Knorpelschaden

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 25. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ein Knorpelschaden ist eine Gelenkerkrankung, die in unterschiedlichen Gelenken im Körper vorkommen. Je nachdem, wie stark die jeweiligen Knorpel geschädigt sind und um welche Knorpel es sich handelt, kann durch eine geeignete Therapie eine schmerzfreie Wiederherstellung der Knorpelfunktion erreicht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Knorpelschaden?

Fehlhaltungen wie sogenannten O-Beine oder X-Beine können aufgrund der dauerhaften Fehlbelastungen dazu führen, dass die Knorpelschicht beschädigt wird. Dasselbe gilt auch für starkes Übergewicht, das die Gelenke beim Gehen übermäßig belastet.
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Unter einem Knorpelschaden verstehen Mediziner, wie der Name bereits andeutet, eine Schädigung der Knorpel. In den Gelenken treffen die Knochen aufeinander.

Damit es nicht zu einer unangenehmen Reibung derselben kommt, sind die Knochenenden mit dem sogenannten Knorpelgewebe überzogen. Dies kann Stöße beim Gehen abfedern und so die Knochen bzw. das Gelenk schützen. Kommt es zu einer Abtragung dieser Schicht, etwa durch Erkrankungen oder Verschleiß, ist das reibungslose Bewegen des Gelenks eingeschränkt.

Ebenso kommt es zu Schmerzen, die allerdings erst dann auftreten, wenn das Knorpelgewebe vollständig zerstört ist. Besonders häufig sind Knie- und Hüftgelenke betroffen. Frühzeitig erkannt kann der Knorpel durch medizinische Maßnahmen regeneriert werden. Nach einer vollständigen Abtragung der Schicht ist ein Wiederherstellen derselben nicht mehr möglich.

Ursachen

Die Ursachen für einen Knorpelschaden können vielfältig sein. Experten unterscheiden dabei zwischen mechanischen und biochemischen Ursachen. Bei Ersteren kann es sich beispielsweise um die Folge eines Unfalls oder einer anderweitigen Verletzung handeln.

Auch eine schwere Verstauchung kann zu einem Knorpelschaden führen. Fehlhaltungen wie sogenannten O-Beine oder X-Beine können aufgrund der dauerhaften Fehlbelastungen dazu führen, dass die Knorpelschicht beschädigt wird. Dasselbe gilt auch für starkes Übergewicht, das die Gelenke beim Gehen übermäßig belastet.

Zu den biochemischen Ursachen für einen Knorpelschaden zählen unter anderem Stoffwechselerkrankungen. Krankheiten wie Gicht, Rheuma oder auch Durchblutungsstörungen können die Knorpelschicht nachhaltig schädigen. Letztendlich kann auch altersbedingte Verkalkung dazu führen, dass der Knorpel nach und nach abgebaut wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Knorpelschaden äußert sich vor allem durch Schmerzen beim Laufen und bei allgemeiner Belastung des betroffenen Gelenks. Die Schmerzen können zu einer Blockierung des Gelenks führen, woraus wiederum Bewegungseinschränkungen resultieren. In Einzelfällen kommt es zu Schwellungen infolge einer Blutung oder einer Flüssigkeitsansammlung im Gewebe.

Die Schmerzen treten zu Anfang erst nach ausgiebiger Belastung des Gelenks auf. Insbesondere beim Laufen, Treppensteigen und Spazierengehen treten Beschwerden auf, die meist zu einer Schonhaltung führen. Viele Betroffene klagen vor allem morgens und nach längerem Sitzen über Schmerzen. Der sogenannte Anlaufschmerz wird von einem auffälligen Knirschen oder Knacken der geschädigten Gelenke begleitet.

Eine länger andauernde Fehlstellung kann zu Gelenkverschleiß, Druckstellen, Nervenschmerzen und weiteren Beschwerden führen. Manche Betroffene sind zudem wetterfühlig. Ein unbehandelter Knorpelschaden kann zur Entstehung von chronischen Schmerzen führen. Begleitend dazu tritt meist ein starkes Unwohlsein auf.

