Polymyalgia rheumatica

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. August 2017
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Bei der Polymyalgia rheumatica (PMR), oder kurz Polymyalgie, handelt es sich um eine rheumatische Entzündungskrankheit, die von heftigen Schmerzen in Nacken und Schultern sowie in Oberschenkeln und im Beckenbereich begleitet ist. Vorwiegend ältere Menschen erkranken an der Polymyalgia rheumatica.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Polymyalgia rheumatica?

Die Muskelschmerzen bei der Polymyalgia rheumatica treten vor allem morgens und schubweise auf. Die Beweglichkeit des Körpers kann schmerzbedingt massiv eingeschränkt sein. Ähnlich einem grippalen Infekt klagen die Erkrankten über ein schlechtes Allgemeinbefinden.

In einigen Fällen entzünden sich bei Polymyalgia rheumatica zusätzlich auch große Blutgefäße insbesondere des Kopfes, wie z. B. die Schläfenarterie. Bei nicht rechtzeitiger Behandlung kann es zu einem Verschluss der entzündeten Adern kommen. Ist die Blutversorgung des Auges betroffen, erblindet der Erkrankte. Im Gegensatz zu anderen Muskelerkrankungen schränkt die Polymyalgia rheumatica die Kraft der Muskeln dagegen nicht ein.

Jährlich erkranken in Deutschland bis zu 40.000 Menschen neu an der Polymyalgia rheumatica, darunter 80 % Frauen. Menschen unter 50 Jahren sind seltener, über 60-Jährige besonders stark betroffen.

Ursachen

Die Ursachen der Polymyalgia rheumatica sind noch weitgehend ungeklärt. Allerdings wird offenbar wie auch bei anderen Rheumaerkrankungen das Immunsystem fehlgeleitet.

Wahrscheinlich führen altersbedingt auftretende Fehlfunktionen der körpereigenen Immunzellen dazu, dass sogenannte Zytokine (aus bestimmten Eiweißen bestehende Botenstoffe) produziert werden, die sich gegen den eigenen Körper richten und auf diese Weise Entzündungen ausgelöst werden. Bei der Polymyalgia rheumatica handelt es sich daher um eine sog. Autoimmunerkrankung.

Auch die zusätzliche Entzündung von Blutgefäßen, die Vaskulitis genannt wird, ist unter Umständen auf ein nicht mehr ordnungsgemäß funktionierendes Immunsystem zurückzuführen, welches irrtümlich Zellen des eigenen Körpers angreift. Die Entzündung von Blutgefässen am Kopf trägt den Namen Arteriitis cranialis, die bei der Hälfte der Polymyalgia rheumatica-Erkrankten ebenfalls auftritt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der behandelnde Arzt wird seiner Polymyalgia rheumatica-Diagnose eine körperliche Untersuchung des Patienten, die Krankengeschichte sowie die Ergebnisse der Laboruntersuchung zugrunde legen.

Als Symptome der Polymyalgia rheumatica können neben Nacken-, Schulter-, Oberarm- und Beckenschmerzen auch Gewichtsverlust, Schweißausbrüche, Gelenkschmerzen sowie Depressionen auftreten. Klagt ein Polymyalgia rheumatica-Patient über ein gestörtes Sehvermögen oder Kopfschmerzen, deutet dies möglicherweise bereits auf eine Entzündung von Blutgefäßen am Kopf hin.

Die Symptome der Polymyalgia rheumatica sind allerdings sehr veränderlich. Die Beschwerden der Krankheit können auch bereits längere Zeit vorhanden sein, bevor sie von Laboruntersuchungen bestätigt werden. Blutuntersuchungen zeigen bei Polymyalgia rheumatica die Anzeichen einer deutlichen entzündlichen Veränderung wie z. B. eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit.

Dagegen ist das bei anderen Muskelerkrankungen verstärkt zu messende Muskelenzym CK, das eine Zerstörung von Muskelgewebe anzeigt, bei Polymyalgia rheumatica nicht auffällig.

