Korsakow-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
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Unter dem Korsakow-Syndrom verstehen Mediziner eine Form der Gedächtnisstörung (Amnesie), die zu den psychischen Störungen zählt. Der Patient hat große Schwierigkeiten, sich neu Erlebtes oder Gelerntes zu merken. Oftmals tritt das Korsakow-Syndrom infolge langjährigen Alkoholmissbrauchs auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Korsakow-Syndrom?

Das Korsakow-Syndrom, alternativ auch Morbus Korsakow oder amnestisches Psychosyndrom genannt, ist eine psychische Störung. Genauer gesagt handelt es sich um eine Form der Amnesie (Gedächtnisstörung).

Während Amnesien allgemein entweder ältere Erinnerungen oder neu Erlebtes betreffen können, haben Patienten mit dem Korsakow-Syndrom besondere Schwierigkeiten mit kürzlichen oder gar jetzigen Ereignissen. In schweren Fällen können Informationen nicht einmal über wenige Sekunden behalten werden. Die entstehenden Lücken werden dann mit alten oder ausgedachten Erinnerungen gefüllt.

Neben solchen reinen Gedächtnislücken kann das Korsakow-Syndrom außerdem von starker Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und motorischen Störungen begleitet sein. Nicht selten entsteht Morbus Korsakow als Folge einer Alkoholkrankheit. Im chronischen Stadium ist die Schädigung des Gehirns dabei meist so schwer, dass eine normale Funktion nicht wiederhergestellt werden kann.

Ursachen

In vielen bekannten Fällen wurde das Korsakow-Syndrom durch einen jahrelangen Alkoholmissbrauch verursacht. Die Erkrankung zählt daher auch als eine der schwersten Gehirn- und Gedächtnisschädigungen, die im Zusammenhang mit Alkoholismus auftreten können.

Sie kann aber auch durch ein Schädel-Hirn-Trauma, Vergiftungen, Hirnblutungen oder bestimmte Infektionskrankheiten wie Typhus verursacht werden. Oftmals geht dem eigentlichen Korsakow-Syndrom eine sogenannte Wernicke-Encephalopathie voraus. Hierbei handelt es sich um einen Vitamin B1-Mangel, der ebenfalls durch Alkoholismus verursacht werden kann (Alkohol stört den Stoffwechsel und somit die Aufnahme und Verwertung unter anderem von Vitamin B1).

Die Symptome wie Gedächtnisverlust, motorische Störungen oder Augenzucken können durch eine erhöhte Gabe von Vitamin B1 gelindert werden. Bleibt die Wernicke-Encephalopathie unbehandelt, kann sie in ein chronisches Korsakow-Syndrom übergehen, dessen Behandlung deutlich schwieriger ausfällt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der behandelnde Arzt kann ein Korsakow-Syndrom insbesondere anhand der Ausprägung der Gedächtnisstörungen diagnostizieren. Besonders, wenn eine Alkoholabhängigkeit vorliegt, können ausgeprägte Störungen des Kurzzeitgedächtnisses auf ein Korsakow-Syndrom hindeuten.

Dies gilt besonders dann, wenn weitere Symptome wie ein gestörtes Zeitgefühl, motorische Störungen oder ein verstärktes Kälteempfinden ebenfalls vorhanden sind. Um andere Erkrankungen des Gehirns auszuschließen, sollte die Krankengeschichte des Einzelnen ausführlich betrachtet werden. Zusätzlich kann eine Computertomografie stattfinden, die Auskunft über den Zustand des Gehirn gibt.

Eine Blutuntersuchung ermittelt, ob ein Vitamin B1-Mangel vorliegt. Schäden, die bereits durch ein Korsakow-Syndrom entstanden sind, gelten allgemeinhin als irreparabel. Findet eine frühzeitige Behandlung statt, kann die Funktion der betroffenen Gehirnregionen verbessert, wenn auch nicht vollständig wieder hergestellt werden. Dennoch bleiben Patienten mit dem Korsakow-Syndrom häufig ein Pflegefall.

Komplikationen

In erster Linie führt das Korsakow-Syndrom zu sehr starken Störungen des Gedächtnisses. Die Betroffenen können sich dabei in der Regel nicht an bestimmte Geschehnisse erinnern und können dabei auch Geschehens abstreiten. Nicht selten führt das Korsakow-Syndrom daher zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen. Auch der soziale Kontakt wird durch das Korsakow-Syndrom nicht selten eingeschränkt.