Vor allem Sportler leiden unter einem schweren Knorpelschaden und fühlen sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Dies kann langfristig zur Entstehung von psychischen Beschwerden führen, wie zum Beispiel depressive Verstimmungen, Reizbarkeit und Wesensveränderungen. Wird der Knorpelschaden frühzeitig behandelt, klingen die Beschwerden nach einigen Wochen im Normalfall wieder ab.

Diagnose & Verlauf

Besteht der Verdacht auf einen Knorpelschaden, wird dieser vom behandelnden Arzt meist anhand einer Röntgenuntersuchung diagnostiziert. Diese kann bereits Auskunft über eine degenerative Veränderung des Knorpelgewebes geben. Unterstützend kann ein MRT, eine Magnetresonanztomografie, stattfinden, mit der genau festgestellt werden kann, inwieweit der Knorpel bereit beschädigt ist und welche Heilungschancen bestehen.

Grundsätzlich können Knorpelschäden gut medizinisch behandelt werden; allerdings kommt es hier auf das Stadium der Schädigung an. Wird die Erkrankung bereits frühzeitig erkannt, stehen die Chancen gut, dass die Knorpelschicht fast vollständig regenerieren kann. Ist es jedoch erst einmal zu einem vollständigen Abbau derselben gekommen, gibt es keine Möglichkeit, sie wiederherzustellen.

Komplikationen

Bei einem Knorpelschaden hängt der weitere Verlauf der Krankheit in den meisten Fällen sehr stark von der betroffenen Region des Körpers ab, sodass keine allgemeine Vorhersage möglich ist. Die meisten Patienten leiden dabei durch den Knorpelschaden an starken Gelenkschmerzen. Diese Schmerzen können dabei den Alltag des Patienten deutlich einschränken und die Lebensqualität verringern.

Weiterhin kommt es auch zu Bewegungseinschränkungen und zu allgemeinen Einschränkungen im Alltag. Nicht selten treten dabei auch Schwellungen oder Blutergüsse auf. Sollte beim Knorpelschaden keine Behandlung eintreten, so entwickelt sich daraus in den meisten Fällen eine Arthrose. Dabei kann es zu irreversiblen Folgeschäden kommen.

In den meisten Fällen wird ein Knorpelschaden mit Hilfe von Medikamenten behandelt. Dabei kommt es nicht zu weiteren Komplikationen. In einigen Fällen ist allerdings ein operativer Eingriff notwendig, um die Beschwerden zu beheben. Gegebenenfalls muss der Patient nach dem Eingriff Antibiotika einnehmen, damit es nicht zu einer Entzündung kommt.

In den meisten Fällen wird die Lebenserwartung durch diese Krankheit nicht verringert oder eingeschränkt. Nach der Behandlung kann der Betroffene die Gelenke in der Regel wieder gewöhnlich nutzen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Personen, die nach einer Verstauchung oder im Zusammenhang mit einer Erkrankung Gelenkschmerzen verspüren, sollten noch am selben Tag einen Arzt aufsuchen. Symptome wie Bewegungseinschränkungen, Schwellungen und Blutergüsse deuten auf einen Knorpelschaden hin. Ärztlicher Rat ist gefragt, wenn die Beschwerden nicht von selbst abklingen oder sogar stärker werden. Sollten sich weitere Symptome einstellen, muss umgehend ein Mediziner eingeschaltet werden. Ein Knorpelschaden kann gut behandelt werden, schreitet jedoch auch rasch voran und ruft zunehmende Schmerzen hervor.

