Parinaud-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. August 2017
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Das Parinaud-Syndrom ist eine vertikale Blicklähmung. Lähmungen der Augenmuskeln werden durch Läsionen des Mittelhirns und der dort gelegenen Nervenkerne verursacht, wie sie durch Tumore, Schlaganfälle und Entzündungen vorliegen können. Die Behandlung des Symptomkomplexes richtet sich nach der auslösenden Erkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Parinaud-Syndrom?

Beim Parinaud-Syndrom liegt in Kombination mit weiteren neurologischen Symptomen eine vertikale Blicklähmung durch eine Schädigung der Hirnnerven vor. Der Symptomkomplex wird auch als dorsales Mittelhirnsyndrom bezeichnet und wurde im 19. Jahrhundert erstmals von Parinaud beschrieben. Konvergenzbewegungen der Augen sind bei diesem Phänomen nur noch eingeschränkt möglich. Kommandobewegungen nach oben lassen sich überhaupt nicht mehr ausführen.

Vom Parinaud-Syndrom ist die Parinaud-Krankheit zu unterscheiden. Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit durch das Bakterium Francisella tularensis. Im Rahmen dieser Erkrankung kann sich das sogenannte okuloglanduläre Syndrom Parinaud einstellen. Damit ist eine Bindehautentzündung mit geschwollenen Lymphknoten unter dem Kiefer und vor dem Ohr gemeint. Dieses Phänomen tritt nicht nur im Rahmen der Parinaud-Krankheit, sondern auch im Kontext von Tuberkulose, Pilzinfektionen oder Syphilis auf.

Ursachen

Eine Schädigung der Hirnnerven ist die Ursache für eine vertikale Blicklähmung in Form des Parinaud-Syndroms. Genauer gesagt sind die Hirnnervenkerne beschädigt. Meist handelt es sich um Läsionen im Bereich des Mittelhirns, also des Hirnstamms zwischen Pons und Diencephalon. Vom Mittelhirn aus werden die meisten Augenmuskeln gesteuert. In der Regel liegt die ursächliche Läsion des Parinaud-Syndroms ventrokaudal der Vierhügelplatte.

Für Läsionen dieser Art ist am häufigsten ein Pinealistumor verantwortlich. Diese Tumore sind Geschwulste der Zirbeldrüse und kommen meist im Kindesalter vor. Auch ein Schlaganfall im Bereich des Mittelhirns kann Läsionen nahe der Vierhügelplatte hervorrufen. Neben diesen Ursachen kommen außerdem entzündliche Erkrankungen des Gehirns in Frage, so zum Beispiel eine Hirnentzündung oder Multiple Sklerose.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Parinaud-Syndrom ist vor allem durch eine Blicklähmung nach oben gekennzeichnet. Im Rahmen des Puppenkopfeffekts sind reflektorische Bewegungen in die gelähmte Richtung möglich. Die Pupillen der Patienten sind meist erweitert und zeigen keine Reflexe. Eine Naheinstellung ist nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich.

In der Regel sind die Pupillen lichtstarr, aber auch andere Pupillenstörungen können auftreten. Außerdem liegen Konvergenzstörungen der Bulbi vor. Zusätzlich kann sich Nystagmus einstellen, also ein unwillkürliches Zittern der Augen. Die parallele Augenbewegung muss beim Parinaud-Syndrom nicht zwingend eingeschränkt sein. Eine einheitliche Definition der Symptome lässt sich für das Parinaud-Syndrom nur schwer gegeben. Die Ursache der auslösenden Mittelhirnläsion für die tatsächlich auftretenden Symptome eine Rolle spielt. Bei einem Tumor an der Zirbeldrüse staut sich zum Beispiel Liquor auf und der Hirndruck steigt an.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Symptome werden von einem Neurologen einschlägig begutachtet und unter anderem durch Prüfungen der Augenmotorik eingeschätzt. Nach dieser ersten Begutachtung wird in der Regel ein bildgebendes Verfahren veranlasst. Dabei kann es sich entweder um ein CT oder ein MRT handeln. Hirndruckmessungen ergänzen die Bildgebung. Die Grunderkrankung hinter dem Parinaud-Syndrom muss bei der Diagnose aufgeklärt werden.

Entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems lassen sich durch eine Analyse des Liquors detektieren. Tumore wie der Pinealistumor treten im MRT relativ typisch in Erscheinung und sind dementsprechend leicht von entzündlichen Erkrankungen abzugrenzen. Außerdem finden sich für einige Tumortypen Tumormarker in der Hirnflüssigkeit. Die Prognose variiert beim Parinaud-Syndrom je nachdem, was die Läsionen im Mittelhirn ausgelöst hat.

Komplikationen

Durch das Parinaud-Syndrom leiden die Betroffenen an Sehbeschwerden. Der weitere Verlauf dieser Krankheit ist sehr stark von ihrer Ursache abhängig, sodass eine allgemeine Voraussage der Komplikationen ebenso nicht allgemein möglich ist. In vielen Fällen ist allerdings keine Behandlung mehr möglich, falls die Nerven irreversibel geschädigt wurden.

Die Patienten können dabei nicht mehr richtig in eine bestimmte Richtung sehen. Auch die Scharfstellung von nahen Objekten ist durch das Parinaud-Syndrom in der Regel nicht mehr möglich, sodass es zu deutlichen Einschränkungen im Alltag des Betroffenen kommt. In vielen Fällen kommt es durch das Parinaud-Syndrom auch zu einem deutlich erhöhten Druck im Gehirn. Durch diesen kommt es nicht selten zu starken Kopfschmerzen oder zu unangenehmen Druckgefühlen im Kopf und in den Ohren.

Die Behandlung des Parinaud-Syndroms richtet sich nach der Grunderkrankung, wobei es allerdings nicht in jedem Falle zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt. Ohne Behandlung kann es auch zu einer Entzündung der Hirnhaut kommen, die für den Betroffenen tödlich verlaufen kann. Eventuell wird durch das Parinaud-Syndrom auch die Lebenserwartung des Patienten verringert.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Parinaud-Syndroms richtet sich nach der ursächlichen Erkrankung. Ein Pinealistumor muss zum Beispiel operativ entfernt werden. Falls sich im Rahmen dieser Erkrankung Liquor aufgestaut wird, ist zuerst eine Regulierung des erhöhten Hirndrucks notwendig. Vor der Operation wird dazu Liquor abgelassen. Dieses Ziel erreicht der Arzt zum Beispiel im Rahmen einer endoskopischen Ventrikulozisternostomie, bei der der dritte Hirnventrikel am Boden geöffnet wird.

Danach führt der Arzt vor allem bei Karzinomen, Chorionkarzinomen und Teratomen bevorzugt eine mikrochirurgische Entfernung des Tumors durch. Das umliegende Gewebe muss bei diesem Eingriff so gut wie möglich geschont werden. Bei einem bösartigen Tumor muss darauf geachtet werden, dass Tumorzellen bei der Operation nicht in andere Gewebeteile vertragen werden. Beim Germinoma findet keine Operation, sondern eine primäre Bestrahlung statt.

Bei anderen bösartigen Tumoren werden der Kopf und die Wirbelsäule nach der mikrochirurgischen Entfernung des Tumors bestrahlt, um eine Metastasierung durch das Hirnwasser zu vermeiden. Bei entzündlichen Ursachen wird dem Patienten intravenös in der Regel Kortison gegeben. Falls Multiple Sklerose als Ursache vermutet wird, schließt sich an die Akut-Behandlung mit Kortison in der Regel eine Dauerbehandlung mit immunsuppressiven Medikamenten an.

Bei Gehirnhautentzündungen durch Bakterien wird in der Akut-Phase statt Kortison Antibiotikum verabreicht. Abhängig von den begleitenden Symptomen kann die Behandlung des Parinaud-Syndroms unter Umständen variieren.

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Vorbeugung

Gegen manche Hirnentzündungen durch Infektion sind Impfstoffe verfügbar. Schlaganfällen lässt sich durch eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und den Verzicht auf Zigaretten und Alkohol vorbeugen. Der multiplen Sklerose lässt sich dagegen nicht vorbeugen, da die Ursachen für diese Erkrankung bislang unklar sind. Auch Mittelhirntumore lassen sich kaum vorbeugen.

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Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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