Thyreotoxische Krise

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Oktober 2017
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Der Begriff thyreotoxische Krise bezeichnet eine plötzliche und lebensbedrohende Stoffwechselentgleisung. Sie entwickelt sich meist auf dem Boden einer bestehenden Schilddrüsenüberfunktion.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine thyreotoxische Krise?

Die thyreotoxische Krise ist eine lebensbedrohliche Entgleisung einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Das Krankheitsbild entwickelt sich innerhalb weniger Stunden oder Tage. Bei der thyreotoxischen Krise zeigen sich alle Symptome der Schilddrüsenüberfunktion in einer sehr starken Ausprägung.

Häufig wird die Krise durch eine erhöhte Jodzufuhr oder durch jodhaltiges Röntgenkontrastmittel ausgelöst. Dabei tritt die thyreotoxische Krise ungefähr ein bis vier Wochen nach der Aufnahme auf. Auch das Absetzen von Thyreostatika kann eine thyreotoxische Krise bedingen. Die Krise erfordert eine sofortige intensivmedizinische Betreuung. Unbehandelt kann sie zum Tod führen.

Ursachen

Eine thyreotoxische Krise kann sich nur aus einer Schilddrüsenüberfunktion entwickeln. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Die beiden wichtigsten Schilddrüsenhormone sind Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Grundbestandteil der Schilddrüsenhormone ist das Spurenelement Jod. Hauptursache der Schilddrüsenüberfunktion ist die Autoimmunkrankheit Morbus Basedow.

Dabei binden sich körpereigene Antikörper an die TSH-Rezeptoren der Schilddrüse und ahmen so die Wirkung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) aus der Hypophyse nach. Dadurch kommt es zu einer ständigen Produktion von T3 und T4 und damit zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann sich aber auch durch eine Schilddrüsenautonomie entwickeln. Bei einer Schilddrüsenautonomie arbeiten einzelne Bereiche der Schilddrüse unabhängig von den hormonellen Regulationsmechanismen.

Des Weiteren kann die Hyperthyreose durch hormonproduzierende Tumore der Schilddrüse und durch Schilddrüsenentzündungen hervorgerufen werden. Die thyreotoxische Krise entwickelt sich meist nach einer hohen Jodzufuhr. Dadurch steht dem Körper mehr Jod für die Produktion von Schilddrüsenhormonen zur Verfügung. Da die körpereigenen hormonellen Regulationsmechanismen bei der Schilddrüsenüberfunktion gestört sind, wird die Produktion auch nicht eingedämmt.

Die thyreotoxische Krise wird oft iatrogen, also durch den Arzt, durch die Verabreichung jodhaltiger Medikamente induziert. Auch röntgenhaltige Kontrastmittel sind häufige Auslöser. Gefährlich wird es auch, wenn Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion eigenständig ihre Medikamente absetzen. Thyreostatika hindern die Schilddrüse daran, zu viele Hormone zu produzieren.

Werden die Medikamente plötzlich abgesetzt, kann dies eine thyreotoxische Krise zur Folge haben. Auch Operationen können eine thyreotoxische Krise bedingen. Insbesondere nach der Entfernung von Schilddrüsengewebe kann sich die Hormonproduktion der Schilddrüse reaktiv erhöhen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den typischen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion gehören Schlaflosigkeit, Gereiztheit und Nervosität. Bei vielen Patienten ist ein feinschlägiger Tremor, ein leichtes Zittern, als Zeichen der Unruhe zu beobachten. Durch die Schilddrüsenhormone wird der gesamte Stoffwechsel angeregt. Der Blutdruck ist hoch.

Die Differenz zwischen dem systolischen und dem diastolischen Blutdruckwert (Blutdruckamplitude) ist gesteigert. Die Herztätigkeit ist verändert. Das Herz schlägt schneller, teilweise leiden die Betroffenen unter Herzstolpern (Extrasystolen). Auch Vorhofflimmern kann die Folge einer Hyperthyreose sein. Die Patienten haben aufgrund des gesteigerten Energieumsatzes Hunger, verlieren aber trotzdem an Gewicht.

Aufgrund der Mobilisierung von Glykogenreserven und von Fettreserven können Überzuckerungen (Hyperglykämien) auftreten. Die Patienten schwitzen schnell, sind wärmeintolerant und haben eine feuchte warme Haut. Sie müssen häufiger eine Toilette aufsuchen und haben dünnen Stuhl. Die Muskulatur ist schwach. Bei der thyreotoxischen Krise verstärken sich alle diese Symptome massiv und innerhalb kürzester Zeit.

