Wahnvorstellungen (Paranoia)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Von Wahnvorstellungen bzw. Paranoia spricht man dann, wenn eine Person Bedrohungen wahrnimmt, die nicht real vorhanden sind. In der Regel treten Wahnvorstellungen im Rahmen einer Psychose auf. Der Grund hierfür ist ein gestörter Hirnstoffwechsel.

Inhaltsverzeichnis

Definition Wahnvorstellungen (Paranoia)

Wahnvorstellungen sind dadurch charakterisiert, dass Menschen von Bedrohungen irgendeiner Art ausgehen, die aber in der Realität nicht existent sind, sondern sich sozusagen "nur im Kopf abspielen". Diese Bedrohungsgefühle können mannigfaltiger Art sein: beispielsweise eine vermutete Verschwörung durch Mitmenschen, durch Außerirdische, durch Geheimdienste, durch den Teufel, etc.

Welche Form die Paranoia annimmt, das hängt typischerweise von den Lebensumständen des Betroffenen ab. Wahnvorstellungen können dazu führen, dass Menschen, die sich bedroht wähnen, zu Handlungen verleitet werden, die sie sonst nicht tun würden. Sie können im Rahmen eines eingebildeten Selbstschutzes auch aggressiv werden und eine Bedrohung für sich oder andere darstellen. Dies macht das Phänomen so gefährlich und erfordert häufig eine stationäre Behandlung.

Ursachen

In der Regel wurzelt eine Paranoia (welcher Art auch immer) in einer Psychose, wobei es verschiedene Arten von Psychosen gibt: bipolare, schizoaffektive und schizophrene. Durch einen gestörten Hirnstoffwechsel, der vor allem den Botenstoff Dopamin betrifft, ist die Wahrnehmung der Betroffenen verzerrt oder falsch.

Ursachen für eine Psychose mit den folgenden Wahnvorstellungen können eine genetische Disposition, Drogenkonsum, Alkoholmissbrauch oder eine generelle seelische Überlastung sein. Oft treten Psychosen in besonders belastenden Lebenssituationen auf, denen die Betroffenen nicht gewachsen sind: Prüfungssituationen, soziale Differenzen mit Nahestehenden oder ein neuer Lebensabschnitt.

Durch die Überbelastung kippt sozusagen das chemische Gleichgewicht im Gehirn, was die verzerrte Wahrnehmung zur Folge hat. Der Betroffene versucht dabei die fremdartigen Gefühle, die ihn überkommen, zu erklären, und zimmert sich so ein Wahnsystem.

Typische Symptome

Diagnose & Verlauf

Verschwörungstheorien oder Verfolgungswahn geben Medizinern einen ersten stichhaltigen Anhaltspunkt für eine vorliegende Psychose, weil dies typische Anzeichen sind. Häufig sind die Betroffenen dabei im Vorfeld schon mehrfach auffällig geworden und gehen meist erst auf Drängen von Verwandten oder Freunden zu einem Arzt.

Meist haben die Erkrankten ein regelrechtes Wahnsystem aufgebaut mithilfe dessen sie die Wirklichkeit kategorisieren und die Lebensumwelt interpretieren. Durch ein längeres, einfühlsames Gespräch kann ein Arzt herausfinden ob eine Paranoia bzw. eine Psychose vorliegt. Wird die Psychose nicht behandelt, kann sie sich chronifizieren, d.h. dauerhaft werden.

Bei frühzeitigem Eingreifen ist jedoch eine erfolgreiche Behandlung durch Medikamente meist möglich. Als Faustregel geht man davon aus, dass etwa ein Drittel der Patienten vollständig genest, ein weiteres Drittel Rückfälle erleidet und ein weiteres Drittel in dem Zustand gefangen bleibt.

Komplikationen

Das Risiko für Komplikationen im Zusammenhang mit Wahnvorstellungen steigt mit der Dauer der Krankheit und einer nicht erfolgten psychotherapeutischen oder medikamentösen Behandlung. Besonders relevant für das Auftreten von möglichen Komplikationen, die nicht dem dauerhaften Zustand der Paranoia und den damit assoziierten Persönlichkeitsstörungen geschuldet sind, sind die paranoiden Schübe.

Solche Schübe können aufgrund der Wahnvorstellungen zunehmend zu einem Handeln seitens des Betroffenen führen, welches ihn und sein Umfeld gefährdet. So kann es etwa zu Gewalthandlungen kommen, da beispielsweise im Wahn geglaubt wird, es gelte irgendetwas oder irgendjemanden zu beschützen. Auch unsinnige Handlungen in diesem Zusammenhang können mitunter zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen führen. Rechtliche Konsequenzen für den Betroffenen sind auch denkbar.

Gerade auftretender Größenwahn befeuert diese Komplikationen. Alle diese Handlung sind zudem auch riskant für das Umfeld des Betroffenen, da sie zum Teil der Wahnvorstellung werden und entsprechend Ängste und Wut auf sie projiziert wird. Das Verhalten des Paranoiden, das immer mehr durch eine Wahnvorstellung geprägt ist, sorgt mit der Zeit für eine Entfremdung vom Umfeld und für ein Ausscheiden aus der Berufsfähigkeit.

Außerdem ist Paranoia fast immer mit anderen Persönlichkeitsstörungen assoziiert, die wiederum größtenteils depressive und selbstverletzende Elemente aufweisen. Entsprechend besteht als Komplikation auch das Risiko des Betroffenen, sich selbst zu schaden - bis hin zum Suizid.

Behandlung & Therapie

Zur Behandlung der Paranoia bzw. Wahnvorstellung werden sogenannte Neuroleptika verabreicht, die regelmäßig eingenommen werden müssen. Diese Neuroleptika wirken wie ein Puffer für das reizüberflutete Gehirn (zu viel Dopamin) und dämmen die Psychose ein, wenn das richtige Medikament gewählt wird.

Da über Psychosen und die Neuroleptika noch nicht so viel bekannt ist, muss häufig erst ausprobiert werden, welches Medikament bzw. welche Kombination von Medikamenten greift. Sinnvoll ist auch eine begleitende Gesprächstherapie, um dem Betroffenen zu helfen, in die Wirklichkeit zurückzufinden und das vermeintlich Geschehene aufzuarbeiten, denn für den Kranken war oder ist ess sehr real.

Häufig arbeitet man auch über eine nicht zu lange Zeitspanne mit sogenannten Benzodiazepinen, Beruhigungsmitteln, damit der Betroffene zum Beispiel schlafen und allgemein wieder zur Ruhe kommen kann. Diese müssen aber nach einigen Monaten abgesetzt werden, weil sie ein hohes Suchtpotenzial haben.

Häufig ist dabei insgesamt eine stationäre Behandlung erforderlich, bis der Patient sich wieder stabilisiert hat und keine Bedrohung mehr für sich oder die Umwelt darstellt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Um einem neuen Schub der Wahnvorstellungen vorzubeugen, sind die regelmäßige Einnahme der Medikamente sowie die regelmäßige Konsultation eines Facharztes notwendig. Auch brauchen Betroffene einen geregelten Tagesablauf und sollten möglichst sozial integriert sein. Eine angemessene Beschäftigung, die den Tag deutlich strukturiert, kann ebenfalls wahre Wunder wirken. Alkohol oder Drogen sollten nicht konsumiert werden.

Bücher über Paranoia & psychische Störungen

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015
  • Möller. H.-J., Laux, G., Deister, A., Braun-Scharm, H., Schulte-Körne, G.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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