Geräuschüberempfindlichkeit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. November 2017
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Die Geräuschüberempfindlichkeit (medizinischer Fachausdruck: Hyperakusis) ist eine sehr unangenehme akustische Störung, bei der Betroffene Geräusche normaler Lautstärke als sehr laut und schwer ertragbar empfinden. Im Folgenden soll die Störung genauer beschrieben sowie mögliche Ursachen und Therapieansätze genannt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Geräuschüberempfindlichkeit?

Hyperakusis ist ein lateinisches Wort und setzt sich aus den Wortteilen "hyper" (Über-) und "akuo" (ich höre) zusammen. Menschen, die an Hyperakusis leiden, nehmen Geräusche mit normalem oder im Extremfall sogar leisem Geräuschpegel als sehr laut wahr.

Dies bezieht sich vor allem auf Lautstärken zwischen 50-80 db. Sie empfinden die Lautstärke als sehr unangenehm und reagieren in sehr vielen Fällen auch körperlich, beispielsweise mit einem Verziehen des Gesichts oder einem Zusammenzucken - und zwar je stärker, umso höher die Lautstärke über Ihrer Toleranzgrenze liegt. Dann kommen auch Symptome wie Herzasen oder Schweißausbrüche häufig vor.

Dabei beschränkt sich die Überempfindlichkeit nicht auf einzelne Geräusche, sondern flächendeckend wird Lärm wie Verkehrsgeräusche oder Musik aus der Nachbarwohnung als unangenehm wahrgenommen. Die erkrankten Ohren sind nicht länger in der Lage, Nebengeräusche wie eben Verkehrslärm oder den Staubsauger des Nachbarn auszublenden; die Belastung der Betroffenen ist enorm.

Ursachen

Die Hyperakusis ist leider noch zu wenig erforscht, um wirklich gesicherte Aussagen über die Ursachen treffen zu können. Es wird jedoch beobachtet, dass Hyperakusis häufig in Verbindung mit oder zeitversetzt zu einem Tinnitus auftritt.

Oft tritt Hyperakusis mit weiteren physischen und psychischen Krankheiten auf - beispielsweise in Verbindung mit einem Schädel-Hirn-Trauma, einer Migräne, Epilepsie, einer Borreliose-Infektion oder mit Multiple Sklerose, oder eben in Verbindung mit einer Depression, PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) oder einer Manie.

Manchmal wird auch das sogenannte "Recruitment", das bei schwerhörigen Menschen, deren Haarzellen im Innenohr beschädigt sind, auftritt und die Überempfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen bezeichnet, als Hyperakusis bezeichnet. Wenn Geräusche einmal die Hörschwelle erreicht haben, wird der Anstieg des Lautstärkepegels ab diesem Punkt viel rasanter wahrgenommen als bei Nicht-Hörgeschädigten; von Hyperakusis spricht man jedoch im medizinisch korrekten Sinne eigentlich nur, wenn die Hörschwelle normal ausgeprägt ist.

Typische Symptome & Anzeichen

Neben der eigentlich Geräuschüberempfindlichkeit, kann es auch zu körperlichen Symptomen und Beschwerdebildern kommen:

Diagnose & Verlauf

Frau leidet an Geräuschüberempfindlichkeit
Lärm und Stress sind meist die Auslöser für eine Geräuschüberempfindlichkeit.

Da Geräusche mit einer in der durchschnittlichen Bevölkerung als normal oder leise empfundenen Laustärke bei Betroffenen starke Probleme verursachen, besteht die Hauptgefahr bei dieser Erkrankung darin, nicht mehr aktiv am Alltagsleben teilnehmen zu können.

Laute Partys werden als unerträgliche Qual empfunden; festliche Anlässe, bei denen der Geräuschpegel ja auch meist mit steigendem Alkoholgenuss ansteigt, werden bewusst vermieden. Es besteht die Gefahr einer Abkapselung, die sich natürlich noch verstärkt, wenn Betroffene sich wegen des alltäglichen Lärms, beispielsweise des Verkehrs, nicht mehr auf die Straße oder auf die Arbeit trauen.

Dieses Verhalten kann sich noch verstärken, indem die wohltuende Stille zu Hause als Grundzustand und die Alltagsgeräusche der Außenwelt als unangenehmer Zustand gelernt werden. Ein Rückzug in die eigenen vier Wände führt zur sozialen Vereinsamung der Betroffenen. Die Diagnose der Hyperakusis wird vom Arzt nach umfangreichen Hörtests und Untersuchung von des Hals-Nasen-Ohren-Raumes gestellt.

Komplikationen

Durch die Geräuschüberempfindlichkeit kommt es zu erheblichen Einschränkungen im Alltag und die Lebensqualität des Patienten wird extrem verringert. Es ist dabei nicht nur die psychische Wahrnehmung, sondern auch die körperliche Funktion von der Krankheit betroffen. In den meisten Fällen kommt es zu Bluthochdruck und zu Herzrasen.

Dabei kann es im schlimmsten Falle auch zum Tode kommen, wenn die Herzbeschwerden nicht richtig behandelt werden. Der Betroffene wirkt oft angespannt, aggressiv und gereizt. Eine gewöhnliche Teilnahme am aktiven Leben ist dadurch nicht mehr möglich. Ebenso kommt es zu Schlafstörungen, die sich negativ auf die Konzentrationsfähigkeit des Patienten auswirken können.

In stressigen Situationen können Panikattacken oder Schweißausbrüche entstehen. Nicht selten werden aufgrund der Geräuschüberempfindlichkeit die sozialen Kontakte des Patienten eingeschränkt und die Betroffenen ziehen sich zurück. Dies kann zu Depressionen und anderen psychischen Beschwerden führen.