Bevor sich irreversible Folgeschäden einstellen, muss die Verletzung abgeklärt und therapiert werden. Personen, die an O-Beinen oder X-Beinen leiden, sind besonders gefährdet. Ebenso Menschen mit Übergewicht, einer rheumatischen Erkrankung, Gicht oder Durchblutungsstörungen. Wer Teil dieser Risikogruppen ist, informiert bei genannten Symptomen am besten den Arzt. Spätestens, wenn schmerzhafte Schwellungen oder Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit des betroffenen Körperteils bemerkt werden, ist ein Besuch beim Hausarzt angezeigt. Weitere Anlaufstellen sind der Orthopäde oder ein Spezialist für Gelenk- und Knochenerkrankungen.

Behandlung & Therapie

Wurde eindeutig ein Knorpelschaden diagnostiziert, wird der behandelnde Arzt eine angemessene Therapie einleiten. Diese richtet sich insbesondere nach der Schwere der Schädigung und auch nach der Lage des Gelenks im Körper. Die konservative Therapieform umfasst meist eine medikamentöse Behandlung, bei der zunächst vorhandene Schmerzen gelindert werden.

Gleichzeitig werden Antirheumatika verabreicht, die eventuelle Entzündungsprozesse im Gelenk beseitigen bzw. verringern. Die Gabe von Medikamenten, welche den Stoffwechsel im Knorpel anregen sollen, können dabei helfen, die Beweglichkeit des Gelenks zu erhöhen. Hier kann beispielsweise Hyaluronsäure verabreicht werden, die sich auch in der natürlichen Gelenkschmiere findet. Ist der Knorpelschaden zu weit fortgeschritten oder schlägt die medikamentöse Therapie nicht an, kann ein operativer Eingriff sinnvoll sein.

Bei diesem kann der Knorpel chirurgisch geglättet werden. Dies führt zu einem Abklingen eventueller Entzündungen und zu einem reibungs- und weitgehend schmerzlosen Bewegen des Gelenks. Ist der Knorpel noch nicht zu weit geschädigt, kann auch nur ein Abtragen einer dünnen Schicht erfolgen, woraufhin sich das Knorpelgewebe von selbst regeneriert und zu einem Abklingen der Beschwerden führt.


Aussicht & Prognose

Die Prognose eines Knorpelschadens richtet sich nach dem betroffenen Gelenk sowie der Möglichkeit einer Therapie. In einigen Fällen kann eine Wiederherstellung der Funktionstätigkeit des Gelenkes und damit der Knorpelfunktion erreicht werden. Durch die Gabe von Medikamenten erfolgt ein Wiederaufbau des Knorpels. Werden gleichzeitig Bewegungsabläufe optimiert und umgestellt, besteht die Aussicht auf eine vollständige Beschwerdefreiheit.

Je weiter ein Knorpelschaden vorangeschritten ist, desto unwahrscheinlicher ist eine Genesung. Ohne Veränderungen der Bewegungsabläufe und körperlichen Belastungen oder die Inanspruchnahme einer ärztlichen Betreuung, verschlechtert sich die Prognose. Schmerzen, Unregelmäßigkeiten des Bewegungsapparates und Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten nehmen zu. Bei einigen Patienten ist als letzte Möglichkeit ein operativer Eingriff notwendig, da die Gabe von Medikamenten bei einem fortgeschrittenen Knorpelschaden nicht ausreicht. Die Operation ist mit den üblichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden und kann zu dauerhaften gesundheitlichen Verschlechterungen führen. Verläuft eine Operation ohne weitere Komplikationen, erlebt der Patient im Anschluss eine Verbesserung seiner Gesundheit.

Die Linderung vorhandener Beschwerden wird in den meisten Fällen dokumentiert. Dennoch kann es zu einer Notwendigkeit einer Umstrukturierung der alltäglichen Prozesse kommen, da die körperliche Belastbarkeit nicht der eines Menschen mit einem natürlichen Körperbau entspricht. Sportliche Aktivitäten oder berufliche Tätigkeiten können nicht immer so weitergeführt werden, wie es der Patient vor seinem Eingriff getan hat.

