Sedierung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. September 2017
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Im Rahmen der Sedierung wird dem Patienten ein beruhigendes und ruhigstellendes Arzneimittel verabreicht. Auf diese Weise lassen sich Ängste sowie Stressreaktionen kontrollieren. Am häufigsten findet die Sedierung im Rahmen der anästhesiologischen Prämedikation Einsatz und geht in diesem Fall fließend in eine Vollnarkose über.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Sedierung?

Bei der Sedierung verabreicht der Arzt dem Patienten ein Sedativum. Dabei handelt es sich um einen beruhigend wirkenden Arzneistoff, der die Funktionen des zentralen Nervensystems herabregelt. Davon zu unterscheiden ist die Behandlung mit einem Tranquilizer. Solche Tranquilizer sind angstlösende und entspannende Psychopharmaka derselben Arzneimittelgruppe. Im weitesten Sinne lassen auch sie sich theoretisch zur Sedierung einsetzen.

In der Regel werden sie aber niedrig dosiert und dienen insbesondere der Entspannung bei Konfliktsituationen und Muskelkrämpfen. Auch die Narkose ist nicht mit einer Sedierung zu verwechseln. Narkotisierte Patienten sind für die Dauer der Narkose nicht mehr erweckbar. Sedierte Patienten sind dagegen im Allgemeinen wach. Meist besteht zwischen Sedierung und Narkose allerdings fließender Übergang.

Das heißt, der Patient wird erst sediert und von der Sedierung in die Narkose überführt. Häufig gibt der Arzt zusätzlich zum Sedativum ein Schmerzmittel. In einem solchen Fall ist auch von einer Analgosedierung die Rede. Neben künstlichen Substanzen stehen zur Sedierung auch einige rein pflanzliche Stoffe zur Verfügung. Pflanzliche Sedierungsformen bedienen sich nicht verschreibungspflichtiger Substanzen und können sogar in Eigenregie durchgeführt werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Sedierungen sollen den Patienten beruhigen. Unruhe ist eines der häufigsten Begleitsymptome vieler psychischer, aber auch körperlicher Erkrankungen. Das Sedativum lindert solcherlei Unruhezustände und kann schlaffördernd wirken. So erhalten zum Beispiel Suizidgefährdete oder stark psychotische Patienten standardmäßig Sedierungen.

Bei Psychosen kann die Sedierung eine Distanzierung von den jeweiligen Ängsten bewirken. In größeren Mengen gegebene Sedativa lassen den Patienten die bewusste Wahrnehmung so gut wie gänzlich verlieren. Damit werden auch Ängste des Patienten ausgeschalten. Sedativa sind in diesem Zusammenhang ein wichtiges Hilfsmittel vor Operationen. In diesem Rahmen spricht der Arzt bei Sedierungen auch von anästehsiologischer Prämedikation. Sie werden aber auch vor therapeutischen und diagnostischen Verfahren gegeben. Die Stressbelastung vor diesen Maßnahmen wäre ohne eine Sedierung oft zu hoch. Leicht sedierte Patienten bleiben ansprechbar, sind aber trotzdem von den Stressbelastungen befreit. Sedativa können unter Umständen auch gegen starke Schmerzen gegeben werden.

Bei der Sedierung verabreicht der Arzt dem Patienten ein Sedativum. Dabei handelt es sich um einen beruhigend wirkenden Arzneistoff, der die Funktionen des zentralen Nervensystems herabregelt.

Eine besondere Rolle spielen Sedierungen in der allgemeinen Intensivmedizin. Wenn ein Patient zum Beispiel beatmet werden soll, dann wäre das ohne eine tiefe Sedierung kaum möglich. Die Beatmungsmaßnahmen werden von einem nicht sedierten Organismus in der Regel nicht toleriert. Seditiva unterscheiden sich in ihrer Dosierung und ihrer Arzneimittelart mit dem Einsatzzweck. Auch die Darreichungsform hängt vom Einsatzzweck und vor allem der Art des Sedativums ab. Die meisten Sedativa werden allerdings oral oder intravenös verabreicht. Neben Benzodiazepine wie Diazepam stehen zur Sedierung Antidepressiva wie Trazodon, Narkotika wie Propofol und Barbiturate wie Phenobarbital zur Verfügung. Auch Neuroleptika wie Promethazin und Opioide wie Morphin kommen infrage.

Im Allgemeinen dienen mittlerweile vor allem Alpha-2-Adrenozeptor-Agonisten wie Clonidin der Sedierung. In Einzelfällen kommen allerdings auch H1-Antihistaminika wie Hydroxyzin oder rein pflanzliche Sedativa wie Baldrian zum Einsatz. Je tiefer die Sedierung, desto länger hält sie an. Um eine tiefe Sedierung zu erreichen, ist eine entsprechend hohe Dosis nötig. Um Dosis, Tiefe und Sedierungsdauer im Zusammenhang mit einem bestimmten Sedativum genau zu planen, verwendet der Arzt in der Regel die Richmond Agitation Sedation Scale oder den Ramsey Score.

Die Leitlinien der DGAI können ebenfalls den Rahmen der Sedierungsmaßnahmen vorgeben. Insbesondere die S3-Leitlinie findet gegenwärtig zur Abstimmung der Maßnahmen Verwendung. Anders als der Ramsey Score bietet diese Leitlinie annähernd hundertprozentige Zuverlässigkeit.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Überdosierungen von Sedativa können einen gänzlichen Bewusstseinsverlust eintreten lassen. Dieses Phänomen kann unter Umständen gewollt sein. In anderen Fällen ist dieser Übergang in eine Vollnarkose ungewollt und birgt für den unvorbereiteten Arzt Gefahren. Um das zu vermeiden, muss der Arzt vorab entsprechende Schutzmaßnahmen treffen. Tiefe Sedierungen finden so meist unter intensivmedizinischer Überwachung statt.

Das soll vor allem das Risiko minimieren, durch die Sedierung die Schutzreflexe des Patienten auszuschalten oder Atem- und Kreislaufdepressionen zu provozieren. Ein Problem bei der länger anhaltenden Gabe von Sedativa ist die Toleranz. So kommt es nach bestimmter Zeit zu einer Immunität und der Arzt muss die Dosis des Medikaments steigern, um die erwünschte Sedierungstiefe halten zu können. In der Daueranwendung bergen Sedativa außerdem ein hohes Missbrauchs- und Suchtrisiko. Eine Ausnahme bilden in diesem Fall Neuroleptika, die nicht mit Suchtpotenzial einhergehen. Bei tiefen Sedierungen besteht durch den vollständigen Verlust des Bewusstseins das Risiko von Kreislaufkollaps und Atemstillstand.

Aus diesem Grund erfordern besonders tiefe Sedierungen meist eine zusätzliche Beatmung und die Aufrechterhaltung des Herz-Kreislauf-Systems mit Katecholaminen. In der Regel muss der Patient einer geplanten Sedierung schriftlich zustimmen. Ausnahmen sind in diesem Zusammenhang selbstmordgefährdete und psychotische Patienten. In Einzelfällen führen Sedativa nicht zum gewünschten Effekt. So stellt sich durch die Gabe der Hilfsmittel zuweilen eine noch stärkere Unruhe beim Patienten ein. In Extremfällen ist der Sedierte so nicht mehr führ- und kontrollierbar.

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Quellen

  • Berger, M.: Psychische Erkrankungen. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2009
  • Hoslboer. D.F., et al.: Handbuch der Psychopharmakotherapie. Springer Medizin Verlag, Berlin 2007
  • Lüllmann, H. et al.: Taschenatlas Pharmakologie. Thieme, Stuttgart 2008

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