Toxisches Schocksyndrom

Letzte Aktualisierung am 29. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Das toxische Schocksyndrom (TSS) ist auch als Tamponkrankheit bekannt. Es handelt sich um eine gefährliche Infektion, die massive Beschwerden hervorruft und bis zum Organversagen und Tod führen kann. Glücklicherweise ist diese Krankheit in Deutschland nicht mehr häufig anzutreffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das toxische Schocksyndrom?

Das toxische Schocksyndrom wird von den Stoffwechselprodukten gefährlicher Bakterienstämme, den Streptokokken und dem Staphylococcus aureus, hervorgerufen, die ihren Weg in den menschlichen Körper in den meisten Fällen durch das lange Tragen eines Tampons, aber auch durch eiternde Wunden, Insektenstiche oder Ähnliches finden.

Die Infektion führt zu einer Reihe höchst unangenehmer Symptome. Es tritt hohes Fieber zwischen 38,9 und 40 Grad auf, hinzu kommen oft starke Muskelschmerzen, ein niedriger Blutdruck (oft in Verbindung mit Ohnmacht oder Schwächeanfällen), Herzrasen, Hämatome, eine Reizung der Schleimhäute (Rötung) und Desorientierung bzw. Verwirrtheit.

Im Magen-Darm-Trakt äußert sich der Infekt oft in Übelkeit und/oder Erbrechen, es liegen Störungen der Leber- und Nierenfunktion vor, und es kommt zu großflächigem Hautausschlag (die Haut pellt sich typischerweise an Handinnenflächen und Fußsohlen). Wenn die Infektion durch Streptokokken hervorgerufen wurde, kommen teilweise noch Atembeschwerden, Nekrosen und Blutungsstörungen hinzu.

Ursachen

Bei grob fünfzig Prozent der Fälle ist der Auslöser tatsächlich ein (stark saugender) Tampon, der zu lange in der Scheide verblieben ist und den Erregern einen optimalen Nährboden bietet. Aber auch eitrige Wunden, das Tragen eines Diaphragmas zur Empfängnisverhütung sowie Brand- und chirurgische Wunden können Eintrittsstellen für die Erreger Staphylococcus aureus und Streptokokken sein.

Bei den Stoffwechselprozessen dieser beiden auf Menschen ausgerichteten Bakterienarten entstehen Giftstoffe, die die Krankheit verursachen (daher auch "toxisch", was zu deutsch giftig bedeutet). Die Infektion mit Streptokokken ist etwas gefährlicher, kommt aber auch weniger häufig vor als das durch Staphylococcus aureus ausgelöste Toxische Schocksyndrom.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Kennzeichnend für das toxische Schocksyndrom ist ein plötzlich einsetzendes schweres Krankheitsgefühl. Ohne Behandlung kann die Erkrankung schnell zum Tod führen. Es ist auffallend, dass dieses Syndrom hauptsächlich bei jungen und vorher gesunden Personen auftritt, deren Immunsystem intakt ist.

Da die Betroffenen bei Ausbruch der Erkrankung jedoch zum ersten Mal mit dem Bakterientoxin in Kontakt kommen, sind die heftigen Reaktionen des Körpers erklärbar. Das toxische Schocksyndrom zeichnet sich durch schwere allgemeine Symptome, Hautsymptome und bei Frauen oft auch durch gynäkologische Symptome aus. Bei den allgemeinen Beschwerden werden unter anderem Schüttelfrost, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindelgefühle, Muskelschmerzen und sogar Kreislaufzusammenbrüche beobachtet.

Der Blutdruck ist sehr niedrig und die Körpertemperatur übersteigt in der Regel 38,9 Grad Celsius. Als Hautsymptome sind großflächige Hautausschläge und nach ca. ein bis zwei Wochen Hautabschälungen an Fußsohlen und Handinnenflächen typisch. Da die Infektionen sehr häufig durch Tampons im Genitalbereich ausgelöst werden, kommt es oft zu Schleimhautentzündungen in der Scheide und zum eitrigen Scheidenausfluss.