Eine kausale Behandlung der Geräuschüberempfindlichkeit ist nicht möglich. Es können allerdings Hörgeräte eingesetzt werden, die die Geräusche minimieren und damit die Beschwerden lindern. In einigen Fällen verschwindet die Krankheit mit der Zeit von alleine. Oft muss der Patient allerdings sein gesamtes Leben mit der Geräuschüberempfindlichkeit verbringen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arztbesuch ist notwendig, sobald alltägliche Umgebungsgeräusche als störend empfunden werden. Unabhängig von der Intensität der Beeinträchtigung oder der Empfindlichkeit sollte ein Arztbesuch zur Abklärung der Ursache erfolgen. Auch bei geringen Beschwerden ist einem Arzt von den Wahrnehmungen zu berichten, da sich schwerwiegende Erkrankungen dahinter verbergen können. Kommt es zu einer Zunahme der Geräuschüberempfindlichkeit ist schnellstmöglich ein Arztbesuch erforderlich.

Stellen sich zusätzlich Ohrgeräusche ein oder bemerkt der Betroffene ein vorübergehendes Taubheitsgefühl im Ohr, sollte ein Arzt um Rat gefragt werden. Bei einem Pfeifen oder einem Piepgeräusch im Ohr ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Beklagt der Betroffene durch die Geräuschüberempfindlichkeit eine Stimmungsschwankung, innere Unruhe oder Gereiztheit, wird ein Arzt benötigt. Treten Verhaltensänderungen ein, erhöht sich das Stresserleben oder findet ein sozialer Rückzug statt, ist ein Arzt zu konsultieren. Können alltägliche Verpflichtungen im Beruf oder Privatleben nicht mehr erfüllt werden, ist ein Arzt aufzusuchen.

Bei Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefiziten ist die Konsultation eines Arztes notwendig. Eine erhöhte Körpertemperatur, Schweißausbrüche, Gangunsicherheiten und Schwindel sollten von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Treten Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen auf, ist ein Arztbesuch erforderlich. Bei dem Verlust des Gleichgewichts, Schmerzen oder einem Druckgefühl im Bereich der Ohren ist die Konsultation eines Arztes notwendig.

Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung der Hyperakusis kann leider auch nicht auf gesichertem medizinischem Fundament gearbeitet werden. Es gibt jedoch eine Vielzahl an Therapien, die Betroffenen geholfen haben. Die Therapieansätze sind demnach sehr unterschiedlich und individuell.

In leichten Fällen reicht teilweise schon eine "Entlastung" von Geräuschen, so dass das das Ohr sich wieder an eine normale Beurteilung von Lautstärken gewöhnen kann.

In anderen Fällen erfolgt die Behandlung durch den Einsatz sogenannter "Noiser", zu deutsch Geräuscherzeuger, die an Hörgeräte erinnern und die für eine nach und nach steigerbare ständige Geräuschkulisse sorgen. So soll das Ohr lernen, Umweltgeräusche wieder erfolgreich auszublenden.

In den Fällen, in denen die Hyperakusis in Verbindung mit einer anderen Krankheit auftritt, bringt eine erfolgreiche Therapie dieser Krankheit oftmals auch das Ende der Hyperakusis mit sich.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung ist ebenfalls noch nicht viel herausgefunden worden. Es sind möglicherweise ähnliche Maßnahmen wie bei der Vorbeugung des Tinnitus zu treffen. Generell wird eine verbesserte Aufklärung über das Phänomen Hyperakusis auch eine schnellere Diagnose und Behandlung der Krankheit mit sich bringen. Somit können Betroffene besser verstanden werden, statt nur als überempfindlich abgestempelt zu werden, und sie wissen dann selbst, dass sie sich erfolgreich gegen die Hyperakusis behandeln lassen können.

Das können Sie selbst tun

Aufgrund des relativ hohen Leidensdrucks und der Beeinträchtigung in sozialen Situationen sollte so früh wie möglich der Hausarzt aufgesucht werden, um eine weitere Behandlung abzuklären. Zudem kann der Hausarzt den Betroffenen bei Bedarf zu Fachärzten überweisen.

So ist der HNO-Arzt durch sein Otoskop in der Lage, die Störung im Ohr zu erkennen oder Schädigungen im Ohrbereich als Störungsursache auszuschließen. Der Neurologe wiederum kann die Erkrankung über eine Untersuchung des Blutbildes oder über MRT diagnostizieren. Sollte die Störung psychische Ursachen haben, so sollte im Rahmen von Psychotherapien und/oder Medikamenten das Störungsbild psychisch angegangen werden, damit der Geräuschüberempfindlichkeit die Grundlage entzogen wird. Ist z. B. eine Angst die Ursache für das Störungsbild, so kann der Psychologe dabei helfen, die Ursache für die Angst zu bekämpfen und dem Betroffenen wieder zu mehr Lebensmut und Selbstvertrauen zu verhelfen.

Durch Meditation kann der Betroffene sich auch selbst helfen, damit er durch die Entspannung lernt, wieder mehr zur Ruhe zu kommen und seine Nervösität abzubauen. Begleitende Musik kann dem Betroffenen bei seinen Meditationsübungen dabei nützlich sein, in die richtige Stimmung zu kommen. Dabei sollte die Musik entspannend sein und einem ruhigen und gleichmäßigen Rhythmus folgen, sodass er ganz in der Musik aufgehen kann.

Bücher über Geräuschüberempfindlichkeit

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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