Acetazolamid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Acetazolamid wird bereits seit über 60 Jahren als Hemmer von Carboanhydrase eingesetzt. Das Medikament besitzt verschiedene Anwendungsbereiche und wird in der heutigen Medizin vor allem im Rahmen einer Behandlung des Grünen Stars und von diversen neurologischen Krankheiten sowie als Präventivmittel gegen die Höhenkrankheit eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Acetazolamid?

Acetazolamid ist ein Carboanhydrasehemmer. Es wird in der Medizin vor allem eingesetzt, um den Druck im Augeninneren zu senken, Wasseransammlungen im Körper zu reduzieren und eine präventive Wirkung gegen die Höhenkrankheit bei Bergsteigern zu erzielen.

In der Regel wird das Medikament oral verabreicht, Injektionslösungen stellen die Ausnahme dar. Die Wirkung von Acetazolamid beruht ausschließlich auf einer Hemmung des Enzyms Carboanhydrase. Die beiden genannten direkten Effekte des Stoffes beruhen auf einer erhöhten Ausscheidung von Natrium und Kalium an der Niere und der Reduktion der Bildung von Kammerwasser.

Pharmakologische Wirkung

Acetazolamid wirkt unter anderem auf die Niere ein, wo eine leicht erhöhte Wasserausscheidung durch den körpereigenen Urin stattfinden kann. Gleichzeitig wird die Urinproduktion im Körper erhöht, wodurch die Wasserausscheidung ebenfalls begünstigt wird.

Im inneren Auge reduziert Acetazolamid den Druck, weshalb das Medikament auch als Teil der Glaukomtherapie angewendet wird. Positiv in Anbetracht einer möglichen Höhenkrankheit ist auch die Auswirkung auf die Lungen zu bewerten, welche durch Acetazolamid besser belüftet werden. Hirnödeme, ein Nebeneffekt der Höhenkrankheit, werden durch die Verabreichung von Acetazolamid ebenfalls reduziert.

Das Medikament verliert allerdings seine Wirkung, sobald sich der Patient an die äußeren Umstände durch Akklimatisierung gewöhnt hat. Nach der Verabreichung von Acetazolamid absorbiert der Körper das Medikament in der maximalen Dosis von 250 Milligramm in der Regel innerhalb von zwei Stunden. Bei Müttern gelangt das Medikament außerdem in die Muttermilch, ohne dass dies jedoch nachweisbare, negative Effekte auf die Muttermilch oder auf das Kind hätte.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Acetazolamid ist ein Carboanhydrasehemmer. Es wird z.B. eingesetzt, um eine präventive Wirkung gegen die Höhenkrankheit bei Bergsteigern zu erzielen.

In erster Linie wird Acetazolamid zur Behandlung des chronischen Weitwinkelglaukoms eingesetzt, welches im Volksmund auch als Grüner Star bekannt ist. Durch die Absenkung des Augeninnendrucks werden der Krankheitsverlauf und auch die anschließend Behandlung positiv beeinflusst.

Ödeme jeglicher Art, darunter insbesondere Hirnödeme, können gemindert, aber nicht komplett geheilt werden. Krampfmindernde Effekte wurden bei Epilepsiepatienten ebenfalls gesichert nachgewiesen, ohne jedoch einen Grund für diese Wirkung von Acetazolamid feststellen zu können. Ein weiterer Anwendungsfall sind Entzündungen im Bereich der Bauchspeicheldrüse und die Bekämpfung von Pankreasfisteln.

Acetazolamid ist ein wichtiger Bestandteil der Prävention gegen die Höhenkrankheit: Bis zu 20 % der unerfahrenen Bergsteiger leiden ab einer Höhe von 3.000 Metern unter der Höhenkrankheit, ab 4.000 Metern steigt der Anteil auf bis zu 80 %. Bei einer ausreichenden Verabreichung von Acetazolamid sinkt das Risiko einer Erkrankung um 45 % bis 55 % (der genaue Wert ist abhängig von der Dosierung).

Acetazolamid besitzt einen bislang wenig erforschten, aber als gesichert wirkenden Effekt auf Migränepatienten, deren Krankheitsursache mutierte Calciumkanäle sind. Das Medikament wird in der aktiven Migränetherapie jedoch (noch) nicht eingesetzt.

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Risiken & Nebenwirkungen

Unerwünschte Nebenwirkungen durch Acetazolamid betreffen in relativer Häufigkeit vor allem Müdigkeit und Schwindel oder plötzlich auftretende Kopfschmerzen. Im Falle einer Verabreichung als Prävention gegen die Höhenkrankheit zählen außerdem Geschmacksstörungen sowie Übelkeit und auch Durchfall zu den häufiger zu beobachtenden Nebenwirkungen.

Appetitlosigkeit, Erbrechen oder auch ein permanentes Hitzegefühl können ebenfalls Folgen der Verabreichung von Acetazolamid sein. Weiterhin sollte Acetazolamid auf keinen Fall während der Schwangerschaft eingesetzt werden, da Fehlentwicklungen des ungeborenen Kindes die Folge sein könnten.

Eine Überdosierung scheint keine stark negativen Folgen zu zeigen, allerdings liegen in diesem Zusammenhang ausschließlich Tierversuche als Referenzpunkt vor. Das Interaktionspotenzial mit anderen Medikamenten ist bislang wenig erforscht, allein bei der Verwendung von Präparaten, welche Sulfonamiden beinhalten, wurden Hautreaktionen und Veränderungen des Blutbildes nachgewiesen. Grundsätzliche Vorsicht ist angebracht, wenn Erkrankungen im Rahmen einer Azidose vorliegen.

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