Ebenso führt das Syndrom zu einer starken Abgeschlagenheit und zu einer Müdigkeit des Patienten. Die Betroffnen leiden nicht selten auch an Stimmungsschwankungen. Auch die Belastbarkeit der Betroffenen nimmt durch das Korsakow-Syndrom stark ab, sodass die Patienten die gwohnten Tätigkeiten des Alltags in der Regel nicht mehr ausführen können. Auch die Ausübung der beruflichen Tätigkeit ist in den meisten Fällen aufgrund der Erkrankung nicht mehr möglich.

In der Regel hängt der weitere Verlauf des Syndroms von der Ausprägung der Schädigungen ab. In einigen Fällen kann dabei keine Behandlung mehr stattfinden. Die Patienten müssen auf jeden Fall den Alkoholmissbrauch stoppen, damit es nicht zu weiteren Schäden kommt. Mit Hilfe verschiedener Therapien können bestimmte Erinnerungen wiederhergestellt werden. Eine vollständige Heilung kann dabei allerdings nicht garantiert werden.

Behandlung & Therapie

Werden bei einem Patienten die Anzeichen für ein Korsakow-Syndrom festgestellt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zunächst eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden. Im Rahmen dieser werden dem Betroffenen hohe Dosen Thiamin (Vitamin B1) verabreicht, was intravenös oder auch in Tablettenform geschehen kann.

Ist die Erkrankung noch nicht sehr weit fortgeschritten, lässt sich auf diese Weise eine rasche und deutliche Besserung des Gesundheitszustands erreichen. In einem chronisches Stadium des Korsakow-Syndroms bleibt eine medikamentöse Therapie meist ohne Erfolg. Grundsätzlich gelten die bereits im Gehirn entstandenen Schäden als irreparabel, was bedeutet, dass die volle Erinnerungsfähigkeit auch durch eine intensive Therapie nicht wiederhergestellt werden kann.

Allerdings gibt es Ansätze, mit denen die Gedächtnisfunktion des Patienten verbessert werden kann. Dazu zählt ein konstant stattfindendes Gedächtnistraining, bei dem der Betroffene spielerisch dazu angehalten wird, sich zu erinnern. Auch ein Aufarbeiten der eigenen Biografie kann dabei hilfreich sein. Ist eine Alkoholerkrankung Ursache für das Korsakow-Syndrom, sollte parallel eine Behandlung derselben stattfinden, um ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu vermeiden.

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Vorbeugung

Um einem Korsakow-Syndrom vorzubeugen (und andere teils lebensbedrohliche Erkrankungen zu vermeiden), ist es selbstverständlich ratsam, Alkoholmissbrauch insbesondere über einen längeren Zeitraum zu vermeiden. Besteht bereits eine Abhängigkeit, sollte diese zeitnah therapiert werden, damit es nicht in der Folge zu schweren und irreparablen Gehirn- und Gedächtnisstörungen kommt.

Das können Sie selbst tun

Begleitend zur medikamentösen Therapie, können die Symptome des Korsakow-Syndroms durch Veränderungen im Lebensstil und gezielte Gegenmaßnahmen behandelt werden.

Zur Festigung und Verbesserung der Gedächtnisfunktion empfiehlt sich zum Beispiel ein konstantes Gedächtnistraining. Dieses kann sowohl unter fachlicher Anleitung als auch selbstständig durchgeführt werden und hilft dem Betroffenen dabei, die bereits entstandenen Schäden zu korrigieren. Einen ähnlichen Effekt hat ein Aufarbeiten der eigenen Biographie.

Ist eine Alkoholerkrankung ursächlich für die Erkrankung, muss diese ebenfalls behandelt werden. Der Betroffene sollte sich hierfür an den zuständigen Arzt wenden und nach Möglichkeit auch eine Selbsthilfegruppe aufsuchen. Freunde und Angehörige können eine wichtige Stütze bei der Behandlung einer Alkoholsucht sein. Liegt dem Korsakow-Syndrom ein Vitamin-B1-Mangel zugrunde, ist eine Ernährungsumstellung notwendig. Sind Hirnblutungen oder Vergiftungen ursächlich, ist eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Unterstützt wird diese am besten durch Schonung und die Einhaltung der vom Arzt empfohlenen Diät.

Bleibende Schäden werden abhängig vom jeweiligen Leiden behandelt. So kann motorischen Störungen mit Krücken und anderen Hilfsmitteln entgegengewirkt werden, während chronische Depressionen mittels einer intensiven Gesprächstherapie und sportlicher Betätigung gelindert werden können.

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Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H.(Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10, Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2011
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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