Schielen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Unter Schielen oder fachsprachlich auch Strabismus genannt, versteht man eine Fehlstellung der Augen, die in verschiedene Richtungen blicken. Die Augen können entweder beide nach innen oder nach außen gerichtet sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Schielen?

Das Schielen ist für viele Betroffene nicht nur ein „kosmetisches Makel“, sondern es kann dabei auch eine Sehbehinderung vorliegen.

Da beim Schielen eins der beiden Augen nicht mehr zum anderen parallel steht, blicken beide in eine andere Richtung. Das Abweichen kann in jede Richtung erfolgen, jedoch treten am häufigsten die horizontalen Abweichungen auf, welche entweder zum Ein- oder Auswärtsschielen führen.

Da das Schielen ohne Behandlung bis hin zu einer starken Sehbehinderung eines gesunden Auges führen kann, ist es besonders bei Kindern eine rechtzeitige Behandlung wichtig. Das Schielen kann in drei Formen unterteilt werden: das latente Schielen, das Begleitschielen und das Lähmungsschielen.

Ursachen

Das Schielen kann verschiedene Ursachen haben; abhängig ist dies auch von der Form des Schielens. Die Ursache für das Begleitschielen und das latente Schielen liegt bei einem gestörten Gleichgeweicht der Augenmuskulatur.

Genaue Gründe für das Begleitschielen gibt es jedoch nicht, aber hierbei spielen auch genetische Faktoren eine Rolle. Oftmals findet man in der Verwandtschaft des Betroffenen eine weitere Person, die schielt oder früher geschielt hat.

Weit- oder Kurzsichtigkeit kann gleichzeitig vorhanden sein. Beim latenten Schielen kann das Auge die Seheindrücke nicht so gut verschmelzen, was besonders bei Müdigkeit oder langer Anstrengung der Augen auftritt.

Beim Lähmungsschielen liegt eine Lähmung der äußeren Augenmuskeln vor, was zum Beispiel durch Geburtsverletzungen, Tumoren, Entzündungen oder Durchblutungsstörungen bedingt sein kann.

Diagnose & Verlauf

Durch die sichtbare Augenfehlstellung ist ein Schielen schon schnell diagnostizierbar. Um das Schielen genau feststellen zu können, werden verschiedene Sehtests durchgeführt, wie beispielsweise der Ab- oder Aufdecktest.

Dabei wird ein Auge abgedeckt und der Arzt kann anschließend beobachten, ob sich das andere Auge neu einstellen kann; es handelt sich in diesem Fall um ein Begleitschielen. Beim Aufdecktest wird festgestellt, ob sich das Auge bei der Verschmelzung zu langsam bewegt und ob damit ein latentes Schielen vorhanden ist.

Mit den beschriebenen Tests können aber auch andere Sehstörungen festgestellt werden. Der weitere Verlauf des Schielens hängt unter anderem von der frühzeitigen Therapie ab. Beispielsweise kann das Begleitschielen im Kindesalter ohne eine Behandlung zu einer dauerhaften Fehlsichtigkeit führen, welche dann ab dem Grundschulalter nicht mehr behoben werden kann. Daher sollte das Schielen bestenfalls im Vorschulalter erkannt werden, damit die Prognose für ein scharfes und räumliches Sehen so gut wie möglich ausfällt.

Komplikationen

Ein unbehandeltes Schielen bei Kindern kann schwerwiegende Folgen haben. Häufig entwickelt das nicht genutzte Auge eine ausgeprägte Sehschwäche, die ohne rechtzeitige Gegenmaßnahmen dauerhaft bestehen bleibt. Begleitend dazu kommt es meist zu Kopfschmerzen, die sich zu einer chronischen Migräne entwickeln können. Tritt das Schielen erst im späteren Leben auf, können erhebliche Sehprobleme auftreten.

Eine eingeschränkte Sicht erhöht das Unfallrisiko und schränkt den Betroffenen ganz allgemein erheblich im Alltag und im Berufsleben ein. Schielen hat auch psychische Folgen. Der Betroffene leidet häufig unter Ausgrenzung und entwickelt in der Folge oft einen Minderwertigkeitskomplex oder eine Depression. Bei der operativen Behandlung des Schielens kann es zum Verlust oder zur Erblindung kommen. Außerdem sind Verletzungen des Augapfels sowie Blutergüsse und Narben denkbar.

Sehr selten verschlechtert sich die Sehkraft nach einer Operation. Unter Umständen wird das Schielen über- oder unterkorrigiert und die Doppelbilder bleiben bestehen oder nehmen sogar noch zu. Auch bei Hilfsmitteln wie Schiel-Brillen besteht das Risiko einer Über- oder Unterkorrigierung. Kurz nach dem Eingriff sind Komplikationen wie Schmerzen, Blutungen oder Entzündungen am Auge möglich.

Behandlung & Therapie

Auch bei der Therapie gegen Schielen ist die Form entscheidend. Die Behandlung des Begleitschielens fixiert sich auf das Stereosehen, was bedeutet, dass das Verschmelzen der Seheindrücke und das räumliche Sehen wieder besser gelingt.

Außerdem werden die Augenfehlstellungen in die Normstellung zu korrigieren. Das Schielen bei Kindern wird immer anfangs konservativ behandelt. Zum Beispiel mithilfe einer Brille und durch ein bestimmtes Augentraining, wodurch die Fusion bzw. das Verschmelzen einzelner Seheindrücke wieder verbessert werden soll.

Was ebenfalls zur Verbesserung der Fehlstellung des Auges genutzt wird, ist die Okklusionstherapie, bei der abwechselnd ein Auge mit einem Pflaster abgedeckt wird. Dieses Abkleben muss jedoch nach einem bestimmten Zeitplan erfolgen. Das schwächere Auge wird somit auch zum Sehen gezwungen und Kinder können dadurch gutes Sehen wieder erlernen.

Bei Erwachsenen wird eine Fusionsschulung dadurch erreicht, dass auf ein Brillenglas eine matte Folie aufgeklebt wird. Somit können Doppelbilder verhindert werden. Wer unter starkem Schielen leidet, kann auch eine Augenmuskel- Operation in Erwägung ziehen.

Oftmals wird dieser Eingriff vorgenommen, wenn das beidäugige Sehen durch die konservative Therapie nicht mehr erreicht werden kann. Das Lähmungsschielen wird ähnlich behandelt, wenn es sich nicht sogar von allein nach mehreren Wochen zurück bildet.

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Vorbeugung

Dem Schielen kann nicht vorgebeugt werden. Es können nur prophylaktisch die Folgen bei bestehendem Schielen vermindert werden, indem eine frühzeitige Therapie begonnen wird. Das bezieht sich vor allem auf Kinder, da vor allem im Kindesalter Schielen auftritt und festgestellt wird.

Bücher über Schielen

Quellen

  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Kaufmann, H., Steffen, H. (Hrsg.): Strabismus. Thieme, Stuttgart 2012
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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