Schmerzempfindlichkeit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. November 2017
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Bei der Schmerzempfindlichkeit (auch Sensibilitäts- oder Empfindungsstörung) leidet der Betroffene unter einer Störung der Wahrnehmung von Sinnesreizen. Meist liegt der veränderten Schmerzempfindlichkeit eine andere Krankheit oder eine neurologische Ursache zugrunde. Eine Sensibilitäts- bzw. Schmerzempfindlichkeit kann sich dahingehend äußern, dass der Patient gar keine Schmerzen oder Sinnesreize fühlt oder Reize als stärker wahrnimmt als üblich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Schmerzempfindlichkeit?

Das Schmerzempfinden ist bei allen Menschen verschieden ausgeprägt. Einige Menschen jedoch nehmen Schmerzen anders - stärker oder schwächer - wahr als im Allgemeinen üblich. Die davon Betroffenen leiden an einer Schmerzempfindlichkeit.

Die Schmerzempfindlichkeit wird nach ihrer Schwere in verschiedene Kategorien eingeteilt. So drückt eine Analgesie eine vollkommene Unempfindlichkeit gegenüber Schmerzen aus; bei Vorliegen einer Hyperalgesie ist das Schmerzempfinden deutlich verringert. Bei einer Allodynie nimmt der Patient Schmerzen ausgelöst durch einen Reiz wahr, der bei anderen Menschen keine Schmerzen auslöst.

Bei einer Hyperalgesie verursachen schon sehr geringe Reize extreme Schmerzen. Das veränderte Schmerzempfinden ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne sondern wird meist als Begleiterscheinung anderer Krankheiten beobachtet. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen, sehr selten sind auch Kinder gegenüber Schmerzen vollkommen unempfindlich (Analgesie).

Ursachen

Die Ursachen für eine gestörte Schmerzempfindlichkeit sind meist in anderen Erkrankungen zu suchen. Menschen mit Autismus beispielsweise leiden häufig unter einer verzerrten Wahrnehmung von Schmerzen.

So können Berührungen Schmerzen verursachen oder auch Geräusche oder Gerüche. Patienten, die unter einer Borderline-Störung leiden - eine Borderline-Störung ist eine schwere psychische Erkrankung - haben oft ein gestörtes Schmerzempfinden. Typisch ist im Zusammenhang mit dieser Erkrankung das Selbstverursachen von extrem schmerzhaften Verletzungen, um überhaupt einen taktilen Schmerz fühlen zu können (Ritzen der Haut mit Rasierklingen).

Organische Ursachen sind selten, kommen jedoch auch als Ursache in Betracht. So kann es zu Störungen bei der Weiterleitung von Reizen zwischen einzelne Nerven kommen. Das tritt auf, wenn Nerven aufgrund eines Unfalls oder eines operativen Eingriffs irreparabel durchtrennt werden. Auch eine Verletzung oder Schädigung des Gehirns kann eine Veränderung des Schmerzempfindens nach sich ziehen.

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Diagnose & Verlauf

Bei der Schmerzempfindlichkeit (auch Sensibilitäts- oder Empfindungsstörung) leidet der Betroffene unter einer Störung der Wahrnehmung von Sinnesreizen.

Eine Diagnose zu stellen ist selbst für erfahrenen Mediziner schwierig. Sofern die Ursachen für die veränderte Wahrnehmung von Schmerzen nicht offensichtlich sind - z.B. aufgrund einer Verletzung - kann der Mediziner lediglich durch die Befragung des Patienten auf eine veränderte Schmerzempfindlichkeit schließen.

Einige Tests - etwa das Beibringen physischer Schmerzreize, die bei anderen Patienten eine entsprechende Wahrnehmung auslösen - ist möglich und lassen Rückschlüsse auf das Vorliegen einer Hyperalgesie oder einer Analgesie zu. Das beabsichtigte Zufügen von körperlichen Schmerzen ist nicht unumstritten.

Eine Veränderung des Schmerzempfindens verläuft für den Betroffenen meist schleppend und steigert sich kontinuierlich. Oft bemerkt ein Patient seinen Zustand erst dann, wenn relativ schwere Verletzungen keine Schmerzen verursachen.

