Stauungsleber

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Bei der Stauungsleber handelt es sich um einen Leberschaden, welcher durch einen Blutrückstau in der Leber verursacht wird. Es gibt akute und chronische Verläufe der Erkrankung. Unbehandelt kommt es langfristig zu einer völligen Zerstörung der Leber.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Stauungsleber?

Eine Stauungsleber ist eine Lebererkrankung, die durch einen Rückstau von Blut in der Leber verursacht wird. Dieser Rückstau stört ihre Sauerstoffversorgung und führt kurz- oder langfristig zum Untergang von Leberzellen. Verursacht wird der Blutrückstau durch einen gestörten Abfluss von venösem Blut. Meist liegt eine Rechtsherzinsuffizienz vor. Aber auch Lungenerkrankungen und Thrombosen in der Lebervene kommen als Gründe infrage.

Es gibt drei Formen der Stauungsleber. So können eine akute, eine subakute und eine chronische Form unterschieden werden. Oft bestehen unterschiedliche Gründe für die Ausbildung dieser verschiedenen Formen. Allerdings kann die akute Stauungsleber auch langfristig in die chronische Form übergehen. Auffallendes Merkmal der Stauungsleber ist eine Vergrößerung des Organs durch den Rückstau von Blut. Nur bei der chronischen Form erscheint die Leber geschrumpft, obwohl auch hier ein Stau vorliegt. Endzustand der Stauungsleber ist meist eine Leberzirrhose, die im Fall der Stauungsleber als Cirrhose cardiaque (kardiale Leberzirrhose) bezeichnet wird.

Ursache

Die Ursache für eine Stauungsleber ist immer im Rückstau von venösem Blut in der Leber zu suchen. Das Zustandekommen dieses Rückstaus kann aber mehrere Gründe haben. Meist liegt eine Rechtsherzinsuffizienz vor. Das Herz ist nicht mehr in der Lage, das venöse Blut ausreichend in den Lungenkreislauf weiterzuleiten. Der Rückstau des venösen Blutes beginnt in der Leber und kann weitere Organe des abhängigen Organsystems erfassen. Somit handelt es sich bei der Stauungsleber immer um eine Folgeerscheinung einer zugrunde liegenden Erkrankung.

Die Rechtsherzinsuffizienz kann wiederum mehrere Ursachen haben. So führen Herzklappenfehler, Tumoren, Embolien oder chronische Lungenerkrankungen zur Herzinsuffizienz. Rechtsherzinsuffizienz bezeichnet die schwächere Leistung der rechten Herzkammer. Sie ist verantwortlich für die Weiterleitung des venösen Blutes in den Lungenkreislauf, um es dort durch einen Gasaustausch wieder mit Sauerstoff auffrischen zu können.

Schwere chronische Lungenerkrankungen wie COPD oder Lungenfibrose erhöhen den Widerstand des Lungenkreislaufes gegen das venöse Blut, sodass die Herzleistung langfristig überfordert wird. Es entwickelt sich eine chronische Stauungsleber. Lungenembolien und plötzliche Verschlüsse der Lebervene durch Blutgerinnsel stellen akute Notfallereignisse dar, die unter anderem auch das Symptom der Stauungsleber zeigen.

Der akute Lebervenenverschluss wird auch als Budd-Chiari-Syndrom bezeichnet. Neben einer plötzlichen Entwicklung eines Blutgerinnsels kann für den Lebervenenverschluss auch ein Tumor verantwortlich sein, der auf die Lebervene drückt. Nach der Ansammlung von Blut im Lebergewebe kommt es zunächst zur Minderversorgung der die Zentralvenen umgebenden Leberzellen. Der Soffwechsel wird gestört und es beginnt eine Verfettung der Hepatozyten. Wenn der Stau längere Zeit anhält, beginnt die Nekrose der betroffenen Leberzellen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Stauungsleber ist eine Lebererkrankung, die durch einen Rückstau von Blut in der Leber verursacht wird.

Zunächst äußern sich die Symptome einer Stauungsleber als diskrete Symptome der zugrunde liegenden Erkrankung. Dann folgen die klassischen Zeichen einer Leberinsuffizienz, die sich im Auftreten einer Gelbsucht (Ikterus), Gerinnungsstörungen und Leberkoma zeigen. Die Verläufe der Erkrankung sind jedoch unterschiedlich dramatisch und abhängig davon, ob es sich um die akute, die subakute oder chronische Form der Stauungsleber handelt.