Ein deutliches Indiz für eine vorliegende Polymyalgia rheumatica ist die Krankheitssymptome durch die Verabreichung von Cortison kurzfristig zu beseitigen. Wird dies aber nicht erreicht, erfolgen weitere Untersuchungen zur Differantialdiagnostik mit vergleichbaren Symptomen (u. a. Tumorkrankheiten). Bei Verdacht auf eine durch Polymyalgia rheumatica ausgelöste Gefäßentzündung, kann ein Stück der Schläfenarterie entfernt und auf Entzündlichkeit untersucht werden.

Komplikationen

In erster Linie leiden die Betroffenen aufgrund der Polymyalgia rheumatica an sehr starken Schmerzen. Diese Schmerzen treten vor allem im Bereich der Schultern und der Nacken auf und verringern die Lebensqualität damit enorm. Ebenso kommt es zu Schmerzen im Bereich des Beckens und weiterhin auch in den Oberschenkeln. Auch die Muskeln können dabei schmerzen, sodass verschiedene Bewegungen oder sportliche Betätigungen in der Regel nicht mehr ohne Weiteres durchgeführt werden können.

Die Muskeln verkrampfen nicht selten und es kommt zu einer dauerhaften Müdigkeit und Abgeschlagenheit beim Patienten. Die meisten Betroffenen leiden dabei auch an Depressionen und - damit verbunden - an einem Gewichtsverlust. Der Gewichtsverlust wirkt sich sehr negativ auf die allgemeine Gesundheit des Patienten aus und kann zu Mangelerscheinungen oder zu psychischen Verstimmungen führen.

Auch Schweißausbrüche treten als Begleiterscheinung der Polymyalgia rheumatica auf. Die Betroffenen können an Kopfschmerzen und auch an Einschränkungen des Sehvermögens leiden. Die Behandlung der Polymyalgia rheumatica erfolgt mit Hilfe von Medikamenten. Dabei kommt es meistens nicht zu besonderen Komplikationen. Ebenso wirkt sich auch eine gesunde Lebensweise positiv auf diese Erkrankung aus.

Behandlung & Therapie

Mit der Verabreichung Kortison-haltiger Medikamente lassen sich die vom Körper nicht mehr kontrollierbaren Entzündungen effektiv und mit kurzfristig positiver Wirkung behandeln.

Das Kortison wird als Tablette eingenommen oder injiziert. In der Regel beginnt die täglich vorzunehmende Kortison-Behandlung mit einer hohen Dosis, die dann über einen Zeitraum von Wochen oder Monaten allmählich verringert wird. Die erreichte niedrige Dosierung wird dann für einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren beibehalten. Die einzunehmende Dosis bestimmt sich nach der Schwere der Krankheitssymptome und danach, ob bereits Blutgefäße entzündet sind.

Auf keinen Fall darf eine begonnene Kortison-Behandlung der Polymyalgia rheumatica abrupt unterbrochen werden, da dann Schlaganfall-auslösende Gefäßverengungen auftreten können. Ziel ist es, dass der Patient nicht mehr Kortison aufnimmt, als er unbedingt zur Erreichung von Schmerzfreiheit benötigt.

Als Nebenwirkungen können eine Gewichtszunahme und Knochenschwund (Osteoporose) auftreten. Wird eine Kortison-Behandlung bei Polymyalgia rheumatica nicht rechtzeitig vorgenommen, können die Patienten z. B. erblinden oder einen Schlaganfall erleiden.

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Vorbeugung

Es gibt keine vorbeugenden Maßnahmen gegen die Polymyalgia rheumatica. Wichtig ist aber, Folgeschädigungen durch eine rechtzeitige Kortison-Therapie zu vermeiden. Nebenwirkungen lassen sich angesichts der bei der Therapie eingesetzten, erheblichen Kortison-Mengen nicht vollständig ausschließen. Zur Verhütung von Osteoporose eignet sich die Einnahme von Vitamin D und Kalzium.

Werden im Einzelfall besonders große Kortison-Dosen zur Herstellung von Schmerzfreiheit benötigt, können zusätzlich zur Unterdrückung des Immunsystems geeignete Präparate ergänzend verabreicht werden, um die sonst zur Behandlung der Polymyalgia rheumatica erforderliche Kortison-Menge zu verringern.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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