Im Stadium I der thyreotoxischen Krise ist die Herzfrequenz auf mehr als 150 Schläge pro Minute erhöht. Die Patienten erbrechen sich und haben hohes Fieber. Durch die vermehrte Flüssigkeitsausscheidung kann sich eine Exsikkose entwickeln. Im Stadium II der Krise sind die Patienten zunehmend desorientiert und im Bewusstsein getrübt. Sie sind benommen oder schläfrig. Im Stadium III fallen die Erkrankten ins Koma.

Besonders bedrohlich sind die erhöhte Herzfrequenz, die Herzrhythmusstörungen und die Austrocknung. Unbehandelt droht das Koma mit irreversiblen Spätfolgen. Insgesamt ist die Prognose der thyreotoxischen Krise eher schlecht. Sie endet häufig tödlich.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Verdachtsdiagnose kann recht schnell anhand der charakteristischen Symptome gestellt werden. Den entscheidenden Hinweis liefert eine bereits bekannte Schilddrüsenüberfunktion. Die erhöhten Schilddrüsenwerte können bei der thyreotoxischen Krise im Blut nachgewiesen werden. Der TSH-Wert ist stark erniedrigt.

TSH stimuliert die Schilddrüse zur Produktion von Schilddrüsenhormonen. Da durch die thyreotoxische Krise aber viel zu viele Schilddrüsenhormone im Blut sind, produziert die Hirnanhangdrüse weniger TSH. Die Werte der Schilddrüsenhormone T3 und T4 sind trotzdem erhöht.

Komplikationen

Stellt sich eine thyreotoxische Krise ein, so wirkt sich dies auf den gesamten Stoffwechsel auf. Der Blutdruck ist erhöht, es kommt zu Nervosität, Gereiztheit und Schlafstörungen, und ein Zittern stellt sich ein. Zudem ist die Herztätigkeit verändert und die Betroffenen leiden unter Herzstolpern und Vorhofflimmern – beides kann zu schweren Komplikationen bis hin zum Herzversagen führen.

Begleitend zu den Allgemeinsymptomen kommt es zum Gewichtsverlust, der meist mit Dehydration und Mangelerscheinungen verbunden ist. Die Mobilisierung von Glykogen- und Fettreserven kann zu Überzuckerung führen. Zudem sind die Patienten körperlich angeschlagen und leiden unter Muskelschwäche. Bei der thyreotoxischen Krise nehmen all diese Symptome innerhalb kürzester Zeit zu. Relativ schnell kommt es zu hohem Fieber, Austrocknung und Bewusstseinsstörungen.

Anschließend fallen die Patienten ins Koma. Ein Bewusstseinsverlust hat bei fehlender oder zu später Behandlung meist irreversible Spätfolgen oder führt sogar zum Tod. Die Behandlung einer thyreotoxischen Krise kann von den typischen Neben- und Wechselwirkungen verordneter Medikamente beeinträchtigt werden. So ist ein chirurgischer Eingriff immer risikobehaftet, da der Patient meist schon erheblich geschwächt ist.

Behandlung & Therapie

Die thyreotoxische Krise wird immer auf der Intensivstation behandelt. Dabei werden die Funktionen des Herz-Kreislauf-Systems engmaschig überwacht. Zudem werden die Flüssigkeitszufuhr und die Flüssigkeitsausscheidung überwacht. So kann eine Flüssigkeitsbilanzierung erfolgen und einer Exsikkose entgegengewirkt werden. Die Betroffenen erhalten drei bis vier Liter Flüssigkeit pro Tag. Ferner kommen Medikamente zum Einsatz, die die Produktion und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone einschränken.

Dazu gehören Thyreostatika wie Thiamazol und Glukokortikoide wie Prednisolon. Mit Beta-Blockern wird die erhöhte Herzfrequenz reguliert. Bei starkem Fieber kann mit Eisbeuteln gekühlt werden. Auch Paracetamol oder Ibuprofen können das Fieber senken. Wenn die Patienten unter einer starken Unruhe leiden, kann eine Sedierung vorgenommen werden.

Wenn die thyreotoxische Krise durch eine Jodkontamination ausgelöst wurde und keine der beschrieben Maßnahmen hilft, wird die Schilddrüse in einem chirurgischen Eingriff fast komplett entfernt. Auch eine Plasmapherese kann durchgeführt werden, um das Jod aus dem Blut zu entfernen.

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Vorbeugung

Eine konsequente Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion kann in der Regel eine thyreotoxische Krise verhindern. Patienten mit bekannter Schilddrüsenüberfunktion sollten keine Medikamente mit hohem Jodgehalt einnehmen. Auch in besonderen Situationen, wie beispielsweise bei Infektionen oder bei Operationen, sollte die Schilddrüsenfunktion kontrolliert werden.

Bücher über Schilddrüsenüberfunktion

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Kleine, B., Rossmanith, W.G.: Hormone und Hormonsystem. Springer Verlag, Berlin 2010

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