Kachexie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. September 2017
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Eine Kachexie ist ein pathologischer Gewichtsverlust, wie er im Rahmen schwerer Erkrankungen eintreten kann. Neben den Fettdepots des Körpers wird bei dieser Erscheinung auch das Körperbaufett in den Organen angegriffen. Eine mögliche Behandlungsmaßnahme ist die künstliche Ernährung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kachexie?

Der Begriff der Kachexie bezeichnet einen Gewichtsverlust mit Krankheitswert. Bei Tumorerkrankungen stellt sich zum Beispiel ausgeprägter Gewichtsverlust in Form einer Tumorkachexie ein. Der Body-Mass-Index fällt bei Kachexien unter einen Wert von 18. Der Körperfettanteil geht innerhalb von fünf Monaten um mindestens fünf Prozent zurück. Der allgemeine Gewichtsverlust beträgt in diesem Zeitraum mehr als zwei Prozent. Starke Kachexien werden oft als Ankündigung des unmittelbar bevorstehenden Todes interpretiert.

Eine refraktäre Kachexie liegt vor, sobald sich der pathologische Gewichtsverlust therapeutisch nicht mehr beeinflussen lässt, so zum Beispiel im Endstadium von Tumorerkrankungen. Die Lebenserwartung beträgt bei refraktären Kachexien nur noch wenige Monate. Von der Kachexie zu unterscheiden ist die Inanition, die als Abmagerung verstanden wird. Davon ist solange die Rede, wie das lebenswichtige Baufett des Körpers nicht von dem Gewichtsverlust betroffen ist. Bei einer Kachexie werden demzufolge nicht nur die Fettdepots des Körpers angegriffen, sondern auch die Muskulatur und die Organe.

Ursachen

Die Ursachen einer Kachexie sind meist Krankheiten oder ein gewisses Lebensalter. Insbesondere chronisch auszehrende Krankheiten wie Krebs, Diabetes Typ eins, die afrikanische Schlafkrankheit oder rheumatoide Arthritis gehen mit Kachexien einher. Dasselbe gilt für anhaltende Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, so zum Beispiel für Enteritis oder Bauchspeicheldrüsenentzündungen.

Im Rahmen dieser Krankheiten kann die Nährstoffaufnahme im Magen-Darm-Trakt nicht mehr im gewohnten Maß stattfinden. Ebenso oft lösen chronische Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz oder Lungenerkrankungen Kachexien aus und schwächen damit den Organismus. Die Rede ist dann von kardialen, renalen oder pulmonalen Kachexien. Unter Umständen liegt einer Kachexie aber auch eine Mangelernährung oder sogar eine Essstörung wie Bulimie zugrunde.

Senile Kachexien sind dagegen eine Alterserscheinung, die oft in Zusammenhang mit der terminalen Sterbephase steht. Manchmal stehen Kachexien auch mit Intoxikationen in Verbindung. Alkoholismus, Drogensüchte und chronische Quecksilbervergiftungen können die Erscheinungen so zum Beispiel auslösen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Erste Anzeichen für eine Kachexie gibt schon das Erscheinungsbild des Betroffenen. Die Konturen der Knochen werden Stück für Stück sichtbar. Die Augen liegen tief und die Wangen verformen sich zu Hohlwangen. Diese Erscheinungen hängen mit dem Abbau der retrobulbären Fettdepots und des strukturell vorgesehenen Wangenfettkörpers zusammen. Bald treten organische Störungen auf.

Im späten Verlauf kommen so zum Beispiel häufig atrophische Herzinsuffizienzen vor. Das Knochenmark wandelt sich in Gallertmark um. Im Rahmen dessen werden die Fettbausteine der anatomischen Struktur mit einer serösen Flüssigkeit ersetzt und nehmen eine gräuliche Farbe an. Der Betroffene wird zusehends schwächer. Die Kraftlosigkeit schwingt im späten Verlauf unter Umständen in eine Lethargie um, das heißt in eine Schläfrigkeit mit einer Erhöhung der Reizschwelle. Da im Rahmen einer Kachexie auch Muskeln schwinden, kann im Endverlauf unter Umständen der Herzmuskel angegriffen werden. Die Schäden an Organen sind irreversibel und können den Tod eintreten lassen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Kachexie stellt der Arzt im Rahmen der Blickdiagnostik und der BMI-Messung. Um das Ausmaß des pathologischen Gewichtsverlusts einzuschätzen, hilft die Anamnese. Unter Umständen werden aber auch die Organe und das Rückenmark auf Beteiligung untersucht, um das Bild zu vervollständigen. Der Krankheitsverlauf hängt bei dieser Erscheinung stark von der zugrunde liegenden Ursache und dem Zeitpunkt der Diagnosestellung ab.

Wenn die Kachexie bei der Diagnostizierung bereits die Organe angegriffen hat, dann bedeutet das eine eher schlechte Prognose. Solange noch keine organischen Schäden vorliegen und die Kachexie-Ursache theoretisch beseitigt werden kann, ist eine vollständige Genesung möglich. Die Prognose ist in diesem Fall also günstig. Oft werden auch der Eigenwille, der Hunger und die Mitarbeit des Patienten als prognostisch günstige Faktoren gewertet.

