Kleinwüchsigkeit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Kleinwuchs, Kleinwüchsigkeit oder Minderwuchs sind allgmein umgangssprachliche Begriffe für Mikrosomie. Sie stellt zunächst keine eigenständige Krankheit dar, kann aber als Symptom vieler verschiedener Erkrankungen in Erscheinung treten. Aus ihr heraus ergeben sich allerdings oftmals weitere Beschwerden im Leben der Betroffenen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kleinwüchsigkeit?

Etwa 100.000 Menschen in Deutschland gelten als Kleinwüchsig. Oft werden sie in der Gesellschaft auch heute noch ausgegrenzt und diskriminiert und bekommen nicht die gleichen Chancen wie "normalgroße" Menschen.

Als Kleinwüchsigkeit wird ein deutlich eingeschränktes und die Norm unterschreitendes Körperwachstum bezeichnet, dessen Auftreten sich, dank antiker Skulpturen, bis in das alte Ägypten, also schon fast 5000 Jahre, zurückverfolgen lässt. Bei Männern spricht man bei einer Größe von höchstens 1,50 m und bei Frauen bei einer Größe von höchstens 1,40 m von Kleinwüchsigkeit.

Manche Betroffene messen nicht einmal einen Meter. Der medizinische Fachterminus lautet Mikrosomie. Zwar können auch krankhafte Veränderungen der Struktur des Skeletts zu einer sehr geringen Körpergröße, die teilweise ebenfalls die Grenze von 1,50 m bzw. 1,40 m unterschreiten kann, führen, werden aber dennoch nicht als Kleinwüchsigkeit bezeichnet.

Ursachen

Kleinwüchsigkeit kann verschiedene Ursachen haben, die jedoch in den meisten Fällen die Produktion des Wachstumshormons Somatropin einschränken, was zu einer Einschränkung des körperlichen Wachstums führt. Neben einer Stoffwechselerkrankung oder einem ungesunden Lebensstil der Mutter während der Schwangerschaft (Rauchen, Alkohol- oder Drogenmissbrauch), können auch ein Hirntumor, eine Hormonstörung oder defekte Erbanlagen Auslöser für ein zu geringes Wachstum sein.

So haben Forscher der Universität Leipzig erst kürzlich ein Gen identifiziert, das Kleinwüchsigkeit verursacht. Dabei ist es allerdings nicht zwingend notwendig, das eines der beiden Elternteile ebenfalls unter Kleinwüchsigkeit leidet, da das Gen auch über mehrere Generationen hinweg inaktiv bleiben kann.

Ferner kann sogar ein gestörtes soziales Umfeld, wie beispielsweise eine nicht intakte Familie, zu Verzögerungen der physischen Entwicklung führen und dadurch Kleinwüchsigkeit hervorrufen. Trotz dieser Vielzahl an schon entdeckten Auslösern sind aber längst noch nicht alle offenbart worden. Insgesamt vermuten Experten über 450 verschiedene Ursachen für Kleinwüchsigkeit.

Typische Krankheiten

Diagnose & Verlauf

Kleinwüchsigkeit kann bei genauer Beobachtung des Kindes schon im Säuglingsalter festgestellt werden. Bei ca. 5 Prozent der Geburten mit einem normalen Verlauf sind die Kinder zu klein, allerdings machen knapp 90 Prozent davon diesen Rückstand binnen zwei Jahren wieder wett.

Dennoch sollten Neugeborene mit einem Größendefizit vorsichtshalber von einem Spezialisten, etwa einem Kinder-Endokrinologen, untersucht werden, der durch Röntgenaufnahmen der linken Hand das Knochenalter bestimmen, zerebrale Erkrankungen diagnostizieren oder eine verminderte Ausschüttung von Wachstumshormonen erkennen kann.

Darüber hinaus dokumentiert auch der Kinderarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen die körperliche Entwicklung des Kindes und kann notfalls Alarm schlagen, sollte er eine Kleinwüchsigkeit vermuten.

Komplikationen

Wenn eine Achondroplasie die Ursache von Kleinwuchs ist, ist die Lebenserwartung nicht nennenswert beeinflusst. Zu Komplikationen kann es aufgrund der Wachstumsstörung aber trotzdem kommen. Eine der denkbaren Komplikationen tritt häufig durch die seelischen Belastungen auf.

Klein gewachsene Menschen werden in der Gesellschaft ausgegrenzt. Sie haben mit zahllose Schwierigkeiten zu kämpfen, um ihren Alltag zu bewältigen. Das kann die Betroffenen seelisch stark belasten, mitunter kommt es zu Depressionen. Insgesamt ist die Haltung gegenüber Kleinwüchigen aber inzwischen toleranter.

