Paratyphus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. August 2017
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Paratyphus ist eine Infektionskrankheit, die durch Erreger aus der Gruppe Salmonella enterica hervorgerufen wird. Im Krankheitsverlauf kommt es zu Verstopfung und Durchfällen. Die Symptome ähneln denen des Typhus, sind aber nicht ganz so stark ausgeprägt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Paratyphus?

Der Paratyphus ist eine abgeschwächte Form der Infektionskrankheit Typhus. Erreger ist hier Salmonelle paratyphi. Die Erreger sind weltweit verbreitet, Infektionen finden sich aber eher in Ländern mit schlechten Hygienebedingungen. Die Krankheit äußert sich durch Symptome wie Kopfschmerzen, Hautausschlag, Durchfall, Verstopfung und Haarausfall. Es kommt zu hohem Fieber. Einige Patienten werden nach einer Infektion mit Paratyphus zu Dauerausscheidern.

Ursachen

Die Erkrankung wird durch den Erreger Salmonella paratyphi hervorgerufen. Dieser gehört zur Familie der Salmonella enterica und kann im Serotyp A, B und C vorliegen. Bei dem Erreger handelt es sich um gramnegative Bakterien. Sie sind beweglich und fakultativ anaerob. Salmonella paratyphi ist weltweit verbreitet. Jährlich erkranken rund 5,5 Millionen Menschen auf der Welt an Paratyphus.

Die höchsten Erkrankungszahlen sind dabei in Afrika, Südamerika und im Süden Asiens zu verzeichnen. Im Jahr 2006 wurden dem Robert-Koch-Institut 75 Fälle von Paratyphus in Deutschland gemeldet. Rund 75 Prozent der Erkrankungen wurden aus Indien, der Türkei oder aus Serbien importiert. Erregerreservoir für die Salmonellen vom Typ Paratyphi ist ausschließlich der Mensch. Bei der Verbreitung spielen insbesondere Dauerausscheider und asymptomatisch Erkrankte eine wichtige Rolle.

Dauerausscheider sind Menschen, die den Erreger dauerhaft mit dem Stuhl ausscheiden. Um den Status Dauerausscheider zu erhalten, müssen noch zehn Wochen nach Beginn der Erkrankung Salmonellen im Stuhl nachweisbar sein. Die Infektion mit Salmonella paratyphi erfolgt überwiegend durch die Aufnahme von kontaminiertem Wasser oder kontaminierten Lebensmitteln. Auch eine direkte Übertragung von einer infizierten Person zu einer anderen Person ist denkbar. Da diese aber fäkal-oral erfolgen muss, ist dieser Übertragungsweg von untergeordneter Bedeutung. Die Inkubationszeit beträgt ein bis zehn Tage. Die Ansteckungsgefahr beginnt etwa sieben Tage nach Beginn der Erkrankung und kann mehrere Wochen über die Symptome hinaus bestehen. Zwei bis fünf Prozent aller Erkrankten bleiben ein Leben lang symptomlose Dauerausscheider.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Erkrankung beginnt mit allgemeinen Beschwerden, wie Gliederschmerzen, leichter Temperaturerhöhung oder Kopfschmerzen. Innerhalb von zwei bis drei Tagen steigt das Fieber auf bis zu 39 Grad Celsius. Die Betroffenen fühlen sich sehr krank. Es kommt zu Verstopfung, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen. Typisch für Typhus und Paratyphus sind hellrote Hauterscheinungen am Bauch.

Diese bezeichnet man auch als Roseolen. Allerdings treten sie eher selten auf. In einigen Fällen kommt es auch zu einer relativen Bradykardie. Normalerweise steigt der Puls bei Fieber pro Grad Temperaturerhöhung um zehn Schläge pro Minute. Bei einer relativen Bradykardie bleibt diese Pulsanpassung auf. Die Temperatur ist erhöht, der Puls aber normal. Komplikationen wie Bauchfellentzündungen, Entzündungen der Gallengänge, Herzentzündungen oder Darmblutungen können auftreten.

Auch Darmperforationen oder Hirnhautentzündungen gehören zu den denkbaren Komplikationen. Bei einem unbehandelten Paratyphus ist die Rekonvaleszenzzeit sehr lang. Treten auch nach Abklingen der Symptome weiterhin subefebrile Temperaturen auf, kann dies ein Hinweis auf ein Rezidiv sein. Rezidive sind auch mehrfach möglich. In der Regel ist die Erkrankung aber nach vier bis zehn Tagen beendet. Eine überstandene Infektion hinterlässt eine ungefähr einjährige Immunität.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Paratyphus-Infektionen sollten vor allem nach Reisen oder Auslandsaufenthalten in die Differenzialdiagnose miteinbezogen werden. Im Labor liefern Linksverschiebungen im Blutbild und eine Leukopenie Hinweise auf eine Infektion mit Salmonella paratyphi.

