Plasmapherese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2016
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Bei der Plasmapherese handelt es sich um ein therapeutisches Verfahren zur Entfernung von unerwünschten Proteinen, Immunglobulinen oder Antikörpern aus dem menschlichen Blutplasma. Durch diesen außerhalb des Körpers stattfindenden Filterprozess können verschiedene Erkrankungen in ihrem Verlauf günstig beeinflusst oder sogar geheilt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Plasmapherese?

Der Begriff Pherese stammt aus dem Griechischen und bedeutet das Wegnehmen eines Teils des Ganzen. Bei dem Plasmaaustausch, der stets zur Therapie angewendet wird, wird der separierte Anteil des Plasmas verworfen und durch eine andere Volumenflüssigkeit, je nach Indikation, ersetzt.

Dabei handelt es sich bei dem Großteil der Fälle um physiologische Kochsalzlösung oder Ringerlösung. Das Verfahren wird auch als therapeutischer Plasmaaustausch bezeichnet, obwohl nicht das gesamte Blutplasma ausgetauscht wird, sondern lediglich unerwünschte, meist eiweißhaltige Bestandteile herausgefiltert werden.

Durch die Plasmaseparation können zwar auch negative Begleiterscheinungen ausgelöst werden, diese werden aber in der Regel in Kauf genommen, da der Nutzen für den einzelnen Patienten ungleich höher ist. Im englischen Sprachgebrauch wird die Plasmapherese auch als Plasma exchange, PE, bezeichnet. Es handelt sich um ein etabliertes medizinisches Verfahren, welches hohen wissenschaftlichen Standards unterliegt und in den letzten Jahren nochmals optimiert und verfeinert wurde, um den unterschiedlichen Indikationen so präzise wie möglich gerecht werden zu können. Das bewährte Therapieverfahren kann sowohl unter ambulanten, halb ambulanten oder auch stationären Bedingungen mit Erfolg durchgeführt werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Der therapeutische Plasmaaustausch dient in allererster Linie der Entfernung von unerwünschten Komponenten in den flüssigen Bestandteilen des strömenden Blutes. Die zellulären Bestandteile des Blutes, also alle Blutkörperchen wie Erythrozyten, Leukozyten oder Thrombozyten, werden bei der Plasmapherese nicht verändert.

Es geht ausschließlich um eine therapeutische Einflussnahme auf die Zusammensetzung des Blutplasma. Geht es um die effektive Entfernung von unerwünschten Antikörpern als hochmolekulare Proteine, dann kommt die Plasmaseparation besonders in der Neurologie oder der Nierenheilkunde, Nephrologie, zum Einsatz. Wird das Verfahren gezielt bei Fettstoffwechselstörungen eingesetzt, so sprechen Ärzte auch von Lipidapherese. Der Filtrationsprozess kann dann so eingestellt werden, dass lediglich unerwünschte mikroskopisch kleine Fettkörperchen, Lipide, aus dem Blutplasma entfernt werden.

Der Plasmaaustausch ist also ein selektives Verfahren, bei dem immer nur die unerwünschten Plasmabestandteile entfernt werden sollen. Dies ist selbstverständlich nicht immer unter allen Umständen möglich, denn es kann auch zur Entfernung von Komponenten im Plasma kommen, die eigentlich nicht entfernt werden sollten. Genau darin begründet können für den Patienten bestimmte Risiken und Gefahren liegen. Ganz ähnlich wie bei der Hämodialyse handelt es sich auch bei der Plasmapherese um ein sogenanntes Detoxikationsverfahren. Der Körper soll also um denjenigen Substanzen befreit bzw. entgiftet werden, die ansonsten im Plasma kumulieren, sich also anreichern würden.

Bei der Plasmapherese handelt es sich um ein therapeutisches Verfahren zur Entfernung von unerwünschten Proteinen, Immunglobulinen oder Antikörpern aus dem menschlichen Blutplasma.

Wie oft und in welchen Zeitintervallen eine therapeutische Plasmaseparation durchgeführt werden muss, ist streng von der jeweiligen Indikation und vom Krankheitsbild abhängig. Für die Durchführung des Verfahrens gibt es nach medizinisch-wissenschaftlichen Kriterien gesicherte, vermutete sowie fragliche Behandlungsindikationen. Als gesichert gilt, dass die Plasmapherese beim sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom sowie bei der Thrombotisch thrombozytopenischen Purpura für den Patienten zur Wiedererlangung oder Aufrechterhaltung seiner Lebensqualität sehr hilfreich ist.

Vermutete Indikationen, die die Durchführung eines therapeutischen Plasmaaustausches rechtfertigen, sind bestimmte Nierenerkrankungen, sogenannte Glomerulopathien sowie systemischer Lupus erythematodes. Bei beiden chronischen Leiden handelt es sich um sogenannte Autoimmunerkrankungen, es werden ungesteuert Antikörper gegen körpereigene Gewebestrukturen gebildet. Mittels der Plasmapherese können diese gewebeschädlichen Antikörper zeitweilig aus dem des Patienten entfernt werden. Fragliche Indikationen sind Pemphigus vulgaris, eine Hautkrankheit, die mit der Bildung von schädlichen Autoantikörpern einhergeht sowie Multiple Sklerose.

Besonders bei einem akuten Schub mit Krankheitswert und Verschlechterung der Prognose kann sich für den Patienten ein therapeutischer Plasmaaustausch bei multipler Sklerose lohnen. Es profitieren aber längst nicht alle Patienten davon, welche an dieser chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems leiden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Um die Trennung von Blutbestandteilen therapeutisch durchzuführen, sind sogenannte Zellseparatoren erforderlich. Dieser Prozess findet außerhalb des Körpers in eigens dafür entwickelten Maschinen statt. Moderne Zellseparatoren verfügen sämtlich über computergesteuerte Ventile und Rollerpumpen.

Eine absolut sterile Arbeitsweise ist unabdingbar, denn bei allen Verfahren des Blutaustausches geht die größte Gefahr für den Patienten von möglichen Infektionen aus. Speziell bei der Plasmapherese werden neben den unerwünschten niedermolekularen Bestandteilen wie Autoantikörper oder pathologische Proteine auch lebenswichtige Komponenten, wie beispielsweise Gerinnungsfaktoren, aus dem Plasma entfernt. Die Gerinnungsfaktoren werden in der Leber gebildet und können jedoch nicht so schnell nachgebildet werden, wie sie durch die Plasmaseparation entfernt werden.

In vielen Fällen ist es daher erforderlich, dem gesäuberten Plasma künstliche Gerinnungsfaktoren hinzuzufügen, damit die Gerinnungsfähigkeit des Blutes nicht beeinträchtigt wird. Eine dauernde Blutungsneigung des Patienten durch einen therapeutischen Plasmaaustausch muss unbedingt verhindert werden. Um nur bestimmte Fraktionen von einzelnen Proteinen während des Prozesses herausfiltern zu können, werden spezielle semidurchlässige Membranplasma-Separatoren benötigt.

Durch Membrantests in vitro kann vor der Anwendung beim Patienten genau bestimmt werden, welche Molekülgrößen die Membran passieren können und welche zurückgehalten werden. Bei der Plasmapherese erfolgen sowohl die Blutentnahme als auch die Rücktransfusion über denselben venösen Zugang, beispielsweise an einer Armvene. Bei jeder Rücktransfusion, Reinfundierung, werden dem Patienten neben dem gereinigten Plasma auch die zellulären Bestandteile, also die unterschiedlichen Blutkörperchen, wieder zurückgegeben.

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