Intrazerebrale Blutung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Juli 2017
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Eine intrazerebrale Blutung (ICB oder IZB) stellt eine Blutung innerhalb des Hirngewebes dar. Dabei handelt es sich um einen hämorrhagischen Schlaganfall, der sich durch ähnliche Symptome wie ein ischämischer Schlaganfall äußert. Die Prognose dieser Blutung richtet sich nach ihrer Lage in Gehirn, ihrer Stärke sowie dem Beginn und Verlauf der ärztlichen Behandlung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine intrazerebrale Blutung?

Ungefähr 15 Prozent aller Schlaganfälle werden durch Blutungen in das Hirngewebe (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht. Die restlichen 85 Prozent sind die Folge einer verringerten Durchblutung bestimmter Hirnregionen. In beiden Fällen kommt es zum Absterben von Hirngewebe.

Die Symptome und der Verlauf des hämorrhagischen Schlaganfalls richten sich nach der Region ihres Auftretens im Hirn und nach der Stärke der Blutung. Des Weiteren sind für die Heilungschancen auch die richtige Therapie und der Zeitpunkt des Beginns von Notmaßnahmen ausschlaggebend. Meist kommt es durch das Platzen von kleinen arteriellen Blutgefäßen zu einer Hirnblutung. Eine intrazerebrale Blutung kann aber auch durch eine Verletzung venöser Blutgefäße hervorgerufen werden.

Die Ursachen sind vielfältig. Dabei spielen Erkrankungen von Blutgefäßen, Gerinnungsstörungen, Einnahme von Gerinnungshemmern, Gefäßmissbildungen und vieles mehr eine Rolle. Weltweit werden circa eine Million hämorrhagische Schlaganfälle beobachtet. Davon sind ungefähr 90.000 Personen in der Europäischen Union betroffen. Allerdings gibt es starke regionale Unterschiede, die eventuell durch besondere Umweltbedingungen, Lebensweisen oder genetische Veranlagungen erklärt werden können.

Ursachen

Die wichtigste Ursache für eine intrazerebrale Blutung stellt der arterielle Bluthochdruck dar. Bei 70 bis 80 Prozent aller Personen mit hämorrhagischem Schlaganfall konnte dieser Risikofaktor festgestellt werden. Des Weiteren ist das Risiko auch bei der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten erhöht.

So besteht bei der vorbeugenden Behandlung von Beinvenenthrombosen, Herzinfarkten oder ischämischen Schlafanfällen mit Antikoagulanzien sogar ein bis zu einem 11-fachen Hirnblutungsrisiko. Des Weiteren führt die Gabe von Acetylsalicylsäure nach Herzinfarkten oder ischämischen Schlaganfällen zu einem erhöhten Risiko, eine Hirnblutung zu erleiden.

Deutlich wird das vor allem bei der Kombination von mehreren gerinnungshemmenden Präparaten. Das Gleiche gilt für Personen mit Blutgerinnungsstörungen. Erkrankungen der Blutgefäße können ebenfalls bei der Ätiologie der intrazerebralen Blutung eine Rolle spielen.

Zu den arteriellen Erkrankungen zählen unter anderem erworbene und genetische Veränderungen der kleinen arteriellen Blutgefäße, Amyloidangiopathie, zerebrales Aneurysma, Vaskulitis, Moyamoya und andere Erkrankungen der großen Arterien. Des Weiteren können Gefäßmissbildungen Auslöser einer Hirnblutung sein.

Durch Hirnmetastasen sind ebenfalls Hirnblutungen möglich. Manchmal ist auch die Ursache nicht erkennbar. In diesen Fällen handelt es sich um eine idiopathische oder kryptische intrazerebrale Blutung. Insgesamt wurde festgestellt, dass der Genuss von Alkohol und das Rauchen das Risiko für eine Hirnblutung erhöht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer intrazerebralen Blutung (hämorrhagischer Schlaganfall) ähneln denen eines ischämischen Schlaganfalls. In beiden Fällen kommt es zum Absterben bestimmter Hirnregionen. Allerdings hängen die Symptome und der Verlauf des Schlaganfalls von der betroffenen Hirnregion und der Stärke des abgestorbenen Areals ab.

In unterschiedlicher Ausprägung treten Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, halbseitige Lähmung der Beine, der Arme oder des Gesichts, Taubheitsgefühle, Sprach-, Seh- oder Schluckstörungen sowie Schwindel, Bewusstseinsstörungen und sogar epileptische Anfälle auf. Dabei wurde festgestellt, dass das Risiko für einen epileptischen Anfall bei einem hämorrhagischen wesentlich größer ist als bei einem ischämischen Schlaganfall ist.

