Antiepileptika
Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Friedrich (Facharzt für Innere Medizin)Anzeige
Antiepileptika - auch als Antikonvulsiva bekannt - sind Arzneimittel, die zur Behandlung von Epilepsie (Krampfanfall) eingesetzt werden. Des Weiteren werden sie prophylaktisch als Migränetherapeutikum sowie auch im Bereich der Schmerztherapie eingesetzt. Die ersten Antiepileptika wurden bereits 1912 getestet.
Was sind Antiepileptika?
Bei den Antikonvulsiva - wie die Antiepileptika auch genannt werden - unterscheidet man zwischen den klassischen Produkten und den sog. neuen Antiepileptika. Nicht jedes Medikament dieser Wirkstoffgruppen ist für alle Anfallstypen geeignet. Je nachdem welche Gehirnregionen bei einem epileptischen Anfall betroffen sind und ob es sich um einen fokalen oder einen generalisierten (das gesamte Gehirn betreffend) Anfall handelt, werden verschiedene Antiepileptika verordnet.
Antiepileptika dienen in erster Linie dazu, die Reizweiterleitung als auch die neuronale Erregbarkeit des Zentralen Nervensystems herabzusetzen.
Anwendung, Wirkung und Gebrauch von Antiepileptika bei epileptischen Erkrankungen
Antiepileptika werden jedoch nicht nur bei Epilepsie eingesetzt. Sie dienen als Prophylaxe bei Operationen an Gehirn, Rückenmark und Wirbelsäule, um einem Krampfanfall während des chirurgischen Eingriffs vorzubeugen. Vor allem in den letzten Jahren wurden Antiepileptika auch für die Schmerztherapie entdeckt. Zusammen mit ausgewählten Schmerzmitteln können neuralgische Schmerzen erfolgreich behandelt werden. Weitere Einsatzbereiche von Antiepileptika sind der Alkohol- und Drogenentzug sowie die Anästhesie.
Antiepileptika wirken direkt auf das Nervensystem und die Nervenzellen. Sie sorgen dafür, dass die Reizweiterleitung der Nerven gehemmt und die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn vermindert wird. Antiepileptika verfügen über drei Wirkmechanismen. Sie haben Einfluss auf die Neurotransmitter (Botenstoffe des Nervensystems). Der wichtigste anfallhemmende Neurotransmitter ist die Gamma-Amino-Buttersäure (GABA). Um die Wirkung als auch die Wirkdauer des gehirneigenen Botenstoffs GABA zu verstärken, werden sog. Benzodiazepine und Barbiturate eingesetzt.
Antiepileptika haben zudem eine Wirkung auf Natrium und Kalzium, die die Reizweiterleitung der Nerven erhöhen. Mithilfe von Antiepileptika wird die Aufnahme der Mineralstoffe verringert, so dass die Reizweiterleitung als auch die Erregbarkeit der Nervenzellen herabgesetzt bzw. blockiert wird. Ein weiterer Wirkmechanismus von Antiepileptika ist die Hemmung verschiedener Enzyme im Gehirn, die die Reizleitung als auch die Erregbarkeit der Nervenzellen erhöhen.
Pflanzliche, natürliche und pharmazeutische Antiepileptika
Antiepileptika gehören zur Gruppe der heterogenen Arzneimittel. Eingeteilt werden die Antiepileptika in Barbiturate, Benzodiazepine, Suximide, Carboxamide und den neuen Antiepileptika.
Barbiturate wie z. B. Phenobarbital und Primodon werden zur Dauerbehandlung bei Epilepsie eingesetzt. Die Darreichungsform erfolgt mittels Tabletten.
Benzodiazepine wie z. B. Diazepam, Lorazepam, Chlordiazepoxid und Triazolam sind ebenfalls für die Dauerbehandlung von epileptischen Anfällen vorgesehen. Die Darreichungsformen sind Tabletten, Kapseln, Injektions- und Tropflösungen.
Barbiturate und Benzodiazepine sind jedoch keine klassischen Antiepileptika. Ihre eigentlichen Einsatzgebiete sind unter anderem die Behandlung von Depressionen, psychosomatischen Beschwerden, Schmerzzuständen und Angststörungen. Jedoch hat sich gezeigt, dass diese Wirkstoffgruppen auch in der Behandlung von Epilepsie erfolgreich sind.
Suximide wie Phenytoin sind Hydantoin-Derivate die zur Dauerbehandlung von Epilepsie eingesetzt werden. Phenytoin verfügt über einen breiten Wirkmechanismus und ist für leichte Formen der Epilepsie geeignet als auch bei Grand-Mal-Anfällen und dem sog. Status epilepticus. Phenytoin gibt es als Tabletten und als Injektionslösungen für die Akutbehandlung.
Carboxamide wie Carbamazepin und Oxcarbazepin werden sowohl zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt als auch in der Schmerztherapie. Die Darreichungsformen sind Tabletten, Retard-Tabletten und Injektionslösungen.
Mittel der 1. Wahl für eine Dauertherapie sind Carbamazepin, Valproat, Diazepam, Lorazepam. Bei Nichtverträglichkeit oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen i. d. R. Phenobarbital, Ethosximid und Phanytoin zum Einsatz.
