Pitt-Hopkins-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. August 2017
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Als Pitt-Hopkins-Syndrom wird eine äußerst seltene genetische Erkrankung bezeichnet, die nicht heilbar ist. Der Gendefekt hat unter anderem motorische und geistige Behinderungen zur Folge.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Pitt-Hopkins-Syndrom?

Beim Pitt-Hopkins-Syndrom (PHS) handelt es sich um eine genetische Erkrankung, die mit geistiger Behinderung, einer unzureichenden oder komplett fehlenden Lautsprache, Epilepsie und Atemregulationsstörungen einhergeht. Darüber hinaus kommt es zu typischen Gesichtsauffälligkeiten.

Die Erkrankung zeigt sich nur sehr selten. So sind auf der ganzen Welt bislang lediglich 150 Fälle bekannt, die beim männlichen und weiblichen Geschlecht gleichermaßen vorkommen. Mediziner vermuten jedoch eine höhere Dunkelziffer, weil sich die Erkrankung erst seit wenigen Jahren sicher diagnostizieren lässt. Die Bezeichnung Pitt-Hopkins-Syndrom geht auf die beiden australischen Mediziner D. Pitt und I. Hopkins zurück, die die Erkrankung zum ersten Mal im Jahr 1978 beschrieben.

Die Entdeckung des ursächlichen Gens fand erst 2007 statt. Dabei stellten zwei Forschungsgruppen in Erlangen und Paris zur selben Zeit Mutationen im TCF4-Gen fest. Dadurch ist mittlerweile eine klare Diagnose des Pitt-Hopkins-Syndroms möglich. Schätzungen zufolge zeigt sich die Erbkrankheit bei einer von 34.000 bis 41.000 Geburten.

Ursachen

Das Pitt-Hopkins-Syndrom wird autosomal-dominant vererbt. Ursächlich für die Erbkrankheit sind heterozygote Neumutationen innerhalb des TCF4-Gens. Dieses codiert für einen ubiquitären b-HLH-Transkriptionsfaktor. Das TCF4-Gen befindet sich auf Chromosom 18. Das Gen mutiert entweder auf einem der Exonen 1 bis 20 oder wird komplett gestrichen.

Leidet ein Mensch unter dem Pitt-Hopkins-Syndrom, liegt die Gefahr, die Erbkrankheit an Nachkommen weiterzugeben, bei rund 50 Prozent. Normalerweise haben die meisten Patienten jedoch keine Kinder. In den meisten Fällen tritt die Erkrankung auf, obwohl beide Eltern gesund sind und keinerlei Mutationen im TCF4-Gen aufweisen. Das PHS-Wiederholungsrisiko wird bei weiteren Schwangerschaften mit einem Prozent als sehr gering eingestuft.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Pitt-Hopkins-Syndrom weist eine Vielzahl an unterschiedlichen Symptomen auf. Diese zeigen sich jedoch nie vollständig bei einem Patienten. Bei den meisten Betroffenen prägen sich die charakteristischen Merkmale des Syndroms erst im Laufe der Zeit aus, sodass sie schließlich deutlich erkennbar werden.

Unmittelbar nach der Geburt sowie in den ersten Lebensmonaten treten in der Regel keine prägnanten Beschwerden auf. Im weiteren Verlauf bemerken die Eltern eine unnormal langsame Entwicklung ihres Kindes. Zum Beispiel greift es nur selten nach Spielzeug, dreht sich nicht von selbst oder schielt. Außerdem kann es zu einer mittelschweren bis schweren geistigen Retardierung, einer postnatalen Wachstumsretardierung, beschränkten Gehfähigkeiten, Störungen der Bewegungskoordination und Muskelhypotonie kommen.

Auch Hyperventilationsanfälle, Schlafstörungen, schwere Verstopfung, Skoliose und Genitalanomalien sind bei diesem Krankheitsbild verzeichnet worden. Darüber hinaus ist die Sprachentwicklung schlecht oder bleibt sogar vollständig aus. Als typisch für das Pitt-Hopkins-Syndrom gelten zudem sichtbare faziale Anomalien wie dicke herzförmige Lippen, ein breiter, flacher Gaumen mit einem großen Mund, eine Makrostomie mit großen Abständen zwischen den Zähnen sowie hervorstehende Zähne.

Darüber gelten erweiterte Nasenlöcher, tiefliegende Augen, die Ausprägung einer Rinne zwischen Lippe und Nase, das Ausbleiben einer Flexion von Daumen oder Fingern sowie schmale Hände, die über breite Fingerspitzen verfügen als äußere Erkennungsmerkmale. Grundsätzlich haben die meisten PHS-Patienten jedoch eine fröhliche Grundstimmung, sodass sie häufig lachen. Außerdem brauchen sie viel Liebe und körperlichen Kontakt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des Pitt-Hopkins-Syndroms erfolgt zumeist durch eine klinische Untersuchung. Als wichtige Untersuchungsmethode gilt zudem die Elektroenzephalographie (EEG), durch die sich Veränderungen erkennen lassen. Des Weiteren können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) zur Anwendung gelangen.