Komplikationen

Kachexie führt beim Patienten zu einem sehr starken Gewichtsverlust. Ein Untergewicht stellt für den Körper einen sehr ungesunden Zustand dar, der auf jeden Fall vermieden beziehungsweise behoben werden muss. Dabei können auch die inneren Organe beschädigt werden, sodass es zu irreversiblen Folgeschäden beim Patienten kommt.

Auch das äußere Erscheinungsbild ist von der Kachexie stark eingeschränkt, sodass sich die meisten Patienten mit ihrem Körper nicht wohl fühlen und sich für diesen schämen. Dabei kann es zu Minderwertigkeitskomplexen oder zu einem verringerten Selbstwertgefühl kommen. Auch die Muskeln schwinden, sodass es zu einer Verringerung der Belastbarkeit des Patienten kommt. Die Betroffenen wirken müden und erschöpft.

Sollten lebenswichtige Organe irreversibel geschädigt werden, kann es dabei auch zum Tode des Patienten kommen, wenn keine Behandlung eingeleitet wird. Auch das Herz kann dabei betroffen sein, sodass es zu einem Herztod kommt. In der Regel muss auf jeden Fall eine kausale Behandlung der Kachexie stattfinden. Dabei kann allerdings nicht allgemein vorausgesagt werden, ob es zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt. Gegebenenfalls ist die Lebenserwartung verringert.

Therapie & Behandlung

Wenn Kachexien vorliegen, findet in der Regel eine Behandlung nach Ursache statt. Um eine Kachexie zu heilen, muss der Arzt letztlich die Ursache beseitigen. Bei Krankheiten meint das eine Heilung der ursächlichen Krankheit. Dieses Ziel wird über die krankheitsspezifischen Therapieschritte angenähert. Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs oder Herzinsuffizienz stellt sich also auch die Behandlung der Kachexie als eher schwierig heraus.

Bei Kachexien aufgrund von Mangelernährung umfasst die Behandlung eine Ernährungsumstellung und langsame Annäherung an die gesunde Nahrungsaufnahme. Selbst verursachte Kachexien aufgrund von Essstörungen oder Alkoholismus können die Behandlung durch einen Psychotherapeuten erforderlich machen. Wenn die orale Nahrungsaufnahme nicht möglich ist oder eine Absorptionsstörung im Magen-Darm-Trakt vorliegt, leitet der Arzt dagegen parentale Ernährungsformen ein.

Dabei wird dem Patienten über eine Infusion kleinmolkular eine Lösung aus Nährstoffen in den Blutkreislauf gegeben. So lässt sich der Magen-Darm-Trakt umgehen und die lebenswichtigen Nährstoffe stehen dem Organismus wieder zur Verfügung. Bei refraktären Kachexien oder Kachexien in der terminalen Sterbephase lassen sich die Beschwerden des Patienten nicht mehr über Maßnahmen wie die künstliche Ernährung lindern. In dieser Phase kann also keine sinnvolle Behandlung mehr stattfinden.

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Vorbeugung

Selbst verursachten Kachexien im Rahmen von Essstörungen oder Substanzmissbrauch lässt sich vorbeugen. Kachexien im Rahmen von schweren Erkrankungen sind dagegen nicht direkt zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Die Störung ist lebensgefährlich und muss unbedingt ärztlich behandelt werden. Meist geht die Kachexie auf eine schwere Grunderkrankung wie Krebs zurück, die sich in einem weit fortgeschrittenen Stadium befindet. In diesen Fällen kann der Patient selbst nur wenig zur Besserung seines Zustandes beitragen. Sehr häufig ist dann eine künstliche Ernährung erforderlich.

Raum für Selbsthilfemaßnahmen gibt es aber dort, wo die Kachexie auf eine Mangel- oder Fehlernährung zurückzuführen ist. Besonders gefährdet sind Personen, die an Magersucht oder Bulimie leiden. Da die Betroffenen selbst aufgrund der Krankheit meist ein schwer gestörtes Selbstbild haben und die äußeren Anzeichen einer Kachexie nicht erkennen können oder wollen, ist es Sache des sozialen Nahfeldes, die erforderlichen Maßnahmen zur Selbsthilfe zu ergreifen. Betroffene die an einer Essstörung leiden, versuchen dies oft zu verheimlichen. Starker Gewichtsverlust wird dann durch vermeintlich gesunde Aktivitäten wie viel Sport oder Heilfasten erklärt. Die Familien der Betroffenen sollten im Falle eines anhaltenden starken Gewichtsverlustes hellhörig werden und sensibel, aber konsequent darauf dringen, dass der Betroffene sich in ärztliche Behandlung begibt.

Für die Eltern magersüchtiger und an Bulimie leidender Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Beratungsstellen, die Familienangehörige aufklären und dabei unterstützen, die Maßnahmen zu ergreifen, die bei Verdacht auf eine schwere Ernährungsstörung angezeigt sind.

Bücher über Mangelernährung

Quellen

  • Biesalski, H.-K., et al.: Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ledochowski, M.: Klinische Ernährungsmedizin. Springer, Wien 2009

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