Verstauchung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2017
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Eine Verstauchung wird in der Medizin auch als Distorsion bezeichnet. Sie ist eine der gängisten und häufigsten Verletzungen beim Sport, Wandern und bei der Arbeit. Dabei werden bei einer Verstauchung die Kapseln und Bänder des Gelenks überdehnt und verletzt. Dies geschieht häufig durch eine unbedachte und unbewusste Überbewegung der betroffenen Gelenke. Typische Anzeichen sind starke Schmerzen, vor allem bei Belastung, Blutergüsse (blaue Flecken) und Schwellungen der betroffenen Stellen.

Inhaltsverzeichnis

Definition Verstauchung

Eine Verstauchung, vom Arzt als Distorsion (lat. für Verdrehung, Verzerrung) beeichnet, ist eine Gelenkverletzung, welche durch eine Überdehnung der Gelenkkapsel und der stabilisierenden Bänder entsteht. Die Gelenkkapsel ist eine straffe, bindegewebige Hülle, welche das Gelenk umschließt und ähnlich einem Beutel verhindert, dass sich die Gelenkflächen voneinander lösen.

Besonders belastete Bereiche werden zudem von Bändern stabilisiert. Im Extremfall können Bänder oder Gelenkkapsel sogar reißen. Zumeist geht eine Verstauchung mit einer Blutung in und um das Gelenk einher. Weitere mögliche Begleitverletzungen sind: Absprengung oder Verschiebung des Gelenkknorpels, begleitende Weichteilverletzungen, Nervenschädigungen. Eine frische Verstauchung äußert sich durch Schmerzen, Schwellung, Druckschmerz, Bluterguss (dieser kann bis zu 12 Stunden später auftauchen).

Ursachen

Am häufigsten ist eine Verstauchung des Fußes. Das klassische Verletzungsszenario hierbei: Ein Abknicken des Fußes über die Außenkante bei gleichzeitiger Drehung des Körpers nach Außen. Der abgeknickte Fuß kann dabei der Drehung des Körpers nicht folgen, sodass an der Gelenkkapsel sowie den stabilisierenden Bändern gezerrt wird, welche verhindern, dass die Gelenkflächen von Fuß- und Unterschenkelknochen sich voneinander lösen.

Besonders häufig treten Verstauchungen bei Sportarten wie Tennis, Basketball oder Fußball auf. Ebenfalls häufig betroffen sind Knie und Hand, grundsätzlich ist eine entsprechende Verletzung jedoch an fast allen Gelenken denkbar. Risikofaktoren für eine Verstauchung sind: Die Ausübung risikobehafteter Sportarten, besonders auf zu hohem Leistungsniveau oder ohne ausreichende Aufwärmphase, mangelnde Koordination, ein allgemein schlechter Trainingszustand mit unzureichend ausgebildeten Muskeln.

Aber auch frühere Verletzungen des Bandapparates am entsprechenden Gelenk. Bereits leichte Verstauchungen können, wenn sie vermehrt auftreten, zu einer ausgeprägten Instabilität des Gelenkes führen - man spricht dann vom Schlottergelenk. Der ausgeleierte Kapsel-Band-Apparat beeinträchtigt zudem die Gelenkmechanik, was den Gelenkknorpel erhöhten Belastungen aussetzt und den Verschleißprozess (Arthrose) beschleunigen kann. Daher sollte auch bei scheinbar unerheblichen Verletzungen lieber einmal zu häufig ein Facharzt aufgesucht werden, um Folgeschäden zu minimieren.

Symptome

Krankheitsverlauf

Auf die Verletzung bzw. Verstauchung folgt eine erste Phase, in der das Gewebe anschwillt, ein Bluterguss sich bildet, und so weiter. Nach spätestens 48 Stunden ist diese Phase abgeschlossen. Eine ärztliche Untersuchung sollte möglichst frühzeitig erfolgen. Bereits nach 6 Stunden ist zum Beispiel eine "gehaltene Aufname", also eine Röntgenaufnahme, bei der das Gelenk in der gleichen Haltung fixiert ist, in der es auch zur Verletzung kam, nicht mehr sinnvoll.

Der zusätzliche Stress für das Gelenk könnte zu weiteren Verletzungen führen. in den folgenden 4-6 Wochen bildet sich das zerstörte Gewebe neu, so dass die Verletzung üblicherweise nach 6 Wochen als Ausgeheilt gilt.

Komplikationen

Eine einfache Verstauchung ruft in der Regel keine Komplikationen hervor. Allerdings tritt die Distorsion häufig im Rahmen von Kombinationsverletzungen auf – dies verlangsamt den Heilungsverlauf. Liegt beispielsweise ein kompletter Bänderriss vor, kann es bis zu zwölf Wochen dauern, bis die Verstauchung vollständig abgeklungen ist.

Sind zusätzlich zur Verstauchung Kapselbänder gerissen, wachsen diese unter Umständen narbig zusammen und es kommt zu Fehlhaltungen und anderen Komplikationen. Die Verstauchung selbst kann ebenfalls Fehlhaltungen hervorrufen. In der Folge tritt dann unter Umständen ein Gelenkverschleiß auf oder es kommt zu chronischen Schmerzen. Wird die Verstauchung nicht ausreichend behandelt, kann dies eine chronische Instabilität der Gelenke zur Folge haben.

Vor allem Verstauchungen am Fuß rufen immer wieder Spätfolgen hervor, da das Bein täglich extremen Belastungen ausgesetzt ist und eine Ausheilung der Verletzung somit oft nicht vollends möglich ist. Doch auch ein operativer Eingriff birgt Risiken.

Es kann zu Nervenverletzungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen kommen. Die Gabe von Schmerzmitteln und Entzündungshemmern birgt zusätzliche Risiken, denn Neben- und Wechselwirkungen sind nicht auszuschließen. Im schlimmsten Fall treten nach der Einnahme eines Medikaments schwere allergische Reaktionen auf.

Behandlung & Therapie

Erste und wichtigste Maßnahme nach einer Verstauchng sollte die Anwendung der PECH Regel sein. Gemeint sind damit insgesamt 4 Erste-Hilfe-Maßnahmen:

1. Ruhigstellung zur Schonung des Gelenkes und Vermeidung weiterer Verletzungen.

2. Eis zur Kühlung. Wobei die tatsächliche direkte Kontaktanwendung von Eis vermieden werden sollte. Milde Kühlung oberhalb des Gefrierpunktes ist anzuraten, um die Schwellung zu mildern und den Schmerz zu dämpfen. Kühlpacks sollten dafür lieber im Kühlschrank als im Eisfach gelagert werden.

3. Kompression (bzw. Compression), ebenfalls um die Schwellung zu begrenzen. Dies kann bereits am Unfallort durch einfaches drücken geschehen, später sollte ein Druckverband angelegt werden.

4. Hochlagern. Eine weitere Maßnahme gegen die Schwellung. Hochgelagerte Körperteile sollten sich nach Möglichkeit oberhalb des Herzens des Patienten befinden.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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