Unbehandelt endet eine Stauungsleber in der völligen Zerstörung des Lebergewebes. Die akute Stauungsleber zeigt einen dramatischen Verlauf. So schwillt die Leber sehr schnell an, wobei akute Leberkapselspannungsschmerzen auftreten. Beim Betasten ist die Leber spontan sehr schmerzhaft. Makroskopisch erscheint sie vergrößert mit einer dunkelroten Oberfläche. Gleichzeitig erscheinen noch kleine rote Punkte. Bei der subakuten Form sieht die Leber vergrößert und fleckig aus.

Dieses Aussehen wird auch als Herbstlaubmuster bezeichnet. Dabei treten neben roten Flecken auch weiße Flecken auf. Die rötlichen Stellen charakterisieren die erweiterten Sinusoiden (kleine Blutgefäße), während die weißen Flecken verfettetes Leberparenchym darstellen. In diesem Stadium beginnt die Lebernekrose.

Bei der chronischen Form der Stauungsleber erscheint die Leber wieder verkleinert, obwohl sie nach den Erwartungen vergrößert sein sollte. Es bildet sich jedoch im Bereich des abgestorbenen Lebergewebes Bindegewebe aus. Die Leber schrumpft und verhärtet sich. Dabei entwickelt sich eine Leberzirrhose.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnose einer Stauungsleber werden Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Dabei wird ein stark vergrößertes Organ mit erweiterten Lebervenen gefunden. Während die akute Stauungsleber echoärmer als im Normalzustand erscheint, finden sich bei der chronischen Form der Erkrankung verdichtete feinhöckrige Echostrukturen.

Bei den umfassenden Laboruntersuchungen interessieren die Werte der Transaminasen, der Gamma-Glutamyltransferase (GGT) und verschiedene andere Werte. Erhöhungen dieser Laborwerte zeigen Störungen in der Leberfunktion an. Für die Differenzialdiagnose zu anderen Lebererkrankungen ist das Verhältnis dieser Laborwerte zueinander interessant.

Komplikationen

Eine Stauungsleber entsteht meist als Folge einer Rechtsherzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz), was verschiedene Komplikationen hat. Folgen einer unbehandelten Rechtsherzinsuffizienz sind Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien). Beim Vorhofflimmern können sich leicht Thromben in der Wand des Vorhofs bilden, die sich dann anschließend lösen können und weiter mit dem Blutstrom verschleppt werden.

Im Falle des rechten Herzens werden die Blutgerinnsel in Richtung Lungengefäße verschleppt und können so eine Lungenembolie verursachen, die mit Atemnot und vernichtenden Brustschmerzen charakterisiert ist. Kammerflimmern führen unbehandelt schnell zu einem Kreislaufstillstand und infolgedessen zu einem unmittelbaren Herztod. Durch die Stauung des Blutes in der Leber kommt es zur Vergrößerung des Organs, was Schmerzen im rechten Oberbauch verursachen kann.

Außerdem kann sich im Verlaufe eine Leberzirrhose entwickeln. Bei dieser ist die Leber nicht mehr in der Lage genügend Proteine zu synthetisieren und es entstehen Ödeme und Gerinnungsstörungen sowie eine Aszites. Auch das Blut kann nicht mehr richtig durch die Leber transportiert werden, so dass dieses zur Milz umgelenkt werden muss.

Die Milz vergrößert sich in Folge dessen (Splenomegalie) und es entstehen weitere Schmerzen. Weitere umgehende Kreisläufe haben Ösophagusvarizen und Hämorrhoiden zur Folge. Daneben ist bei der Leberzirrhose die Entgiftungsfunktion nicht mehr gewährleistet, es sammelt sich vermehrt Ammoniak im Blut an, was zu einer Enzephalopathie führen kann.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Weil die Leber keine eigenen Schmerzrezeptoren besitzt, sollte bereits bei einem diffusen Schmerz im rechten Oberbauch der Arzt konsultiert werden. Dieser Schmerz entsteht nämlich erst, wenn das Organ schon vergrößert ist. Auch zunehmende Müdigkeit und Erschöpfung können häufig ein Alarmsignal für eine akute, subakute oder chronische Stauungsleber sein. Auch wenn die Leber auf Druck mit einem spontanen Schmerz reagiert, ist die Entscheidung für einen Arztbesuch sehr naheliegend.

Weil auch eine Rechtsherzinsuffizienz zu einer Stauungsleber führen kann, sollte bei Herzschmerzen direkt die Rücksprache mit einem Internisten oder Kardiologen erfolgen. Diese Notwendigkeit besteht insbesondere dann, wenn eine Arrhythmie (Herzrhythmusstörung) vorliegt. Atemnot kann in Verbindung mit einer Herzbeteiligung darauf hinweisen, dass Blutgerinnsel zu den Lungengefäßen transportiert werden. Dann muss eine ärztliche Behandlung sofort eingeleitet werden.

