Leistenzerrung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Oktober 2017
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Eine Leistenzerrung entsteht in den meisten Fällen durch plötzliche Überlastung beim Sport. Sie kann drei unterschiedliche Schweregrade haben und betrifft die Adduktoren. Vermeiden kann man eine Leistenzerrung durch intensives Aufwärmen und Dehnen der einzelnen Muskelgruppen und durch langsames Herunterkühlen nach dem Sport.

Inhaltsverzeichnis

Definition Leistenzerrung

Unter einer Leistenzerrung versteht man eine Überdehnung oder Verletzung der so genannten Adduktoren durch eine plötzliche Seitwärtsbewegung oder Grätsche. Adduktoren sind in diesem Fall Skelettmuskeln und Sehnen, die zum Heranziehen der Beine dienen. Ihre Gegenspieler heißen Abduktoren. Eine Leistenzerrung ist eine relativ oft vorkommende Sportverletzung.

Sie betrifft häufig Fußballer, Hürdenläufer, Schwimmer, Skifahrer oder Eishockeyspieler. Die genannten Sportarten sind durch intensive Beinarbeit gekennzeichnet, in deren Folge es zu einer Leistenzerrung kommen kann. Vor allem als Leistungssportler erleidet man häufiger eine Leistenzerrung.

Der Schweregrad der Leistenzerrung kann einen von drei Graden haben:

Die leichte Adduktorenzerrung bedeutet eine Überdehnung, bei der weniger als fünf Prozent der Adduktorenfasern beschädigt werden. Man kann bei dieser Leistenzerrung durchaus weiter trainieren, spürt aber Schmerzen. Der zweite Schweregrad einer Leistenzerrung bedeutet mehr als 5 Prozent Muskelfaserrisse, die man auch bei leichteren Belastungen oder Druck auf die Adduktoren spürt.

Ausgeprägte Muskelfaserrisse kennzeichnen den dritten Schweregrad der Leistenzerrung. Hier kann es zu Blutergüssen, Schwellungen und starken, stechenden Schmerzen kommen. Der Heilungsverlauf wird je nach Schweregrad der Leistenzerrung unterschiedlich lange dauern.

Ursachen

Überlastungen und plötzliche Überdehnungen der Beine oder Bauchmuskeln können zu der so genannten Leistenzerrung führen. Der Schmerz tritt bei Belastung an der Innenseite der Oberschenkel auf.

Oft genügt eine plötzliche Bewegung beim Sprung nach einem Ball oder über eine Hürde, um eine Leistenzerrung zu verursachen. Begünstigt wird die Leistenzerrung auch durch ungeeignetes Schuhwerk, eine falsche Sprung- oder Lauftechnik und eine plötzliche Seitwärtsbewegung.

Als weitere Ursache kann aber eine angeborene Fehlstellung der Hüften, ein Beckenschiefstand mit verschiedenen Beinlängen oder eine Fehlfunktion der Hüftgelenke ursächlich für eine Leistenzerrung sein.

Symptome

Krankheitsverlauf

Der Verlauf einer Leistenzerrung kann je nach Schweregrad unterschiedlich sein. Beim ersten Grad einer Leistenzerrung bemerkt man den Schmerz oft erst nach dem Sport. Es kann sein, dass sich die Leistenzerrung durch Krämpfe ankündigt oder bei einer Drehbewegung der Beine Schmerzen auftreten.

Der Schmerz bei der leichten Adduktorenzerrung ist belastungsabhängig. Bei schweren Arten der Leistenzerrung können sichtbare Hämatome und Schwellungen auftreten. Drückt man die Beine seitlich gegen einen Widerstand, treten starke Schmerzen auf. Bei der schweren Leistenzerrung ist auch ein Abspreizen der Beine äußerst schmerzhaft.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: S76 Verletzung von Muskeln und Sehnen in Höhe der Hüfte und des Oberschenkels) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Bei einer Leistenzerrung leiden die Patienten in erster Linie an starken Schmerzen. Diese Schmerzen können brennend oder stechend sein und dabei die Lebensqualität und den Alltag des Betroffenen erheblich einschränken. Nicht selten treten die Schmerzen bei einer Leistenzerrung auch in der Nacht auf und führen damit zu Schlafbeschwerden oder zu einer Gereiztheit des Patienten.

