schluckstörungen oder Atemnot sind Warnzeichen, die schnellstmöglich abgeklärt werden sollten. Kommen starke Bauchschmerzen oder Blutungen hinzu, ist das Aneurysma womöglich bereits gerissen – spätestens dann muss ein Rettungsdienst gerufen werden.

Bei einem plötzlichen Blutdruckabfall oder einem Kreislaufschock müssen bis zum Eintreffen des Notarztes Erste-Hilfe-Maßnahmen geleistet werden. Ein Arztbesuch ist bei einem Aneurysma also fast immer erforderlich. Sollte die Gefäßerweiterung bereits von einem Arzt diagnostiziert worden sein, muss auf die typischen Warnzeichen geachtet werden. Besteht der Verdacht, dass das Aneurysma gerissen ist, bleibt nur der Gang in die Notfallambulanz. Generell sollte bei unerklärlichen Taubheits- und Kältegefühlen in den Gliedern sowie anderen Symptomen, die auf keine bestimmte Ursache zurückzuführen sind, mit einem Arzt gesprochen werden. Durch eine rasche Behandlung lassen sich weitere Komplikationen in der Regel vermeiden.

Behandlung & Therapie

Bei einem Aorten-Aneurysma: Ist das Aneurysma nicht so groß oder das Operationsrisiko zu hoch, kann der Arzt Risikofaktoren wie Bluthochdruck mit Medikamenten (Betablockern) behandeln und den Patienten anhalten, körperliche Anstrengungen zu vermeiden und für eine regelmäßige Verdauung zu sorgen.

Bei einem größeren Aneurysma oder nicht kontrollierbarem Bluthochdruck lässt sich eine Operation nicht vermeiden. Hierbei wird der erweiterte Gefäßteil durch eine Kunststoffprothese ersetzt. Neuere Verfahren ermöglichen auch einen kleineren (minimalinvasiven) Eingriff, bei dem der Chirurg über einen Katheter] eine stabilisierende Stent-Prothese, eine Art Schirmchen, in eine Arterie einführt, die dann im Gefäß aufgeklappt werden kann.

Bei einem Hirn-Aneurysma: Um ein Aneurysma im Gehirn kümmern sich die Neurochirurgen. Früher klemmten sie das Aneurysma bei einer offenen Operation mit einem Clip ab oder verstärkten die Gefäßwand mit Gewebe oder Teflon. Heute kann man auch über die Leistenarterie in die Gefäße im Gehirn eingreifen und die Gefäße so stabilisieren, dass die Gefahr eines Zerreißens gebannt wird.

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Aussicht & Prognose

In der Regel wirkt sich ein Aneurysma sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus und kann dabei im schlimmsten Falle auch zum Tode des Betroffenen führen.

Bei einem Aneurysma kommt es in erster Linie zu Durchfall oder Verstopfung und weiterhin auch zu einem starken Harndrang. Diese Beschwerden verschwinden in den meisten Fällen nicht von alleine, sodass es nicht zu einer Selbstheilung kommt. Nicht selten führt das Aneurysma auch zu Husten und Atemnot, aufgrund dessen kann es zu einem Bewusstseinsverlust kommen. Auch Schluckbeschwerden können eintreten und damit die Einnahme von Flüssigkeiten und Nahrung deutlich verringern oder erschweren.

Ob das Aneurysma behandelt wird, hängt in der Regel von der Ausprägung der Krankheit ab. In einigen Fällen ist das Risiko eines operativen Eingriffes zu hoch, sodass die Behandlung ausschließlich mit Hilfe von Medikamenten stattfindet. Damit können die Beschwerden eingeschränkt werden. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die Lebenserwartung des Patienten durch die Krankheit verringert wird. Weiterhin kann in schwerwiegenden Fällen ein operativer Eingriff nicht vermieden werden. Ob es dabei zu Komplikationen kommt, kann nicht universell vorausgesagt werden. In einigen Fällen ist der Betroffene nach der Operation auf einen Katheter angewiesen.

Vorbeugung

Einem Aneurysma vorzubeugen ist nur bedingt möglich. Wichtig ist es, Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Alkohol, Übergewicht und zu hohe Blutfettwerte soweit wie möglich zu vermeiden oder zu behandeln. Gesund zu leben, sich vernünftig zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen ist auf jeden Fall ein vernünftiger Ansatz dafür, die Entstehung eines Aneurysmas zu verhindern.

Das können Sie selbst tun

Patienten mit einem Aneurysma nehmen regelmäßige Kontrolluntersuchungen bei einem Facharzt wahr, um den Zustand der Missbildung zu überwachen und rechtzeitig auf kritische Neuerungen zu reagieren. Auch außerhalb der ärztlichen Betreuung achten die Patienten sensibel auf ihren körperlichen Zustand und registrieren potentielle Veränderungen des Aneurysmas. Da bei Patienten mit Aneurysma jederzeit ein Notfall möglich ist, ist das Umfeld des Betroffenen über die Erkrankung und mögliche Maßnahmen zur Ersten Hilfe zu informieren. Ein medizinischer Notfall äußert sich im Fall eines Aneurysmas üblicherweise in einem Kollaps des Kreislaufs, wobei gleichzeitig auch der Blutdruck rapide absinkt.

Viele Patienten mit Aneurysma erhalten zur Therapie und Vorbeugung von Komplikationen medizinische Wirkstoffe, die entsprechend der ärztlichen Verordnung einzunehmen sind. Darüber hinaus trägt ein auf die Krankheit abgestimmter gesunder Lebensstil dazu bei, Komplikationen sowie Verschlimmerungen der Krankheit möglicherweise zu vermeiden oder zu minimieren.

Ein bedeutender Risikofaktor ist bei einem bestehenden Aneurysma beispielsweise zu hoher Blutdruck. Zur Selbsthilfe reduzieren die Patienten ihr Übergewicht und passen auch ihre Ernährungsweise an das Symptom an. Zudem ist es bei einem bestehenden Aneurysma förderlich, auf das Rauchen zu verzichten. Auch der Konsum von Alkohol ist stark zu verringern und nach Möglichkeit komplett einzustellen.

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Quellen

  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2015
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin Heidelberg 2013

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