Diese können auf Veränderungen an den Temporallappen sowie eine Veränderung des Hippocampus hinweisen. In manchen Fällen ist auch der Nachweis von erweiterten Ventrikeln oder einem hypoplastischen Corpus callosum (Gehirnbalken) möglich.

Ist die Genmutation bereits bekannt, lässt sich eine Pränataldiagnostik vornehmen. Das bedeutet, dass sich die Erberkrankung schon vor der Geburt feststellen lässt. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Differentialdiagnose, da die Symptome einiger Erkrankungen denen des Pitt-Hopkins-Syndroms ähneln. Dazu gehören das Goldberg-Syndrom, das Angelman-Syndrom, das Mowat-Wilson-Syndrom sowie das Rett-Syndrom.

Weil das Pitt-Hopkins-Syndrom einen Gendefekt darstellt, ist es nicht heilbar. In den meisten Fällen ist mit dauerhaften geistigen Behinderungen zu rechnen. Außerdem sind die meisten PHS-Patienten nicht in der Lage zu sprechen. Die Lebenserwartung der Betroffenen richtet sich nach dem Ausmaß von gesundheitlichen Problemen und Fehlbildungen. In der Regel benötigen sie ihr Leben lang Unterstützung durch andere Personen.

Komplikationen

Durch das Pitt-Hopkins-Syndrom leiden die meisten Betroffenen in der Regel an verschiedenen motorischen und geistigen Einschränkungen und Behinderungen. Die Patienten sind damit in ihrem Leben in der Regel auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen und können den Alltag nicht mehr alleine ohne Weiteres bewältigen. Die Betroffenen leiden dabei an Schielen und an einer erhöhten Retardierung.

Auch Sprachfehler und Beschwerden der Koordination können durch das Pitt-Hopkins-Syndrom auftreten und dabei die Lebensqualität des Patienten deutlich verringern. Ebenso kommt es dabei zu Verstopfung und zu Schlafstörungen. Die gesamte Entwicklung des Kindes wird durch das Pitt-Hopkins-Syndrom deutlich negativ beeinflusst, sodass es auch im Erwachsenenalter zu Komplikationen kommt.

Vor allem bei Kindern kann es durch die Symptome des Pitt-Hopkins-Syndroms zu Hänseleien oder zu Mobbing kommen. Eine kausale Behandlung des Pitt-Hopkins-Syndroms ist nicht möglich, sodass die Betroffenen auf verschiedene Therapien angewiesen sind, die den Alltag erleichtern können. Mitunter benötigen auch die Angehörigen und Eltern eine psychologische Behandlung. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch diese Krankheit in der Regel nicht beeinflusst. Weiterhin sollten die Eltern eine genetische Beratung in Erwägung ziehen.

Behandlung & Therapie

Da sich das Pitt-Hopkins-Syndrom nicht heilen lässt, beschränkt sich die Therapie auf die Behandlung der Symptome, was wiederum individuell von den jeweiligen Beschwerden abhängt. In jedem Fall ist es wichtig, so früh wie möglich mit der Behandlung der Erbkrankheit zu beginnen.

Als geeignete Therapieformen kommen in erster Linie physiotherapeutische Maßnahmen, eine Logopädie, eine Ergotherapie, eine Reittherapie (Hippotherapie) oder eine Musiktherapie in Betracht. Im Falle von Schielen ist eine Okklusionstherapie wichtig, bei der ein Auge mit einem speziellen Augenpflaster abgeklebt wird, um der Sehstörung entgegenzuwirken.

Als sinnvoll gilt zudem eine medikamentöse Behandlung mit dem Carboanhydrasehemmer Acetazolamid, der zum Absenken von Blutdruck und Hirndruck dient. Einigen Patienten werden außerdem Arzneimittel gegen Schlafstörungen, Verstopfung und Epilepsie verabreicht.

Ein großes Problem des Pitt-Hopkins-Syndroms ist ein Mangel oder das Fehlen der Lautsprache. Aus diesem Grund sollten die betroffenen Kinder lernen, durch Gebärdensprache zu kommunizieren. Für die Eltern gilt eine genetische Beratung als empfehlenswert.

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Vorbeugung

Maßnahmen zur Vorbeugung des Pitt-Hopkins-Syndroms gibt es nicht. So handelt es sich um eine bereits angeborene Erbkrankheit.

Bücher über Erbkrankheiten

Quellen

  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013
  • Wassermann, K., Rohde, A.: Pränataldiagnostik und psychosoziale Beratung. Schattauer, Stuttgart 2009

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