Thyreostatika

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2016
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Thyreostatika sind Wirkstoffe, die hemmend in den Hormonstoffwechsel der Schilddrüse eingreifen und hauptsächlich bei verschiedenen Hyperthyreoseformen zum Einsatz kommen. Neben den pharmazeutischen Thyreostatika existieren auch einige pflanzliche bzw. homöopathische Substanzen, die allerdings nur bei leichten Schilddrüsenüberfunktionen therapeutisch in Betracht gezogen werden sollten.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Thyreostatika?

Als Thyreostatika werden Substanzen bezeichnet, die über die Hemmung der Synthese bzw. Sekretion der Schilddrüsenhormone oder des Einbaus von Jod in die Vorstufen der Thyreohormone die Schilddrüsenfunktion normalisieren und eine Remission der klinischen Symptome bewirken.

Allgemein werden thyreostatisch wirkende Substanzen in sogenannte Iodinations- und Iodisationshemmer sowie Jodide unterteilt, die in unterschiedlicher Weise in den Hormonstoffwechsel der Schilddrüse eingreifen.

Thyreostatika kommen in aller Regel bei der Therapie verschiedener Subformen einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) wie Morbus Basedow, funktioneller Schilddrüsenautonomie sowie einer jodinduzierte Hyperthyreose zum Einsatz.

Medizinische Anwendung, Wirkung & Gebrauch

Die drei verschiedenen Substanzgruppen der Thyreostatika entwickeln ihre Wirkung an unterschiedlichen Angriffspunkten des Stoffwechsels der Schilddrüse bzw. der Schilddrüsenhormone und dienen der Normalisierung und Stabilisierung der Schilddrüsenfunktion.

So wirken die sogenannten Thioharnstoffderivate hemmend auf die Peroxidasen (Iodisationshemmer). Diese Enzyme katalysieren die Reduktion von Peroxiden, die wiederum für den Einbau von Jod in die Hormone der Schilddrüse sowie die Bindung der Vorstufen Monoiodtyrosin und Diiodtyrosin erforderlich sind. Diese Thyreostatika kommen insbesondere bei Morbus Basedow, bei der Vor- und Nachbehandlung einer Radiojodtherapie, im Vorfeld eines operativen Eingriffs sowie bei einer thyreotoxischen Krise zum Einsatz.

Bei Strumabildung sowie Überempfindlichkeitsreaktionen (u.a. Fieber, Urtikaria) die Applikation dieser Thyreostatika kontraindiziert. Perchlorat (Iodinationshemmer) reduziert hingegen vor allem den Transport von Jodid in die Schilddrüse, indem es die Aufnahme von Jodid in die Thyreozyten hemmt. Perchlorat weist lediglich eine geringe therapeutische Breite auf und wird in aller Regel zur schnellen Jodidblockade der Schilddrüse bzw. prophylaktisch im Vorfeld radiologischer Untersuchungen mit jodhaltigen Kontrastmitteln angewandt, vor allem bei Betroffenen, bei denen durch das Kontrastmittel eine thyreotoxische Krise ausgelöst werden kann.

Jodide vermindern hochdosiert die Hormonsekretion, indem sie die Enzyme blockieren, die im Blut die Schilddrüsenhormone freisetzen, so dass diese nicht mehr wirksam werden können. Jodide werden ausschließlich präoperativ, zumeist in Kombination mit Thioharnstoffderivaten, oder kurzfristig bei thyreotoxischen Krisen appliziert.

Pflanzliche, natürliche & pharmazeutische Thyreostatika

Extrakte oder Auszüge des Wolftrappkrauts haben eine senkende Wirkung auf die Schilddrüsenhormone.

Pflanzliche Thyreostatika beinhalten als Einzel- oder Kombinationstherapeutika in erster Linie Wolfstrappkraut (Lycopi herba) bzw. Extrakte oder Auszüge aus Lycopi herba. Vor allem der in den Blättern der Pflanze enthaltenden Lithospermsäure wird über die Hemmung des Jodtransports eine senkende Eigenschaft auf die Schilddrüsenhormone zugesprochen.

Das Thyreostatikum sollte allerdings lediglich bei einer leichten Überfunktion der Schilddrüse mit Nervosität und/oder Rhythmusstörungen (sogenannte vegetativ-nervösen Störungen) zum Einsatz kommen. Darüber hinaus sollte berücksichtigt werden, dass Lycopi herba enthaltende Präparate radioisotopische Untersuchungen der Schilddrüse beeinträchtigen können. Zudem ist Wolfstrappkraut bei einer Vergrößerung der Schilddrüse ohne Funktionsbeeinträchtigung kontraindiziert.

Im Rahmen einer homöopathischen Therapie können neben Lycopi herba Chininum arsenicosum (Chininarsenit), Lycopus virginicus (Virginischer Wolfstrapp), Adonis vernalis (Adonisröschen), Fucus vesiculosus (umgangssprachlich Blasentang), Kalium iodatum (Schüßler-Salz Nr. 15) oder Jodum, insbesondere bei leichter Überfunktion mit nervösen Herzbeschwerden, appliziert werden.

Gebräuchliche und therapeutisch bewährte chemisch-pharmazeutische Mittel sind vor allem Perchlorat, das als Iodinationshemmer die Aufnahme von Jodid hemmt, sowie die Thioharnstoffderivate Thiamazol, Carbimazol und Propylthiouracil, die als Iodisationshemmer reduzierend die Synthese der Schilddrüsenhormone wirken.

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Risiken & Nebenwirkungen

Thyreostatische Therapiemaßnahmen können im Abhängigkeit zur Dosierung zu unterschiedlichen unerwünschten Nebeneffekten führen. So können bei geringen Dosen häufig Überempfindlichkeitsreaktionen (Arzneimittelexantheme) und gelegentlich auch Gelenkschmerzen beobachtet werden.

Insbesondere hohe Dosen führen zu einer ausgeprägten Suppression der Schilddrüse, durch welche die Hypophyse die TSH-Sekretion zur Erhöhung der Hormoninkretion ankurbelt und so eine Hyperplasie bedingen kann. Weitere Nebeneffekte von Thyreostatika sind Veränderungen des Blutbild (Leukopenie, Granulozytopenie oder Agranulozytose), Struma (Schilddrüsenvergrößerung), Leberschäden, Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), Ikterus (Gelbsucht), Progression des Exopthalmus (hervortretende Augen) sowie Magen-Darm-Beschwerden.

Zudem sollte während einer Schwangerschaft möglichst auf die Anwendung von Thyreostatika verzichtet werden, da diese die Plazentaschranke überwinden, die Schilddrüse des heranwachsenden Kindes beeinträchtigen und zu einer Hypothyreose führen können.

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