Herpes-simplex-Enzephalitis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. Juni 2017
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Die Herpes-simplex-Enzephalitis (kurz auch HSV-Enzephalitis) ist eine Entzündung des Gehirns, die von Herpes-simplex-Viren ausgelöst wird. Nach einer Phase mit unspezifischen grippeähnlichen Beschwerden zeigt der Patient im Verlauf der Erkrankung charakteristische neurologische und neuropsychologische Symptome. Bei frühzeitiger Behandlung ist die Prognose gut.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Herpes-simplex-Enzephalitis?

Bei einer Herpes-simplex-Enzephalitis handelt es sich um eine Gehirnentzündung (Enzephalitis), die durch eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren entsteht. Meist handelt es sich um das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (oraler Stamm), sehr selten um Herpes simplex Typ 2 (genitaler Stamm). Die Erkrankung betrifft Frauen gleichermaßen wie Männer.

Sie tritt am häufigsten zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr und weltweit auf. Die Viren sind meist schon seit der Kindheit latent im Körper vorhanden. Bei einer Herpes-simplex-Enzephalitis gelangen sie über Nervenstränge ins Gehirn. Dort führen sie zu Einblutungen, Nekrosen (Absterben von Gewebe) und Schwellungen.

Die Folge sind charakteristische neurologische und neuropsychologische Symptome, die vom jeweiligen Infektionsherd ausgehen (sogenannte „Herdsymptome“). Bei frühzeitiger Behandlung ist die Prognose gut. Betrifft die Entzündung auch die Hirnhäute (Meningen), sprechen die Ärzte von einer Herpes-simplex-Meningoenzephalitis.

Ursachen

Der Herpes-simplex-Enzephalitis liegt eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren (meist Typ 1) zugrunde. Die Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 findet meist bereits in der Kindheit statt. Der Erreger verbleibt über lange Zeit unbemerkt im Körper. Er kann aber jederzeit wieder aktiv werden und den für ihn typischen Bläschenausschlag um die Lippen herum auslösen.

Bei schwacher Immunabwehr können die Viren durch die Nase über die Riechschleimhaut und die Riechnerven ins zentrale Nervensystem wandern. Von dort gelangen sie in den Frontallappen und den Temporallappen des Gehirns. Dies geschieht meist erst auf der einen, im weiteren Verlauf auch auf der anderen Seite.

In den betroffenen Hirnregionen kommt es zu Einblutungen und Nekrosen sowie zu einer Schwellung um den betroffenen Hirnbereich herum (Hirnödem). Dies führt zu den charakteristischen neurologischen und neuropsychologischen Symptomen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Herpes-simplex-Enzephalitis verläuft schnell und in mehreren Stadien. Zunächst zeigt der Patient über einige Tage hinweg unspezifische grippeähnliche Symptome wie starke Kopfschmerzen und hohes Fieber. Nach einer vorübergehenden Besserung zeigt der Betroffene psychomotorische und psychische Veränderungen. Es können Verhaltensänderungen, Verwirrtheit, Desorientiertheit und Wahrnehmungsstörungen auftreten. Häufig kann der Patient nach einiger Zeit nicht mehr sprechen (Aphasie).

Möglicherweise entwickelt sich eine leichte halbseitige Lähmung. In über der Hälfte der Fälle kommt es zu epileptischen Anfällen. Diese beschränken sich zunächst auf ein Hirnareal (fokale Anfälle), können sich dann jedoch auf beide Hirnhälften ausbreiten (generalisierte Anfälle). Hinzukommen können eine schmerzhafte Nackensteifigkeit und Bewusstseinseintrübung. Ohne Behandlung kann es zum Koma kommen. Steigt der Hirndruck zu stark an, kann der Patient daran sterben.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Teil der Basisdiagnostik ist eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor), das im Rahmen einer Lumbalpunktion gewonnen wird. Das Nervenwasser wird auf bestimmte Werte hin untersucht, die bei Abweichung auf eine Herpes-simplex-Enzephalitis hinweisen können. Gegebenenfalls wird es außerdem auf die Erbsubstanz des Virus hin untersucht. Bis das Ergebnis vorliegt, vergehen allerdings meist einige Tage.

Nach etwa einer Woche produziert der Körper Antikörper gegen den Herpes-simplex-Virus Typ 1. Diese können daraufhin im Blut und ebenfalls im Nervenwasser nachgewiesen werden. Zusätzlich zur Nervenwasseruntersuchung wird ein CT (Computertomografie) oder ein MRT (Magnetresonanztomografie) des Schädels durchgeführt. Im MRT sind Nekrosen und Schwellungen zu erkennen.