Beweisend ist jedoch nur der Erregernachweis. Der Nachweis erfolgt durch die kulturelle Anzucht aus dem Blut. Mithilfe des Widal-Tests können aber auch Antikörper gegen den Erreger nachgewiesen werden. Dieses Verfahren ist zwar sehr einfach und schnell, aber nicht besonders spezifisch und sensibel. Deshalb wird es nur in Zusammenhang mit einer klinisch gesicherten Infektion eingesetzt.

Komplikationen

Durch den Paratyphus leiden die Betroffenen an den Beschwerden und Symptomen einer Magen-Darm-Grippe. Diese Beschwerden wirken sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus und können den Alltag deutlich erschweren. Durch die Krankheit kommt es in erster Linie zu Durchfällen und zu Verstopfung. Auch Übelkeit und Erbrechen können dabei auftreten, wobei die Betroffenen in den meisten Fällen auch an relativ starken Bauchschmerzen leiden.

Weiterhin kommt es auch zu Fieber und zu sehr staken Schmerzen an den Extremitäten und im Kopf. Sollte die Krankheit nicht behandelt werden, kann es auch zu Entzündungen an den inneren Organen des Betroffenen kommen. Auch Blutungen im Darm sind dabei nicht selten. Weiterhin treten auch Entzündungen an der Hirnhaut auf, die ohne Behandlung im schlimmsten Fall zum Tode führen können.

Nach einer erfolgreichen Behandlung ist der Betroffene für eine bestimmte Zeit immun gegen die Krankheit. Die Behandlung erfolgt mit Hilfe von Antibiotika, wobei keine besonderen Komplikationen auftreten. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird bei einer erfolgreichen Behandlung nicht beeinflusst. Möglicherweise müssen auch andere Entzündungen, die durch Paratyphus ausgelöst wurden, behandelt werden.

Therapie & Behandlung

Die Therapie von Paratyphus erfolgt immer mit Antibiotika. Dabei kommen meist Breitspektrumantibiotika zum Einsatz. Aber auch der Gyrasehemmer Ciprofloxacin wird verwendet. Die Therapiedauer liegt bei etwa zwei Wochen. Unter Antibiotikatherapie liegt die Letalität unter einem Prozent. Auch Komplikationen treten bei dieser Therapieform nur selten auf. Dauerausscheider werden ebenfalls mit Antibiotika behandelt. Hier wird eine Gabe über einen Zeitraum von mindestens einem Monat empfohlen. Leiden die Dauerausscheider zudem unter Gallensteinen, kann eine Entfernung der Gallenblase erforderlich sein.

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Vorbeugung

Paratyphus wird meistens über Trinkwasser übertragen. In Gebieten, in denen die Erkrankung verbreitet ist, sollte deshalb Leitungswasser nicht getrunken werden. Auch auf Eiswürfel sollte in diesen Ländern verzichtet werden, da diese häufig aus Leitungswasser hergestellt werden. Rohe oder nur unzureichend erhitzte Speisen, wie beispielsweise Salate oder Obst können ebenfalls mit Paratyphus-Erregern kontaminiert sein. Dasselbe gilt für Meeresfrüchte.

Für Typhus steht zudem ein Impfstoff zur Verfügung. Gegen Paratyphus gibt es hingegen keine Impfung. Um das Umfeld zu schützen, dürfen Personen, die an Paratyphus erkrankt sind, nicht in der Lebensmittelherstellung tätig sein. Das gilt auch für Dauerausscheider. Ihnen ist die Herstellung, die Behandlung und das Inverkehrbringen von bestimmten Lebensmitteln verboten.

Zu diesen Lebensmitteln gehören Sprossen, Fleisch, Fleischerzeugnisse, Milch, Milcherzeugnisse, Eiprodukte, Säuglingsnahrung, Speiseeis, Backwaren mit unzureichend erhitzter Füllung, Feinkostsalate, Rohkostsalate und Mayonnaisen. Ebenso dürfen erkrankte Personen sich nicht in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten aufhalten.

Bücher über Typhus

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004
  • Suttorp et al.: Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln. Thieme, Stuttgart 2003

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