Komplikationen

Eine Schmerzempfindlichkeit muss in der Regel nicht unbedingt zu Komplikationen oder zu anderen Schwierigkeiten führen. Sie kann allerdings den Alltag eines Patienten sehr stark beeinflussen und einschränken. Oft sind gewöhnliche Tätigkeiten nicht mehr möglich, auch kann in vielen Fällen der Arbeit nicht mehr nachgegangen werden. Die Schmerzempfindlichkeit wirkt sich daher negativ auf die Lebensqualität aus und kann auch zu sozialen Problemen führen.

Aufgrund dessen kann es zu Depressionen oder zu anderen psychischen Problemen kommen. In diesem Fall sollte sich der Betroffene an einen Psychologen wenden. Die Behandlung selbst kann ebenso bei einem Psychologen durchgeführt werden, da sie in der Regel psychologische Ursachen hat. Ob sie allerdings zu einem Erfolg führt, kann nicht vorausgesagt werden, da die Gründe für eine Schmerzempfindlichkeit sehr unterschiedlich sind.

Falls es sich bei der Schmerzempfindlichkeit um eine medizinische Krankheit handelt, kann diese oft einfach behandelt werden. So können schmerzempfindliche Zähne durch eine Entfernung der Zahnwurzel entlastet werden. Die Behandlung selbst verläuft ohne Komplikationen und führt nicht zu weiteren Schwierigkeiten. Für Ärzte ist es allerdings relativ schwer, eine Schmerzempfindlichkeit festzustellen, da diese vor allem vom persönlichen Befinden des Patienten abhängt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel sollte bei einer Schmerzempfindlichkeit immer ein Arzt aufgesucht werden. Dabei handelt es sich um ein Zeichen dafür, dass an einer bestimmten Stelle ein Infekt, eine Entzündung oder einer Ermüdung vorliegt, die auf jeden Fall untersucht werden sollte.

Vor allem im Mundraum und an den Zähnen kann die Schmerzempfindlichkeit sehr unangenehm sein und dazu führen, dass die Nahrungszufuhr eingeschränkt wird. In diesem Fall kann ein Zahnarzt aufgesucht werden. Sollte die Schmerzempfindlichkeit nur temporär auftreten oder nach bestimmten Tätigkeiten aufkommen, so muss nicht zwingend ein Arzt aufgesucht werden. Hierbei muss der Patient auch selbst entscheiden, ob die Schmerzen besonders belastend sind oder nur kurz andauern. Allerdings ist es nicht ratsam, die schmerzempfindlichen Stellen zusätzlich zu belasten. Diese sollten geschont werden.

Falls die Schmerzen genau lokalisiert werden, so kann auch direkt der Facharzt aufgesucht werden, da dieser eine gezielte Behandlung durchführen kann. Sollte sich der Betroffene allerdings unsicher sein, was die Ursache für die Schmerzen ist, so hilft in der Regel auch der Hausarzt weiter.

Behandlung & Therapie

Eine veränderte Schmerzempfindung selbst kann nur bedingt therapiert werden. Zu welcher Therapie dem Patienten geraten wird, hängt von der jeweiligen Ursache ab. Vielen Patienten kann mit einer psychologischen Begleitung geholfen werden.

Hierbei wird versucht, den Patienten dahingehend zu unterstützen, mit seiner veränderten Schmerzempfindlichkeit umgehen zu können. Gemeinsam mit dem Patienten wird versucht, Situationen zu definieren, in denen das veränderte Schmerzempfinden besonders häufig oder besonders unangenehm auftritt. Sind die Situationen erkannt, können bestimmt Strategien entwickelt werden, die das Schmerzempfinden erträglich machen.

Liegen organische Ursachen vor - etwa eine Verletzung der Nerven - sind die Schäden meist irreparabel. Mitunter wird berichtet, dass sich das Schmerzempfinden in Körperregionen, in denen aufgrund eines operativen Eingriffs Nerven durchtrennt wurden, später wieder einstellt (z.B. im Unterbauch nach einem Kaiserschnitt).