Wer bei sich eine Gelbfärbung der Haut bzw. der Schleimhäute beobachtet, sollte seinen Hausarzt umgehend informieren. Wenn sich im Laufe der Zeit Gerinnungsstörungen oder Merkmale einer Gelbsucht zeigen, ist umgehend ein Arzt zu konsultieren.

Therapie & Behandlung

Da die Stauungsleber keine eigenständige Erkrankung ist, sondern immer die Folgeerscheinung einer zugrunde liegenden Störung, muss zur Heilung die Grunderkrankung behandelt werden. Meist handelt es sich um eine Rechtsherzinsuffizienz, deren Ursache jedoch noch ermittelt werden muss.

muss beachtet werden, dass der Medikamentenstoffwechsel aufgrund der Lebererkrankung gestört sein kann. Das erfordert oftmals neben medikamentösen Behandlungen auch andere Behandlungsstrategien. In seltenen Fällen sind auch chirurgische Maßnahmen wie Herz- oder Lungenoperationen zielführend.

Aussicht & Prognose

Eine Stauungsleber ist bereits ein schweres Symptom einer Lebererkrankung, weshalb die Prognose meist negativ ausfällt. Üblicherweise führt die zugrunde liegende Krankheit zu weiteren Beschwerden, welche die Leber weiter belasten und schließlich zum Organversagen führen.

Beim Auftreten einer Stauungsleber ist in der Regel keine Behandlung der meist ursächlichen Leberzirrhose mehr möglich. Das unvermeidliche Leberversagen kann allerdings hinausgezögert werden; wie lange, hängt von Art und Schwere der Grunderkrankung, der Konstitution des Patienten und möglichen Vorerkrankungen ab.

Die Aussicht bei einer Leberzirrhose wird mit Hilfe der Child-Pugh-Kriterien ermittelt, die etwa die Leberfunktion (Blutgerinnung, Bilirubin-Anteil, u.a.) und mögliche Folgeerkrankungen (Bauchwassersucht, Enzephalopathie) berücksichtigen und anhand dessen eine genaue Prognose ermöglichen. Die Heilungsschancen bei einer ursächlichen Bauchwassersucht liegen bei etwas 50%, wobei weitere Entzündungen einen sehr schweren Verlauf wahrscheinlicher machen.

Verschlechtert wird die Aussicht bei einer Stauungsleber auch durch mögliche Komplikationen wie Blutungen oder durch die Bildung von Zysten und Tumoren in der Leber. Die abschließende Prognose sollte immer von einem Arzt gestellt werden.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Stauungsleber gelten alle Empfehlungen, die auch zur Vermeidung von Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen ausgesprochen werden. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, viel Bewegung und Verzicht auf Rauchen beziehungsweise Alkohol senkt das Risiko für eine Stauungsleber.

Das können Sie selbst tun

Weil eine Stauungsleber nicht durch einen eigenständigen Grund hervorgerufen wird, sollten seitens des Betroffenen Maßnahmen zur allgemeinen Behandlung der Grunderkrankung vorgenommen werden. Die entsprechenden Handlungsschritte sind dabei abhängig von der spezifischen Erkrankung.

Zur Prävention einer Stauungsleber gelten grundsätzlich die gleichen Empfehlungen, die auch zur Vorbeugung bei Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen erteilt werden. Für Betroffene empfiehlt sich eine gesunde Lebensweise. Diese beinhaltet eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Hier bieten sich vor allem viel frisches Obst und Gemüse an, auf den übermäßigen Verzehr von Fast Food und Fertigprodukten sollte verzichtet werden. Auch viel Bewegung und ausreichend Schlaf können das Risiko einer Stauungsleber senken. Auf den Konsum von Nikotin, Alkohol oder Drogen sollte im Sinne einer Prävention verzichtet werden.

Außerdem sollten Betroffene in regelmäßigen Abständen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und bei Anzeichen der ersten Symptome sofort einen Arzt aufsuchen. Die Vermeidung von Stress wirkt sich ebenfalls positiv aus. Sollte der Patient Stress in hohem Umfang ausgesetzt sein bieten sich entspannungsfördernde Maßnahmen wie ausgedehnte Spaziergänge, Yoga oder auch verschiedene Meditationstechniken an.

Bücher über Leberzirrhose

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

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