Realitätsverlust

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 30. Oktober 2016
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Der Realitätsverlust ist ein Symptom, das eine Vielzahl von organischen und psychischen Erkrankungen begleiten und in manchen Fällen Gründe nicht-pathologischer Natur aufweisen kann. Daher ist die Ermittlung der eigentlichen Ursache notwendig, um eine effektive Behandlung einleiten zu können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Realitätsverlust?

Der Begriff Realitätsverlust bezeichnet in medizinischer und psychologischer Hinsicht einen geistigen Zustand, in dem Betroffene ihre Situation nicht mehr so erfassen können, wie es den Tatsachen entspricht beziehungsweise wie die Mehrzahl ihrer Mitmenschen dies tun würde.

Die Wahrnehmung von Ereignissen und Objekten ist derart gestört, dass Betroffene sich in einer Art individueller Parallelwelt wiederfinden. Dabei kann es zu Wahnvorstellungen, Stimmen hören, maßloser Selbstüberschätzung oder zur Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten kommen. Im Extremfall kann ein Realitätsverlust dazu führen, dass Betroffene sich selbst oder andere gefährden.

Der Verlust der adäquaten Wirklichkeitswahrnehmung kann auf einzelne Dimensionen beschränkt bleiben, so zum Beispiel als zeitlicher Realitätsverlust. Bei diesem haben Betroffene kein Bewusstsein für ein zeitliches Kontinuum mehr.

Ursachen

Es gibt vielfältige mögliche Ursachen für einen Realitätsverlust, wobei diese sowohl psychischer als auch organischer Natur sein können. Sehr häufig werden Realitätsverluste mit Psychosen in Verbindung gebracht, doch es gibt noch eine Reihe weiterer möglicher Auslöser.

So kommt es beispielsweise bei diversen Persönlichkeitsstörungen, Depressionen und in besonderem Maße beim Krankheitsbild der Schizophrenie zu Realitätsverlusten. Psychiatrisch beziehungsweise neurologisch relevant ist das Symptom unter anderem bei Demenzerkrankungen und Schlaganfällen.

Des Weiteren zählen zu den organisch bedingten Ursachen Stoffwechselstörungen, Enzephalopathie, Hirnverletzungen (zum Beispiel Schädel-Hirn-Trauma), Kachexie (pathologischer Gewichtsverlust), allmähliches Verhungern und Dehydration (Flüssigkeitsmangel).

Auch weniger bekannte Ursachen wie dauerhafter Lichtentzug können ebenso zu Realitätsverlust führen wie traumatisierende Erlebnisse, Schock- und schwere Erschöpfungszustände.

Einen nicht geringen Teil der Ursachen machen zudem Alkohol- und Drogenmissbrauch aus. Bei dauerhaftem Alkoholabusus kann es beispielsweise zu einem schweren amnestischen Psychosyndrom (Korsakow-Syndrom) kommen. Der Missbrauch von Cannabis wiederum kann zu Psychosen und damit einhergehendem Realitätsverlust führen. Und schließlich kann in manchen Fällen auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten eine verzerrte Realitätswahrnehmung bedingen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Da Realitätsverlust nur ein Symptom darstellt, wird sich die Diagnosefindung darauf konzentrieren, die zugrundeliegenden Ursachen festzustellen. Erst wenn organische Ursachen ausgeschlossen werden konnten, sollten psychische Erkrankungen in Erwägung gezogen werden.

Treten zum Beispiel im Zuge einer Psychose typische Symptome wie der Realitätsverlust ein, wird der behandelnde Arzt nach der Anamneseerhebung und einer allgemeinen Prüfung des Gesundheitszustands Blut- und Urinuntersuchungen vornehmen.

Dies geschieht um Drogenmissbrauch, Entzündungen oder Stoffwechselstörungen ausschließen zu können. Weitere neurologische Test können Aufschluss darüber geben, ob der Betroffene an Epilepsie oder Multipler Sklerose leidet – Krankheiten, bei denen es auch zu Psychosen kommen kann.

Lässt sich auf diesem Wege keine organische Ursache für den Realitätsverlust feststellen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dem psychotischen Vorfall eine psychische Störung zugrundeliegt. Schizophrenie stellt hierbei die häufigste Ursache für Psychosen dar.

Es können aber auch andere psychische Erkrankungen oder Störungen dahinterstehen, so zum Beispiel eine schwere Depression oder eine bipolare Störung, wobei in diesen Fällen von einer affektiven Psychose gesprochen wird. Daher ist die genaue Diagnose der ursächlichen psychischen Störung unabdingbar. Diese wird mittels psychologischer Testverfahren und durch einen Psychiater gestellt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines Realitätsverlustes erfolgt entsprechend der Grunderkrankung beziehungsweise der Ursache. Tritt der Realitätsverlust beispielsweise als Begleiterscheinung von Dehydration auf, ist die Beseitigung des Flüssigkeitsmangels hinreichend. Ebenso verflüchtigt sich das Symptom relativ rasch, wenn ein dafür ursächliches Medikament abgesetzt wird.

In anderen Fällen, denen eine organische Erkrankung zugrundeliegt, kann eine medikamentöse Behandlung vonnöten sein. Dies betrifft beispielsweise Demenzerkrankungen, Schlaganfälle, Enzephalopathien und diverse entzündliche Erkrankungen, die das Nervensystem beziehungsweise das Gehirn angreifen können.

Auch bei psychischen Ursachen für Realitätsverlust können Medikamente zum Einsatz kommen. So hat sich bei der Behandlung von Psychosen insbesondere die Gabe von Neuroleptika bewährt. Diese zählen zur Standardtherapie für Schizophrenie-Erkrankte, wobei den Betroffenen unter Umständen zusätzlich angstlösende Medikamente verabreicht werden.

Die Einnahme der Psychopharmaka erstreckt sich hierbei über einen längeren Zeitraum, in manchen Fällen sind Patienten ihr Leben lang auf eine derartige Medikation angewiesen. Ähnliches gilt für alle weiteren psychischen Störungen und Erkrankungen. Bei Depression werden zur Linderung der Symptome Antidepressiva genutzt, bei anderen Störungen kann die Gabe von Stimmungsstabilisatoren hilfreich sein.

Liegt dem Realitätsverlust eine psychische Ursache zugrunde, ist in den meisten Fällen neben der medikamentösen auch eine Psychotherapie angezeigt. Insbesondere für Schizophrenie-Kranke empfehlen sich zudem eine Ergotherapie und soziotherapeutische Maßnahmen wie betreutes Wohnen und ein geschützter Arbeitsplatz.

Einer psychologischen Betreuung bedarf es auch, wenn die Symptomatik alkohol- oder drogeninduziert ist. Nicht selten steht in diesen Fällen ein Suchtverhalten im Vordergrund, das es zu therapieren und idealerweise zu überwinden gilt.




Vorbeugung

Manche Risikofaktoren für Realitätsverluste lassen sich – sofern nicht bereits eine Sucht vorliegt – relativ einfach vermeiden. Dies trifft insbesondere auf den Alkohol- und Drogenmissbrauch zu, der bestenfalls ganz zu unterlassen ist.

Auch übermäßiger Stress, zwischenmenschliche Konflikte und Lärmbelästigung sollten womöglich gemieden werden, um Erschöpfungszuständen vorzubeugen. Ein allgemein gesunder und ausgewogener Lebensstil kann ebenfalls dazu beitragen, dass das Risiko für psychische Belastungen und dadurch möglicherweise ausgelöste Realitätsverluste gesenkt wird.

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