Neben dem Magen-Darm-Trakt, der Haut und der Vaginalschleimhaut können auch Leber, Nieren, Blut oder gar das Zentralnervensystem geschädigt werden. Daher ist im Laufe der Erkrankung auch die Entwicklung einer Leber- oder Niereninsuffizienz möglich. Des Weiteren können Verwirrtheitszustände auftreten. In besonders schweren Fällen entwickelt sich eine lebensgefährliche Schocksymptomatik mit kaltem Schweiß, Zyanose, stark gesteigerter Atemfrequenz aufgrund des Sauerstoffmangels, unstillbarem Durstgefühl und akutem Nierenversagen.

Diagnose & Verlauf

Viele der Symptome ähneln anderen Infektionen und können Mediziner zunächst auf eine falsche Spur führen. Wenn Betroffene unter den oben beschriebenen Symptomen leiden und sich bewusst sind, dass sie einen Tampon über eine längere Zeit hinweg getragen haben oder den Bakterien eine ähnliche Eintrittstelle gewährt haben, sollten sie dies sofort dem Arzt mitteilen.

Die Symptome selbst sind schwerwiegend und ähneln denen einer Blutvergiftung. Der klinische Nachweis des toxischen Schocksyndroms erfolgt durch einen Blutabstrich, in dem im Krankheitsfall Antikörper gegen das Bakteriengift TSST-1 nachgewiesen werden können. Wenn das Toxische Schocksyndrom rechtzeitig erkannt und behandelt wird, bestehen sehr gute Chancen auf eine vollständige Heilung. Unbehandelt kann es jedoch auch zum Organversagen oder sogar zum Tod führen.

Behandlung & Therapie

Eine schnelle Behandlung des toxischen Schocksyndroms ist dringend anzuraten, denn den Betroffenen geht es mit den Symptomen ausgesprochen schlecht. Bei nicht rechtzeitiger Behandlung kann es zu (multiplem) Organversagen und sogar zum Tod kommen.

Betroffene müssen sofort stationär aufgenommen und intravenös mit einem einschlägigen Antibiotikum versorgt werden, das die Infektion bekämpft und die Bakterien abtötet. Unterstützend werden häufig weitere Maßnahmen ergriffen, um den Patienten bestmöglich zu stabilisieren.

Dazu gehört die Versorgung mit ausreichend Flüssigkeit (ebenfalls intravenös), um die Körperfunktionen konstant zu halten und dem Schock entgegenzuwirken. Teilweise wird auch Sauerstoff gegeben oder, bei Schädigung der Nieren, eine Dialyse durchgeführt.

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Vorbeugung

In Europa wurde nach der Krankheitswelle der 1970er Jahre die Produktion und Lagerung von Tampons aus hygienischer Sicht entscheidend verbessert, und Tampons wurden (größtenteils) weniger saugfähig hergestellt, so dass ein häufigeres Wechseln notwendig wurde, was wiederum das Risiko für das toxische Schocksyndrom senkte.

In Deutschland vertriebene Tampons müssen auf der Verpackung bzw. in der Packungsbeilage eine Aufklärung zum toxischen Schocksyndrom bieten. Die beste Prävention ist tatsächlich, Tampons häufig zu wechseln (natürlich immer nur mit gründlich gewaschenen Fingern!) und auch mal, beispielsweise nachts, stattdessen Binden zu verwenden. Empfängnisverhütende Diaphragmen sollten nicht länger in der Scheide verbleiben, als es notwendig ist.

Dass die gute Aufklärung über das toxische Schocksyndrom sich bereits heute bezahlt macht, lässt sich auch an der - im Vergleich zu den USA - sehr moderaten jährlichen Infektionsrate, die etwa 1 per 200.000 Menschen beträgt, ablesen.

Bücher über toxisches Schocksyndrom

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Suttorp et al.: Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln. Thieme, Stuttgart 2003

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