Vor allem wenn Kinder von Kleinwuchs betroffen sind, kennt die Grausamkeit der anderen oft kein Pardon. Kinder mit Achondroplasie leiden zudem oft an Schädigungen im Bereich der Ohren. Sie haben Beschwerden beim Hören. Manche erleben einen kompletten Hörverlust. Das belastet die Psyche zusätzlich. Möglich sind Suizidgedanken, vor allem in der Pubertät.

Zu Komplikationen kommt es bei achondroplasiebedingtem Kleinwuchs oft auch durch eine Entwicklungsverzögerung. Diese können geistige Einschränkungen, aber auch Fehlbildungen nach sich ziehen. Häufiger kommt es dadurch zu Sensibilitätsstsörungen. Problemtaisch ist auch, dass die Achondroplasie kaum Behandlungsmöglichkeiten bietet. Die Symptome des Kleinwuches können nur teilweise korrigiert werden, meist operativ. Es kann zu innerfamiliären Komplikationen kommen, die therapeutuische Interventionen für die Betroffenen notwendig machen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und müssen dem jeweiligen Auslöser für die Kleinwüchsigkeit angepasst werden. Im Falle einer nicht ausreichenden Produktion des Wachstumshormons Somatropin, für die normalerweise die Hirnanhangdrüse verantwortlich ist, kann diese durch die Zuführung von künstlich hergestelltem Somatropin ausgeglichen werden und in vielen Fällen zu einem normalen Wachstum des Kindes führen.

Allerdings muss dazu die Kleinwüchsigkeit bereits in einem frühen Stadium diagnostiziert und eine Therapie schon in sehr jungem Alter eingeleitet werden, da eine Behandlung nach dem Schließen der Wachstumsfugen nicht mehr anschlagen würde. In anderen Fällen kann auch Krankengymnastik] zu einer Verbesserung des Wachstums führen. Wurde eine Therapie zu spät begonnen oder ist eine Behandlung der Kleinwüchsigkeit schlicht nicht möglich, besteht darüber hinaus die Möglichkeit eine operative Verlängerung der Arme und Beine vorzunehmen, die den Patienten bis zu 20 cm größer machen kann.

Dabei werden zunächst Arme und Beine gebrochen, die dann mithilfe von Schienen miteinander verbunden werden, um die Knochen so künstlich in die Länge zu ziehen. Dies ist allerdings sehr langwierig und mit großen Unannehmlichkeiten verbunden, da häufig mehr als zehn Operationen nötig sind, um zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu gelangen und die Kleinwüchsigkeit zu besiegen.

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Vorbeugung

So oder so haben es Menschen mit Kleinwüchsigkeit schwerer im Leben als Menschen jenseits der "Einsvierzig", sei es im Beruf, in der Ausbildung oder im Alltag. Trotz positiver Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten sind Menschen mit Kleinwüchsigkeit noch immer Ziel von Diskriminierung und Vorurteilen.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Kleinwüchsigkeit hat der Betroffene mit eigenen Kräften keine Möglichkeiten, seine Körpergröße zu verändern. An den körperlichen Voraussetzungen kann er trotz Bemühungen nichts ändern, da diese lebenslang weitestgehend stabil bleiben werden. Der Betroffene kann hingegen viel für sich selbst und sein emotionales Wohlbefinden trotz des körperlichen Makels tun.

Mit einer gesunden Lebensweise, einer ausgewogenen Ernährung und ausreichender Bewegung, steigt im Allgemeinen die Lebenszufriedenheit immens an. Darüber hinaus sind ein stabiles soziales Umfeld, regelmäßige Freizeitaktivitäten und eine berufliche Anerkennung wichtig, um die alltäglichen Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Eine emotionale Festigkeit und verschiedene Strategien zur Überwindung von seelischen Hindernissen helfen ebenfalls dabei, eine anhaltende Lebensfreude zu erleben. Mit einem starken Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl ist es vielen Betroffenen der Kleinwüchsigkeit möglich, die körperlichen Themen zu bewältigen.

Im Alltag ist es hilfreich, wenn die Inneneinrichtung oder Fortbewegungsmittel auf die Bedürfnisse des Erkrankten angepasst werden. Dies ermöglicht ein selbständiges Leben, das weitestgehend frei von der Abhängigkeit anderer Menschen gestaltet werden kann. Der Austausch mit anderen Kleinwüchsigen kann zusätzlich hilfreich sein, um sich gegenseitig zu stärken oder wichtige Hinweise und Tipps zu erhalten. Grundsätzlich kann es förderlich sein, die Kleinwüchsigkeit nicht als Entscheidungskriterium für ein erfülltes Leben zu sehen.

Bücher über Kleinwüchsigkeit

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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