Weiterhin können Teile des Körpers auch von Schwellungen betroffen sein, wobei es nicht selten auch zu einem Bluterguss kommen. Auch die Beweglichkeit des Betroffenen ist eingeschränkt. Durch die Leistenzerrung können auch verschiedene Tätigkeiten im Alltag nicht mehr ohne Weiteres durchgeführt werden. Die Erkrankung führt mitunter zu Krämpfen und damit zu heftigen Schmerzen. Durch die dauerhaften Schmerzen kann es beim Patienten auch zur Ausbildung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen kommen.

Eine Leistenzerrung kann in den meisten Fällen gut behandelt werden. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf. Mit Hilfe verschiedener Therapie können die Beschwerden in der Regel eingeschränkt werden. Die Lebenserwartung wird durch eine Leistenzerrung nicht verringert. Nur in seltenen Fällen sind die Betroffenen dabei auf einen operativen Eingriff angewiesen.

Behandlung & Therapie

Bei jeder vermuteten Leistenzerrung sollte man das Training abbrechen, auch beim leichten Verlauf. Es muss vermieden werden, dass sich die Leistenzerrung durch eine weitere Überdehnungsbelastung noch verschlimmert.

Jede weitere Bänderdehnung am Hüftgelenk intensiviert die Leistenzerrung. Man behandelt die Leistenzerrung zunächst mit Eiskompressen, um Schwellungen und Hämatombildungen zu verhindern. Mit Kompressionsverbänden kann die Leistenzerrung gelindert werden. Damit entlastet man die Adduktoren. Ein Hochlagern der Beine entlastet die strapazierte Oberschenkelmuskulatur. Die folgende Behandlung der Leistenzerrung kann mit Wärmebehandlungen, Lymphdrainagen, Kompressionsverbänden oder Krankengymnastik vorgenommen werden.

Magnesiumgaben können den Heilungsverlauf der Leistenzerrung unterstützen. Um die Leistenzerrung auszuheilen, sollte man jede sportliche Belastung meiden, bis der Heilungsverlauf einritt. Sonst riskiert man eine neue Leistenzerrung. Anschließend kann man mit moderatem Belastungstraining beginnen. Solange unter Belastung Schmerz auftritt, ist die Leistenzerrung noch nicht ausgeheilt.

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Vorbeugung

Wichtig ist, nach einer ausgestandenen Leistenzerrung die Bewegungsabläufe so einzustellen, dass nicht gleich die nächste Leistenzerrung anfällt. Schlimmer noch wäre eine chronische Leistenzerrung, die durch zu frühes und intensives Trainieren entstehen kann.

Als vorbeugende Maßnahme zur Vermeidung einer Leistenzerrung haben sich ausreichende Dehnübungen vor sportlichen Belastungen bewährt. Vor jeder sportlichen Belastung und insbesondere vor sportlichen Wettbewerben, wo man an seine Leistungsgrenzen geht, sind die Muskeln gründlich aufzuwärmen.

Anschließend müssen sie langsam abgekühlt (Cool-Down) und erneut gedehnt werden. Gutes Schuhwerk kann bei Fehlstellungen am Fuß helfen, eine neue Leistenzerrung zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Leistenzerrung muss die Leiste zunächst geschont und gekühlt werden. Am besten ist es, die Beine sofort hoch zu lagern. Kühlende Kompressen und Eis helfen dabei, die Schmerzen zu lindern und Hämatome zu vermeiden. Bei einer leichten Zerrung genügen diese Maßnahmen oft schon, um eine schnelle Ausheilung zu gewährleisten.

Eine ausgeprägte Leistenzerrung sollte auf jeden Fall von einem Orthopäden behandelt werden. Der Arzt wird in der Regel eine weiter Schonung und Kühlung der Leiste vorschlagen. Vor allem Sportarten, die die Adduktoren beanspruchen, sollten vermieden werden. Um die körperliche Fitness aufrecht zu erhalten, kann allerdings Krafttraining durchgeführt werden – selbstverständlich unter fachlicher Kontrolle. Auch Krankengymnastik und Yoga helfen dabei, einen Leistungsabfall ohne großes Verletzungsrisiko zu vermeiden. Ein Wechsel der Sportschuhe kann die Gefahr einer erneuten Zerrung zusätzlich verringern.

Nach der Genesung gilt: vor dem Sport gut aufwärmen und nach dem Sport eine langsame Abkühlphase einbauen, in der die Muskeln nach und nach entlastet werden. Bei besonders empfindlichen Bändern und Muskeln ist unter Umständen auch das Tragen einer Kompressions- oder Wärmehose sinnvoll.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013
  • Rieger, H.: Sportverletzt – was jetzt? Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2010

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