Die sog. neuen Antiepileptika Gabapentin, Lamotrigin, Tiagabin, Topiramat und Vigabatrin, werden als Zusatztherapeutikum in Verbindung mit anderen Antiepileptika eingesetzt.
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Risiken und Nebenwirkungen von Antiepileptika
Viele Antiepileptika haben eine sedierende Wirkung, besonders die Gruppe der Benzodiazepine und Barbiturate. Aufgrund dessen sollte vor allem beim Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen besondere Vorsicht geboten sein.
Antiepileptika sollten nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden, da sie nachweislich den Embryo schädigen. Aufgrund dessen sollte darauf geachtet werden, dass keine Schwangerschaft eintritt. Da Antiepileptika die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel (Pille, Drei-Monats-Spritze, Implanon) herabsetzt, sollten unbedingt zusätzliche Verhütungsmethoden wie Kondome benutzt werden, um eine Schwangerschaft zu vermeiden.
Antiepileptika wirken besonders intensiv auf das Herz und dessen Funktion. Liegen Herzerkrankungen, Leberfunktionsstörungen als auch Nierenerkrankungen vor, dürfen Antiepileptika nicht eingenommen werden. Weitere Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme oder -abnahme, Hautausschlag, Juckreiz, Gangunsicherheit, Koordinationsstörungen, Schlaflosigkeit, Sprachstörungen, unwillkürliche Bewegungen, Zahnfleischentzündungen, Übelkeit, Erbrechen und Bindegewebsstörungen.
Da es häufig zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln kommt, sollten unbedingt der Arzt und Apotheker befragt werden, wenn andere Medikamente - auch homöopathische - eingenommen werden. Die Einnahme von Antiepileptika macht es erforderlich, dass regelmäßige Kontrollen der Blutwerte durchgeführt werden.
Wechselwirkungen von Antiepileptika mit anderen Medikamenten
Folgende Medikamente hemmen den Abbau von Antiepileptika, so dass es zu einer Überdosierung bzw. Vergiftung kommen kann: Antibiotika wie z. B. Erythromycin und Troleandromycin, Loratadin, Proteasehemmer (HIV-Behandlung), Viloxazin, Verapamil, usw.
Antiepileptika dürfen nicht zusammen mit Grapefruitsaft eingenommen werden, da dessen Inhaltsstoffe den Abbau von Antiepileptika hemmen. Auch pflanzliche Arzneimittel wie Johanniskraut dürfen nicht mit Antiepileptika eingenommen werden, da sie ebenfalls die Wirkung des Medikaments stark beeinträchtigen.
Vitamine und Mineralstoffe wie z. B. Kalzium und Magnesium können die Wirksamkeit von Antiepileptika herabsetzen. Das Antiepileptikum Carbamazepin darf nicht zusammen mit dem Antiepileptikum Phenytoin eingenommen werden, da sie sich in ihrer Wirksamkeit gegenseitig einschränken.
Bücher über Epilepsie
Weitere Infos
Quellen: Herold, G.: Innere Medizin, Köln 2012; Andreae, S.: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Stuttgart 2008; Ruß A., Endres S.: Arzneimittel pocket plus 2012, Grünwald 2012, Greten H., Rinninger F.: Innere Medizin, Stuttgart 2010.
Von Dr. med. Albrecht Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin).
Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Antiepileptika?
Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern
Marita kommentierte am 13.11.2012 um 01:03 Uhr
Den Beitrag zur Schwangerschaft mit/ohne Antiepileptikum bzw.die Schwangerschaft fast zu verbieten, finde ich recht oberflächlich. Mich würde interessieren, wann dieser prüde Artikel verfaßt wurde. Von einem Mann aus dem vorletzten Jahrhundert vielleicht? Ich kann das so nicht stehen lassen. Das zeigt deutlich die Stigmatisierung, der wir Epileptiker ausgesetzt sind! Und klingt ja geradezu so, als ob diesen Frauen der Stempel aufgedrückt wird: "Kinderkriegen verboten!" Was raten Sie denn den männlichen Epileptikern zum Thema Fortpflanzung? Ich leide unter Epilepsie, fokale bis grand-mal Anfälle. Da die Pille in Verbindung mit dem Antiepileptktikum nicht sicher war und zudem auch nicht vertragen wurde, habe ich mehr oder weniger mit dem Partner verhütet. Doch irgendwann hat ja wohl jede Frau den Wunsch nach einem Kind und auch ein Recht darauf! Ich habe es darauf ankommen lassen. Ich wurde schwanger, habe die Medikamente natürlich nicht abgesetzt (damals Lepsiral, ein Medikament aus der Gruppe der Barbiturate). Die Schwangerschaft war die glücklichste Zeit meines Lebens, und mein Kind ist nun 25 Jahre alt und gesund. Ich wurde in der damaligen DDR sorgfältig überwacht und gut betreut, mußte zwar widerwillig Folsäure einnehmen. Heute bin ich der Ärztin dankbar für ihre Beharrlichkeit. Ich wußte damals nicht, daß dies der Fehlentwicklung zur Gaumenspalte entgegenwirkt.