Vorbeugung

Einem Knorpelschaden kann auf mehrfache Weise vorgebeugt werden. Das Verhindern bzw. Abbauen von Übergewicht entlastet die Gelenke und verhindert mögliche Schädigungen der Knorpel. Fehlhaltungen wie X- oder O-Beine sollten wenn möglich korrigiert werden, damit es zu keinem späteren Knorpelschaden kommt. Knorpelschäden, die durch Stoffwechselkrankheiten oder Verletzungen entstehen, kann nicht vorgebeugt werden. Besteht der erste Verdacht auf eine entsprechende Schädigung der Gelenke, ist es ratsam, einen Arzt (i.d.R. Orthopäde aufzusuchen.

Nachsorge

Der Knorpelschaden bedarf einer konsequenten Nachsorge. Ein massiv geschädigter Knorpel ist dadurch an sich zwar nicht mehr reversibel, aber das jeweilige Gelenk kann mit gezielte´m Training der umgebenden Muskulatur zielführend stabilisiert werden. Die Nachsorge erfolgt zumeist in Absprache mit dem behandelnden Orthopäden oder dem Physiotherapeuten. Auch der spezialisierte Rehasport mit für dieses Erkrankungsbild qualifizierten Übungsleitern ist in diesem Zusammenhang eine professionelle Adresse.

Muskeln, die ein Gelenk stabilisieren können, werden in der Nachsorge gezielt gekräftigt. Oft erlernt der Patient in der Krankengymnastik oder im Rehasport Übungen, die dann in Eigenregie zu Hause oder im Fitnessstudio weitergeführt werden. Hier sind die korrekte Ausführung der Übungen und eine individuell dosierte Belastung besonders wichtig.

Auch im Alltag ist die Nachsorge beim Knorpelschaden ein wichtiges Thema. Das Gelenk, das von Krankheitsbild betroffen ist, darf im Idealfall nicht mehr unphysiologisch belastet werden. Das bedeutet, dass zum Beispiel beim Kniegelenk Scherbelastungen oder zu starke Beugung vermieden werden. Das Gelenk braucht jedoch nicht generell geschont werden.

Die Gelenkflüssigkeit (Synovia), die bei Bewegung gebildet wird, schützt das Gelenk. Hier kann auch eine ausreichende Trinkmenge eine positiven Einfluss haben. Langes Verharren ins ungesunden Haltungen sollte zudem durch regelmäßige Bewegung ersetzt werden.

Das können Sie selbst tun

Bei einem bestehenden Knorpelschaden gibt es viele Möglichkeiten, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Selbsthilfemaßnahmen können einen operativen Eingriff zwar nicht gänzlich vermeiden, jedoch häufig um viele Jahre aufschieben.

Besonders wichtig ist ausreichend Bewegung – und zwar am besten in Form von gelenkschonenden Sportarten wie beispielsweise Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking. Welche Sportart am ehesten infrage kommt, entscheidet der Patient in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Wer nicht aktiv Sport treiben möchte, sollte zumindest mehr Bewegung in den Alltag integrieren. Bereits der Verzicht auf Aufzüge und Rolltreppen wirkt sich positiv auf die gesamte Gesundheit aus und kann die weitere Ausbreitung eines Knorpelschadens verzögern.

Um die Belastung für die Gelenke zu verringern, ist es zudem ratsam, Übergewicht zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren. Auch hier nimmt Bewegung einen großen Stellenwert ein, ebenso wie eine gesunde, ausgewogene und fettarme Ernährung. Bei akuten Schmerzen haben sich Schmerzsalben, die kortisonfreie Antirheumatika (Ketoprofen, Indometacin) enthalten, besonders bewährt, aber auch wärmende Salben mit den Wirkstoffen Nicoboxil und Nonivamid werden von vielen Betroffenen als wohltuend empfunden.

Liegt eine akute Gelenkentzündung vor, sind hingegen vor allem kühlende Umschläge und Salben empfehlenswert. Therapiebegleitend können auch pflanzliche Medikamente, die Weihrauch oder Teufelskralle enthalten, zum Einsatz kommen.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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