Muskelhypotonie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. August 2017
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Unter Muskelhypotonie versteht der Mediziner eine zu geringe Muskelspannung bei gleichzeitiger Schwäche der Muskulatur, die sich bereits im Kindesalter bemerkbar macht. Sie tritt stets als Symptom einer Grunderkrankung auf und wird mit physiotherapeutischen Maßnahmen behandelt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Muskelhypotonie?

Der Begriff Muskelhypotonie setzt sich zusammen aus Muskeln und dem lateinischen Wort "hypoton", was so viel bedeutet wie "verminderte Kraft oder Spannung" und ist in sich schon eine sehr genaue Beschreibung der Symptome.

Betroffene leiden unter einer stark verminderten Kraft insbesondere der quergestreiften Muskulatur. Zu dieser Muskelgruppe gehören Herz- und Skelettmuskeln, also vor allem die Muskeln des Körpers, die für willkürliche, aktiv gesteuerte Bewegungen zuständig sind.

Eine Muskelhypotonie wird auffällig, weil die Betroffenen sich sehr wenig bewegen und sich bei gemachten Bewegungen weit über das normale Maß hinaus anstrengen müssen. Im Kindesalter fällt Eltern beispielsweise die anormale Anstrengung des Kindes beim Stillen auf.

Ursachen

Die Ursachen der Muskelhypotonie sind vielseitig, da sie stets als Symptom anderer Grunderkrankungen, aber nie als eigenständige Erkrankung, auftritt.

Im Regelfall sind bereits Kleinkinder betroffen, man spricht dann von einer infantilen Muskelhypotonie. Zu den häufigsten Grunderkrankungen gehören Stoffwechselstörungen, die angeborene neuromuskuläre Erkrankung Nemalin-Myopathie und neurologische Erkrankungen, eine Alkoholembryopathie und verschiedene andere angeborene Erkrankungen. Im Folgenden sollen die wichtigsten kurz vorgestellt werden.

Die Alkoholembryopathie ist eine Störung, die durch erheblichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft, in der Regel bei Kindern alkoholabhängiger Mütter, auftritt. Die Symptome sind verringertes Wachstum, geistige Behinderung, Verhaltensauffälligkeiten und die Muskelhypotonie. Auch bei den angeborener Trisomie 13 (Pätau-Syndrom), Edwards-Syndrom und dem Down-Syndrom, gehört die Muskelhypotonie zum Beschwerdebild.

In seltenen Fällen erfolgt die Erstmanifestation der Muskelhypotonie erst im fortgeschrittenen Lebensalter, als Auslöser können dann Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson oder traumatisch erworbene Schädigungen des Zentralnervensystems ausgemacht werden.

Typische Symptome & Anzeichen

  • fehlende Muskelspannung und Muskelstärke in der quergestreiften Muskulatur
  • Muskelschwäche

Diagnose & Verlauf

Einen Verdacht auf Muskelstörungen erheben bei Kleinkindern zumeist die Eltern. Eine Muskelhypotonie fällt durch im Vergleich mit der Altersgruppe sehr geringe Bewegung, große Anstrengung beispielsweise beim Stillen und verringerte Fähigkeiten zur Kopfhebung auf.

Der Besuch eines Kinderarztes ist in diesem Fall dringend anzuraten. Dieser wird sich in einer ausführlichen Anamnese über die von den Eltern beobachteten Symptome und mögliche Risikofaktoren informieren, ehe er das Kind eingehend körperlich untersucht.

Die Diagnose erfolgt altersabhängig verschieden, relevant sind die Körperhaltung des Patienten beim Stehen und Gehen, Liegen und Sitzen, seine Bewegungsfähigkeiten und die motorische Ausdauer. Letztlich muss auch diagnostiziert werden, welcher Muskelgruppen am stärksten betroffen sind.

Die Prognose der Muskelhypotonie richtet sich nach der vorliegenden Grunderkrankung, es lässt sich keine allgemeingültige Aussage treffen.

Komplikationen

In der Regel handelt es sich bei der Muskelhypotonie selbst schon um eine Komplikation. Aus diesem Grund wird vor allem die Grunderkrankung behandelt, die zu Muskelhypotonie führt. Die Beschwerde selbst kann dabei den Alltag des Betroffenen deutlich einschränken und zu Beschwerden bei der Bewegung und bei verschiedenen Tätigkeiten führen. Ebenso ist die Entwicklung des Kindes durch die Krankheit deutlich eingeschränkt.

Die Patienten leiden dabei an einer starken Muskelschwäche und damit auch an einer deutlich verringerten Belastbarkeit. Auch die Körperhaltung des Patienten ist nicht gerade und kann sich damit negativ auf das Erwachsenenalter auswirken und gegebenenfalls zu irreversiblen Folgeschäden führen. Die Muskeln wirken sehr schwach, sodass auch die Ausübung verschiedener Sportarten für den Betroffenen in der Regel nicht mehr möglich ist.

Die Behandlung selbst erfolgt in Form der Behandlung der Grunderkrankung. Ob es dabei eventuell zu Komplikationen kommt, kann in der Regel nicht universell vorausgesagt werden. Mit Hilfe verschiedener Therapien können die meisten Beschwerden gelindert und eingeschränkt werden, sodass es nicht zu Folgeschäden im Erwachsenenalter kommt. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Muskelhypotonie in der Regel nicht eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Muskelhypotonie erfolgt in zwei Wegen: Einerseits muss die Grunderkrankung möglichst gut behandelt werden, andererseits wird mit physiotherapeutischen Maßnahmen versucht, die Beweglichkeit zu erweitern.

Die Grunderkrankungen sind je nach Ausprägung und genauem Syndrom unterschiedlich behandelbar: Während es weder für das Edwards-Syndrom noch für das Pätau-Syndrom eine wirksame Therapie gibt und Kinder mit diesen Trisomien eine grundsätzlich geringe Lebenserwartung haben, stehen die Chancen für Betroffene des Down-Syndroms besser.

Betroffene haben bei guter Frühförderung mit heilpädagogischen, ergotherapeutischen, krankengymnastischen und psychomotorischen Verfahren Aussichten auf ein fast normales Bewegungsverhalten. Auch die durch Alkoholembryopathie ausgelöste Muskelhypotonie ist so gut behandelbar, dass betroffene Kinder ein fast normales Bewegungsverhalten erreichen können.

Physiotherapeutische Maßnahmen zielen auf eine verbesserte Haltungskontrolle, bewusste feinmotorische Bewegungen und eine dosierte Kraftaufwendung ab. Die zu erlernenden Übungen und die Dauer der Behandlung richten sich individuell nach den betroffenen Muskelgruppen und der Stärke der Symptome.

Die Übungen können auf Geräten, beispielsweise in einer Rolltonne oder auf dem sogenannten Pferd, und ohne Hilfsmittel erfolgen und müssen täglich durchgeführt werden.

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Vorbeugung

Da die Ursachen der Muskelhypotonie vielfältig sind und nicht alle Grunderkrankungen beeinflussbar sind, gibt es keine Präventionsmöglichkeiten. Empfehlenswert ist es, in der Schwangerschaft auf eine gesunde, dem Kind nicht schadende, Ernährung zu achten.

Bücher über Muskelschwäche

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Muntau, A.C.: Intensivkurs Pädiatrie. Urban & Fischer, München 2011

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