Ein epileptischer Anfall tritt besonders häufig innerhalb von 24 Stunden nach der Hirnblutung auf. Bei einem Drittel der Patienten mit intrazerebraler Blutung wurden im EEG epilepsietypische Potenziale festgestellt, ohne dass es zu einem epileptischen Anfall kommen muss. Ein hämorrhagischer Schlaganfall kann auch zu psychischen Veränderungen führen, die sich beispielsweise in plötzlichen Gefühls- und Verhaltensänderungen sowie zu Verwirrtheitszuständen bis zum Koma äußern.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Hirnblutung kann durch eine Computertomografie des Schädels sicher nachgewiesen und von einem hämorrhagischen Schlaganfall differenzialdiagnostisch unterschieden werden. Alternativ ist auch eine MRT-Untersuchung möglich.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei dieser Blutung zum Absterben bestimmter Regionen im Gehirn. Dabei hängt der weitere Verlauf der Krankheit stark von der betroffenen Region und der Dauer dieser Blutung ab. Die Patienten leiden dabei oft an sehr starken Kopfschmerzen, an Erbrechen und an Übelkeit. Ebenso treten Lähmungen in verschiedenen Regionen des Körpers auf, sodass der Betroffene seine Arme und Beine gegebenenfalls nicht bewegen kann.

Dadurch kommt es nicht selten zu starken Bewegungseinschränkungen und weiterhin auch zu erheblichen Einschränkungen im Alltag des Patienten. Im weiteren Verlauf der Blutung kann es auch zu einem epileptischen Anfall beim Patienten kommen. Die Lebensqualität des Betroffenen ist dabei deutlich verringert und eingeschränkt. Nicht selten wirken sich die Schäden im Gehirn auch negativ auf das Handeln und Denken des Betroffenen aus, sodass es zu einer Verwirrtheit oder sogar zu einem Koma kommen kann.

Ebenso können auch die Angehörigen psychisch unter der Situation leiden. Die Behandlung dieser Blutung erfolgt durch einen Notarzt. Dabei können mögliche Folgeschäden eingeschränkt werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird in den meisten Fällen allerdings verringert.

Behandlung & Therapie

Bei der ICB handelt es sich um einen Notfall, der so schnell wie möglich behandelt werden muss. Der Patient wird zur Behandlung in eine neurologische oder neurochirurgische Intensivstation eingeliefert. Als erste Maßnahme wird meist der arterielle Blutdruck gesenkt, um die Blutung zu stoppen.

Allerdings ist die Blutdrucksenkung durchaus umstritten, weil es dadurch zu einer Minderdurchblutung in der Region zur intrazerebralen Blutung kommen könnte. In der Mehrzahl der Fälle hat sich jedoch die Blutdrucksenkung als günstig erwiesen. Des Weiteren sollte bei einer erhöhten Körpertemperatur diese gesenkt werden. Eine zu hohe Körpertemperatur wirkt sich ungünstig auf den Verlauf der Krankheit aus.

In manchen Fällen wird auch eine neurochirurgische Behandlung durchgeführt. Diese ist von der Ursache der Blutung, ihrer Lokalisation und dem Verlauf abhängig. Wenn die Blutung im Bereich des Großhirns stattfindet, wird nur in Ausnahmefällen eine chirurgische Behandlung durchgeführt. Diese besteht unter anderem in einer Hämatomausräumung bei gravierender Verschlechterung der Bewusstseinslage.

Ist die Blutung infratentoriell im Bereich des Kleinhirns lokalisiert, hilft bei Verschlechterung des Krankheitszustandes häufig eine Entlastungsoperation. Wenn bei der EEG-Untersuchung epilepsietypische Potenziale nachgewiesen werden, sollte zur Verhinderung von epileptischen Anfällen eine Therapie mit Antikonvulsiva erfolgen.

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Vorbeugung

Die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung einer intrazerebralen Blutung ist die Vorbeugung vor Bluthochdruck. Das kann durch eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, viel Bewegung sowie Verzicht auf Alkohol und Rauchen erreicht werden. Bei bereits chronisch erhöhtem Blutdruck sollte neben der Veränderung der Lebensweise auch eine medikamentöse Blutdrucksenkung durchgeführt werden.

Bücher über intrazerebrale Blutung und Schlaganfälle

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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