Ein CT ist innerhalb der ersten Tage, an denen Symptome auftreten, meist noch unauffällig. In einem EEG (Elektroenzephalografie) können sich Hinweise auf Schädigungen in den betroffenen Hirnregionen zeigen. Differenzialdiagnostisch sind eine septische Sinusthrombose (Blutgerinnsel im Gehirn), ein Hirninfarkt und eine intrazerebrale Blutung (Blutung im Gehirn mit Blutungsquelle im Gehirngewebe) mit Begleitinfektion auszuschließen.

Die Herpes-simplex-Enzephalitis verläuft rasch in mehreren Stadien. Da sie unbehandelt häufig tödlich verläuft, muss noch vor der endgültigen Diagnose die Behandlung eingeleitet werden. Wird die Erkrankung frühzeitig behandelt, überleben etwa 80 Prozent der Patienten.

Bei ungefähr der Hälfte der Überlebenden bleiben neurologische Folgeschäden wie Gedächtnisstörungen oder Paresen (Lähmungen). Des Weiteren besteht ein erhöhtes Risiko für bleibende Anfallsleiden, die von der Hirnregion ausgehen, die von der Herpes-simplex-Enzephalitis betroffen war.

Komplikationen

Durch die Herpes-simplex-Enzephalitis kommt es in der Regel zu einer Entzündung im Gehirn. Diese Entzündung wird erst spät erkannt, da die ersten Beschwerden und Symptome nicht besonders charakteristisch für die Krankheit sind. Im weiteren Verlauf kann es zu psychischen und neurologischen Einschränkungen des Patienten kommen, wenn die Herpes-simplex-Enzephalitis nicht umgehend behandelt wird.

Der Betroffene leidet dabei in erster Linie an Fieber und Kopfschmerzen. Weiterhin führt die Entzündung im Gehirn zu einer starken Versiertheit und zu Änderungen des Verhaltens. Es kommt zu Denkstörungen und zu Orientierungsstörungen. Auch das Handeln des Patienten wird stark eingeschränkt. Weiterhin treten Sprachstörungen auf und der Betroffene kann im Lauf der Krankheit nicht mehr sprechen. Die Lebensqualität wird durch die Herpes-simplex-Enzephalitis extrem verringert.

In der Regel ist der Patient durch die Krankheit auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Ohne Behandlung kommt es dabei zu einem Bewusstseinsverlust und weiterhin auch zu einem Koma. Der Betroffene verstirbt, falls der Hirndruck nicht reduziert wird. Nicht in jedem Fall ist eine Behandlung der Herpes-simplex-Enzephalitis möglich. In den meisten Fällen versterben die Patienten an der Krankheit. Möglicherweise ist allerdings die Behandlung mit Hilfe von Antibiotika möglich, allerdings kann der Krankheitsverlauf nicht vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Da unbehandelt 70 Prozent der Patienten sterben, muss bei begründetem Verdacht auf eine Herpes-simplex-Enzephalitis sofort eine Therapie mit Aciclovir eingeleitet werden. Dies gilt auch dann, wenn der Erreger zu diesem Zeitpunkt noch nicht zweifelsfrei identifiziert ist. Aciclovir stoppt die Vermehrung der Herpes-simplex-Viren.

Für den Fall, dass die Hirnenzündung nicht auf Herpes-simplex-Viren zurückgeht, sondern eine bakterielle Erkrankung vorliegt, wird zunächst auch ein Breitspektrumpenizillin gegeben. Das Hirnödem wird mit Osmotherapie behandelt. Dabei wird dem Patienten eine hochkonzentrierte Zuckerlösung zugeführt, die aufgrund von Osmose Wasser aus dem Ödem bindet.

Auch die epileptischen Anfälle werden medikamentös behandelt. Weitere Therapiemaßnahmen hängen vom Zustand des Patienten ab, davon, unter welchen sonstigen Symptomen er leidet und welche weiteren Befunde die Untersuchungen ergeben.

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Vorbeugung

Während gegen viele andere Erreger einer Enzephalitis geimpft werden kann, ist dies bei Herpes-simplex-Viren nicht möglich. Ebenso wenig gibt es eine andere medikamentöse Behandlung, die das Wiederausbrechen des Virus nach der Erstinfektion verhindern kann. Ein starkes Immunsystem gilt als bester Schutz. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und sportlicher Aktivität unterstützt dies.

Bücher über Gehirnentzündung (Enzephalitis)

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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