Aussicht & Prognose

Eine Diagnose bei einer Schmerzempfindlichkeit ist relativ schwierig, da der Doktor diese nicht nachempfinden oder messen kann. Relativ oft kommt es zur Schmerzempfindlichkeit aufgrund von psychischen Reizen. In diesen Fällen muss ein Psychologe den Patienten beraten und die Ursache für den Schmerz finden. Eine Therapie verläuft in der Regel nur relativ langsam und benötigt viel Zeit, bis sich das Schmerzempfinden des Patienten wieder normalisiert hat. Ob die Therapie allerdings erfolgreich ist oder nicht, hängt stark von der Schmerzempfindlichkeit des Patienten ab.

Die Schmerzempfindlichkeit kann auch an bestimmten Regionen im Körper auftreten, die besonders stark auf Reize reagieren, wie zum Beispiel an den Zähnen. In diesen Fällen ist eine Behandlung durch einen Arzt notwendig.

Eine Schmerzempfindlichkeit kann den Alltag eines Patienten stark einschränken und die Lebensqualität mindern. Bestimmte Tätigkeiten sind dann nicht mehr ohne Einschränkungen möglich, was teils zu Depressionen oder anderen psychischen Problemen führt.

In vielen Fällen kann die Schmerzempfindlichkeit relativ gut eingeschränkt werden. Auf Schmerzmittel sollte auf lange Sicht verzichtet werden, da diese den Magen schädigen. Leider sind in einigen Fällen Nerven irreparabel beschädigt, sodass die Schmerzempfindlichkeit kaum behandelt werden kann.

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Vorbeugung

Einer Veränderung des Schmerzempfindens kann nicht vorgebeugt werden. Bestimmte Krankheitsbilder bringen in ihrem spezifischen Verlauf eine Veränderung des Schmerzempfindens mit sich. So kann ein Borderline-Patient bereits bei seiner Therapie entsprechend begleitet werden. Menschen, die unter einer völligen Schmerzunempfindlichkeit leiden, können lernen, Verletzungen zu vermeiden bzw. auch solche Verletzungen behandeln zu lassen, die bei ihnen keinen Schmerzreiz auslösen.

Das können Sie selbst tun

Eine Schmerzempfindlichkeit kann nur eingeschränkt zu Hause behandelt werden. In manchen Fällen tritt diese aus psychischen Gründen auf und sollte daher auch durch einen Psychologen untersucht und behandelt werden. Falls die Schmerzempfindlichkeit an den Zähnen auftritt, sollte die Mundhygiene verbessert werden. Dazu gehört das tägliche Putzen der Zähne, die Verwendung von Zahnseide und einer Mundspülung. Auch ein Gespräch mit dem Zahnarzt ist in diesem Fall anzuraten.

Tritt eine Schmerzempfindlichkeit in oder an anderen Körperregionen auf, so sollten die entsprechenden Stellen nicht stark beansprucht werden, um die Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren. Sportliche Aktivitäten oder starke körperliche Belastungen sollten in diesem Fall vermieden werden. Bei Gelegenheit kann das Auftreten der Schmerzen durch Schmerzmittel bekämpft werden. Auf lange Sicht sollten Schmerzmittel allerdings nicht eingenommen werden. Die betroffenen Stellen können ebenfalls mit Hilfe Hausmitteln wie Quarkwickel gekühlt werden um so eine Linderung der Schmerzen herbeizuführen. Es helfen auch Kräuter und Kräutertees, um den Schmerz zu betäuben und die schmerzempfindliche Stelle zu beruhigen.

Weitere alternative Methoden zur Linderung einer Schmerzempfindlichkeit sind Massagen, Meditation oder Hypnose. Sollte keine Besserung eintreten, muss ein Arzt aufgesucht werden, da es sich um eine schwerwiegendere Krankheit handeln kann, die den Schmerz auslöst.

Bücher über Schmerzen

Quellen

  • Arastéh, K., et al.: Innere Medizin, Thieme, Stuttgart 2012
  • Basler, H.-D., Franz, C., et al.: Psychologische Schmerztherapie. Springer, Berlin 2004
  • Striebel, H. W.: Therapie chronischer Schmerzen. Schattauer, Stuttgart 2002

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